La virtù trionfante dell’amore e dell’odio overo Il Tigrane (deutsch etwa ‚Die über die Liebe und den Hass triumphierende Tugend oder Tigrane‘), RV 740, ist ein Pasticcio einer Opera seria (Originalbezeichnung: „Dramma per musica“) in drei Akten von Benedetto Micheli (erster Akt und Intermezzi), Antonio Vivaldi (zweiter Akt) und Nicola Romaldi (dritter Akt) mit einem Libretto von Pietro Antonio Bernardoni. Es wurde in der Karnevalssaison 1724 im Teatro Capranica in Rom uraufgeführt.
Handlung
„Argomento“
Das gedruckte Libretto von 1724 enthält die folgende Einleitung:
Kurzfassung
Vorgeschichte. Seit langem herrscht Feindschaft zwischen dem armenischen König Tigrane und dem pontischen König Mitridate. Als Tigrane von der Schönheit von Mitridates Tochter Cleopatra erfährt, begibt er sich inkognito unter dem Namen Farnace an den pontischen Hof, wo er sich in sie verliebt. Um ihre Hand zu erhalten, übernimmt er ein Kommando in der pontischen Armee und zieht erfolgreich für Mitridate in den Krieg.
Erster Akt. Zusammen mit seinem Freund Clearte kehrt Farnace/Tigrane im Triumph nach Sinope, die Hauptstadt von Pontos, zurück. Dort bemüht sich die Hofdame Apamia um ihn. Er weist sie jedoch ab, da er noch immer Cleopatra liebt. Von deren Vormund Arbante erfährt er, dass er in Apamias Bruder Oronte einen Rivalen um Cleopatra hat, der zudem die Unterstützung Mitridates besitzt. Letzterer wiederum wirbt um Apamia, die aber Farnace vorzieht. Apamia und Oronte überreden Mitridate, Cleopatras Verlobung mit Farnace zu lösen und sie mit Oronte zu vermählen. Sie ist damit keineswegs einverstanden. Tigrane offenbart Cleopatra seine wahre Identität und stürzt sie in große Verwirrung, da sie von seiner alten Feindschaft mit ihrem Vater weiß.
Zweiter Akt. Um sich von ihrem Schreck zu erholen, legt sich Cleopatra im Garten schlafen. Tigrane betrachtet sie wehmütig. Oronte nutzt die Gelegenheit, um ihn anzugreifen, und Tigrane muss sich mit seinem Degen verteidigen. In diesem Moment erscheint Mitridate und lässt Tigrane verhaften, da er glaubt, er habe seine Tochter ermorden wollen. Trotz Cleopatras Flehen will er ihn hinrichten lassen. Apamia, die Tigrane insgeheim noch immer liebt, überredet Mitridate jedoch, ihn ihrem Urteil zu überlassen. Im Kerker erhält Tigrane Besuch von Clearte, der ihm Mut macht, von Apamia, die ihm ihre Liebe erklärt, und von Cleopatra, die ihm einen Geheimgang nach draußen zeigt. Der von Mitridate gesandte Mörder findet anstelle von Tigrane nur Cleopatra in der Zelle vor. Mitridate ist zutiefst empört über den Verrat seiner Tochter. Eine angebotene Versöhnung durch eine Ehe mit Oronte lehnt sie ab. Wenig später erobern Tigrane und Clearte mit ihren Truppen die Stadt. Cleopatra glaubt irrtümlich, Tigrane habe ihren Vater getötet, und fällt in Ohnmacht.
Dritter Akt. Mitridate enterbt seine Tochter und verspricht Apamia, als Königin an seiner Seite zu herrschen. Oronte fällt in die Hände der Feinde, wird von Tigrane aber großmütig wieder freigelassen. Trotz aller Warnungen kehrt Cleopatra zu ihrem Vater zurück, und Tigrane folgt ihr. Die beiden kommen rechtzeitig zu Mitridates und Apamias Hochzeitsfeier. Noch immer besteht Mitridate darauf, dass Cleopatra für eine Aussöhnung Oronte heiraten müsse, was sie weiterhin ablehnt, da sie fest zu Tigrane steht. Auch Tigrane würde lieber sterben, als auf Cleopatra zu verzichten. Da jetzt auch Oronte und Apamia für das Paar eintreten, gibt Mitridate nach und willigt in ihre Ehe ein.
Erster Akt
Meereshafen mit festlich geschmückten Schiffen und Triremen; hell erleuchteter Platz an Land mit Bögen, Statuen und Trophäen
Szene 1. Der armenische König Tigrane ist unter dem Namen Farnace für den pontischen König Mitridate in den Krieg gezogen und hat zusammen mit seinem Freund und Verbündeten Clearte einen großen Sieg errungen. Jetzt kehrt er im Triumph nach Sinope zurück (Chor: „Vivi, e regna invitto Rè“). Mitridate ehrt die Sieger (Arie Mitridate: „Invitti Guerrieri“).
