mini|Seit 2023 wird der Ingeborg-Bachmann-Preis mit der „Inge“ verliehen (Bronzestatue von Helmut Machhammer).Der Ingeborg-Bachmann-Preis wurde 1976 von der Stadt Klagenfurt im Gedenken an die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann gestiftet und wird seit 1977 jährlich während der mehrtägigen Tage der deutschsprachigen Literatur verliehen. Er gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschen Sprachraum.
Beschreibung In einer dreitägigen Lese-Veranstaltung treten vorausgewählte Bewerber nacheinander an und tragen etwa 25 Minuten lang bislang unveröffentlichte Prosatexte oder Ausschnitte vor. Die Texte müssen im Original auf Deutsch verfasst sein. Mit diesem Verfahren soll das Saalpublikum sowie insbesondere die Fach-Jury in Klagenfurt von der Qualität der vorgetragenen Texte überzeugt werden. Auf diese Weise werden jährlich die Preisträger des Ingeborg-Bachmann-Preises und anderer im Rahmen der Veranstaltung Tage der deutschsprachigen Literatur vergebener Preise ermittelt. Im Jahr 2008 wurde die Jury von neun auf sieben Mitglieder verkleinert und das Teilnehmerfeld von achtzehn auf vierzehn Autoren reduziert. Der Ingeborg-Bachmann-Preis ist seit 2006 mit 25.000 Euro dotiert (zuvor: 22.500 Euro). Insgesamt wurden 2010 Preisgelder von 56.500 Euro vergeben.ORF: Bachmannpreis 2010 mit Kärntner Autor; abgerufen am 27. Mai 2010 Ab 2017 wird der von Deutschlandradio gestiftete und mit 12.500 Euro dotierte Deutschlandfunk-Preis vergeben, damit werden insgesamt 62.500 Euro Preisgeld ausgeschüttet. Ebenfalls 2017 hat der Deutschlandfunk erstmals den gesamten Wettbewerb live im Digitalradio übertragen.orf.at - Autoren des Bachmannpreises 2017 präsentiert. Artikel vom 24. Mai 2017, abgerufen am 25. Mai 2017.orf.at - Preise und Preisstifter 2017. Abgerufen am 25. Mai 2017.
Im Bewusstsein der jüngeren Autorinnen und Autoren des 21. Jahrhunderts, die beim Ingeborg-Bachmann-Preis in den letzten Jahren ausgezeichnet wurden, ist Bachmann kaum noch als „Traditionslinie oder Referenzpunkt“ präsent. Eine Ausnahme stellt Nora Gomringer mit ihrem Text zur Dichtungssprache (2011) dar.
Geschichte Der Journalist und Buchautor Humbert Fink sowie der damalige Intendant des ORF-Landesstudios in Kärnten, Ernst Willner, hatten Mitte der 1970er Jahre die Idee, in Klagenfurt einen Literaturwettbewerb nach dem Vorbild der Gruppe 47 ins Leben zu rufen, und konnten unter anderem Marcel Reich-Ranicki als Mitglied der Jury gewinnen. Daraus entstanden die Tage der deutschsprachigen Literatur, die seit 1977 alljährlich im Frühsommer in Klagenfurt stattfinden.
Der Wettbewerb wurde zunächst in Ausschnitten im Fernsehen gezeigt und seit 1989 in voller Länge live im Satellitenprogramm von 3sat übertragen. Die finanzielle Verstrickung mit dem ORF und dessen Wunsch nach einem möglichst TV-kompatiblen Format hat über die Jahre zu Spannungen mit eher konservativen Akteuren der Veranstaltung geführt, so zuletzt in den Reformen 2008. Auch den plötzlichen Weggang der Veranstaltungs-Chefin Michaela Monschein im Herbst 2012 sahen Kritiker im Zusammenhang mit einer von den Rundfunkverantwortlichen gewünschten Veränderung.Dirk Knipphals: Monscheins überraschendes Ende. taz vom 27. November 2012Bachmann Preis: Abgang mit vielen offenen Fragen, Der Standard vom 29. November 2012 Seit 2013 ist Horst L. Ebner Koordinator des Bachmannpreises.https://www.literaturcafe.de/portraet-im-podcast-horst-ebner-koordinator-des-bachmannpreises/
2020 wurde die Veranstaltung wegen der COVID-19-Pandemie zunächst abgesagt. Mehrere Jurymitglieder plädierten jedoch dafür, den Wettbewerb in einer alternativen Form stattfinden zu lassen., deutschlandfunkkultur.de, 28. März 2020, abgerufen am 29. März 2020. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz kündigte daraufhin an, eine digitale Ausgabe für das Internet auszuarbeiten. Die Jahre 2020https://bachmannpreis.orf.at/stories/3050513/ und 2021 fanden ausschließlich virtuell statt. Sowohl die Jury als auch die Lesenden nahmen aus dem „Homeoffice“ teil, während sich das Publikum über Twitter über den Wettbewerb austauschte. Ab 2022 waren Jury und Lesende wieder vor Ort, zunächst – um weiterhin die Pandemierisiken zu minimieren – lasen die Autoren und Autorinnen im ORF-Garten, während die Jury im ORF-Theater tagte. Ab 2023 gab es wieder den gewöhnlichen Ablauf, allerdings wird seither der ORF-Garten als zusätzliche Bühne – etwa mit der Auslosung der Lesereihenfolge – mit einbezogen.
