mini|hochkant=1.3|Maximilianstraße – ein Straßenmarkt in der historischen Innenstadt und Keimzelle Bayreuths mini|Fußgängerzone Maximilianstraße mit Famabrunnen und Maibaum mini|Untere Maximilianstraße: enger, gewunden und leicht abschüssig Die Maximilianstraße ist eine Straße in der oberfränkischen Stadt Bayreuth. Im örtlichen Sprachgebrauch wird sie auch Maxstraße und in ihrem zentralen Abschnitt Markt genannt. Zentral in der Innenstadt gelegen führt sie vom Sternplatz zur Erlanger Straße und entspricht in ihrer überwiegenden Länge einem Straßenmarkt. Mit ca. 330 m Länge und 45 m maximaler Breite stellt dieser die zentrale Straße und wichtigste Geschäftsstraße der historischen Innenstadt dar.
Name Im ersten Stadtbuch von 1441 werden die Häuser an der Nordseite des Marktplatzes als „erst riß“ (erste Reihe), jene der Südseite als „ander riß“ bezeichnet. Der vermutlich seit dem Mittelalter existierende Name Haupt-Gaße wird erst um das Jahr 1700 greifbar. Auf der Carte Spéciale De La Résidence De Bareuth von 1745, dem sog. Riediger-Plan, tritt die Straße als Marck Gaß in Erscheinung.Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A-Z, S. 81 ff. Um 1800 wird erwähnt, dass die Hauptstraße auch Marktstraße genannt werde.
Nach dem Verkauf der ehemaligen Hauptstadt des Fürstentums Bayreuth an das Königreich Bayern änderten sich im Jahr 1810 die Herrschaftsverhältnisse. Aus Anlass des 25-jährigen Regierungsjubiläums des bayerischen Königs Maximilian I. wurde die örtliche Hauptstraße zu dessen Ehren 1824 in Maximilianstraße umbenannt.
Lage mini|hochkant|Blick vom Sternplatz in die Maximilianstraße mit den Häusern Maximilianstraße 1 (links) und 2 sowie einem den Fußgängerbereich befahrenden Linienbus (2012) mini|Unterer Markt mit Spitalkirche und dem 2007 abgerissenen Sparkassengebäude (2006) Die Maximilianstraße bildet mit der Richard-Wagner-Straße einen durchgehenden Straßenzug, der die Innenstadt von Südosten nach Nordwesten durchquert und historisch die Hauptverkehrsachse Bayreuths darstellt. Weitgehend gerade und steigungsfrei auf einer Anhebung zwischen zwei Tälern angelegt, fällt sie an ihrem westlichen Ende („untere Maximilianstraße“) in einem gekrümmten Verlauf zum Niveau des Sendelbachs hin ab.
Seitenstraßen bzw. -plätze vom Sternplatz aus gesehen sind: Südseite: Kanzleistraße Brautgasse Kirchgasse Sophienstraße Spitalgasse Von-Römer-Straße Dammallee Nordseite Schloßberglein Ehrenhof des Alten Schlosses Schulstraße Frauengasse Am Mühltürlein Pauschenberglein
Daneben führen zwei überdachte Ladenpassagen vom Markt aus in nördlicher Richtung: Die Eysserhauspassage beginnt im Haus Maximilianstraße 26 und führt zur Kanalstraße, die Passage Max 48 parallel zur Schulstraße zur Zentralen Omnibushaltestelle (ZOH).
Die Maximilianstraße endet an der Kreuzung der Kulmbacher Straße mit der Erlanger Straße und dem Hohenzollernring. Letzterer wurde Anfang der 1970er Jahre im Verlauf der ehemaligen Straßen Graben und Wolfsgasse als Teil des weitgehend vierspurigen „Stadtkernrings“ angelegt.
Geschichte und Beschreibung mini|Maximilianstraße am 30. Mai 1909, Aufnahme vom ersten Überflug eines Zeppelins mini|Blick über den unteren Markt mit dem Neptunbrunnen nach Südosten (1891) mini|Herkulesbrunnen und Häuserzeile auf der Nordseite des Marktplatzes (1904) mini|Altes Rathaus (Maximilianstraße 33), links das 1970 abgerissene Geburtshaus des Philosophen Max Stirner (ca. 1910) mini|hochkant|Erster für Wagen passierbarer Durchbruch zwischen der Spitalkirche und dem ehemaligen Amtsgericht (um 1910) mini|West- und Nordflügel des Alten Schlosses, im Ehrenhof das Maximiliansdenkmal (um 1910) mini|Blick vom Sternplatz in die Maximilianstraße mit dem 1962 abgerissenen „Gärtnerhaus“ Maximilianstraße 1 (links), vor 1900 Der sog. untere Markt im Bereich zwischen Frauengasse und Sophienstraße wird als Keimzelle der Stadt Bayreuth angesehen. Vermutlich existierte dort, auf der vom Roten Main und dem Sendelbach eingerahmten Spitze eines Sandsteinplateaus, bereits vor der Stadtgründung im Zuge der Rodungstätigkeit durch die Schweinfurter Grafen eine kleine fränkische Ansiedlung. Otto VII. von Meranien ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Landesherr, der den 1194 erstmals urkundlich erwähnten und 1199 noch als „villa“ (Dorf) bezeichneten Ort zwischen 1200 und 1230 zur Stadt erhob.Karl Müssel: Bayreuth in acht Jahrhunderten, S. 30.
