Die Rhone [] (französisch grammatisch männlich le Rhône [ləˈʁoːn], provenzalisch lo(u) Rose [lu rɔze], deutsch im obersten Teilstück der Rotten, ) ist ein Fluss von etwa 807 km Länge, davon 264 km in der Schweiz und 543 km in Frankreich. Sie mündet 50 km westlich von Marseille in das Mittelmeer.
Sie ist dank der Zuflüsse aus Saône, Isère und Durance sowie vieler kleinerer Nebenflüsse der wasserreichste Strom Frankreichs. Nach dem Fluss sind die französischen Départements Rhône und Bouches-du-Rhône (deutsch: Mündungen der Rhone) benannt.
Die Rhone entspringt im schweizerischen Kanton Wallis am Ende des Rhonegletschers aus einem in jüngster Zeit entstandenen Gletscherrandsee. Im Wallis fließt sie durch ein großes Tal der Westalpen und überquert dabei in der Gegend von Leuk und Siders die Sprachgrenze vom deutschen Sprachraum zum französischen; dort ändert sich ihr umgangssprachlicher Name, der im Oberwallis „Rottu“ und vom Unterwallis an „Rhone“ lautet.
Am Rand der savoyischen Voralpen erreicht die Rhone im Chablais als Grenzfluss zwischen den Kantonen Wallis und Waadt den Genfersee. Bei Genf verlässt sie den See und erreicht bei Challex, Chancy und Pougny als Grenzfluss zwischen der Schweiz und Frankreich das Gebiet des Juragebirges. Dieses durchquert sie in einem engen Durchbruchstal bei Léaz und Bellegarde-sur-Valserine. Danach strömt sie durch den Großraum von Lyon und das französische Rhônetal, wobei ihre Wasserkraft in zahlreichen Kraftwerken genutzt wird. Südlich von Arles mündet sie in einem Delta im Nationalpark Camargue ins Mittelmeer.
Name Der lateinische Name (woher griechisch Rhodanós) geht auf das Keltische zurück, doch ist die ursprüngliche Bedeutung unbekannt.Albert Greule: Deutsches Gewässernamenbuch. Etymologie der Gewässernamen und der dazugehörigen Gebiets-, Siedlungs- und Flurnamen. De Gruyter, Berlin/Boston 2014, S. 449. Sowohl französisch Rhone als auch deutsch Rotten sind die lautgesetzlichen Weiterentwicklungen von lateinisch Rhodanus: Der französische Name weist intervokalischen Schwund von /d/ und in der Folge Zusammenzug der ersten beiden Silben auf, wogegen der deutsche Name durch die zweite Lautverschiebung von /d/ zu /t/ verschobenen Dental zeigt.
Weitere sprachliche Varianten sind arpitanisch Rôno und okzitanisch Ròse. Der deutsche ursprüngliche Name „der Rotten“ ist nur noch im Oberwallis offiziell in Gebrauch. Auf Walliserdeutsch heißt der Fluss Rottu.
In allen Anrainersprachen einschließlich des Walliserdeutschen ist der Flussname maskulin. Das feminine Genus kennt einzig die (standard-)deutsche Namensvariante.
Flusslauf Alpen Die Rhone entspringt im schweizerischen Kanton Wallis dem Rhonegletscher, der in einem Hochgebirgstal zwischen dem Dammastock, dem Eggstock und dem Tieralplistock liegt. Über diese Bergkette in den Zentralalpen verläuft die kontinentale Hauptwasserscheide Atlantik-Mittelmeer. Im Norden ist das Firngebiet des Rhonegletschers mit dem Triftgletscher verbunden, der zur Aare im Berner Oberland entwässert.
Vom Eggstock an hat der Rhonegletscher eine Länge von acht Kilometern. Westlich des Chli Furkahorn ist in den letzten Jahrzehnten wegen des sehr raschen Rückzugs des Gletschers in der Nähe der Furka-Passstrasse über einer Felsrippe ein Gletschersee entstanden, der inzwischen bereits einen Durchmesser von fast einem halben Kilometer hat. Seine Oberfläche liegt auf 2208 m ü. M. In diesem noch namenlosen Bergsee sammeln sich das Schmelzwasser des Gletschers und das Regenwasser aus der Umgebung. Der Ausfluss des Sees bildet den Anfang des Rhonelaufs. Als starker Wildbach stürzt die Rhone zunächst fast 500 Meter über einen steilen Felsabbruch, der vor einem halben Jahrhundert noch teilweise von der Gletscherzunge bedeckt war. Der Fluss durchquert dann die Schwemmebene des Gletschbode und erreicht den Ort Gletsch auf Westlich des Bahnhofs Gletsch, den früher der Glacier-Express der Furka-Oberalp-Bahn passierte und heute die Züge der Dampfbahn Furka-Bergstrecke durchqueren, fließt die Rhone in eine tiefe, steile Schlucht, die zwei Kilometer in südlicher Richtung verläuft und bei der Ebene Sand den Talboden des Obergoms erreicht. Bei Oberwald mündet die Goneri als erster großer Nebenfluss von links in die Rhone. Der Talgrund liegt bei Oberwald auf
Von Oberwald fließt die Rhone durch das Walliser Rhonetal, im oberen Abschnitt, dem Goms, südwestwärts und unterschreitet am Südrand von Fiesch die 1000-Meter-Höhe. Von Visp () bis Martigny () fließt sie 72 Kilometer weit überwiegend westwärts. Der Kanton Wallis, der im Wesentlichen aus dem Rhonetal und seinen Seitentälern besteht, liegt zwischen der europäischen Hauptwasserscheide im Norden und dem Alpenhauptkamm im Süden. Dort erheben sich die höchsten Gipfel der Schweizer Alpen.
