Christian Friedrich Ludwig Heinrich Waagen (* 16. April 1750 in Göttingen;Sippschaftstafel der Alberti in zwei Teilen (2. Teil). In: Verbandsblatt der Familien Glafey, Hasenclever, Mentzel und Gerstmann sowie deren Seitenverwandten Jg. 18, Nr. 46, 1. Oktober 1927, nach Sp. 74 (PDF; 7,1 MB); Jelena Góra digital library. † 16. Mai 1825 in Neuweißstein bei Waldenburg in Schlesien;Todesanzeige in Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten Nr. 85, 28. Mai 1825 (Google Books). auch Christian Friedrich Ludwig Heinrich Waagen, Wagen oder Wage) war ein deutscher Porträt-, Historien- und Landschaftsmaler. Über seine Werke ist kaum etwas bekannt. Er hatte aber umfangreiche Kunstkenntnisse erworben, trug in Hamburg eine Gemäldesammlung zusammen und war mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit bekannt, befreundet oder verschwägert.

Leben

Göttingen mini|Göttingen, Altes Rathaus (um 1800). Aquarell von Johann Christian Eberlein Friedrich Ludwig Heinrich Waagen stammte laut Johann Heinrich Tischbein dem Älteren (1722–1789) aus Göttingen. Ab 1767 studierte Waagen in Göttingen Mathematik. Er wurde dort am 5. Mai 1767 immatrikuliert.

Am 18. Juni 1770 erschien sein von ihm angelegter und gezeichneter Entwurf zur Göttingischen Universitäts Bibliothek.WorldCat, der weltgrößte Bibliothekskatalog. Abgerufen am 10. Juli 2021. Erhalten blieb außerdem ein Stammbuch von Johann Thomas Ludwig Wehrs (1751–1811), in dem sich Waagen am 17. Oktober 1770 eintrug und darin auch eine Federzeichnung Allegorie der Wissenschaft hinterließ.Studentische Stammbücher der Lichtenbergzeit im Stadtarchiv Göttingen. (Stabu 17, Bl. 69v/70r.) Abgerufen am 10. Juli 2021. Waagen hatte 1770 auch Privatunterricht im Atelier von Johann Heinrich Tischbein dem Älteren und sich dabei in der Porträt- und Historienmalerei ausgebildet. Er soll ebenfalls Schüler von Ferdinand Kobell (1740–1799) gewesen sein, dabei das Fach Landschaftsmalerei gewählt und sich Nicolas Poussin (1594–1664) zum Vorbild genommen haben. Er soll auch ein begabter Figurenmaler gewesen sein.Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstlerlexicon oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, etc. Band 21: Vouillemont–Witsen. Fleischmann, München 1851, S. 28 ().

1778 erschien in Göttingen die erste Auflage der „Naturgeschichte für Kinder“ von Georg Christian Raff (1748–1788). Waagen zeichnete für dieses Werk zunächst elf, später insgesamt vierzehn Bildtafeln zu Pflanzen, Tieren und Mineralien, die vom Nürnberger Kupferstecher Johann Georg Sturm (1742–1793) gestochen wurden.Wolfgang Vetter: Sprechende Tiere und mechanische Unterhaltungen. Kinder- und Jugendbücher Göttinger Autoren. In: Elmar Mittler, Wolfgang Wangerin (Hrsg.): Nützliches Vergnü̧gen. Kinder- und Jugendbücher der Aufklärungszeit aus dem Bestand der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und der Vordemann-Sammlung. Ausstellungskatalog 2004, ISBN 3-930457-65-2, S. 163. (PDF; 5,8 MB.) Abgerufen am 6. Mai 2023

Kassel, Reise nach Italien und Aufenthalt in Rom mini|Erste Kasseler Kunstakademie im Schloss Bellevue. Gouache von Louis Kolitz Von 1778 bis 1779 studierte Waagen an der 1777 gegründeten Kasseler Kunstakademie, an der auch Johann Heinrich Tischbein der Ältere als Professor der Zeichenkunst und Malerei tätig war.H. Knackfuß: Geschichte der Königlichen Kunstakademie zu Kassel – aus den Akten der Akademie zusammengestellt. Kassel 1908, S. 16–18; . Im Anschluss daran reiste er von 1779 bis 1781 gemeinsam mit seinem Freund Johann Heinrich Wilhelm Tischbein der Jüngere (1751–1829) über Nürnberg nach Italien. Tischbein hatte für diese Reise ein Stipendium der Kunstakademie Kassel erhalten und schrieb darüber: „Mein Reisegefährte war Herr Waagen aus Göttingen, der in Kassel die Architektur und Malerei studiert hatte, sich nun aber in Rom der Malerei ganz widmen wollte. […] Mein Freund Waagen kopierte in der Galerie Corsina ‚Das Opfer Noahs nach der Sündflut‘ von Poussin. Die Arbeit war für seinen Wohltäter bestimmt und machte ihm daher doppelte Freude.“ Contumax GmbH & Co.KG. Abgerufen am 10. Juli 2021.

