mini|Grab Marc André Souchays, seiner Frau und einer Tochter auf dem Inneren Plauenschen Friedhof in Dresden-Plauen Marc André Souchay (* 27. Juli 1824 in Lübeck; † 15. Januar 1880 in Dresden) war ein deutscher Kaufmann, Klavierlehrer und Musikkritiker.
Leben Marc André Souchay stammte aus dem Lübecker Zweig der wohlhabenden hugenottischen Familie Souchay, die Anfang des 18. Jahrhunderts aus Frankreich zunächst nach Hanau gekommen war. Er war das erste Kind des gleichnamigen Kaufmanns Marc André Souchay und dessen Frau Elisabeth Louise Betty, geb. Ganslandt (1806–1842), einer Tochter von Röttger Ganslandt. Auch sein Großvater väterlicherseits hieß schon Marc André Souchay; Theodor Souchay war sein jüngerer Bruder.
Er erhielt sowohl eine kaufmännische Ausbildung als auch eine umfassende musikalische Bildung. 1842 war er Schüler von Wilhelm Deichert in Kassel. Ab 1847 lebte er als Klavierlehrer und Musikkritiker in Hamburg. 1854 ging er für weitere Studien zu Franz Liszt nach Weimar. Seine „schwankende Gesundheit“ machte seinen Plan, sich zum Klaviervirtuosen ausbilden zu lassen, zunichte.Johann Hennings: Musikgeschichte Lübecks I: Die weltliche Musik. Kassel und Basel: Bärenreiter 1951, S. 253. Sein Erbe versetzte ihn jedoch in die Lage, sich als Privatier ganz der Musik widmen zu können.
Er erbte das große Haus Johannisstraße (heute Dr.-Julius-Leber-Straße) 52, das später für den Komplex des Gewerkschaftshauses abgebrochen wurde, und war Mitbesitzer des Gutes Krempelsdorf, dessen Herrenhaus als Sommersitz der Familie diente. Aus Weimar hatte Souchay die Begeisterung für das Werk von Richard Wagner mitgebracht. Im Februar 1869 fand im großen Saal seines Hauses eine konzertante Aufführung der Ouvertüre und des 2. Aktes von Wagners Oper Der fliegende Holländer statt.Johann Hennings: Musikgeschichte Lübecks I: Die weltliche Musik. Kassel und Basel: Bärenreiter 1951, S. 253. Souchay hatte die Einstudierung übernommen und leitete die Aufführung vom Flügel aus.
Ab 1875 lebte er in Dresden als Tonkünstler in der Waisenhausstr. 13.Siehe Adreßbuch Dresden von 1876 Er wurde auf dem Inneren Plauenschen Friedhof beigesetzt, wo sein Grabstein erhalten ist und unter Denkmalschutz steht.
Seit 1851 war er verheiratet mit Maria Mathilde, geb. Irsengarten (* 1829 in Hamburg; † 1916 in Dresden-Blasewitz). Das Paar hatte vier Töchter, darunter Theodora (Dora, 1857–1945), die Theodor Distel heiratete und die Mutter von Hilde und Lilli war, sowie Louise Souchay (1858–1945), die letzte Trägerin des Namens in Lübeck. Da Marc André Souchay keinen Sohn hatte, erhielt ein Sohn seines Bruders Theodor den Namen Marc André Souchay (1861–1944). Der Komponist Marc-André Souchay war ein Enkel.
Korrespondenz mit Mendelssohn Souchay war ein entfernter Cousin von Cécile Charlotte Sophie Mendelssohn Bartholdy, geb. Jeanrenaud (1817–1853) aus dem Frankfurter Ast der Familie Souchay, der Ehefrau von Felix Mendelssohn Bartholdy.Marc André Souchays Urgroßvater Esaïe Souchay (1723–1791) und Cécile Jeanrenauds Urgroßvater Jean-Daniel Souchay de la Duboissière (1736–1811) waren Brüder. Mit beiden führte er schon als Jugendlicher eine Korrespondenz, von der ein Brief Mendelsohns an Souchay vom 15. Oktober 1842 Berühmtheit erlangte und oft zitiert worden ist. Der damals 18-jährige Souchay hatte Mendelssohn zu einer Reihe der Lieder ohne Worte Titel vorgeschlagen.Teilabdruck des Briefes bei John Michael Cooper: Words Without Songs? Of Texts, Titles, and Mendelssohn's Lieder ohne Worte. In: Hermann Danuser, Tobias Plebuch (Hrsg.): Musik als Text – 2. Kassel: Bärenreiter 1998, ISBN 3-7618-1402-X, S. 341–345 (Digitalisat), hier S. 344; Souchays Brief ist erhalten in Green Book XVI. Letters to Felix Mendelssohn Bartholdy, Jul-Dec 1842, Bodleian Library Mendelssohn lehnte den Vorschlag ab; seine Antwort „gilt als eines der zentralen Dokumente seiner Musikanschauung“:Thomas Christian Schmidt: Die ästhetischen Grundlagen der Instrumentalmusik Felix Mendelssohn Bartholdys. Stuttgart: M und P, Verlag für Wissenschaft und Forschung 1996, zugl.: Heidelberg, Univ., Diss., 1995, ISBN 978-3-476-45163-7, S. 155.
Literatur Otto Döhner: Das Hugenottengeschlecht Souchay de la Duboissière und seine Nachkommen. (= Deutsches Familienarchiv 19) Neustadt a.d. Aisch: Degener 1961, S. 157. John Michael Cooper: Words Without Songs? Of Texts, Titles, and Mendelssohn's Lieder ohne Worte. In: Hermann Danuser, Tobias Plebuch (Hrsg.): Musik als Text – 2. Kassel: Bärenreiter 1998, ISBN 3-7618-1402-X, S. 341–345 (Digitalisat)
Weblinks Englische Übersetzung des Briefes von Mendelssohn an Souchay bei Wikisource
Einzelnachweise
Kategorie:Pianist Kategorie:Person um Felix Mendelssohn Bartholdy Kategorie:Person (Lübecker Geschichte) Marc Andre Kategorie:Geboren 1824 Kategorie:Gestorben 1880 Kategorie:Mann