Ausstiegsüberlegungen des ORF Im Jahr 2013 überlegte der ORF, wegen Sparmaßnahmen aus dem Wettbewerb auszusteigen. Da der Sender seine Ausgaben um rund 80 Millionen Euro reduzieren müsse, könne er sich die etwa 750.000 Euro (davon 350.000 für den Wettbewerb und weitere 400.000 einschließlich aller Nebenkosten) nicht mehr leisten.Süddeutsche Zeitung: ORF will beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb aussteigen, 21. Juni 2013 Die Ankündigung galt als Drohung, um die Sparauflagen der österreichischen Politik an den ORF aufzuweichen.
Der Literaturkritiker Hubert WinkelsHubert Winkels: . In Volltext, 21. Juni 2013 (Mitglied der Jury), der ehemalige Vorsitzende des ORF-Kuratoriums, Siegbert Metelko, Kulturlandesrat Wolfgang Waldner sowie die Stadt Klagenfurt äußerten daraufhin Protest. Eine Übernahme des Wettbewerbs durch die Kommune schloss letztere allerdings aus.Marianne Fischer: Bachmann Preis: Gemeinsam Lösung suchen. Kleine Zeitung vom 23. Juni 2013 (, 23. Juni 2013). Bundeskanzler Werner Faymann sprach sich ebenfalls für den Erhalt aus und erklärte: „Den Ingeborg-Bachmann-Preis wird es auch in Zukunft geben“.Antonia Gössinger: Kanzler-Wort für Bachmann-Preis. Kleine Zeitung vom 29. Juni 2013 (Online, abgerufen am 23. April 2020).
Am letzten Tag des Ingeborg-Bachmann-Preises 2013 verkündete ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz eine Einigung mit der ORF-Landesdirektorin Karin Bernhard, dem Landeshauptmann von Kärnten Peter Kaiser und den Verantwortlichen der Stadt Klagenfurt zum Fortbestand des Preises.Tage der deutschsprachigen Literatur 2013: Bachmannpreis-Fortbestand gerettet, abgerufen am 14. August 2013Kleine Zeitung: , vom 7. Juli 2013 Die ursprüngliche Forderung nach Gebührenrefundierung bleibt dabei bestehen, fehlende Gelder sollen jedoch durch Sponsoren gedeckt werden.
Juryvorsitzende 1993 bis 1996: Peter Demetz 1997 bis 1998: Iso Camartin 1999 bis 2002: Robert Schindel 2003 bis 2007: Iris Radisch 2008 bis 2014: Burkhard Spinnen 2015 bis 2020: Hubert Winkels 2021 bis 2023: Insa Wilke 2024 bis 2026: Klaus Kastberger seit 2027: Insa Wilke
Preise Gestiftet wurde der Hauptpreis des Wettbewerbs im Gedenken an Ingeborg Bachmann, eine der bedeutendsten österreichischen Schriftstellerinnen, die eine der bedeutenden Autorinnen der Gruppe 47 war und diese maßgeblich geprägt hat. Daneben werden im Laufe der Jahre dazugekommene weitere Auszeichnungen vergeben: der Kelag-Preis, der den Preis des Landes Kärnten ersetzte, weil Landeshauptmann Jörg Haider die Finanzierung des Preises wegen der Kritik an seiner Kulturpolitik verweigerte (2000–2005 „Preis der Jury“, 2006–2008 „Telekom-Austria-Preis“, dotiert mit 10.000 Euro) der 3sat-Preis (von 3sat gestiftetes Stipendium, 7.500 Euro) der Publikumspreis (seit 2002 verliehen, seit 2011 von der BKS Bank als BKS-Publikumspreis verliehen und mit 7.000 Euro dotiert) der Deutschlandfunk-Preis (seit 2017 verliehen und vom Deutschlandradio mit 12.500 Euro dotiert)
Von 1983 bis 2014 wurde der Ernst-Willner-Preis verliehen (bis 2013 von zahlreichen deutschsprachigen Verlagen gestiftet, 5.000 Euro (bis 2011: 7.000 Euro)). Im Jahr 2014 wurde der Preis ausschließlich durch die Klagenfurter Buchhandlung Heyn gestiftet und nannte sich »Mr. Heyn’s Ernst-Willner-Preis«.
Von 1998 bis 2017 wurde auch der seit 1987 bestehende Staatspreis für literarische Übersetzung, der Translatio, für das vorhergehende Jahr im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs verliehen, und zwar einerseits für die Übersetzung eines Werkes der zeitgenössischen österreichischen Literatur in eine Fremdsprache und andererseits für die Übersetzung eines fremdsprachigen Werkes der zeitgenössischen Literatur ins Deutsche. Beide Preise sind (Stand 2022) mit jeweils 10.000 Euro dotiert.