Um 1780 war Waagen in Rom, um dort seine Studien zu vertiefen. Dort freundete er sich auch mit dem Maler Friedrich Müller (1780–1825) an. Müllers Manuskript zu „Golo und Genovefa“ brachte Waagen anschließend mit nach Deutschland.Gotthold Ludwig Klee (Hrsg.): Tiecks Werke. Erster Band. Leben und Tod der heiligen Genoveva. Einleitung des Herausgebers. Projekt Gutenberg. Abgerufen am 10. Juli 2021.

Erneuter Aufenthalt in Göttingen mini|Göttingen (um 1810). Kolorierter Stich Nachdem Waagen aus Italien zurückgekehrt war, hielt er sich um 1785 erneut in Göttingen auf und war mit dem Mediziner Johann Heinrich Jäger (1752–1825), mit dem Mathematiker Henrich Julius Oppermann (1752–1811) und mit dessen Bruder Heinrich Oppermann († 1804) freundschaftlich verbunden. In dieser Zeit entstand auch die Kohlezeichnung, die August Bürger bei einer Lesung zeigt, sowie Waagens Ölgemälde, auf dem die Brüder Oppermann, der Mediziner Johann Heinrich Jäger und der Maler selbst dargestellt sind.Jens-Uwe Brinkmann: Poet und Bürgerschreck – Sammlungsbestände zu Leben und Werk Gottfried August Bürgers im Städtischen Museum Göttingen. In: Göttinger Jahrbuch, Band 52, Erich Goltze, Göttingen 2004 (gottfried-august-buerger-molmerswende.de; PDF; 1,4 MB) abgerufen am 10. Juli 2021.

Familie Am 6. Mai 1793 heiratete er die aus Hamburg stammende Johanna Louise Alberti (* 11. November 1765; † 26. Mai 1807),Vgl. Todesfälle in Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg Nr. 44, 3. Juni 1807 [unpag. S. 4] (Web-Ressource). eine Tochter des Hamburger Pastors Julius Gustav Alberti (1723–1772) und seiner Frau, Dorothea Charlotte Alberti (1733–1809), geb. Offeney. Zum Freundes- und Unterstützerkreis gehörten unter anderen auch Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) ebenso wie der junge Johann Heinrich Voß (1751–1826). In Hamburg wohnte Waagen als Kunstmaler zusammen mit seiner Frau im Haus Große Bleichen No. 375.Hamburgisches Adress-Buch auf das Jahr 1805, Personen- und Firmenverzeichnis: Vierter Abschnitt. B. Gelehrte, Kaufleute, Fabrikanten, Krämer, Gewerke. Alphabetteil, S. 291. Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Abgerufen am 10. Juli 2021. Das freundschaftliche Verhältnis zu Johann Heinrich Voß bestand dann auch zu Waagen und ist noch für das Jahr 1818 belegt.Gustav Friedrich Waagen: Kleine Schriften. Ebner & Seubert, Stuttgart 1875, S. 1–4; doi:10.11588/diglit.1384#0007. Abgerufen am 10. Juli 2021.

