Die Chilenische Waldkatze (Leopardus guigna, Synonym Oncifelis guigna), auch Kodkod, Guiña oder Nachtkatze genannt, ist die kleinste südamerikanische Wildkatze innerhalb der Familie der Katzen (Felidae). Sie ist im Südwesten Südamerikas beheimatet und hat im Vergleich zu anderen amerikanischen Katzenarten ein sehr kleines Verbreitungsgebiet. In der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN wird sie als gefährdet eingeordnet, da die gesamte Population auf weniger als 10.000 erwachsene Individuen geschätzt wird, bei einem abnehmenden Populationstrend. Vor allem der Lebensraumverlust und die Fragmentierung der Lebensräume stellen eine Bedrohung für die Art dar.

Merkmale Allgemeine Merkmale Die Chilenische Waldkatze ist – neben der afrikanischen Schwarzfußkatze – eine der kleinsten aller wildlebenden Katzenarten und zugleich die kleinste Katzenart Südamerikas; sie entspricht in ihrer Größe einer kleinen Hauskatze. Sie hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 39 bis 50 Zentimetern. Die Männchen sind mit 1,7 bis 3,0 Kilogramm etwas schwerer als die Weibchen, die ein Gewicht von 1,3 bis 2,1 Kilogramm haben. Die Schwanzlänge beträgt 19,5 bis 25,0 Zentimeter.

mini|Melanistische Form der Chilenischen Waldkatze Das Fell ist grau-braun, beigefarben, rötlich-braun oder dunkel rötlich-braun und mit kleinen schwarzen Punkten und Flecken bedeckt, die im Bereich des Gesichts und Nackens auch streifenartig mit Unterbrechungen sein können. Das Gesicht ist durch einen schwarzen seitlichen Rostralstreifen an der Schnauze, eine weiße Linie oberhalb der Augen (Supraorbitallinie), eine unterbrochene schwarze Frontallinie auf der Stirn und zwei schwarze Seitenlinien gekennzeichnet, die bis unterhalb des Ohrs verlaufen; ein weniger ausgedehnter dritter Streifen verläuft etwa parallel und zwischen dem oberen und unteren Seitenstreifen. Augenbrauenlinien und dunkle Bänder verlaufen von der Seite der Nase bis zur medialen Basis der Ohren, sind aber rudimentär und unauffällig. Die Oberseite des Kopfes ist gesprenkelt und leicht schwärzlich. Die Nase ist tiefschwarz und die Augen sind braun. Die Rückseite der tief ansetzenden Ohren ist schwarz mit einem auffälligen weißen Fleck. Der Nacken ist durch eine undeutliche schwarze Mittellinie und zwei Paare klar definierter schwarzer Seitenlinien gekennzeichnet. Eine dritte, weniger ausgeprägte Seitenlinie verläuft von der seitlichen Basis jedes Ohrs. Schmale schwarze Mittellinien verlaufen diskontinuierlich bis zur Höhe des Rumpfes, gehen aber auf den Schultern und Flanken in Rosetten mit dunklen, violetten Zentren über.

Die Pfoten sind breit, der Schwanz ist etwa 20 bis 25 Zentimeter lang sowie dick und buschig; er ist durch mehrere schmale schwarze Ringe gezeichnet.

Rein melanistische Tiere (Schwärzlinge) kommen bei dieser Art häufig vor, vor allem in höheren Berglagen. Auf Chiloé und dem Chonos-Archipel ist die schwarze Form die Hauptform.

Merkmale des Schädels mini|Schädel der Chilenischen Waldkatze

Der Schädel der Chilenischen Waldkatze ist klein und abgerundet. Er besitzt keine prominenten Grate und Kämme mit Ausnahme des nur gering entwickelten Lambdakamms. Das Gesicht ist kurz, das Rostrum ist schmal und das Profil verläuft in einer kaum konvexen Linie zum Scheitel. Die Augenhöhlen sind im Vergleich zur Größe des Schädels eher klein, die Postorbitalfortsätze sind ebenfalls klein und zart. Das relativ kleine Verhältnis zwischen Kiefer- und Schädellänge weist auf einen verlängerten Bereich des Schädels hinter den Augen (postorbital) hin. Die Gehirnform ist relativ länglich, die Vermessung der Schädel eines Männchens und eines Weibchens ergab ein durchschnittliches endokraniales Hirnvolumen von 28,5 Milliliter. Die Bullae sind hoch und relativ stark vergrößert.