Bereits vor 1370 hatte Bayreuth das Marktrecht erhalten. Die Anlage des Straßenmarkts, dessen Führung sich in eine karolingische Altstraße eingliedert, weist auf ein frühes kleines Handelszentrum hin. Der Markt erstreckte sich vom Oberen (Stadt-)Tor nordwestlich des Sternplatzes bis zum Unteren Tor nordöstlich der Straße Pauschenberglein. Noch in den 1920er Jahren war seine Funktion weniger die einer Durchgangsstraße als vielmehr jene eines Marktplatzes.Kurt Herterich: Im Herzen von Bayreuth, S. 13 u. 21.
Der künstliche Wasserlauf Tappert folgte dem Markt vom Sternplatz bis zum Mühltürlein. Als bis ins frühe 19. Jahrhundert offener Kanal diente er als Abwasserkanal und als Löschwasserreservoir im Brandfall.Herbert Popp: Bayreuth – neu entdeckt, S. 340 f. Beim Umbau des Marktplatzes wurden im Jahr 2010 Reste des einstigen Kanalbetts gefunden,Stadtarchäologie bei bayreuth1320, abgerufen am 6. Juni 2021. eine Reaktivierung als „Stadtbächlein“ war wegen der tiefen Lage aber nicht möglich. Stattdessen wurde vor der nördlichen Häuserfront eine wasserführende Zierrinne mit Wasserspielplatz neu geschaffen.
Zwei große Stadtbrände in den Jahren 1605 und 1621 vernichteten große Teile der Bausubstanz. Am 16. Juni 1621 brach in der heutigen Maximilianstraße 73 ein Feuer aus, noch während der Löscharbeiten dann in der heutigen Maximilianstraße 34. Aufgrund der engen Bebauung und der leicht entflammbaren Baumaterialien ließ sich der Brand nicht eindämmen. 197 Häuser wurden in der Stadt ein Raub der Flammen, lediglich das Schloss, das Hospital und 18 Bürgerhäuser, darunter die 1610 erbaute Mohren-Apotheke, blieben verschont.Holzschindeln brennen wie Zunder in: Nordbayerischer Kurier vom 25. Juni 2021, S. 8.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1634 und 1640 geplündert und teilweise zerstört. Das erste bekannte Rathaus der Stadt stand mitten auf dem unteren Markt. Im Jahr 1430 wurde es von den Hussiten mit zahlreichen anderen Gebäuden niedergebrannt. Der 1446 errichtete Nachfolgebau überstand den Stadtbrand von 1621 nicht. Unmittelbar hinter dem Rathaus stand das Brauhaus, vor dem Rathaus war ein Galgen aufgerichtet. Lange Zeit markierte ein schwarzes Dreieck im Straßenpflaster diesen Richtplatz.Kurt Herterich: Im Herzen von Bayreuth, S. 120. Vermutlich war der Galgen an dieser Stelle aber nur das Wahrzeichen der Hohen Gerichtsbarkeit: Vollstreckt wurde die Todesstrafe in der Regel auf dem Galgenberg, dem Rabenstein und der Henkersau in heutigen Stadtteil Kreuz.Helmut Paulus: Die grausige Geschichte der Henkersau in: Heimatkurier 1/1998 des Nordbayerischen Kuriers, S. 3 ff.
Bereits im 13. Jahrhundert oder früher soll sich an der Stelle des Altes Schlosses ein Amtmannsitz befunden haben.Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 30. 1455 wurde dort ein erstes Schloss erbaut; das fortifikatorisch an günstiger Stelle gelegene Bauwerk könnte aber auch bereits für die Gründung bzw. Verlegung der Siedlung eine Rolle gespielt haben. Noch im 17. Jahrhundert sprachen zeitgenössische Quellen von der „Burg“ Bayreuth. Nach dem Stadtbrand von 1621 konnte die Herrschaft mehrere anliegende Häuser aufkaufen und abbrechen, wodurch der Ehrenhof zum Markt hin geöffnet wurde. Von 1603 bis 1753 war das Alte Schloss Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth.
