Janine Sack (* 1969 in Köln) ist eine deutsche Verlegerin, Grafikdesignerin und Konzeptkünstlerin. Von 2008 bis 2012 arbeitete sie als Art-Direktorin der Wochenzeitung der Freitag. 2017 entwickelte sie das neue Erscheinungsbild der taz.

Werdegang Janine Sack hat Visuelle Kommunikation an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg studiert und war als Postgraduate-Studentin an der Kunsthochschule in Stockholm und hat mit 3D-Animation komplexe Videoprojekte realisiert. Schon 1990, am Anfang ihres Studiums der visuellen Kommunikation kam sie mit University TV in Kontakt und realisierte interaktive Fernsehprojekte und ein selbstorganisiertes medientheoretisches Seminar. Daraus entstand die Künstlerinnengruppe frauen-und-technik, bestehend aus Ellen Nonnenmacher, Bettina Schoeller, Lore Piatkowski, Ania Corcilius, Cornelia Sollfrank, Korinna Knoll, Annette Kisling, Silke Mauritius, Janine Sack und Christine Bader, die offiziell 1992 als Institut an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg zu Medien und Repräsentationsfragen aktiv wurde. Strategien von Marketing und Werbung wie Corporate Identity oder Corporate Design wurden zu ihren Techniken, die sie performativ dekonstruierten, die aber trotzdem für ihre Bekanntheit produktiv funktionierten. Kurz nach ihrem in Erscheinung treten produzierte frauen-und-technik Beiträge für das von van-Gogh-TV konzipierte Kunstfernsehen der documenta IX – die Piazza Virtuale.https://vangoghtv.hs-mainz.de/?portfolio=hamburg

Arbeitsweise In ihrer Medienpraxis interessiert sie sich für die Konstruktionen und Repräsentationen von gesellschaftlichen Stereotypen und machte performative Untersuchungen und analoge, später digitale Filme und vor allem Videos. Sie entwickelt Projekte an der Schnittstelle von Design, Feminismus, Technologien im öffentlichen Interesse, Kunst und Medien und experimentellem Publizieren. Übertragungsfragen zwischen dem Realen, Analogen und dem Digitalen befördern ihre Arbeit genauso wie die Frage wie Projekte, Inhalte und Themen anhand medialer Möglichkeiten konzeptualisiert und visualisiert werden können. Kern ihrer Arbeit ist intermediale Praxis, das Gestalten neuer Medienformate und fluider Bereiche, die ihre Standards noch nicht etabliert haben.

Werk 1993 entstand die Gruppe -Innen mit Cornelia Sollfrank, Korinna Knoll, Ellen Nonnenmacher und Janine Sack, die das Prinzip der Uniformierung, Konstruktionen und Dekonstruktionen von Identitäten, Kollektivierung von Autorschaft und medienkritische Auseinandersetzungen ins Zentrum künstlerischer Forschung stellte. Die Sendung Narzissmus in den Medien am Beispiel Fernsehen kann als eine performative Theorie zum Fernsehen gelesen werden. Kurze Zeit später entstanden vier einstündige Sendungen für das Hamburger Kabelfernsehen. 1996 starteten -Innen plus, jetzt mit Susanne Ackers auf der weltgrößten Computermesse, der CeBit in Hannover die Aktion -Innen im Frühling zu komplexen Verhältnissen von Geschlecht und Technik. Bei einem Foto der Gruppe, mit Messeuniformen bekleidet nehmen die Künstlerinnen Kontakt mit Ausstellern und Besuchern auf und verteilen Mousepads und Handouts mit Fragen und Multiple-choice-Antworten zu den Themen Gender, Technik und Sex. mini|-Innen, Postkarte von 1994: Korinna Knoll, Ellen Nonnenmacher, Janine Sack und Cornelia Sollfrank

Während ihres Postgraduierten-Gaststudiums an der Kunstakademie Stockholm von 2001 bis 2003 und ihres einjährigen postgradualen Programms 2003/04 beim Goldrausch Künstlerinnenprojekt beschäftigte sie sich mit Selbstoptimierung – dem modellhaften Trainieren von Identitäts- und Verhaltensstrategien und deren Vermarktung durch Unterhaltungsformate. Videoarbeiten mit Elementen einer fiktiven Reality Show, eine Corporate Identity, ein Logo und der Slogan be yourself – be on TV waren Elemente dieser Arbeit. Sie hat immer wieder kuratorische Projekte mitinitiiert wie die Veranstaltungsreihe Guestbook zum Thema Besuch, das Ausstellungsprojekt Revisiting Home – Wohnen als Schnittstelle von Individuum und Gesellschaft in der ngbk, Berlin.

