John Harvey (* etwa 1581 oder 1582; † zwischen 15. September 1646 und 16. Juli 1650) war von etwa 1630 bis 1635 und von 1637 bis 1639 britischer Gouverneur der Colony of Virginia. Seine Amtszeit wurde von Konflikten mit der General Assembly geprägt, die ihn schließlich stürzte.

Leben Frühes Leben Über Harveys frühes Leben ist nur wenig bekannt. 1636 behauptete er, 54 zu sein, weshalb sein Geburtsjahr wohl 1581 oder 1582 war. Über seine Familie ist fast nichts bekannt.Brent Tarter: Sir John Harvey: Royal Governor of Virginia, 1628–1639 S. 3–4 Sein jüngerer Bruder war Simon Harvey, den der englische König James I. & VI. 1623 zu einem Knight ernannte.

Kommission mini|hochkant=0.8|König James I. & VI. (John de Critz, um 1606) Er arbeitete lange als ein Kapitän von Handelsschiffen und möglicherweise auch von Kriegsschiffen. Als Belohnung für den Transport von neuen Siedlern in die Kolonie Virginia verlieh ihm die Virginia Company of London 1622 Land in der Kolonie. Er war so prominent, dass James I. & VI. ihn im Herbst 1623 zum Leiter einer royalen Kommission ernannte, die aus ihm, John Porey, Abraham Peirsey, Samuel Mathews, und John Jefferson bestand.Merrill R. Stewart: The Political Career of Sir John Harvey: Governor of Virginia from 1629 to 1639 S. 1 Die Zweite von insgesamt vier Kommissionen sollte einen Bericht über die Zustände in der Kolonie verfassen, da diese nach dem Jamestown-Massaker, bei dem der Häuptling Opechancanough der Powhatan-Konföderation fast ein Drittel der Kolonisten tötete, unprofitabel wurde. Dafür reiste er im Winter 1623/24 nach Virginia. Während der Reise auf der Southampton zerstritt er sich jedoch mit seiner Mannschaft und beide Parteien beschwerten sich über einander bei Ankunft in Virginia Mitte März 1624. Die Virginier nahmen die Kommission negativ auf; Sie befürchteten, dass der König ihr Land konfiszieren könnte und es anderen geben könnte.Brent Tarter: Sir John Harvey: Royal Governor of Virginia, 1628–1639 S. 4–6

Die Kommission begann ihre Forschung mit der Befragung einzelner Plantagenbesitzer, allerdings erwies sich diese Methode als uneffektiv. Stattdessen befragte man den Gouverneur von Virginia, Francis Wyatt, direkt über die Verteidigung der Kolonie, den Beziehungen zu den „Wilden“, das Potential der Kolonie und Möglichkeiten, dieses Potential zu erreichen. Den Fragen wurde am 2. Mai vom General Assembly (Staatsrat und House of Burgesses) geantwortet. Darauf forderte die Kommission vom General Assembly Unterschriften für einen Brief an den König, in dem sie um die Auflösung der Virginia Company bitten würden. Die General Assembly lehnte jedoch ab.Merrill R. Stewart: The Political Career of Sir John Harvey: Governor of Virginia from 1629 to 1639 S. 1–3 Harveys Kommission beschrieb in ihrem Bericht an den König die Bevölkerung der Kolonie als überraschend groß und in guter Kondition, allerdings benötige sie mehr Munition. Falls sofort Nachschub an Kolonisten ankommen würde, könnte man die Indianer besiegen und die Kolonie wurde erblühen. Auch verweist er auf eine große Unzufriedenheit von Kolonisten über einige Angestellte der Virginia Company in England. Dieser Bericht wurde im April 1624 zurück zum König geschickt.Brent Tarter: Sir John Harvey: Royal Governor of Virginia, 1628–1639 S. 6

Vor Harveys Rückkehr nach England im Winter 1624/25 ereignete sich ein Streit mit dem Kolonisten William Mutch, der von John Pott überliefert wird. Sie stritten sich über eine Menge an Korn, wobei Harvey Mutch beleidigte und ihn bedrohte. Mutch entgegnete, dass Harvey zu schwach sei, um die Bedrohung umzusetzen, worauf er von Harvey mit einem Knüppel geschlagen wurde. Mutch beleidigte Harvey weiter. Mehr ist nicht bekannt, weil Pott seinen Bericht hier beendet. Harveys Reputation in der Kolonie war wegen dieses Vorfalls und dem Streit mit seiner Mannschaft wohl gering. Der Rat des Gouverneurs wies jedoch alle „boshaften Gerüchte“ über Harvey ab.Brent Tarter: Sir John Harvey: Royal Governor of Virginia, 1628–1639 S. 6–7