Das Gebiss der Art entspricht dem typischen Katzengebiss. Es enthält pro Oberkieferhälfte drei Schneidezähne (Incisivi), einen Eckzahn (Caninus), drei Vorbackenzähne (Praemolares) sowie einen Backenzahn (Molaris) und pro Unterkieferhälfte drei Schneidezähne, einen Eckzahn, zwei Vorbackenzähne und einen Backenzahn. Insgesamt besitzen die Tiere somit 30 Zähne. Der obere und untere Eckzahnkamm ist typischerweise nicht vorhanden, der obere Eckzahnkamm war in einer Stichprobe von 45 Schädeln nur bei zwei Schädeln vorhanden und der untere Eckzahnkamm nur bei einem. Der linguale Kamm des dritten oberen Prämolars fehlte durchweg.

Unterschiede zu verwandten Arten Im Vergleich mit der nahe verwandten und teilweise überlappend vorkommenden Kleinfleckkatze (Leopardus geoffroyi) kann die Chilenische Waldkatze durch das Verhältnis der Kopf-Rumpf-Länge und der des Kopfes, durch die Fellzeichnung und -farbe sowie den Schwanz unterschieden werden. Sie ist insgesamt kleiner und leichter als die Kleinfleckkatze, die mehr als das doppelte Gewicht haben kann; allerdings sind die Vertreter der Unterart L. geoffroyi salinarum ebenfalls sehr klein und vor allem sehr schlank gebaut. Sie hat zudem ein deutlich schmaleres und kürzeres Gesicht, die Schädellänge ausgewachsener Tiere ist entsprechend in der Regel kürzer (790 bis 861 Millimeter gegenüber 900 bis 1,165 Millimeter). Die Fellfarbe der Kleinfleckkatze ist rauchgrau und nicht bräunlich wie bei der Chilenischen Waldkatze. Die Flecken auf Kopf, Hals und Schultern der Kleinfleckkatze bilden deutliche Streifen, die nicht wie bei der Chilenischen Waldkatze unterbrochen sein können. Der dicke und buschige Schwanz der Chilenischen Waldkatze ist kürzer als der weniger buschig ausgebildete Schwanz der Kleinfleckkatze. Von allen anderen südamerikanischen Katzenarten unterscheidet sich die Chilenische Waldkatze vor allem durch ihre geringere Größe.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet Die chilenische Waldkatze hat im Vergleich zu anderen Katzenarten Amerikas ein sehr kleines Verbreitungsgebiet, die Größe wird auf maximal 300.000 Quadratkilometer eingegrenzt. Sie lebt in den gemäßigten valdivianischen Regenwaldregionen und im Matorral in Zentral- und Südchile sowie im angrenzenden Teil Argentiniens und den Inseln vor der chilenischen Küste, beispielsweise Chiloé. Dabei reicht das Gebiet von 30° bis 48° südlicher Breite bis in Höhen von etwa 2500 Metern. Die Unterart Leopardis g. tigrillo kommt dabei von Coquimbo bis zur Región del Biobío vor, südlich davon grenzt das Verbreitungsgebiet von Leopardus g. guigna an und schließt auch den argentinischen Teil und die Inselpopulation von Chiloé ein. Aufgrund fehlender Feinde ist die Art auf Chiloé besonders häufig. Die patagonischen Eisfelder verhindern die Ausbreitung nach Osten. Sie verlaufen parallel zur Pazifikküste und umfassen ein unwirtliches Gebiet von etwa 17.000 Quadratkilometern.

In ihrer Heimat kommt die Katze in Höhen bis zur Baumgrenze in 1900 bis 2500 Metern vor. Dabei ist sie sehr eng an die feuchten Mischwälder der südlichen Anden sowie der Küstenregionen gebunden, vor allem an die immergrünen gemäßigten Regenwälder mit einem starken Gräserbewuchs im Unterholz. Auch der Lebensraum in Argentinien zeichnet sich entsprechend durch Mischwälder mit starkem Unterbewuchs, Epiphyten und Lianen aus. Neben diesen Gebieten kann die Chilenische Waldkatze auch wesentlich seltener in den laubwerfenden Regenwaldgebieten vorkommen, außerdem im feuchten Buschland und in Nadelgehölzwäldern. Aus dem benannten Buschland ist bislang nur ein einziges Exemplar aus dem Gebiet von Valparaíso beschrieben. Dieses Exemplar war auffällig heller als die Verwandten in den Regenwäldern, weshalb es als eigene Unterart mit dem Namen O.g. molinae beschrieben wurde, die jedoch nicht anerkannt ist.