Neben der Lohnarbeit an Publikationen und für Verlage hat sie sich mit gestalterischen Konzepten für den kulturellen Bereich beschäftigt. Vor diesem Hintergrund und den erworbenen Fähigkeiten arbeitete sie zwischen 2008 und 2013 als Art-Direktorin bei der Wochenzeitung der Freitag und am Entwurf eines neuen Layouts für die Zeitung taz. Sie unterrichtet Visuelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Digital Publishing u. a. an der HMKW und AMD Akademie Mode & Designin Berlin, Brand University, Zhuhai, Weißensee Kunsthochschule Berlin.https://www.hmkw.de/hochschule/lehrende/fachbereich-design/janine-sack Das Publikationsprojekt Der Filter mit Studierenden der HMKW, Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Berlin gewann den Nachwuchspreis des European Newspaper Awards. Auch als Art-Direktorin der Wochenzeitung der Freitag von 2008 bis 2012, gewann sie zahlreiche Designpreise für Print und Onlinegestaltung. Sie war von 2014 bis 2015 Teil des Kunstbuch-Verlags The Green Box mit Publikationen, in denen Künstlerinnen und Künstler ihre Kunst oder spezifische Kunstprojekte vorstellen können und 2017 gründete sie den Künstler*innenbuchverlag – A Book Edition.

Um mit digitalen Publikation im Bereich visueller Kultur in allen Bereichen der Kunst, der Architektur, Netzkultur, Politiken und Aktivismus, zu Zugänglichkeit von Kultur weiterforschen zu können begründete sie 2018 den E-Book-Verlag EECLECTIC. Mit diesem Verlagsprojekt für digitale Publikationen im Bereich visueller Kultur werden E-Books entwickelt, in denen sich mit künstlerischen Mitteln und auf experimentelle Art, Fotografie, Stadt, Politik, Gesellschaft, Feminismus und Film verschränken. Das mediale Potential des digitalen Publizierens und die Möglichkeiten digitaler Vermittlung stehen im Mittelpunkt der Verlagsarbeit. Performance/Video

1993: -Innen intern, 3 × 4 min, Hi-8, Farbe, stereo (mit -Innen) 1993: WAR IST WIRD 8 min, 16 mm, Farbe, stereo (mit Bettina Schoeller) 1994: Ein Mann wie Paul, 2 min 50, Computeranimation/VHS, mono, Farbe 1996: Frauen und Männer auf der CeBIT ’96, 3 min, Hi-8, Farbe, stereo, (mit -Innen) 1996: Tagebuchlesung von Bettina Schoeller und Janine Sack, Hamburg 1997: Jean & Jane, 3 min 30, 16 mm, Farbe, mono (mit H. Winckler) 1997: Marion, Hannover, 4 min 8, Beta-SP/DVD, Farbe, stereo 1997: Ambient No.1, ca. 60 min, mini-DV/VHS, Farbe, stumm 1998: Narzißmus in den Medien…, 11 min, Beta-SP, Farbe (mit -Innen) 1998: Plantinenbatik, ca. 40 min, Beta-SP, Farbe, stumm (mit Hans-Christian Dany) 1998: Ambient No.2, ca. 50 min, mini-DV/Beta-SP, Farbe, stumm 1999: Processing Cyberfeminism, Old Boys Network, OBN 2000: no secret, 7 min Farbe, mini-DV/Beta-SP, stereo, Videoinstallation 2000: weitergehen, 10 min, mini-DV/Beta-SP, Farbe, stumm, DV/Beta-Sp 2001: Slussen, 11 min, mini-DV, Farbe, stereo, Videoinstallation: 3 Projektionen 2002: virtual fear, 4 min 20, 3D-Animation/DVD, Farbe, stereo, Videoinstallation 2002: no secrets // virtual fearhttp://www.galerie-broll.net/archiv/projekte/kataloge/flyer_sack.pdf 2003: be yourself! Trailer, 2 min 36, Digital-S/DVD, Farbe, stereo, schwedisch, engl. UT 2003: be yourself! Finale, 21 min 10, Digital-S/DVD, Farbe, stereo, schwedisch, dt. UT 2003: be yourself! Interview Kim, 15 min, mini-DV/DVD, Farbe, stereo 2003: be yourself! 2-Kanal-Installation, 2 × 30 min, Farbe, ohne Ton 2003/04: be yourself! Video, Installation 2004: be yourself!, 3-Kanal-Installation, 3 × 15 min, Digital-S/DVD, Farbe, stereo, schwedisch, engl. UT

Ausstellungsbeteiligungen/Screenings (Auswahl)

