Das Brandbergmassiv (oft auch einfach nur Brandberg; khoekhoegowab Dâures, otjiherero Omukuruvaro) ist ein Bergmassiv im Damaraland in Namibia. Es liegt in der Region Erongo im Westen des Landes, rund 90 km vom Atlantik entfernt, ist im Mittel hoch und überragt das umgebende Land um fast . Sein und gleichzeitig Namibias höchster Berg ist der Königstein mit einer Höhe von . Eine exponierte Lage besitzt auch die Zisabspitze () am Ostrand des Brandbergmassivs. Die gesamte Erhebung ist oval und nimmt eine Fläche von 420 km² ein.
Name links|mini|Brandberg im Morgenlicht Frühe Erwähnungen des Brandberges und seiner Bewohner stammen aus dem 19. Jahrhundert, so z. B. von Charles John Andersson und Georg Gürich. Dabei dürfte der von Charles John Andersson zitierte Bericht des William Messum eine der ersten Erwähnungen des heutigen Brandberges überhaupt sein. Messum zufolge wurde der Berg, den die Einheimischen als „Dourissa“ bezeichneten, von seinem Entdecker „Messum-Berg“ bzw. „Mount Messum“ genannt.
Der Berg ist – mit einer geschätzte Höhe von 3200 Fuß über dem Meeresspiegel – auch auf einer 1856 erschienenen Karte eingezeichnet. Die Benennung hat sich nicht durchsetzen können, jedoch lebt der Name von Messum in der Bezeichnung für den 45 km südwestlich gelegenen Messum-Krater fort.
Auf einer Karte von Deutsch-Südwestafrika im 1894 erschienenen Kolonialatlas von Paul Langhans taucht das Brandbergmassiv gleich mit drei verschiedenen Namen auf: „Brandberg“, „Daureb“ und „Omukuruwaro“.
Der noch heute genutzte offizielle Name Brandberg stammt von der glühenden Farbe, in der der Berg erscheint, wenn die Sonne von Westen auf das rötliche Granitgestein scheint. Die Khoekhoegowab sprechenden Damara, zu deren Siedlungsgebiet seit jeher der Brandberg zählt, nennen ihn Daureb, Daunas oder Daures, was mit „verbrannter Berg“ übersetzt wird, „weil dort das Land so kahl und ohne Gras und Baum ist, als ob es abgebrannt (daú) wäre“. Die Otjiherero sprechenden Herero, die seit Mitte des 18. Jahrhunderts, vom Kaokoveld kommend, in das Damaraland eindrangen, bezeichnen den Brandberg als Omukuruwaro (Berg der Götter) oder Das Land/Gebiet der Alten/Ahnen.
In neuerer Fachliteratur wird er als Dâures Mountain bezeichnet.Goodman Gwasira: Rethinking the archaeology of the Dâures Mountain in a post-colonial context, In: Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft Journal, Ausgabe 66, 2018, ISBN 978-99945-76-60-9, S. 113ff.
Erstbesteigung Februar 1914: Die Vermessungssoldaten Claus Burfeindt und Hans Carstensen, beide Angehörige der kolonialen Schutztruppe, stiegen mit großer Mühe und nur durch die Unterstützung einzelner Menschen vor Ort in das Brandbergmassiv. mini|Blick vom Horn (mit einzementierter Eisenstange) zum Königstein am 6. April 1966
Die beiden irrten sich hinsichtlich des höchsten Gipfels: es stellte sich erst sehr viel später heraus (1955), dass sie auf dem Horn waren, dem zweithöchsten Gipfel des Brandbergs, denn man fand auf dem Horn (2519 m) die von Burfeindt einzementierte Eisenstange (vgl. die nebenstehende Abbildung).
Die eigentliche Erstbesteigung des Königstein im Brandbergmassiv gelang Ernst August Gries, Reinhard Maack und Georg Schulze am 2. Januar 1918. Beim Abstieg entdeckte Maack am 4. Januar die berühmte „White Lady“. Anlässlich des einhundertjährigen Jubiläums der Erstbesteigung wurde der Königstein am 1. Januar 2018 von einer kleinen Gruppe aus Deutschland mit dem Politologen Helge Kleifeld, der Archäologin Martina Trognitz sowie dem Piloten Lukas Gehring unter Führung der Namibier John Dungle, Cohlen Gawanab und Michael Taniseb über die Gaseb-Schlucht auf der Südseite des Brandberges bestiegen.
Eine Karte des Brandberges, die nach den 1917/18 durchgeführten photogrammetrischen Aufnahmen von Reinhard Maack und Albert Hofmann im Maßstab 1:200.000 angefertigt wurde, ist u. a. im Anlagenband der Dissertation von Jana Moser zu finden.
