mini|Franzobel (2024)
Franzobel (* 1. März 1967 in Vöcklabruck, Oberösterreich; eigentlich Franz Stefan Griebl) ist ein österreichischer Schriftsteller.
Leben Franzobel wuchs in Pichlwang (Gemeinde Lenzing) in einer oberösterreichischen Industriesiedlung auf. Familiär stammt er aus dem Arbeiter- bzw. Handwerkermilieu: Der Vater arbeitete im Chemiewerk, der Großvater betrieb ein Tapeziergeschäft und der Urgroßvater war Bierausfahrer. Franzobel absolvierte die Höhere Technische Lehranstalt für Maschinenbau in Vöcklabruck und wollte anfänglich Erfinder werden oder Welthandel studieren. Jedoch studierte er von 1986 bis 1994 schließlich Germanistik und Geschichte an der Universität Wien. Nebenbei arbeitete er 1987 bis 1992 als Statist am Wiener Burgtheater und war unter dem Pseudonym „Franz Zobl“ bis 1991 als bildender Künstler tätig.„Franzobel – Der vielseitige Künstler“, ORF Niederösterreich-Magazin. Daneben war er als bildender Künstler aktiv, wobei er es schaffte, mehrere kleine Ausstellungen seiner Bilder in Kaffeehäusern auf die Beine zu stellen. Das Studium schloss er mit einer Diplomarbeit über Visuelle Poesie ab.„Biografie von Franzobel“, DiePresse.com. Schon während seines Studiums lernte Franzobel einige Schriftsteller kennen und begann auch selbst mit dem Schreiben, seit 1989 ist er freier Schriftsteller. Sein erster großer Preis für sein literarisches Wirken war der Ingeborg-Bachmann-Preis, welchen er 1995 gewinnen konnte. Er ist außerdem der erste Preisträger des Arthur-Schnitzler-Preises, der seit 2002 vergeben wird. Zurzeit lebt er in Wien, Pichlwang, Buenos Aires und Orth an der Donau.
In einem Standard-Interview 2004 erklärte Franzobel, dass es zahlreiche Legenden über die Herkunft seines Künstlernamens gebe. Gemäß einer stamme der Name von einer Fußballübertragung im Fernsehen (Frankreich gegen Belgien), bei der ihm die Bildmarke „FRAN 2:0 BEL“ ins Auge gestochen sei, die er als „Franzobel“ gelesen habe.„Franzobel will mit Seeger plauschen“ – Der Standard, 7. Mai 2004 In einem 2021 erschienenen Artikel in der Presse stellte der Dichter klar, dass dies Unsinn ist, und erklärte, der Name sei eine Kombination aus dem Vornamen seines Vaters, Franz, und dem Geburtsnamen seiner Mutter, Zobl.Franzobel: „Verspielt, bissig und verfranzt“, in Die Presse, 10. April 2021, Spectrum, III.Interview „Fußball ist wie Liebe. Ein ewiges Bangen und Hoffen“, in Kurier, 21. Oktober 2007.
Franzobel hat einen Sohn, geb. 1998, mit der bildenden Künstlerin Carla Degenhardt. Im April 2010 wurde er ein zweites Mal Vater – Mutter ist seine Ehefrau und künstlerische Partnerin, die Schauspielerin Maxi Blaha.Heute (österreichische Zeitung) vom 23. Dezember 2009. Maxi Blaha und Franzobel leben jedoch seit 2018 getrennt.kurier.at: Trennung bei Schauspielerin Maxi Blaha und Autor Franzobel, abgerufen am 17. Februar 2019.
Im März 2022 schrieb er einen Gastbeitrag im Standard über den Russischen Überfall auf die Ukraine 2022. Er riet der Ukraine, sich zu ergeben, und schrieb: „Gegenwärtig sind es testosteronschäumende Söldner, die ihre Kriegsphantasien ausleben wollen. Paintballerprobte Köche, Banker, Familienväter, aber auch die bärtigen Ferdln des grimmig dreinschauenden Tschetschenen-Waldschrats (. . .). Gut, mag man denken, sollen sich diese Reserve-Rambos gegenseitig das Restgehirn wegpusten.“Lob der Feigheit, derstandard.at, 27. März 2022, abgerufen am 9. April 2022. Der Beitrag rief ein mediales Echo hervor. Der Autor und Journalist Martin Pollack nannte den Beitrag von Franzobel im Falter „schändlich und dumm.“ Er bezeichnete Franzobel als „Apologet eines skrupellosen Diktators und Schlächters“.Schändlich und dumm falter.at, 1. April 2022, abgerufen am 9. April 2022. Der Literaturkritiker Paul Jandl schrieb in der NZZ, Franzobel „hielte besser den Mund“, und attestierte ihm „historische Ahnungslosigkeit“.Der österreichische Schriftsteller Franzobel empfiehlt der Ukraine die rasche Kapitulation. Er hielte besser den Mund, nzz.ch, 8. April 2022, abgerufen am 9. April 2022. Anfang Mai 2022 relativierte Franzobel seine Aussage vom März in einem Interview mit dem Standard und erläuterte seine Haltung noch einmal genauer.