Szene 2. Als die Hofdame Apamia Tigrane ihre Liebe gesteht, weist der sie zurück. Sie will die Hoffnung aber nicht so schnell aufgeben (Arie Apamia: „Voglio sperar, si, si“).
Szene 3. Tigrane teilt Clearte mit, dass sein Herz bereits an Mitridates Tochter Cleopatra vergeben sei. Clearte weiß, dass sein Freund inkognito an den Hof seines Feindes Mitridate gekommen ist, um Cleopatra für sich zu gewinnen. Er verspricht ihm seine Unterstützung.
Szene 4. Cleopatras Vormund Arbante informiert die beiden darüber, dass Apamias Schwester Oronte sich Hoffnung auf Cleopatra mache. Er könne dabei mit ihrer Unterstützung rechnen, da Mitridate ein Auge auf sie geworfen habe.
Szene 5. Da die Zeit drängt, beschließt Tigrane, sich Cleopatra zu offenbaren. Clearte mahnt zur Vorsicht (Arie Clearte: „A quelle beltà“).
Szene 6. Dennoch bleibt Tigrane bei seinem Vorhaben (Arie Tigrane: „Occhi belli del mio Nume“).
Cleopatras Gemächer im Königspalast
Szene 7. Mitridate macht Apamia den Hof. Diese liebt jedoch Farnace, der Cleopatra versprochen ist. Sie und Oronte überreden Mitridate, seine Tochter stattdessen mit Oronte zu vermählen.
Szene 8. Als Mitridate Cleopatra dies mitteilt, weigert sie sich, Farnace zugunsten eines Vasallen aufzugeben. Mitridate bleibt jedoch hart (Arie Mitridate: „Penze, che Padre io sono“).
Szene 9. Cleopatra weiß genau, dass Apamia und Oronte dahinterstecken. Sie schwört ihnen Rache (Arie Cleopatra: „Forse un dì Scettro sovrano“).
Szene 10. Apamia will Oronte auf jede erdenkliche Weise unterstützen (Arie Apasia: „Vezzi, lusinghe e sguardi“).
Szene 11. Oronte vertraut seiner Schwester (Arie Oronte: „Se vede una stelle“).
Szene 12. Cleopatra will Farnace weiterhin die Treue halten, obwohl sie über seine Herkunft im Unklaren ist.
Szene 13. Tigrane offenbart Cleopatra seine wahre Identität als alter Feind ihres Vaters. Obwohl er ihr anbietet, mit seinem eigenen Tod für diese Täuschung zu büßen (Arie Tigrane: „Se vuoi, che à morir vada“), gerät sie in einen schweren Gewissenskonflikt (Arie Cleopatra: „Nemico adorato“).
Zweiter Akt
Blumengarten mit Lauben und Brunnen
Szene 1. Cleopatra versucht, ihre Ruhe wiederzugewinnen (Arie Cleopatra: „Qui mentre mormorando“).
Szene 2. Traurig betrachtet Tigrane die schlafende Cleopatra, die ihm im Traum ihr Vertrauen ausspricht. Apamia und Oronte nähern sich, und Oronte greift Tigrane an. Der zieht seinen Degen, um Cleopatra zu verteidigen. Von dem Lärm erwacht Cleopatra.
Szene 3. Mitridate erscheint mit seinen Wachen und lässt Tigrane verhaften, den er für den Angreifer hält. Tigrane gibt sich ihm zu erkennen, lässt sich aber widerstandslos festnehmen. Er ist bereit, für Cleopatra in den Tod zu gehen (Arie Tigrane: „Mi vedrai con lieta fronte“).
Szene 4. Cleopatra bekennt sich ihrem Vater gegenüber zu Tigrane (Arie Cleopatra: „Squarciami pure il seno“). Wütend kündigt ihr Mitridate Tigranes Tod an. Da greift Apamia ein und bittet ihn, den Gefangenen in ihre Gewalt zu übergeben. Mitridate ist einverstanden. Sie darf mit Tigrane tun, was immer ihr beliebt (Arie Mitridate: „Care pupille tra mille e mille“). Oronte weist sie darauf hin, dass auch sein eigenes Schicksal von ihrer Entscheidung abhänge. Ihrer beider Zukunft sei nur durch Tigranes Tod sicherzustellen (Arie Oronte: „Se lascio d’adorare“). Apamia will jedoch den noch immer von ihr geliebten Tigrane nicht verlieren (Arie Apamia: „In quella solo in quella“).
Gemächer im Königspalast, in denen Tigrane bewacht wird
Szene 5. Tigrane überlässt sich seiner Verzweiflung.
Szene 6. Durch einen Geheimgang, den ihm Cleopatra gezeigt hat, kommt Clearte in den Kerker und spricht Tigrane Mut zu. Er fürchtet allerdings, dass Cleopatra noch mehr Leid bevorsteht (Arie Clearte: „Oh quante lacrime“).