Geographie mini|Das Brandbergmassiv (Landsat) mini|links|Nordseite der Tsisab-Schlucht Der Brandberg liegt zwischen 21° und 21°15′ südlicher Breite und 14°25′ und 14°40′ östlicher Länge und befindet sich in 80–90 km Entfernung von Cape Cross und der Atlantikküste. Er bildet auf einer Fläche von etwa 420 km² (nach anderen Angaben 750 km²) ein leicht ovales Massiv von 26 × 21 km Ausdehnung und einem mittleren Durchmesser von 23 km, das seine Umgebung im Durchschnitt um fast 2.000 m überragt und welches die markanteste Geländeerhebung in der zentralen Namib darstellt. Das Massiv ist bei klarer Sicht noch aus über 100 km Entfernung sichtbar. Der nächste Ort ist die in circa 30 km Entfernung vom Brandberg liegende ehemalige Bergbausiedlung Uis.
Die vier höchsten Gipfel Namibias befinden sich allesamt im Brandbergmassiv: „Königstein“ (), „Horn“ (oder „Claus-Burfeindt-Horn“) (), „Numasfels“ (), „Aigub“ () sowie der „Orabes-Kopf“ () und die „Zisabspitze“ (auch „Tsisabspitze“) (). Auf der offiziellen Karte Namibia 1:250.000 Blatt 2114 Omaruru weichen die Höhen geringfügig von den hier angegebenen Zahlen ab. Aufgrund der geringen Schartenhöhe sowie der Dominanz handelt es sich jedoch nicht um selbständige Gipfel, sondern um Nebengipfel des Königstein in ein und demselben Massiv.
Das Brandbergmassiv wird radial von etwa 20 Hauptentwässerungssystemen durchzogen, wobei sich rings um den Brandberg tief eingeschnittene Schluchten in das Massiv erstrecken (vergleiche dazu die nebenstehende Karte). Von Osten beginnend, sind diese im Uhrzeigersinn die Schluchten „Tsisab“, „Basswald“, „Orabes“, „Ga-Aseb“ (oder „Gaseb“), „Hungorob“, „Amis“, „Kleine Dom“, „Große Dom“, „Numas“, „Weilersbronn“, „Naib“, „Karoab“, „Umoab“, „Nuwoarib“, „Sonusib“ und „Schaf“. Die größten dieser Schluchten sind Numas und Naib im Westen und Tsisab im Osten.
Kontinuierlich wasserführende Flüsse existieren im Brandbergmassiv und dessen näherer Umgebung nicht. Eine allenfalls temporäre Wasserführung ist nur bei gelegentlich fallenden Niederschlägen zu verzeichnen, wenn die Flüsse, in dieser Region Riviere genannt, „abkommen“. Nördlich des Brandberges fließt der Ugab, dem alle den Osten, Norden und Westen des Brandbergmassivs entwässernden Riviere einschließlich des Amis zuliefern. Die den südlichen Bereich des Brandbergs entwässernden Riviere fließen in den Messum und den Orawab.
Geologie Der Pluton des Brandbergmassivs bzw. der Brandberg-Komplex ist eine Granitintrusion und stellt einen anorogenen Ringkomplex des Intraplattentyps dar, dessen Platznahme in der Erdkruste vor ca. 130 Millionen Jahren in der geologischen Epoche im Jura und in der Kreide in einem hohen Krustenniveau stattfand. 40Ar/39Ar-Altersbestimmungen ergaben Alter von 132–130 Millionen Jahren, welche zeigen, dass die verschiedenen granitischen Einheiten des Brandbergs altersmäßig nicht voneinander unterscheidbar sind und dass sie sich gleichzeitig mit den Flutbasalten und dem vergesellschafteten felsischen Vulkanismus der Etendeka-Paraná-Provinz gebildet haben. Die Heraushebung und Abtragung von ca. 5 km überliegendem Gestein geschah vor ca. 60–80 Millionen Jahren.
Der Brandberg rief schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Interesse vieler Geologen, Mineralogen und Petrographen, später auch von Geophysikern, Chemikern, Geochemikern und Physikochemikern, hervor. Mit Bau, Bildung und Gestalt des Brandbergmassivs haben sich Hans Cloos und Karl F. Chudoba, mit seinem Intrusionsmechanismus Hermann Korn und Henno Martin befasst. Später beschäftigte sich Frank D. I. Hodgson mit Petrographie und Evolution der Brandberg-Intrusion. Das ökonomische Potential der Mineralisationen im Brandbergmassiv thematisierten Oleg von Knorring, J. Potgieter, C. Schlag und Alexander Willgallis, Axel Schmitt und Mitarbeiter sowie Franco Pirajno.