Schaffen Neben seiner literarischen Tätigkeit (er publiziert im Eigenverlag, in Kleinverlagen und innerhalb von Mail-Art-Projekten) arbeitete Franzobel als Maler (Concept Art bis 1992). Er hat zahlreiche Theaterstücke, Prosatexte und Lyrik veröffentlicht, die in der Spannung zwischen Strukturen und Experiment stehen. So arbeitete er beispielsweise mit automatisierter Übersetzung, unter anderem im Periodikum Rampe. Seine großen Romane sind dagegen eine Mischung aus phantastischem Realismus, Sprachspiel und Wiener Volksstück. Franzobel stellt „seine Welt“ als skurril, voller Humor und Anspielungen auf die Zeitgeschichte dar.
Sein Werk ist von den Dadaisten, der Wiener Gruppe und Heimito von Doderer beeinflusst. Selbst hat er sich einmal als „literarischen Aktionisten“ bezeichnet, der vor allem das Konzept des Individualanarchismus verfolgt. Er schreibt auch für Kinder, z. B. das Bilderbuch Schmetterling Fetterling (2004) und das Theaterstück Moni und der Monsteraffe (2006). Letzteres wird seit Oktober 2006 im Kabarett Niedermair gespielt. Von 1994 bis 1998 betreute er den Kleinverlag Edition ch.
Franzobel ist Anhänger des Fußballklubs SK Rapid Wien. Über seine Fußballleidenschaft erschien 2006 ein Erzählband mit dem Titel Der Schwalbenkönig. Franzobel nahm an der ORF-Fußballshow „Das Match“ teil, wurde aber in der zweiten Folge (als erster von drei Mitspielern) von der Mannschaft aus dem Team gewählt.
In seinem Theaterstück von 2010 über Bertha Pappenheim (1859–1936), eine Patientin von Sigmund Freud und Josef Breuer, interessierte ihn, „ob die Hysterie tatsächlich stattgefunden hat“ oder ob Pappenheim als junge Frau nur in ihren Arzt Josef Breuer verliebt war. Pappenheim gilt als die erste psychoanalytische Patientin überhaupt. Das Stück Die Pappenheimer oder das O der Anna O hatte am 4. Oktober 2010 am Schauspielhaus Wien seine Uraufführung unter der Regie von Jan-Christoph Gockel.Deutschlandradio Kultur vom 4. Oktober 2010: „Wer war Gerda Pappenheim?“
Franzobel, der sich als „Querdenker“ sieht, setzt sich auch mit aktuellen Fragen der Wissenschaft auseinander, so etwa in seinem 2011 publizierten Buch LHC.
Seine Theaterstücke wurden unter anderem in Mexiko, Argentinien, Chile, Dänemark, Frankreich, Polen, Rumänien, der Ukraine, Italien, Russland und den USA gezeigt. Übersetzungen liegen bislang in 23 Sprachen vor.
Sein Satire-Kriminalroman Groschens Grab (2015)Rezension Groschens Grab im Tagesspiegel vom 12. Apr. 2016, abgerufen am 11. Oktober 2017. wurde in der Bearbeitung von Susanne Hoffmann zum Hörspiel Groschens Grab – Ein Wiener Herbstkrimi.Das Kriminalhörspiel: Groschens Grab, NDR 2017 Ursendung am 7. Oktober 2017, Regie: Beatrix Ackers, abgerufen am 11. Oktober 2017.
Zur Musik von Gerd Hermann Ortler schrieb er das Libretto zu Wolf – Das Mystical über den heiligen Wolfgang. Die Uraufführung auf der Salzkammergut-Seebühne im Mai 2024 inszenierte Viktoria Schubert.
Am 7. Februar 2025 war er zu Gast in der ZDF-Sendung Das Literarische Quartett.
Für die Stadt Wunsiedel verfasste er zum 200. Todestag des in Wunsiedel geborenen Schriftstellers Jean Paul die Schauspielrevue Hoppelpoppel oder Jean Pauls Zauberland. Die Erstaufführung unter der Regie von Georg Schmiedleitner erfolgte am 15. August 2025 im Verlauf der Luisenburg-Festspiele.