Preisträger Ab 2021 2026: Lena Schätte: Was wir tragen Deutschlandfunk-Preis: Ozan Zakariya Keskinkılıç: Vater ohne Sohn Kelag-Preis: Kinga Tóth: OstblockMädl 3sat-Preis: Magdalena Schrefel: Kirschen, Herz mit Verband BKS-Publikumspreis: Lena Schätte: Was wir tragen mini|Ingeborg-Bachmann-Preis 2025 für Natascha Gangl (2. von links) 2025: Natascha Gangl: Da Sta Deutschlandfunk-Preis: Boris Schumatsky: Kindheitsbenzin Kelag-Preis: Nora Osagiobare: Daughter Issues 3sat-Preis: Almut Tina Schmidt: Fast eine Geschichte BKS-Publikumspreis: Natascha Gangl: Da Sta mini|hochkant|Verleihung des Bachmann-Preises an Tijan Sila (rechts der Laudator Philipp Tingler) 2024: Tijan Sila: Der Tag, an dem meine Mutter verrückt wurde Deutschlandfunk-Preis: Denis Pfabe: Die Möglichkeit einer Ordnung Kelag-Preis: Tamara Štajner: Luft nach unten 3sat-Preis: Johanna Sebauer: Das Gurkerl BKS-Publikumspreis: Johanna Sebauer: Das Gurkerl mini|hochkant|Valeria Gordeev mit der „Inge“, der neu kreierten Ingeborg-Bachmann-Preis-Statuette (2023) 2023: Valeria Gordeev: Er putzt Deutschlandfunk-Preis: Anna Felnhofer: Fische fangen Kelag-Preis: Martin Piekar: Mit Wänden sprechen/Pole sind schwierige Volk 3sat-Preis: Laura Leupi: Das Alphabet der sexualisierten Gewalt BKS-Publikumspreis: Martin Piekar: Mit Wänden sprechen/Pole sind schwierige Volk
2022: Ana Marwan: Wechselkröte Deutschlandfunk-Preis: Alexandru Bulucz: Einige Landesgrenzen weiter östlich, von hier aus gesehen Kelag-Preis: Juan S. Guse: Im Falle des Druckabfalls 3sat-Preis: Leon Engler: Liste der Dinge, die nicht so sind, wie sie sein sollten BKS-Publikumspreis: Elias Hirschl: Staublunge
2021: Nava Ebrahimi: Der Cousinhttps://bachmannpreis.orf.at/ abgerufen am 20.6.21 12:15 Uhr Deutschlandfunk-Preis: Dana Vowinckel: Gewässer im Ziplock Kelag-Preis: Necati Öziri: Morgen wache ich auf und dann beginnt das Leben 3sat-Preis: Timon Karl Kaleyta: Mein Freund am See BKS-Publikumspreis: Necati Öziri: Morgen wache ich auf und dann beginnt das Leben
2011 bis 2020 2020: Helga Schubert: Vom Aufstehen Deutschlandfunk-Preis: Lisa Krusche: Für bestimmte Welten kämpfen und gegen andere Kelag-Preis: Egon Christian Leitner: Immer im Krieg 3sat-Preis: Laura Freudenthaler: Der heißeste Sommer BKS-Publikumspreis: Lydia Haider: Der große Gruß
2019orf.at: Birgit Birnbacher gewinnt Bachmannpreis 2019. Artikel vom 30. Juni 2019, abgerufen am 30. Juni 2019. Birgit Birnbacher: Der Schrank Deutschlandfunk-Preis: Leander Fischer: Nymphenverzeichnis Muster Nummer eins Goldkopf Kelag-Preis: Julia Jost: Unweit vom Schakaltal 3sat-Preis: Yannic Han Biao Federer: Kenn ich nicht BKS-Publikumspreis: Ronya Othmann: Vierundsiebzig
2018orf.at: Tanja Maljartschuk gewinnt Bachmannpreis 2018. Artikel vom 8. Juli 2018, abgerufen am 8. Juli 2018. Tanja Maljartschuk: Frösche im Meer Deutschlandfunk-Preis: Bov Bjerg: SERPENTINEN Kelag-Preis: Özlem Özgül Dündar: und ich brenne 3sat-Preis: Anna Stern: Warten auf Ava BKS-Publikumspreis: Raphaela Edelbauer: Das Loch
2017orf.at: Schmalz gewinnt Bachmannpreis. Artikel vom 9. Juli 2017, abgerufen am 9. Juli 2017. Ferdinand Schmalz: mein lieblingstier heißt winter Deutschlandfunk-Preis: John Wray: Madrigal Kelag-Preis: Eckhart Nickel: Hysteria 3sat-Preis: Gianna Molinari: Loses Mappe BKS-Publikumspreis: Karin Peschka: Wiener Kindl
2016Bachmann-Preis geht an Sharon Dodua Otoo bei kaernten.orf.at, 3. Juli 2016 (abgerufen am 3. Juli 2016). Sharon Dodua Otoo: Herr Gröttrup setzt sich hin Kelag-Preis: Dieter Zwicky: Los Alamos ist winzig 3sat-Preis: Julia Wolf: Walter Nowak bleibt liegen BKS-Publikumspreis: Stefanie Sargnagel: Penne vom Kika