Jenseits des Stadttors Unteres Tor (in Höhe der heutigen Hausnummern 74 und 81 gelegen) querte die Straße auf einer Brücke den vom Sendelbach gespeisten Stadtgraben. Vermutlich im Zuge der Anlage des Dammweihers in den 1740er Jahren wurde die Brücke durch einen aufgeschütteten Damm ersetzt. Im Unteren Tor befand sich der Kerker, wo eines Verbrechens Beschuldigte eingesperrt und vom GerichtsknechtSylvia Habermann: Donnershur, Schwammdrücker und Hutzelbeck in: Heimatkurier 1/2007 des Nordbayerischen Kuriers, S. 4 f. oder von „Musketieren“ (Angehörigen der Bürgerwehr) bewacht wurden. Noch 1712 wurde dort ein neues Torturgewölbe für die Erzwingung von Geständnissen durch Folter geschaffen. 1752 wurde das Untere Tor abgetragen,Untere Maxstraße einst und jetzt in: Heimatkurier 4/2002 (Beilage des Nordbayerischen Kuriers), S. 12. als Gefängnis wurde auf dem Mühltürlein eine neue Fronfeste errichtet.
Der Straßenzug zwischen den Häusern Maximilianstraße 83 bis 87 (Südseite) bzw. 78 und 82 (Nordseite) wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts als „Zwischen den Unteren Toren“ bezeichnet, da er zwischen dem eigentlichen Stadttor und einer Vorsperre gelegen hatte. Während die Nordseite bereits im 17. Jahrhundert bebaut war, entstanden die Häuser 83 und 85 auf der Südseite Anfang des 18. Jahrhunderts. Da das Gelände letzterer zum dahinterliegenden Weiher gehörte, waren diese – auch bezüglich ihrer Steuerpflicht – nicht dem Stadtmagistrat, sondern dem fürstlichen Kastenamt unterstellt.Walter Bartl: Zwei Torpfeiler erzählen Stadtgeschichte in: Heimatkurier 1/2005, S. 7.
1721 erwarb die damals wohlhabende Hospitalstiftung das heutige Anwesen Maximilianstraße 33 und stellte es der Stadt zur Nutzung als Rathaus (→ Altes Rathaus) zur Verfügung. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts war in dem Gebäude auch die Polizei untergebracht. Nach dem Umzug der Stadtverwaltung in das Reitzenstein-Palais am Luitpoldplatz, das 1916 zum neuen Rathaus umgebaut wurde,Bayreuths Bürgermeister: Die vier Bayreuther Rathäuser bei: bayreuther-tagblatt.de, abgerufen am 6. Juni 2021 verlor es vorübergehend seine Funktion. Da das „Neue Rathaus“ im April 1945 dem Bombenkrieg zum Opfer fiel, wurde nach dem Kriegsende das „Alte Rathaus“ bis 1972 erneut als solches, danach bis 1991 noch als Polizeidienstgebäude und bis 1996 von der Polizeidirektion, genutzt.Kurt Herterich: Im Herzen von Bayreuth, S. 94. In den Jahren 1998/99 wurde die Fassade in Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden restauriert,Vor 25 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 22. Dezember 2023, S. 10. seit 1999 beherbergt es das Kunstmuseum und eine Gaststätte.Kurt Herterich: Im Herzen von Bayreuth, S. 98 ff.
Im Jahr 1742 wurde das Kaiserliche Reichspostamt Bayreuth aus der Friedrichstraße („Postei“) in das 1945 zerstörte Haus Maximilianstraße 16 verlegt.Yvonne Arnhold, Stephan Fuchs: Bayreuth Chronik 1990, S. 65. In einer Mansardenwohnung jenes Hauses lebte von September 1811 bis November 1813 der Schriftsteller Jean Paul.Bernd Mayer: Jean Paul als Mietnomade? in: Heimatkurier 2/2011 des Nordbayerischen Kuriers, S. 4 f. 1893 zog das Postamt in ein neues Gebäude in der Kanzleistraße um.
Am 10. Februar 1824 beschloss der Magistrat die „Correction der Straße am Obern Thor“ und ließ zur Aufweitung der Straße bald darauf drei Häuser an der Ecke zur Ludwigstraße abbrechen. Mehrere Jahre lang existierte dort durch den offengelegten Lauf des Tappertkanals eine übelriechende Brache. Das an der Stelle errichtete spätere „Gärtnerhaus“,Nach dem Inhaber eines dort ansässigen Tabakwarengeschäfts namens Gärtner dessen Grundstein nach langen Diskussionen erst 1830 gelegt wurde, wurde in der Bauflucht des heutigen Hauses Richard-Wagner-Straße 2 (Hof-Apotheke) errichtet.200 Jahre Maximilianstraße in: Nordbayerischer Kurier vom 16. Februar 2024, S. 12.