Concarneau [] () ist eine französische Stadt und Gemeinde im Arrondissement Quimper und im Département Finistère. Die 22 km südöstlich von Quimper an der Ostküste der Baie de La Forêt befindliche Stadt gehört zur historischen Landschaft Cornouaille und hat Einwohner (Stand ). Ihre innerhalb massiver Mauern gelegene Altstadt, die Ville close, ist fast rundum vom Wasser umgeben und gilt als sehenswert.
Geschichte
In Concarneau liegt das von Charles-Tanguy Le Roux untersuchte eisenzeitliche Souterrain von Stang-Vihan.Le souterrain de l'âge du Fer de Stang-Vihan en Concarneau (Finistère), auf persee.fr
Entstehung Der Ort des heutigen Concarneau wurde im 10. Jahrhundert zunächst von Mönchen der Abtei von Landévennec besiedelt. Diese errichteten hier auf einer Insel an der Mündung des Flusses Moros (die heutige Ville Close) ein kleines Kloster.Reise Know-How Bretagne. Reise Know-How Verlag Peter Rump, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8317-1945-7. Später entwickelte sich Concarneau zu einer wichtigen bretonischen Festung. Seit dem 12. Jahrhundert ist die Ville Close über eine Brücke mit dem Festland verbunden.
Bedeutung des Namens Der Name der Stadt, auf Bretonisch Konk-Kerne, bedeutet ursprünglich ‚Henkel von Cornouaille‘, also der Flüchtlinge aus Cornwall in Britannien, was auf die engen kulturellen Verbindungen zwischen der Bretagne und Cornwall hinweist, denn ist eigentlich nur die französische Aussprache für Cornwall, wobei der Wortbestandteil wall bei Cornwall germanischen Ursprungs ist und ‚Fremde‘ (meist Kelten oder Romanen) bedeutet, z. B. auch in Wales, siehe dazu Welsche.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2011 2017 Einwohner 15.907 17.801 18.759 17.984 18.630 19.453 18.826 19.050
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Remparts und Ville Close Ein Rundgang über die Remparts – die Stadtmauer der Ville close – bietet schöne Einblicke in die Straßen und Ausblicke auf Hafen und Yachthafen. Innerhalb der Ville close finden sich neben Souvenirläden kleine Restaurants und ein Fischereimuseum.
Musée de la Pêche Das Fischereimuseum Musée de la Pêche zeigt die Geschichte der Meeresfischerei und die Fischereitechniken der ganzen Welt mittels großer Dioramen, vieler Modelle und verschiedener Bootstypen. Im Außengelände kann man vom Laderaum bis zur Brücke einen echten Seetrawler, die Hémérica, besichtigen.
Marinarium Als Schaufenster des Meeresbiologischen Laboratoriums, der Station biologique de Concarneau, illustriert das Marinarium die außerordentliche Biodiversität der Ozeane, die Reichhaltigkeit der Küstenregionen und den Schutz der Meeresressourcen. Gegründet 1859 von Jean Victor Coste (1807–1873), ist sie heute eine namhafte Forschungseinrichtung.
Fort du Cabellou Das Fort du Cabellou wurde 1746 gebaut, um die Einfahrt und den Hafen von Concarneau zu verteidigen. Seit 1962 ist es ein historisches Denkmal.
Schloss Kériolet
Das Schloss Kériolet ist ein neogotisches Schloss, das Sinaida Iwanowna Jussupowa ab 1863 für ihren französischen Ehemann Charles Chauveau errichten ließ. Es wurde zeitweilig vom Rasputin-Attentäter Felix Felixowitsch Jussupow genutzt.
Festival des Filets Bleus Mitte August feiert die Stadt das jährliche „Festival des Filets Bleus“ („Festival der Blauen Netze“). Es wurde 1905, in einem Jahr, in dem die Sardinen ausblieben, zur Unterstützung der Fischer gegründet und nach den traditionellen blauen Netzen der Fischereiflotte Concarneaus benannt. Tausende von Teilnehmern in ihren Trachten locken jedes Jahr zehntausende von Besuchern an. Zum festen Bestandteil des Festivals gehört auch eine Reihe kostenloser Konzerte mit regionalen, nationalen und internationalen Künstlern, welche alljährlich auf dem Quai Carnot stattfinden. Es ist eines der größten Festivals der bretonischen und keltischen Kultur, wie sie in vielen Orten der Bretagne stattfinden.