Auszeichnungen 1992: Linzer Stadtschreiber 1994: Wiener Werkstattpreis für Literatur 1995: Ingeborg-Bachmann-Preis für Die Krautflut 1997: Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis der Stadt Darmstadt 1998: Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor 1998: Floriana Literaturpreis 2000: Bert-Brecht-Medaille 2002: Arthur-Schnitzler-Preis 2003: Goldene Ehrennadel der Marktgemeinde Lenzing für kulturelle Verdienste Zehn besondere Bücher zum Andersentag 2004: für Die Nase 2005: für Schmetterling Fetterling 2005: Nestroy-Theaterpreis Bestes Stück – Autorenpreis 2005: Nestroy-Theaterpreis Spezialpreis 2005: Longlist zum Deutschen Buchpreis mit Das Fest der Steine oder Die Wunderkammer der Exzentrik 2006: Buch.Preis für Das Fest der Steine oder Die Wunderkammer der Exzentrik 2007: Vöckla Award Sonderpreis für Kultur 2008: Inselschreiber auf Sylt 2012: Residenzschreiber in Sarajewo 2015: Stadtschreiber in Split 2017: Nicolas-Born-Preis (Hauptpreis) 2017: Shortlist zum Deutschen Buchpreis für Das Floß der Medusa 2017: Bayerischer Buchpreis für Das Floß der Medusaorf.at: Franzobel bekommt Bayerischen Buchpreis. Artikel vom 7. November 2017, abgerufen am 7. November 2017. 2017: Stadtschreiber in Weißenburg in Bayern 2019: Fine Crime Award für Rechtswalzerorf.at: Franzobel erhielt ersten Grazer Krimipreis. Artikel vom 3. März 2019, abgerufen am 3. März 2019. 2020: Dresdner StadtschreiberBadische Zeitung vom 18. Oktober 2019: Autor Franzobel wird Stadtschreiber in Dresden; abgerufen am 23. Oktober 2019. 2021: Longlist zum Deutschen Buchpreis mit Die Eroberung Amerikas
Werke Bücher Thesaurus. Ein Gleiches. Gedichte. Eigenverlag, 1992. Das öffentliche Ärgernis. Prosa. edition selene, Klagenfurt 1993. Überin. Die Gosche. Prosa. Illustrationen: Franzobel. edition selene, Klagenfurt 1993. Masche und Scham. Die Germanistenfalle – Eine Durchführung & Das öffentliche Ärgernis. Proklitikon. Edition Selene, Klagenfurt 1993. Die Musenpresse. Aus einem Roman von Margarete Lanner. Mit mehreren Bildnachweisen. Ritter, Klagenfurt 1994. Elle und Speiche. Modelle der Liebe. Gedichte und Prosa. Das Fröhliche Wohnzimmer, Wien 1994. Ranken. Prosa. Illustrationen: Carla Degenhardt. edition selene, Klagenfurt 1994. Hundshirn. Prosa. Illustrationen: Franzobel. Blattwerk, Linz 1995. Die Krautflut. Erzählung. Nachw.: Thomas Eder. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995. Schinkensünden. Ein Katalog. Ritterverlag, Klagenfurt 1996. mit Christian Steinbacher: Unter Binsen. edition gegensätze, Graz 1996. Linz. Eine Obsession. Janus Press, München/Berlin 1996. Der Trottelkongreß. Commedia dell’pape. Ein minimalistischer Heimatroman. Ritterverlag, Klagenfurt/Wien 1998. Böselkraut und Ferdinand. Ein Bestseller von Karol Alois. Paul Zsolnay Verlag, Wien 1998. Das öffentliche Ärgernis. Proklitikon. & Masche und Scham. Die Germanistenfalle – eine Durchführung. Edition Selene, Wien 1998. Met ana oanders schwoarzn Tintn. Dulli-Dialektgedichte. Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 1999, ISBN 3-85252-305-2. (In Anspielung auf H. C. Artmann) Scala Santa oder Josefine Wurznbachers Höhepunkt. Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2000 (als Taschenbuch: Piper Verlag, München/Zürich 2002). Volksoper – Olympia. 2 Stücke. Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 2000, ISBN 3-85252-336-2. Best of. Die Highlights. Edition Aramo, Krems/Stein 2001. Shooting Star. Ritterverlag, Klagenfurt 2001 (aufgrund rechtlicher Auseinandersetzungen vom Markt genommen). Austrian Psycho oder Der Rabiat Hödlmoser. Ein Trashroman in memoriam Franz Fuchs. Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 2001, ISBN 3-85252-414-8.
Lusthaus oder Die Schule der Gemeinheit. Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2002. Mundial. Gebete an den Fußballgott. Literaturverlag Droschl, Graz/Wien 2002.
Luna Park. Vergnügungsgedichte. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2003. Totentanz (Druck der Quetsche 45). Mit farbig hinterlegten Lithografien von Helge Leiberg. Verlag für Buchkunst, Witzwort 2003 (erschienen in drei verschiedenen Ausgaben). Zirkusblut oder Ein Austrian-Psycho-Trashkrimi, zweiter Teil. Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 2004, ISBN 3-85252-584-5. Über die Sprache im sportiven Zeitalter. Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 2004, ISBN 3-902416-04-1.
Das Fest der Steine oder Die Wunderkammer der Exzentrik. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2005.Die Fabulierlust des Franzobel in: Deutschlandfunk vom 9. Oktober 2005.