Bei Martigny macht die Rhone um den Felsvorsprung von Les Follatères am Fuß des Dent-de-Morcles-Massivs einen markanten, ungefähr rechtwinkligen Bogen – genannt das „Rhoneknie“ – und fließt dann 37 Kilometer weit in Richtung Nordnordwesten. Zunächst liegt sie in einem engen Durchbruchstal, dann fließt sie über die Ebene um Monthey und Aigle, und bei Le Bouveret mündet die Rhone in den Genfersee. Am Rand ihres ausgedehnten Flussdeltas liegt das Naturschutzgebiet Les Grangettes.
Für den Durchfluss durch den Genfersee benötigt das Wasser des Flusses durchschnittlich 11,4 Jahre.
Im Kanton Genf Die Rhone verlässt den Genfersee in der Stadt Genf, die ihren geschichtlichen Ursprung auf einem Moränenhügel links des Flusses und bei der Flussbrücke am Seeende hat. In der Stadtsiedlung führen acht Brücken über den Fluss.
Bei Genf mündet die aus den Savoyischen Voralpen kommende, 108 Kilometer lange Arve von links in die Rhone. Sie durchquert in einem engen Tal die Naturlandschaft mit Waldgebieten und Flussauen, die im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung verzeichnet ist.
Bei Chancy verlässt die Rhone das schweizerische Staatsgebiet. Chancy ist die am weitesten westlich gelegene Gemeinde der Schweiz. Zwischen Pougny (Ain) und Les Baraques bildet der Fluss über eine Strecke von etwa neun Kilometern die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz.https://www.openstreetmap.org/?mlat=43.338037&mlon=4.825657&zoom=12#map=14/46.1666/5.9898
Jura Südwestlich von Genf erreicht die Rhone das Juragebirge. Der Durchbruch durch dieses Bergmassiv beginnt mit dem engen Défilé de l’Écluse zwischen Collonges und Bellegarde-sur-Valserine und erstreckt sich danach etwa 60 Kilometer weit in südlicher Richtung. Die ehemalige Versickerungsstrecke Pertes du Rhône ist durch den Bau der Talsperre Génissiat seit 1948 überflutet. Der Fluss liegt vorwiegend in Längstälern der Jurafalten und wechselt bei Lücken oder Durchbrüchen in den Höhenrücken von einem Tal ins andere. Im östlichsten dieser Täler liegt südlich der Rhone der Alpenrandsee Lac du Bourget; er ist vom Fluss durch die Verlandungszone des Marais de Chautagne getrennt. Bei Saint-Genix-sur-Guiers hat die Rhone den Jura durchquert, weicht dann aber vor den Höhen des Juravorlandes nach Norden aus, sodass sie erst nach Lagnieu das breite tektonische Tal erreicht, zu dem auch die Burgundische Pforte und der Oberrheingraben gehören. Am Ostrand dieses Tales mündet von rechts der aus dem Jura kommende Fluss Ain in die Rhone. Westlich davon erreicht ebenfalls von Norden die Saône den Strom.
mini|hochkant=2.5|zentriert|Gefälle der Rhone in Frankreich
Französisches Rhonetal An der Mündung der Saône liegt Lyon, die größte Stadt an der Rhone. Von Lyon aus fließt die Rhone in südlicher Richtung zum Mittelmeer. Im breiten französischen Rhonetal liegen die Weinbaugebiete der Côtes du Rhône bis Montélimar und des Departements Bouches-du-Rhône bis Avignon zwischen den Voralpen der Westalpen und den Cevennen.
Bei Tarascon tritt die Rhone in die Mittelmeerebene ein, die jedoch wenige Kilometer östlich des Flusses durch die Alpilles begrenzt wird.