Erste Amtszeit als Gouverneur mini|hochkant=0.8|König Karl I. (Daniel Mytens, 1631)

Ernennung und Ankunft Am 24. Mai 1624, also noch vor dem Eintreffen von Harvey Bericht, wurde die Virginia Company aufgelöst und Virginia wurde am 13. Mai des nächsten Jahres unter der Herrschaft von Charles I. zu einer Kronkolonie. Francis Wyatt verblieb vorerst in seinem Posten, doch wurde er nach seiner Rückkehr nach England mit einem seiner Vorgänger, George Yeardley, ersetzt. Harvey wurde Mitglied des Staatsrats und der designierte Nachfolger in Falle Yeardleys Ableben. Zwischen der Auflösung der Kompanie und dem Ableben Yeardleys, der spät 1627 eintrat, diente Harvey in der Royal Navy und patrouillierte den Ärmelkanal. Am 26. März 1628 wurde Harvey von Charles I. zum Gouverneur und wahrscheinlich zeitgleich auch zum Knight ernannt, allerdings konnte Harvey erst im Herbst 1629 auf der Friendship in die Kolonie reisen. Diese Verzögerung hatte zum Grunde, dass Harvey auf seine gesamte Bezahlung bestand. Auch forderte er 50 Soldaten um Point Comfort gegen einen möglichen spanischen Angriff zu befestigen, 100 arme Jungen und Mädchen, die in der Kolonie arbeiten sollten, und einige Kleriker. In der Zeit seiner Abwesenheit waren zuerst Francis West und darauf John Pott die geschäftsführenden Gouverneure von Virginia.Brent Tarter: Sir John Harvey: Royal Governor of Virginia, 1628–1639 S. 7–10Merrill R. Stewart: The Political Career of Sir John Harvey: Governor of Virginia from 1629 to 1639 S. 6–7

Die Friendship leckte während der ganzen Fahrt, während der oder kurz darauf Harvey sich mit einer schweren Krankheit ansteckte, von der er sich nach seiner Ankunft erholen musste. Seine Ankunft und seine Übernahme des Amtes werden in den Aufzeichnungen von Jamestown nicht erwähnt und erst in einer Sitzung des General Assembly von Virginia am 24. März 1630 wird er namentlich als ein Gouverneur erwähnt. Bei seiner Ankunft fehlten der Kolonie gute Verteidigungsmaßnahmen und Nahrungsmittel. Viele Kolonisten bevorzugten nämlich das profitable Cash Crop Tabak.Brent Tarter: Sir John Harvey: Royal Governor of Virginia, 1628–1639 S. 10–11

Politische Situation in Virginia Zu seinen ersten Reformen gehörte die Ernennung mehrerer politisch unerfahrener Kolonisten, manche sogar Neuankömmlinge, in den Staatsrat. Auch wurde Pott auf Wünschen des Königs aus dem Rat entlassen.Merrill R. Stewart: The Political Career of Sir John Harvey: Governor of Virginia from 1629 to 1639 S. 12–13 Trotzdem entwickelte sich in diesem Rat eine mächtige Opposition an erfahrenen und gut verknüpften Politikern unter der Führung von Samuel Mathews und William Claiborne, dessen Ziel die Wiedergründung der Virginia Company oder die Gründung einer ähnlichen Kompanie war. Der Zweck war die Festigung ihrer zentralen Rollen im Tabakhandel, die sie von den königlichen Reformen und möglichen Konfiskationen ihres Landes bedroht sahen. Diese Antipathie gegenüber königlichen Reformen machte sie zu den natürlichen Gegner des königlichen Gouverneurs Harvey. Gegen diese kämpfte er nicht an, seine Maßnahmen vergrößerten den Unmut zwischen ihm und dem Rat nur: Erstens befürwortete er Tabakhandel mit niederländischen Händlern und zweitens vollzog er erst nach etwa 14 oder 15 Monaten seine erste Landvergabe. Auch seine herrische, unbeherrschte und oft auch brutale Persönlichkeit schadete seiner schon schlechten Beziehung mit dem Rat.Brent Tarter: Sir John Harvey: Royal Governor of Virginia, 1628–1639 S. 11–13