Zu den wichtigsten Veröffentlichungen über die Gesteine des Brandberg-Komplexes gehören Michael Diehls Dissertation zur Geologie, Mineralogie, Geochemie und hydrothermalen Alteration des Brandbergs und die Arbeit von Peter Bowden und Mitarbeitern zur Evolution der anorogenen Granite in Namibia. Altersdatierungen an den Gesteinen des Brandbergs nahmen u. a. Ronald T. Watkins und Mitarbeiter und Axel K. Schmitt und Mitarbeiter vor. Unter den jüngeren Arbeiten müssen ferner die von Matthias J. Raab und Mitarbeitern und Tim Vietor und Mitarbeitern erwähnt werden.
Aufbau mini|hochkant=1.5|Geologische Übersichtskarte des Brandberg-Alkaligesteinskomplexes Im gegenwärtigen Erosionsniveau zeigt der Komplex eine Reihe von subvulkanischen magmatischen Zentren, die sämtlich eine granitische Zusammensetzung aufweisen. Metalumische Granite und quarzmonzonitische Gesteine nahmen als Ringgänge bzw. Kegelspalten (Cone Sheets) außerhalb der späteren Caldera oder als mächtige, ringförmige Lagen Platz. Peralumische Granite nehmen den Zentralteil des Komplexes ein; zeitlich folgen ihnen peralkalische Granite an der Peripherie des Massivs.
Alle Gesteinstypen des Brandberg-Komplexes weisen signifikante mineralogische und geochemische Merkmale von Graniten mit hoher Wärmeerzeugung (High-heat-producing Granites) bzw. A-Typ-Graniten mit anomal hohen Gehalten an inkompatiblen Elementen auf. Dazu zählen Elemente mit hoher Feldstärke (High Field Strength Elements, z. B. Zr, U, Th, Nb oder Ta) sowie LILE (Large-ion lithophile Elements, das sind Elemente mit großem Ionenradius wie K, Rb, Cs, Sr oder Ba).
Es wurden verschiedene Typen postmagmatischer hydrothermaler Alterationsprozesse beobachtet, die solchen, welche mit anorogenen Ringkomplexen in Nigeria vergesellschaftet sind, ähneln. In Abhängigkeit von der ursprünglichen chemischen Zusammensetzung des kristallisierenden Granits und seiner metasomatische Vorgänge auslösenden hydrothermalen Fluide können Prozesse der Kaliummetasomatose, Natriummetasomatose, Vergreisenung, Turmalinisierung und Chloritisierung beobachtet werden. Kationenaustauschprozesse führten zum Zusammenbruch der primären Mineralvergesellschaftung in den Graniten und zur Generierung von hydrothermalen Mineralparagenesen, die lokal mit der Kristallisation von Zink-, Zinn-, Niob-, Yttrium- sowie REE-haltigen Erzmineralen einhergingen. Das Spektrum von Subsolidus-Mineralen in diesen Vergesellschaftungen ist charakterisiert durch das Vorkommen von Albit (Ab99,4–96,8An0,6–3,2), gerötetem Mikroklin, die Destabilisierung von frühkristallisiertem Biotit zugunsten von Glimmern der Siderophyllit-Zinnwaldit-Reihe sowie lokale Konzentrationen von Turmalin.
Fenitisierte Granite, die hydrothermal gebildeten zinkhaltigen Fluor-Arfvedsonit und zinnhaltigen Aegirin als neugebildete Minerale enthalten, kommen in geschichteten, agpaitischen Gesteinsserien des Amis-Komplexes, einer Satellitenintrusion am Südwestrand des Brandbergs, vor. In diesem Zusammenhang treten verschiedene Typen und Stile von Mineralisationen auf: disperse Nb-, Ta-, REE-Mineralisationen, fein verteilte Sn-Mineralisationen sowie spalten- und gangkontrollierte Sulfid-/Oxid-Mineralisationen (Zn/Sn). Mineralisationen im Brandberg-Komplex sind generell auf Zonen beschränkt, wo postmagmatische Fluid-Gesteins-Wechselwirkungsprozesse stattfanden, deren Zeitdauer und Intensität hinreichend lang bzw. groß genug war, um Erzminerale zu generieren. Alterationszonen wurden in den Dachbereichen des Komplexes, entlang der Kontakte und der Randbereiche der einzelnen Intrusionen sowie im umgebenden Nebengestein beobachtet.
Entstehung mini|Detail des Edenit führenden Granits im Brandbergmassiv Der Brandberg weist eine ähnliche magmatische Evolution wie auch andere granitische Alkaligesteins-Ringkomplexe auf. Die Bildung des „Brandberg Alkaline Complex“ begann klassischerweise mit einer Aufdomung der Erdkruste, was zur Bildung von Kegelspalten führte und der die Platznahme von Cone Sheets (Ringgängen) folgte. Die früheste vulkanische Aktivität begann wahrscheinlich mit pyroklastischen Produkten und pyroklastischen Strömen rhyodazitischer Zusammensetzung.