In Teilen ihres Verbreitungsgebiets lebt sie gemeinsam, sympatrisch, mit der Kleinfleckkatze. Das Verbreitungsgebiet der Chilenischen Waldkatze ist dabei durch ihre starke Bindung an die gemäßigten Regenwälder und die südlichen Buchenwälder Chiles und Argentiniens eingeschränkter. Gegenüber Veränderungen und Besiedlungen ist die Chilenische Waldkatze ziemlich unempfindlich und sie lebt auch in der Umgebung von Ortschaften oder kultivierten Agrarflächen. Die Umgebung von Valparaíso etwa, wo die Katze heute noch heimisch ist, ist bereits seit über 1.000 Jahren dauerhaft besiedelt und wurde vor etwa 150 Jahren mit Ausnahme weniger Waldinseln vollständig gerodet.

Lebensweise mini|Chilenische Waldkatze Über die Lebensweise der Chilenischen Waldkatze ist nicht allzu viel bekannt. Sie kann gut klettern und nützt Bäume und Äste zur Fortbewegung als Wege durch die Wälder. Auch ihre Verstecke befinden sich häufig in Bäumen und sie ruht in der Regel tagsüber im dichten Geäst nahe von Flüssen. Sie kann sowohl tagsüber wie nachts aktiv sein, in freier Wildbahn ist sie wahrscheinlich vor allem nachtaktiv. Bei Beobachtungen im Zoo wurde dagegen allerdings eine Hauptaktivität am Tage festgestellt.

Über das Sozialverhalten sind keine genaueren Angaben gesichert. Gerüchte über ein stark ausgeprägtes Sozialverhalten bis hin zur Bildung von Rudeln sind bislang nicht zu bestätigen. Die einzelnen Tiere nutzen Gebiete mit Größen um 150 bis 400 Hektar, wobei die Größe regional stark variieren kann. Bei Männchen auf Chiloé wurden in fragmentierten Gebieten Reviergrößen von fast 360 Hektar bei männlichen Tieren und 126 Hektar bei Weibchen festgestellt. In unfragmentierten Lebensräumen war die Größe der Reviere mit etwa 180 Hektar deutlich kleiner. Im Nationalpark Laguna San Rafael lag die durchschnittliche Reviergröße geschlechtsunabhängig bei etwa 150 Hektar. Die Reviere von Tieren gleichen Geschlechts haben dabei nur geringe Überschneidungen, die Reviere der Männchen überschneiden sich jedoch mit denen mehrerer Weibchen. Vor allem in Kerngebieten überschneiden sich die Verbreitungsgebiete teilweise erheblich, sodass die Bestandsdichte der adulten und subadulten Tiere zusammengenommen bei 0,97/km² liegt.

Die durchschnittliche Größe des Heimverbreitungsgebiets wurde auf 269 ha geschätzt, wobei sich die Verbreitungsgebiete und Kerngebiete erheblich überschneiden, so dass die Dichte der adulten und subadulten Tiere zusammengenommen bei 0,97/km² liegt.

Ernährung Die Katze jagt Vögel, kleinere Reptilien und Kleinsäuger. Bei Letzteren handelt es sich vor allem um mäusegroße Tiere, die ausschließlich am Boden gejagt werden. Hörnchen und andere baumlebende Tiere jagt die Katze nur selten. Auch unter den Vögeln werden vor allem Arten erbeutet, die am Boden leben oder sich häufig am Boden aufhalten, darunter vor allem Drosseln, Regenpfeifer, Tapaculos und Geflügel wie Gänse und Hühner. Die Männchen sollen gelegentlich Hühnerställe ausräubern, die Weibchen sind dafür zu klein.

Fortpflanzung und Entwicklung Über die Fortpflanzung der Art liegen nur sehr begrenzte Informationen aus Einzelbeobachtungen vor. So wurde Ende Februar 1997 ein männliches Jungtier der Art im Verbreitungsgebiet seiner Mutter aufgegriffen und wog 900 Gramm, das nach Größe und Gebiss etwa vier Monate alt war. Darauf aufbauend wurde geschlossen, dass es zwischen Ende Oktober und Anfang November 1996 geboren wurde. Ein männliches und ein weibliches Jungtier, die im Februar 1998 gefangen wurden, wogen beide jeweils 900 Gramm und auch hier wurde für das Männchen ein Alter von etwa vier Monaten abgeschätzt, was auf eine Geburt Ende Oktober 1997 deutet. Ende Oktober 1998 wurde das gleiche Individuum nochmals gefangen und wog 1,4 Kilogramm, Anfang Dezember 1999 wog er 1,7 Kilogramm. Im Oktober 1999 wurde es bei Rivalenkämpfen mit anderen männlichen Artgenossen beobachtet und hatte entsprechend wahrscheinlich den Status eines erwachsenen Tieres erreicht.