Einer der fundamentalen Streitpunkte zwischen dem Rat und Harvey war die Macht des Postens des königlichen Gouverneurs, der erst seit fünf Jahren existierte. Wahrscheinlich ist es, dass Harvey offiziell wie alle anderen Gouverneure nur mit der Mehrheit des Rates Entscheidungen treffen konnte und das die Mehrheit des Rates nur mit der Zustimmung vom Gouverneur Entscheidungen treffen konnte. Der Rat argumentierte deshalb, dass der Gouverneur nur der Führer des Rates sei. Harvey hingegen argumentierte, dass er als königlicher Vertreter die volle Macht hätte und der Rat nur als Beratung diene. Am 20. Dezember 1631 musste Harvey die Interpretation des Rates akzeptieren; König Charles I. unterstützte selbst nach Harveys Bitte seine Interpretation nicht ausdrücklich, was Harvey stark schwächte. Er konnte seine Vorschläge im Rat oft nicht mehr gegen die Fraktion unter Mathews und Claiborne durchsetzen.Brent Tarter: Sir John Harvey: Royal Governor of Virginia, 1628–1639 S. 13–15

Finanzielle Lage Nach seiner Ankunft in der Kolonie erbaute er das größte Haus in Jamestown. Er, der als Gouverneur oft Gastgeber für prominente Gäste der Kolonie sein musste, wurde schnell verschuldet. Dies war nur zum Teil seine Schuld, da die Krone ihm nicht die versprochenen 1000 £ pro Jahr überwies. Dies verschlechterte auch die politische Situation Harveys, da es möglicherweise ein Symbol war, dass Harvey aus der Gunst des Königs fiel.Brent Tarter: Sir John Harvey: Royal Governor of Virginia, 1628–1639 S. 17–18

Innenpolitik mini|Pflanzung von Tabak in Jamestown in A School History of the United States, from the Discovery of America to the Year 1878 (David B. Scott, 1878) Während der ersten Sitzung des General Assembly unter Harveys Führung beschloss die Regierung die Förderung der Produktion von Kalisalz und Nitraten. In der gleichen Sitzung wurden Maßnahmen beschlossen, um das Pflanzen von Korn gegenüber dem Pflanzen von Tabak zu fördern um eine Hungersnot zu verhindern. Alle Kolonisten sollten zwei Acker Korn pro Familienmitglied anpflanzen. Gleichzeitig wurde die maximale Produktion von Tabak auf 2000 Pflanzen begrenzt, von denen die schlechten verbrannt werden mussten. Vom König erbat man den Verbot von Tabakproduktion in England um die Konkurrenz zu verringern. Des Weiteren fragten sie um eine Steuerbefreiung für Mathews für seine Dienste für die Kolonie. Maßnahmen gegen Tabak wurden von der Krone unterstützt, weshalb in den folgenden Sitzungen Korn, Nitrat, Kalisalz, Eisen und andere Cash Crops anstatt von Tabak weiter unterstützt wurden.Brent Tarter: Sir John Harvey: Royal Governor of Virginia, 1628–1639 S. 16

Diese Politik gilt als ein Erfolg. Trotz des rapiden Wachstums der Bevölkerung, die sich zwischen 1630 und 1635 verdoppelteBrent Tarter: Sir John Harvey: Royal Governor of Virginia, 1628–1639 S. 15, konnte Virginia z. B. 1634 10.000 Bushel Korn nach Neuengland transportieren. 1634 sprach Harvey in einem Brief an Francis Windebank von überaus gut situierten Kolonisten, die viele Nutztiere besitzen. Er selbst pflanzte Granatäpfel, Orangen, Limonen, und Feigen und er plante auch Oliven zu pflanzen. Im gleichen Jahr beschrieb der angereiste Thomas Yong reiche Landschaften mit einem guten Klima und fertilem Land, die großes Potential haben. Dabei muss man aber beachten, dass Yong fast alles von Harveys Erzählungen kritiklos übernahm.Brent Tarter: Sir John Harvey: Royal Governor of Virginia, 1628–1639 S. 16–17 Unter den reichen Plantagenbesitzern, von denen viele hauptsächlich Tabak anpflanzten, stoßen die Maßnahmen auf Kritik.

1632 und 1633 etablierte man neue vierteljährliche Sitzungen des Gerichts in Jamestown. Es wurden in Teilen der Kolonie Gerichte mit monatlichen Sitzungen erlaubt, die Regionales übernehmen sollten. Deren Aufzeichnungen sind die ältesten englischsprachigen Aufzeichnungen in der neuen Welt.