Drei Kinder des Ehepaars waren beim Tod des Friedrich Ludwig Heinrich Waagen noch am Leben: Seine Söhne Gustav Friedrich Waagen (1794–1868) und Carl Waagen (1800–1873) widmeten sich ebenfalls der bildenden Kunst; der älteste, Gustav, wurde ein bedeutender Kunsthistoriker, der jüngste wurde Maler. Der mittlere Sohn Wilhelm Martin Waagen (* 1795 in Hamburg, † 20. März 1877 in Leobschütz), wurde Offizier der preußischen Armee. In der von Carl Waagen in Vertretung der Geschwister gezeichneten Todesanzeige des Vaters wird er als Lieutenant und Adjutant der 2. Infanterie-Brigade bezeichnet; genannt ist auch seine Frau Adelheid Waagen, geb. Ruppel, und eine Enkelin Adele. Als Hauptmann a. D. wurde er verabschiedet und amtierte als Landrat von 1834 bis 1850 in Memel, von 1850 bis 1873 in Leobschütz,Landrat (Kreis/Landkreis Memel). In: Rolf Jehke: Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874 – 1945. Abgerufen am 19. Juni 2023. wurde im Januar 1871 erster Direktor der KreissparkasseAmts-Blatt der Königlichen Regierung zu Oppeln Nr. 3, 20. Januar 1871, Nr. 38, S. 12 (Web-Ressource). und hinterließ seinerseits eine Kunstsammlung.Vgl. die Annonce Kölner Auctionen. In: Allgemeine Zeitung Nr. 115, 25. April 1879, Beilage, S. 1688 (Web-Ressource). Einer seiner Söhne, Enkel des Friedrich Ludwig Heinrich Waagen, war der Bildhauer Max Arthur Waagen (1833–1898), der 1861 am Pariser Salon teilnahm,Salon de 1861. VIII, in: Le Temps Jg. 1, Nr. 96, 30. Juli 1861 (Web-Ressource). 1864 dort Marie Constance Villedier heirateteVgl. die bei FamilySearch ausgewertete Ehestands-Urkunde (Web-Ressource, nach Anmeldung entgeltfrei zugänglich). und 1873 eine Kunstschmiede in Berlin eröffnete.Anzeiger. In: Berliner Börsen-Zeitung Nr. 581, 12. Dezember 1873 (Abendblatt), S. 13 (Web-Ressource).

Hamburger Leben 1797 lernte Waagen Ludwig Tieck (1773–1853) kennen, als dieser sich in Hamburg aufhielt. Waagen übergab ihm bei dieser Gelegenheit Müllers Manuskript zu „Golo und Genovefa“. Ludwig Tieck heiratete 1798 Amalie Alberti (1769–1837), eine Schwester von Waagens Frau Johanna Louise, und wurde somit Waagens Schwager.

In Hamburg gab es zu dieser Zeit noch keine Kunstakademie und keine Galerie. Französische Emigranten brachten aber in der Zeit der Französischen Revolution auch viele Kunstschätze mit nach Hamburg. Waagens umfangreiche Kunstkenntnisse und sein Verhandlungsgeschick ermöglichten ihm, mit geringen finanziellen Mitteln eine umfangreiche private Gemäldesammlung von Werken italienischer, niederländischer und deutscher Maler zusammenzutragen, „die er dem Publicum an gewissen Tagen gegen Eintrittsgeld zeigte“.Hamburgisches Künstler-Lexikon. Band 1. Hoffmann und Campe, Hamburg 1854, S. 280. Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Abgerufen am 10. Juli 2021.

1800 und 1802 nahm er an der Preisaufgabe für bildende Künstler in Weimar teil. Waagen übersandte an Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) zwei Gemälde zur „Preisaufgabe fürs Jahr 1800“ und erläuterte in seinem dazugehörigen Schreiben vom 6. August 1800, er habe sich immer nur in beschränktem Umfang seiner Malerei widmen können. Am hiesigen Orte habe „man für Gegenstände höherer Kunst gar keinen Sinn“.Regestausgabe der Briefe an Goethe. Klassik Stiftung Weimar, Goethe- und Schillerarchiv; abgerufen am 10. Juli 2021.

Hamburg war weitgehend protestantisch und es gab auch keinen Fürstenhof wie in anderen deutschen Städten. Die protestantische Kirche hatte kein Interesse, Altarbilder in Auftrag zu geben, und auch die höfischen Auftraggeber für repräsentative Historienbilder fehlten.Hamburger Schule – Das 19. Jahrhundert neu entdeckt. Ausstellung vom 12. April 2019 bis 14. Juli 2019. Hamburger Kunsthalle. Abgerufen am 10. Juli 2021.

Für die Weimarer Kunstausstellung 1802 übersandte Waagen sechs seiner Bilder und hoffte auf einen Verkauf.Klassik Stiftung Weimar, Goethe- und Schillerarchiv. Regestausgabe der Briefe an Goethe. Abgerufen am 10. Juli 2021.

Im Winter 1804 kündigte Waagen die Gründung einer Zeichner- und Malerakademie an und zog im Laufe des Jahres in die ABCStraße No. 165 um.Hamburgisches Adress-Buch auf das Jahr 1807, Personen- und Firmenverzeichnis: Vierter Abschnitt. Gelehrte, Kaufleute, Fabrikanten, Krämer, Gewerke. Alphabetteil, S. 340. Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Abgerufen am 10. Juli 2021. Ab 1805 wurde seine Zeichner- und Malerakademie auch im Hamburger Adressbuch aufgeführt. So verschaffte er sich ein Auskommen als Lehrer im Zeichnen und Malen und konnte die Existenz seiner Familie sichern.