Bruck an der Mur ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand: ) im österreichischen Bundesland Steiermark (Gerichtsbezirk Bruck an der Mur). Bruck ist außerdem Sitz der Bezirkshauptmannschaft Bruck-Mürzzuschlag und die viertgrößte Stadt des Bundeslandes sowie ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.

Die Stadt liegt im mittleren Murtal zwischen Leoben und Kapfenberg an der Mündung der Mürz in die Mur. Östlich des Stadtzentrums ändert die Mur ihre Fließrichtung von Ost nach Süd. Das Stadtgebiet erstreckt sich auch in das Lamingtal. Im Norden ist sie mit der Nachbarstadt Kapfenberg zusammengewachsen. Bekannt sind vor allem das Kornmesserhaus (ein gut erhaltenes gotisches Bürgerhaus), der Eiserne Brunnen und der zweitgrößte innerstädtische Platz Österreichs. Es überwiegen Handel und Dienstleistungssektor, der Bahnhof Bruck an der Mur gehört zu den größten Eisenbahnknotenpunkten der Steiermark. Im Mittelalter war es die wichtigste Handelsstadt der Obersteiermark. Die Fußgängerzone von Bruck ist mit mediterranem Flair gestaltet. Bruck gehört mit Graz und Friesach zu den ältesten Städten in Österreich.

Am 1. Jänner 2015 wurde im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark die vormals eigenständige Marktgemeinde Oberaich eingemeindet.Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 28. November 2013 über die Vereinigung der Stadtgemeinde Bruck an der Mur und der Marktgemeinde Oberaich, beide politischer Bezirk Bruck-Mürzzuschlag. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 12. Dezember 2013. Nr. 164, 36. Stück. . S. 692–693.

In Bruck an der Mur befindet sich die Höhere Bundeslehranstalt für Forstwirtschaft, die erste und seit 2005 einzige Forstschule Österreichs, welche 2012 umfangreich erweitert wurde. Im Jahre 2006 fand in Bruck an der Mur die Steirische Landesausstellung mit dem Thema „Wege zur Gesundheit“ statt.

Geographie Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende 16 Ortschaften (Einwohner Stand ):

Die Gemeinde besteht seit 2015 aus zwölf Katastralgemeinden (Fläche Stand ):

Nachbargemeinden

Gemeindevereinigung Am 1. Jänner 1968 wurde die Gemeinde Picheldorf mit der Gemeinde Oberaich vereinigt, Oberaich war dann seit 1. September 1999 Marktgemeinde. Am 1. Jänner 2015 wurde Oberaich mit der Stadtgemeinde Bruck an der Mur vereinigt.

Der frühere Bürgermeister Hans Strassegger (2014–2017) strebte eine Fusion mit den Stadtgemeinden Kapfenberg und Leoben an, um ein Gegengewicht zur Landeshauptstadt Graz entstehen zu lassen.kleinezeitung.at – Ziel: Fusion mit Kapfenberg und Leobendiepresse.com – Neuer Brucker Bürgermeister strebt obersteirische Region an

Geologie Die Berge in der Umgebung von Bruck haben sich schon in sehr früher Zeit gebildet. Die „paläozoischen Meere“ überfluteten das vorzeitliche Land. Im Karbon ergriff eine Gebirgsbildung durch lebhaftes Falten die Alpen. Dann wogten die Meere der Trias, des Jura und der Kreidezeit über die Obersteiermark. In der Oberkreidezeit erfolgten wiederum Faltungen und Überschiebungen. Am Ausgang des Alt-Tertiärs kam es zur Verschiebung und Faltung des Untergrundes und Auflösung des Gebirgsstockes in kleinere Blöcke. Diese kleineren Blöcke entwässerten gegen Norden, darunter in die Mur und die Mürz. Der Abfluss der beiden Flüsse in der jetzigen Richtung erfolgte, als die Kalkalpen im Miozän aufstiegen.