Rhonedelta Nordöstlich von Fourques, wo das Mündungsdelta der Rhone beginnt, verlässt der Seitenarm Petit Rhone („Kleine Rhone“) das Flussbett auf der rechten Seite. Dieser alte Flussarm liegt zuerst mehrheitlich am westlichen Rand der Rhoneebene und der Camargue und durchquert schließlich dieses Naturreservat. Er bildet die Grenze zwischen den Departementen Gard und Bouches-du-Rhône. An der Stadt Saint-Gilles, einem alten Pilgerort, vorbei fließt er mäandrierend gegen Süden und mündet westlich des Wallfahrtsortes Saintes-Maries-de-la-Mer in das Mittelmeer.
Südlich von Saint-Gilles zweigt von der Petit-Rhône der Canal du Rhône à Sète ab, der für die Schifffahrt eine Verbindung westlich des Flussdeltas zu den Industriegebieten in der Nähe von Montpellier bietet. mini|Mündung des Grand Rhône, des östlichen Arms des Deltas; östlich davon der Golfe de Fos mit Häfen und Industrie um Fos-sur-Mer Von Fourques aus fließt die „Große Rhone“ (Grand Rhone) nach Arles und von dort weiter südostwärts am Ostrand der Camargue vorbei. Diese weite Ebene ist eine für ihre Tierwelt bekannte feuchte, aber wegen der Salzgewinnung in großen Lagunen von Versalzung bedrohte Region, im Süden durch Lagunen begrenzt, deren größte der Étang de Vaccarès ist. Kurz vor der Mündung passiert die Große Rhone die Ortschaft Port-Saint-Louis. Östlich davon liegt die Meeresbucht des Golfe du Fos, der von Hafen- und Industrieanlagen gesäumt ist. Hier befinden sich die weitläufigen Anlagen des Meereshafens von Marseille Marseille Europort.
Am Nordufer der Bucht liegt die Stadt Fos-sur-Mer. Einige Hügel in der Umgebung sind bis zu fünfzig Meter hoch. Jenseits des möglicherweise schon im Altertum gegrabenen Canal de Caronte beginnt die Gebirgsküste der Côte d’Azur.
Städte an der Rhone Eine Auswahl an größeren oder anderweitig bekannten Städten an der Rhone (Reihenfolge flussabwärts): Name Einwohner (Gemeinde) Einwohner (Großraum) Meereshöhe Anmerkung Brig-Glis 13.088 691 m Ausgangspunkt des Simplonpasses und Kreuzungspunkt der Lötschbergachse mit dem Schweizer Rhonetal. Sitten 33.532 515 m Hauptort des Kantons Wallis Martigny 17.651 471 m Ausgangspunkt des Col de la Forclaz an die Arve mit Chamonix am Westfuß des Montblanc und des Grossen Sankt-Bernhard ins Aostatal Lausanne 133.521 am Nordufer des Genfersees, Hauptstadt des Waadtlandes Genf 201.164 bekannt als Sitz vieler internationaler Organisationen Seyssel 2.276+ 965 Seyssel (Haute-Savoie) am linken undSeyssel (Ain) am rechten Rhoneufer Lyon 518.635 2.237.676 größte Stadt an der Rhone Vienne 29.589 111.606 Valence 64.726 175.636 Montélimar 39.415 74.692 56 – 213 m „Hauptstadt des Nougat“ Orange 28.922 27.279 24 – 127 m römisch u. a. „Stadtgründungsbogen“ und Theater; historische Bezüge u. a. Niederlage der Römer bei Arausio 105 v. Chr. und Wilhelm von Nassau-Oranien im Niederländischen Unabhängigkeitskampf. Châteauneuf-du-Pape 2.062 20 – 130 m ehemalige päpstliche Sommerresidenz; bekanntes Weinbaugebiet Avignon 91.729 518.981 10 – 122 m 1309–1377 Sitz der Päpste; Ruine der Brücke Pont Saint-Bénézet, Rocher des Doms unmittelbar am Flussufer Beaucaire 15.718 1 – 156 m Tarascon 15.195 2 – 200 m Drachengeschichte Arles 52.566 51.031 0 – 57 m römisch u. a. Theater, Forum und Arena (Amphitheater); eine Wirkungsstätte von Vincent van Gogh Port-Saint-Louis 8.423 0 – 3 m Mündung des Grand-Rhône ins Meer
Flusssystem Rhone Die Rhone hat zahlreiche Nebenflüsse. Direkte Zuflüsse mit einer Länge von mehr als 100 Kilometern in der Reihenfolge ihrer Länge:
Die Saône hat bei ihrer Mündung in die Rhone in Lyon bereits eine längere Strecke als diese hinter sich gebracht. Die Flussstrecke aus Saône und unterer Rhone ist mit 860 km länger als der Lauf der Rhone selber mit 812 km. Der längste Flussweg im Flusssystem Rhone aus Rhone–Saône–Doubs–Cébriot misst sogar 1031 km. mini|zentriert|hochkant=3|Einzugsgebiet der Rhone mit Benennung der meisten Gewässer über 36 km LängeDiese Karte in 20-%-Projektion – 749 × 1114 px