Das Wiener Institut für Höhere Studien – Institute for Advanced Studies (IHS) (früher: Institut für Höhere Studien und wissenschaftliche Forschung) ist ein Sozial- und Wirtschaftsforschungsinstitut in Österreich.

Das IHS setzt jährlich 11,5 Millionen Euro um (Stand 2020) und versteht sich als wirtschafts- und sozialwissenschaftliches Forschungszentrum, das im Dialog mit Politik und Wissenschaft Fragestellungen entwickelt und sowohl wissenschaftliche als auch politikrelevante Beiträge liefert.

Im Herbst 2023 wurde im Rahmen des Forum Alpbach eine vom Bildungsministerium in Auftrag gegebene Studie zur Wissenschaftsskepsis (IHS-Forschungsgruppe Wissenschaft, Technik und gesellschaftliche Transformation) inkl. FWF-mitvermittelter Podiumsdiskussion besprochen.Tanja Traxler: Wissenschaft jenseits der Stereotype, in: Der Standard vom 20230906, S. 19.

Geschichte

Das IHS wurde 1963 von zwei bekannten Exilösterreichern, dem Soziologen Paul F. Lazarsfeld und dem Wirtschaftswissenschaftler Oskar Morgenstern, gegründet. Die finanzielle Unterstützung stammte von der Ford-Stiftung, dem österreichischen Unterrichtsministerium und der Stadt Wien. Bis 1968 wirkte Freda Meissner-Blau unter dem damaligen Direktor Ernst Florian Winter als Generalsekretärin am IHS.

2016 wurde der österreichische Ökonom Martin Kocher zum Direktor bestellt. Nachdem Kocher am 11. Jänner 2021 als Arbeitsminister der Bundesregierung Kurz II angelobt wurde, übernahm Eva Liebmann-Pesendorfer interimistisch die Leitung. Als Nachfolger von Kocher war ursprünglich Lars Feld vorgesehen, er trat die Stelle aber nicht an. Auch der Chef des Brüsseler Thinktanks Bruegel Guntram Wolff sagte für den Posten ab. Zum interimistischen wissenschaftlichen Leiter ab 2. Mai 2022 wurde der emeritierte Wirtschaftsprofessor Klaus Neusser bestellt. Im Dezember 2022 beschloss das IHS-Kuratorium, mit dem deutschen Wirtschaftswissenschafter Holger Bonin Verhandlungen über die Neubesetzung der wissenschaftlichen Leitung aufzunehmen. Diese Verhandlungen wurden mit 16. Februar 2023 erfolgreich abgeschlossen, Bonin trat die Leitung des IHS mit 1. Juli 2023 an.

Struktur des Instituts Die Forschung am IHS wird durch acht Forschungsgruppen (Stand 2023) abgebildet: Energie, Umwelt und nachhaltige Wirtschaftsstrukturen Europäische Governance, Öffentliche Finanzen und Arbeitsmarkt Gesundheitsökonomik und -politik Hochschulforschung Bildungsforschung und Beschäftigung Verhaltensökonomik Makroökonomik und Konjunktur Wissenschaft, Technik und gesellschaftliche Transformation

alternativtext=Seit Sommer 2015 ist das Institut für Höhere Studien im Palais Strozzi untergebracht.|mini|Seit Sommer 2015 ist das Institut für Höhere Studien im Palais Strozzi untergebracht. Des Weiteren unterstützt das IHS Doktoranden-Kolleg Nachwuchswissenschafter dabei, das Doktorat zu erlangen. Das Institut kooperiert dazu mit verschiedenen Doktoratsprogrammen und internationalen Trainingsnetzwerken, wie der Vienna Graduate School of Economics. oder der Vienna Graduate School of Finance In der Öffentlichkeit ist das IHS vor allem für seine Wirtschaftsprognosen bekannt, die vierteljährlich gemeinsam mit den Prognosen des WIFO präsentiert werden und die größte Resonanz in den österreichischen Medien finden.

Standort Der Sitz befindet sich seit Sommer 2015 in der Josefstädter Straße 39, dem Palais Strozzi, Wien 8. Mehr als 50 Jahre war das außeruniversitäre Forschungsinstitut in der Stumpergasse, Wien 6 untergebracht.