Klima

Geschichte Vorzeit Schon ab der Steinzeit wurde das Mur-Mürztal, wie einschlägige Funde beweisen, von Menschen besiedelt. In der Drachenhöhle bei Mixnitz wurde das Lager eines Höhlenbärenjägers (Herdstätte) sowie Schaber und Spitzen aus rohem Quarzschiefer aus der Altsteinzeit untersucht. In Bruck selbst wurde am Pischkberg ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit gefunden. Nach 2000 v. Chr. wurde durch Händler aus dem Süden die Bronzebearbeitung in den inneralpinen Tälern eingeführt, was dort einen raschen Aufschwung des metallverarbeitenden Handwerks mit sich brachte. Der größte Teil des Warentransportes wurde über die Flüsse Mur und Mürz abgewickelt. Aus dieser Zeit konnten z. B. 1880 von Graf Gundakar Wurmbrand, dem damaligen Statthalter, im Stadtgebiet das mutmaßliche Warenlager eines Händlers aus der späten Bronzezeit, Fragmente von Sicheln, Lanzenspitzen, eines Tüllenbeils, ein Messer und zweier Tongefäße geborgen werden. Etwa 1000 v. Chr. wanderten die ersten norischen Stämme ins Mur- und Mürztal ein. Nach 300 v. Chr. beherrschten vorübergehend die aus dem Westen kommenden Kelten (Taurisker) das Land, diese gingen aber bald in der einheimischen Bevölkerung auf. Gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. schlossen sich diese – besonders in der Eisenverarbeitung versierten – Stämme zum ersten bekannten Staatsgebilde auf österreichischen Boden zusammen, das Königreich Norikum (regnum Noricum), das bald sehr enge wirtschaftliche und politische Beziehungen zum aufstrebenden römischen Reich knüpfte.Werner Strahalm: 1987, S. 9

Antike mini|Grabmal des Iunianus, eingemauert in der Kirche von St. Dionysen in Oberaich mini|Weihealtar für Jupiter Depulsor in der Raika-Filiale Bruck/Mur mini|Jagdszene auf einem römischen Grabreflief an der Nordwand der Kirche von St. Ruprecht mini|Murufer beim Tennisplatz, der mutmaßliche Standort der römischen Brücke Ab 15 v. Chr. besetzten die Römer unter Kaiser Augustus weitgehend kampflos die östlichen Alpenregionen und integrierten dabei auch das regnum Noricum als neue Provinz Norikum in ihr Reich. Um das neu eroberte Gebiet besser zu erschließen, wurden u. a. eine ganzjährig benützbare Heeresstraße angelegt, die die südlichen Provinzen des Römischen Reiches mit dem rohstoffreichen Norden, aber auch die alte adriatische Handelsmetropole Aquileia mit Siedlungen im inneren Norikums wie z. B. Flavia Solva/Wagna bei Leibnitz verbinden sollte. Diese Römerstraße (Münzfunde in Zlatten) erreichte im Bereich der Heiligen-Geist-Kirche das Stadtgebiet des heutigen Bruck. Sie verlief über die Postwiese in der Brucker Heiligengeistvorstadt, querte wahrscheinlich bei St. Ruprecht, die Mur und setzte sich dann auf dem linken Flussufer über Oberdorf nach Sankt Dionysen (Römerbrücke (Oberdorf)), Donawitz bis in das obere Murtal und zu den Eisenlagerstätten am Erzberg fort. Bei St. Michael traf sie auf die norische Hauptstraße die über die Tauern zur Donau führte. Sie blieb bis in das 17. Jahrhundert unserer Zeitrechnung eine der Hauptverkehrsadern des Murtales. Die Brücke dürfte sich im Bereich der heutigen Tennisplätze auf der Murinsel befunden haben. Dort beobachtete man Mauerstrukturen die vermutlich zu einem Brückenlager gehörten. Sie muss in der – damals nur dünn besiedelten Gegend – ein markantes Bauwerk gewesen sein, an dem sich die Durchreisenden orientieren konnten. Im Ortsteil Picheldorf stieß man ebenfalls auf die Reste einer römischen Murbrücke. Eine Römerstraße zweiter Ordnung zweigte ins Mürztal ab und führte über den Semmeringpass zu den Siedlungen im Alpenvorland und in weiterer Folge zu den Kastellen und großen Städten am oberen Donaulimes.Ferdinand Tremel 1955, S. 78.

Vermutlich an der Mündung der Mürz in die Mur (Murius) entwickelte sich im Laufe dieser Zeit eine keltoromanische Siedlung, der vicus Poedicum. Er wird auch in einer der geographischen Hauptquellen für die römische Antike, der Geographike Hyphegesis des Claudius Ptolemäus (Poidikon), erwähnt. Auf Grund seiner günstigen Lage muss er bald eine größere regionale Bedeutung als Murübergang, Verkehrsknotenpunkt – eventuell auch als Etappe des Cursus publicus – erreicht haben. Sein Zentrum befand sich wohl südlich der Mur, im Bereich zwischen der heutigen Postwiese und der Kirche St. Ruprecht. An der Postwiese stieß man auf einige römerzeitliche Reste, das Mauerwerk einer Heizanlage, eine einfache Brandbestattung und zwei Bronzemünzen aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Am rechten Murkai, im Garten des Hauses Leobner Straße 22, wurden ebenfalls antike Hausreste mit Heizanlagen und ein Brandgrab beobachtet. An Funden konnten dort eine kreuzförmige Armbrustfibel aus dem 3. bis 4. Jahrhundert, zwei römische Bronzemünzen aus dem 3. Jahrhundert und diverse Gerätschaften geborgen werden. An der Wiener Straße stieß man bei Bauarbeiten in der Fabriksgasse, nahe der Papierfabrik Norske Skog, auf ein römerzeitliches Grab. Vermutlich bestand die Siedlung zum größten Teil aus den in dieser Region üblichen Holzständerbauten (Grubenhäuser?), aber sicher auch ein paar massiveren und besser ausgestatteten Steingebäuden nach römischem Vorbild.Richard Antauer 1951, S. 20.