Szene 7. Apamia erklärt Tigrane ihre Liebe, wird von diesem aber zurückgewiesen. Sie schwört Rache (Arie Apamia: „Ti lascio ò core ingrato“).
Szene 8. Schließlich erscheint auch Cleopatra und befreit Tigrane aus dem Kerker. Sie wagt es nicht, ihren Vater zu verlassen, gibt Tigrane aber zum Abschied ein Andenken an ihre Liebe (Duett Cleopatra/Tigrane: „Ahi partenza ahi doglia amara“).
Szene 9. Oronte führt einen Wachmann in die Zelle, der Tigrane im Auftrag des Königs Gift bringen soll. Tigrane ist jedoch bereits geflohen, und die beiden finden nur Cleopatra vor.
Szene 10. Mitridate beschimpft seine Tochter wütend (Arie Mitridate: „Sin che tronca non vedrassi“).
Szene 11. Oronte umwirbt Cleopatra mit dem Versprechen, dadurch dem Zorn ihres Vaters entgehen zu können. Sie würde jedoch lieber sterben (Arie Cleopatra: „Lascierà l’amata salma“).
Szene 12. Arbante informiert Oronte darüber, dass Tigrane und Clearte inzwischen mit ihren Truppen die Stadt erobert haben und Mitridate geflohen sei. Cleopatra und Apamia seien schutzlos zurückgeblieben. Oronte ist bereit zu einem Gegenschlag (Arie Oronte: „Farà la mia spada“).
Teil der Stadt mit Soldatenzelten; im Vordergrund die von den Rammböcken und Kriegsmaschinen Tigranes und Cleartes zerstörten Schlossmauern
Szene 13. Bei ihrer Suche nach Cleopatra treffen Tigrane und Clearte auf Oronte und seine Leute, die sie in einer Schlacht besiegen und in die Flucht schlagen.
Szene 14. Cleopatra und Tigrane treffen endlich wieder zusammen. Da sein Degen blutbefleckt ist, glaubt sie, er habe ihren Vater getötet, und fällt in Ohnmacht (Arie Tigrane: „Solca il mar e nel periglio“).
Dritter Akt
Königliche Gemächer Mitridates
Szene 1. Mitridate bietet Apamia die Ehe an. Er erklärt seine Tochter Cleopatra für enterbt und verspricht Apamias Nachkommen die Nachfolge auf dem Thron (Arie Apamia: „Se per te mio caro sposo“ – Arie Mitridate: „Freme il mare, e la nave del regno“).
Das Lager der von Clearte und Tigrane angeführten Massageten mit einem großen Zelt, in dem die bewusstlose Cleopatra liegt
Szene 2. Clearte führt Tigrane den von ihren Soldaten gefangen genommenen Oronte vor. Tigrane zeigt sich großmütig. Er lässt Oronte frei und schickt ihn mit einer friedfertigen Botschaft zu Mitridate (Arie Oronte: „Amarti non devo“).
Das Zelt wird geöffnet, und man sieht Cleopatra, die sich von ihrem Schwächeanfall erholt
Szene 3. Cleopatra überredet Tigrane, sie zu ihrem Vater zurückkehren zu lassen, den sie in Gefahr glaubt (Arie Cleopatra: „Mira il pianto, in cui mi struggo“). Tigrane beschließt, ihr trotz aller Gefahren zu folgen (Arie Tigrane: „Più tiranna gelosia“).
Szene 4. Tigrane übergibt Clearte das Kommando über das Heer und verabschiedet sich von ihm (Arie Tigrane: „Tibasti di saper“ – Arie Clearte: „Alle scosse d’empia sorte“).
Apamias Garten
Szene 5. Oronte schwärmt seiner Schwester Apamia gegenüber von Tigranes Großzügigkeit. Sie wiederum teilt ihm mit, dass sie Mitridate heiraten werde (Arie Apamia: „Se in un bel viso“ – Arie Oronte: „Se ogn’or di pena in pena“).
Das Innere des Jupiter-Tempels mit dem Altar Hymens. Gefäße, Gaben und Opferinstrumente
Szene 6. Mitridate eröffnet die Hochzeitsfeierlichkeiten mit einer Anklage gegen seine verräterische Tochter und erklärt Apamia zur neuen Königin. Der von Tigrane freigelassene Oronte kommt hinzu.
Szene 7. Apamia wird von Mitridate öffentlich zur Königin ernannt (Arie Mitridate: „Vieni, ò bella, che regina“).
Szene 8. Cleopatra und Arbante unterbrechen die Zeremonie. Cleopatra bittet ihren Vater um Vergebung. Mitridate will diese ihr jedoch nur unter der Bedingung gewähren, dass sie Oronte heiratet. Da Cleopatra das weiterhin ablehnt (Arie Cleopatra: „Padre, ahi come“), verstößt ihr Vater sie.