Leitung und Organe Das IHS ist als Verein organisiert und wird von einem (wissenschaftlichen) Direktor geleitet (ab der Neubesetzung der Leitung 2016 zusätzlich unterstützt von einem Generalsekretär). Die Funktion eines Aufsichtsrates übernimmt das Kuratorium, darüber hinaus ist ein wissenschaftlicher Beirat eingerichtet.

Direktoren Zeitraum Name 1963–1965 Slawtscho Sagoroff (Gründungsdirektor). Artikel von Oktober/November 2008, abgerufen am 6. Dezember 2014. 1965–1966 Oskar Morgenstern . Abgerufen am 6. Dezember 2014. 1966–1967 Walter Toman . Abgerufen am 6. Dezember 2014. 1967–1968 Ernst Florian Winter 1968–1973 Gerhart Bruckmann 1973–1980 Gerhard Schwödiauer 1980–1983 Anatol Rapoport 1984–1991 Hans SeidelFestschrift 50 Jahre IHS - Heinrich Neisser: Die Geschichte des IHS. Abgerufen am 6. Dezember 2014. 1991–2012 Bernhard Felderer 2012–2014 Christian KeuschniggderStandard.at - 500.000 Euro fehlen: IHS-Chef Keuschnigg tritt zurück. Artikel vom 23. Oktober 2014, abgerufen am 23. Oktober 2014. 2015 – Februar 2016 Sigurd Höllinger (interimistisch)diepresse.com - Sigurd Höllinger: Ein "Roter" wird IHS-Chef. Artikel vom 6. Dezember 2014, abgerufen am 6. Dezember 2014.ots.at - Höllinger beendet seine Tätigkeit am IHS – Führendes Forschungsinstitut erfolgreich neu aufgestellt. Artikel vom 29. Februar 2016, abgerufen am 8. Juni 2016. März bis August 2016 Thomas Czypionka (interimistisch) 1. September 2016 bis Jänner 2021 Martin KocherderStandard.at - Neuer IHS-Chef Martin Kocher: Ökonom mit Freude am Experimentieren. Artikel vom 1. Juli 2016, abgerufen am 1. Juli 2016. ab Jänner 2021 Eva Liebmann-Pesendorfer (interimistisch) ab Mai 2022 Klaus Neusser (interimistisch) seit 1. Juli 2023 Holger Bonin

Von der Gründung 1963 bis zum Jahr 1983 gab es neben dem Direktor jeweils auch einen beigeordneten Direktor. Beide Funktionen wurden durch Vertrauenspersonen der beiden damaligen Regierungsparteien ÖVP bzw. SPÖ besetzt. In dieser Zeit wurden insgesamt sieben Direktoren von fünf verschiedenen beigeordneten Direktoren begleitet.

Beigeordnete Direktoren

Zeitraum Name 1963–1964 Adolf KozlikWie Neues nicht entsteht. Die Gründung des Instituts für Höhere Studien in Wien durch Ex-Österreicher und die Ford Foundation. Abgerufen am 6. Dezember 2014. 1965–1966 Fritz Kolb 1971–1973 Gerhard Schwödiauer 1973–1983 Erhard Fürst. Abgerufen am 6. Dezember 2014.

Literatur

Christian Fleck: Warum Wien nicht zum mitteleuropäischen (Ausbildungs-)Zentrum der empirischen Sozialwissenschaften wurde. Hrsg.: Wolfgang L. Reiter et al. In: Wissenschaft, Technologie und industrielle Entwicklung in Zentraleuropa im Kalten Krieg, Wien 2017, S. 155–208. Christian Fleck: Geschichte des Instituts für Höhere Studien in Wien. Hrsg.: Stephan Moebius, Andrea Ploder. In: Handbuch Geschichte der deutschsprachigen Soziologie, Bd. 1, Wiesbaden 2018, S. 997–1007. Thomas König: Vom Naturrecht zum Behavioralismus und darüber hinaus. Konzeptionelle Grundlagen der Disziplin Politikwissenschaft in Österreich. Hrsg.: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft 41/4, 2012, S. 419–438.

Weblinks Offizielle Website (englisch und deutsch) Ursachenstudie zu Ambivalenzen und Skepsis in Österreich in Bezug auf Wissenschaft und Demokratie – Endbericht

Einzelnachweise

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