Weitere Sehenswürdigkeiten Chapelle de la Croix, spätgotische Kapelle am südlichen Quai de la Croix Chapelle de la Trinité, spätgotische frühere Hospitalskapelle in der Ville Close Saint-Fiacre, rekonstruierte Kapelle aus dem 16. Jahrhundert im Ortsteil Le Cabellou Notre-Dame-de-Lorette (Concarneau), denkmalgeschützte spätgotische Kirche im Vorort Lanriec
Sport Die Fußballer der Union Sportive Concarnoise spielten in der Saison 2023/24 in der zweiten Liga. Die Spieler des Vereins haben bereits seit Mitte der 1960er Jahre vor allem im Pokalwettbewerb wiederholt landesweit auf sich aufmerksam machen können.
Wirtschaft mini|hochkant|Fischereihafen Neben dem Fremdenverkehr beruht Concarneaus Wirtschaft überwiegend auf dem Fischfang. Um die letzte Jahrhundertwende gab es 40 Konservenfabriken, darin verdienten 2800 Menschen ihr Geld. Von 1902 bis 1909 gab es eine große wirtschaftliche Krise, da die Sardinenschwärme wegblieben. Paula Almqvist, "Der Schutzengel der Matrosen", in mare, Nr. 168, 02/2025, S. 23
Im Ort befindet sich heute der drittgrößte Fischereihafen Frankreichs, beim Thunfisch liegt er sogar an der Spitze, mit einer Flotte von 36 Schiffen, 900 Seeleuten und einer Anlandung von 164.000 Tonnen (Thunfisch) jährlich.
Städtepartnerschaften 125px|rechts|Avenue Bielefeld-Senne Bielefeld (ursprünglich mit dem Stadtbezirk Bielefeld-Senne), Nordrhein-Westfalen, Deutschland, seit 1969 M’bour, Region Thiès, Senegal, seit 1974 Penzance, Cornwall, Vereinigtes Königreich, seit 1982
Persönlichkeiten Jean Marie Le Bris (1817–1872), Kapitän und Luftfahrtpionier Alfred Guillou (1844–1926), Maler Marc di Napoli (* 1953), französischer Schauspieler und Maler Michel Desjoyeaux (* 1965), einer der weltweit erfolgreichsten Einhandsegler Stéphane Guivarc’h (* 1970), Fußballnationalspieler Frédéric Lancien (* 1971), Bahnradsportler Florian Guillou (* 1982), Radrennfahrer
Concarneau in der Literatur Concarneau ist der Schauplatz mehrerer Romane von Georges Simenon, der den Winter 1930/31 in der Stadt verbrachte. Sowohl der 1931 erschienene Krimi Maigret und der gelbe Hund (Originaltitel Le chien jaune) als auch der Roman Die bösen Schwestern von Concarneau (Originaltitel Les Demoiselles de Concarneau) aus dem Jahr 1935 sind hier angesiedelt. Zudem ist Concarneau Dienstsitz von Kommissar Dupin, dem Protagonisten der von Jörg Bong unter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec veröffentlichten bretonischen Krimireihe. Deren achter Band, Bretonisches Vermächtnis, bezieht sich direkt auf Simenons Maigret-Roman. Nach diesem ist auch das Literaturfestival von Concarneau Le Chien Jaune benannt, das seit 1993 alljährlich im Juli stattfindet.
Literatur Die bösen Schwestern von Concarneau. Diogenes Verlag, Zürich 1988. ISBN 978-3-2572-1559-5. Le Patrimoine des Communes du Finistère. Band 1, Flohic Editions, Paris 1998, ISBN 2-84234-039-6, S. 269–299.
Weblinks
Offizielle Internetpräsenz der Stadt (französisch) Inoffizielle Website (französisch) Ville de Concarneau bei cartesfrance.fr Historische Postkarten von Concarneau (französisch) Festival des Filets Bleus (französisch)
Einzelnachweise
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