1992: Penisneidspiele, frauen-und-technik, Piazza Virtuale, Van Gogh TV im Rahmen der documenta 9, Kassel 1993: Narzissmus in den Medien am Beispiel Fernsehen 1.1 Das Begehren, Gruppe -Innen, Produzentengalerie Kunstitut, Stuttgart 1994: -Innen informiert, Westwerk, Hamburg 1996: Tagebuchlesung, B-Movie, Hamburg, mit Bettina Schoeller 1996: November TV, Unfair, Köln 1996: When tekkno turns to sound of poetry, Shedhalle Zürich 1996: New Media – Old Roles, Intervention bei der Computermesse CeBit, Hannover (Projekt der Gruppe „-Innen plus“), – Innen im Frühling, 1997: Kritik des Privaten, Künstlerinnenstrategien der 70er und 90er Jahre, Symposium, Künstlerhaus Bethanien, Berlin 1998: The New Woman, NEID Show, Künstlerhaus Bethanien, Berlin 1998: Schnittstelle Produktion/Neid-Video-Show, Shedhalle Zürich und Berlin, Biennale Plattform, Postfuhramt 1999: Next Cyberfeminist International, Konferenz, Old Boys Network, Rotterdam 1999: Neid-Video-Show, Video Club 99, Hamburger Kunsthalle, Hamburg 1999: Tagebuchlesung, Fundbüro, Hamburg 2000: Ufo-Strategien, Edith-Ruß-Haus, Oldenburg, mit Ulrike Bergermann, Rod Dickinson, Astrid Herrmann, Verena Kuni, Museum für werdende Kunst, Ellen Nonnenmacher, Helene von Oldenburg, Andrea Sick, Janine Sack, Claudia Reiche, Cornelia Sollfrank, Josephine Starrs. 2001: Künstlerbilder, Galerie Helga Broll bei der Galerie Mesaoo Wrede, Hamburg 2002: Vernissage Marathon, Galerie Helga Broll bei der Galerie Hinterconti, Hamburg 2002: STIPENDIATEN 2001. 21. Arbeitsstipendium für bildende Kunst der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, Kunsthaus Hamburg, Markus Amm, Nándor Angstenberger, Peter Dombrowe, Ina Hattebier, Oliver Kochta, Frank Lüsing, Nina Könnemann, Manfred Kroboth, Wolfgang Oelze, Mario Palm, Janine Sack mit Katalog 2002: Skyltfönsterutställning, Galleri 21, Malmö 2003: „be yourself!“, Cinema Screening, Dundee Contemporary Arts, Dundee 2004: Goldrausch 2004, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin 2004: virtual minds – Kongress für fiktive Figuren, thealit Frauen.Kultur.Labor, Künstlerhaus Bremen 2005: Arbeit*, Galerie im Taxispalais, Kunsthalle Tirol, Innsbruck/work, The Glucksman, Cork 2005: Sei gefälligst du selbst, Galerie des Kunsthistorischen Instituts, Bonn 2006: Revisiting Home, NGBK – Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin 2007: Hotel Humboldt, glue, Berlin 2007: Homestories, Inken Reinert, Anja Corcilius und Inga Zimprich, CCA, Kiew 2008: Der Garten im Museum – Interventionen zeitgenössischer Künstler, Georg-Kolbe-Museum, Berlin 2009: Homestories II, Projektraum arttransponder, Berlin 2010: Anonymous Drawings Archive, Uferhallen, Berlin 2013: Anonyme Zeichner, Kunstverein Tiergarten, Berlin 2014: Anonyme Zeichner, based in Berlin, Pavillon am Milchhof, Berlin 2015: Drucken Heften Laden – Versuche über Theorie und Praxis unabhängigen Publizierens, Ausstellung, Workshop und Veranstaltungen, The Green Box, NGBK, Berlin 2017: commons lab, Studio XX, Montreal, CAN. Mit Cornelia Sollfrank wurde ein Designkonzept entwickelt, zu dem auch die Nutzung einer frei lizenzierten Schrift gehörte. 2018: Purple Noise Feminist Noisification of Social Media, On- and Offline Protest, Stadt der Frauen Esslingen / Drehmoment, Stuttgart 2018: Anonyme Zeichner, Galerie im Körnerpark, Berlin 2019: #iusemyfeelers – How to Grow and Use Your Feelers Purple Noise – Interdisziplin.re technofeministische Forschungsgruppe, Transmediale, Berlin 2022: #purplenoise Projekt #shareyourair, Installation, Video, Breathingchoir Performance, Ausstellung Empowerment, Kunstmuseum Wolfsburg 2023: Leseprobe. Ein installativer Lesesalon mit digitalen Publikationen aus dem Verlagsprogramm von EECLECTIC, Projektraum der Galerie Gisela Clement, Bonn

Auszeichnungen 2001: Stipendiatin für Freie Künste, Stadt Hamburg 2002: Stipendiatin Konstnärsnämnden, Schweden

Auszeichnungen für Art Direktion der Freitag 2009: European Newspaper Award Illustrationen, Titel, Einzelseiten, Konzept Print / Online 2009: Society for News Design World’s Best Designed Newspaper, Redesign (Auszeichnung) 2010: Art Directors Club: Bronze Online, Titel, Einzelausgabe (Auszeichnung) 2010: Leadawards Webmagazin des Jahres (Gold) 2011: Society for News Design Special News Topic (Silber) 2011: Art Director’s Club Print Jahrgang (Auszeichnung)