Die Anwesenheit der Römer wird aber vor allem durch eine Anzahl ihrer Grab- und Meilensteine (einige wurden in den Kirchen von St. Dionysen in Oberaich und St. Ruprecht eingemauert), die in der näheren Umgebung von Bruck geborgen werden konnten, bezeugt. Auch die Namen von einigen (mutmaßlichen) Bewohnern Poedicums sind durch die darauf befindlichen Inschriften überliefert worden. Im Kassenraum der Raiffeisenfiliale Roseggergasse ist ein – dem obersten römischen Staatsgott Jupiter Depulsor gewidmeter – Weihealtar aus der Zeit um 234 aufgestellt. Er wurde beim Bau der Eisenbahnbrücke, im Jahre 1842, bei Pischk/Kaltbach geborgen."Inschrift: , I(ovii) O(ptimus) M(aximo) DELULSORI C(aius) IVLIVS PROBVS M (iles) L(egiones) X G(em) SEV(erianae) V(otum) S(olvis) L(ibens) L(aetus) M(erito) MAXIMO II (et) AGRICOLAE (c)O(n)S(ulibus) Übersetzung nach S. Riedelsperger: Jupiter dem besten und größten Abwehrer von Gefahren, Caius Julius Probus, Soldat der Legio X Severiana, löste sein Gelübde gerne, freudig und zu Recht ein, (geschehen) als Maximus secundus und Agricola Konsuln waren.Weber: Inschr. 11; Illpron 1310; Pochmarski, Sch.v.St. 20, 2007, 271 Nr. 15 Die Inschrift nennt als Stifter den römischen Soldaten (miles legionis) Caius Julius Probus, einen Angehörigen der Legio X Gemina, stationiert im Legionslager von Vindobona, der hier wohl als Straßenwächter einer Beneficiarstation zur Sicherung und Kontrolle des Verkehrs auf der Fernstraße eingesetzt war. In der Südmauer der Kirche St. Dionysen ist das Grabportrait des Iunianus und seiner Familie eingemauert.; Weber, Inschr. Nr. 15; Illpron 1330; CSIR Flavia Solva (Porträtmedaillons und Porträtnischen) 2011, Nr. 76. Über dem Eingangsportal des Pfarrhofes der Kirche ist die Grabinschrift (Datierung: 100–200) eines Caius Sabinius Primigenius und rechts des Portals die des Caius Atilius Emeritus, Decurio municipii (Magistrat/Stadtrat) der binnennorischen Stadt Teurnia aus der Zeit zwischen 100 und 170, zu sehen. Zwecks Deutung dieser Inschrift reiste im 19. Jahrhundert sogar der Doyen der deutschen Altertumsforschung, Theodor Mommsen, eigens nach Bruck. und ; Weber, Inschr. Nr. 13; Illpron 1329 und Nr. 14; Illpron 1328; Wedenig, Epigraph. Quellen zur städt. Administration in Noricum 1997, 240 Nr. T 7

Unter Kaiser Diokletian wurde Noricum entlang des Alpenbogens in zwei neue Provinzen, Ufernoricum (Noricum Ripense) und Binnennoricum (Noricum Mediterraneum), aufgeteilt. Poedicum lag nun in Ufernoricum. Ab der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts setzte die Völkerwanderung ein. Als Folge davon löste sich zwischen 400 und 410 die römische Verwaltungs- und Militärorganisation in Ufernorikum auf. Die massiven politischen und militärischen Umwälzungen dieser Zeitperiode führten schließlich zum Untergang des weströmischen Reiches. Einer seiner Nachfolgerstaaten, das Ostgotenreich in Italien unter Odoaker, deportierte 488 den Großteil der romanischen Bevölkerung Ufernoricums in den Süden und gab die Provinz damit faktisch auf. Nur Binnennoricum verblieb noch bis in das 7. Jahrhundert unter der Herrschaft der Ostgoten.Werner Strahalm: Bruck An Der Mur, 1987, S. 10–11.

Stadtgeschichte

Mittelalter bis Neuzeit 7. bis 9. Jahrhundert