Bartholomäus Ponholzer (* 12. März 1827 in Ostersee; † 25. April 1892 in Augsburg) war römisch-katholischer Priester, Präses im Kolpingwerk, Autor und Zeitungsredakteur.
Leben Bartholomäus Ponholzer wurde als ältestes von sechs Kindern der Eheleute Vitus Ponholzer (1795–1868) und Magdalena Bocksberger (1793–1887) auf dem Valentin-Hof im Weiler Ostersee (heute Gemeinde Iffeldorf; Hausnummer 42) geboren.Matrikel Taufen, Firmungen Pfarrei Iffeldorf 1782 – 1873 (Signatur 2-TF, Folie 0410). In: matricula-online.eu, abgerufen am 25. Mai 2021.Familienbuch Pfarrei Iffeldorf 1770 – 1870 (Signatur 7-FB, Folie 0299). In: matricula-online.eu, abgerufen am 25. Mai 2021. Bevor er von 1841 bis 1849 das Gymnasium in Freising besuchte,Franz Xaver Freninger: Matrikeln oder Verzeichniss sämmtlicher Studierenden, welche die Studienanstalt Freising in den Jahren 1835 bis 1864 absolviert haben. Freising 1865, S. 16 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 25. Mai 2021. erhielt Ponholzer vom Iffeldorfer Pfarrer Alois Mayer (1794–1866) den ersten Lateinunterricht.
Für das Studienjahr 1849/1850 war Ponholzer als Kandidat der Philosophie am Königlichen Lyceum in Freising verzeichnet.Jahres-Bericht über das königliche Lyceum, Gymnasium und die lateinische Schule zu Freising im Studienjahre 1849/50 Freising 1850, S. 30 (digitale-sammlungen.de.), abgerufen am 25. Mai 2021. Sein Studium der Theologie setzte er an der heutigen Ludwig-Maximilians-Universität in München fortFranz Xaver Freninger: Das Matrikelbuch der Universität Ingolstadt-Landshut-München. Rectoren Professoren Doctoren 1472–1872. Candidaten 1772–1872, Theil 2, Friedberg 1872, S. 318 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 26. Mai 2021. und gehörte dem Priesterseminar Georgianum an.Augsburger Postzeitung, Nr. 244 vom 15. Oktober 1850, S. 978 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 26. Mai 2021. An der Theologischen Fakultät lehrten damals unter anderen: Ignaz von Döllinger (Kirchengeschichte), Max von Stadlbaur (Dogmatik), Franz Xaver Reithmayr (neutestamentliche Exegese), Daniel Bonifaz von Haneberg (alttestamentliche Exegese und biblisch-orientalischen Sprachen), Franz Michael Permaneder (Kirchenrecht) und als Privatdozent Joseph Hergenröther.
Nach seiner Priesterweihe am 7. August 1853 wurde Ponholzer Kommorant in Königsdorf (Erzbistum München und Freising). 1855 kehrte er als Kaplan in Nassenbeuren in sein Heimatbistum Augsburg zurück.Erzdiözese München und Freising: Schematismus der Geistlichkeit des Erzbistums München und Freising für das Jahr 1856, München 1856, S. 128 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 26. Mai 2021. In Landsberg am Lech, wo er seit 1856 als Stadtkaplan tätig war, wirkte er 1857 an der Gründung des Katholischen Gesellenvereines mit. Als Präses von Landsberg nahm Ponholzer an der zweiten Generalversammlung der Katholischen Gesellenvereine Bayerns vom 13. bis 15. Juni 1858 in München teil, auf der Adolph Kolping zwei Reden hielt.Daniel Bonifacius von Haneberg: Festrede des hochwürdigsten Abtes bei St. Bonifazius H. H. Bonifaz Haneberg O.S.B. und zwei Ansprachen des Gründers der katholischen Gesellen-Vereine in Deutschland H. H. Adolph Kolping, Domvikar in Köln, gehalten bei Gelegenheit der Stiftungs-Jahresfeier des katholischen Gesellen-Vereines in München am 13. und 14. Juni 1858, München 1858, S. 20 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 26. Mai 2021. Im selben Jahr wurde er laut Augsburger Postzeitung als Kaplan nach Ebratshofen versetzt, wo sein früherer Heimatpfarrer Alois Mayer seit 1847 als Seelsorger wirkte.Beilage zur Augsburger Postzeitung, Nr. 254, 11. November 1858, S. 1013 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 26. Mai 2021. 1860 trat Ponholzer die Stelle des Stadtkaplans in Kempten an und wurde Religionslehrer an der dortigen „Königlichen Landwirtschafts- und Gewerbsschule“.Jahresbericht über die königl. Landwirthschafts- und Gewerbs-Schule. Kempten 1861, S. 16 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 27. Mai 2021. Als Vizepräses des Katholischen Gesellenvereins in Kempten verfasste er erste Bühnenstücke.
Ab 1861 wirkte er als Katechet unter anderem an den Klosterschulen in Maria Stern und St. Ursula in Augsburg. Nach dem Tod von Präses Benedikt Ostner (1826–1862) wurde Ponholzer zusätzlich Präses des Katholischen Gesellenvereins in Augsburg, heute Kolpingsfamilie Augsburg-Zentral, und Vorsitzender der 1859 gegründeten Katholische Gesellenhausstiftung Augsburg, der heutigen Kolping-Stiftung Augsburg. Ab diesem Zeitpunkt wohnte Ponholzer bis zu seinem Tod im Kolpinghaus, Windgasse Litera F 14, heute Frauentorstraße 29. König Ludwig II. verlieh Ponholzer 1870 das Benefizium St. Servatius, St. Michael und St. Anton bei St. Moritz in Augsburg.Königlich Bayerisches Kreis-Amtsblatt von Schwaben und Neuburg, Nr. 2 vom 7. Januar 1871, S. 32–33 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 27. Mai 2021.
Bartholomäus Ponholzer starb infolge einer Influenza-Erkrankung und wurde auf dem Katholischen Friedhof an der Hermanstraße beigesetzt. Nach dem Lebensbild, das sein Nachfolger als Diözesanpräses, Domprediger Max Steigenberger (1847–1918), veröffentlicht hat, haben Bischof Pankratius von Dinkel, Kolping-Generalpräses Sebastian Schäffer und der Erzbischof von Wien, Anton Josef Kardinal Gruscha den Verstorbenen in einem Nachruf geehrt.
Wirken Kolping-Diözesanpräses Joseph Kehrein schrieb, dass Ponholzer bereits 1862 die Aufgabe des Diözesanpräses für alle Katholischen Gesellenvereine im Bistum Augsburg übernommen hätte.Joseph Kehrein: Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert. Leo Woerl’sche Verlagshandlung, Zürich, Stuttgart, Würzburg, 1971, 2. Band, S. 19 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 29. Mai 2021. Mit der 5. Kolping-Generalversammlung 1858 in Köln war mit der Einführung der Diözesanverbände und Diözesanpräsides ein wichtiger Markstein in der organisatorischen Entwicklung des Verbandes beschritten worden.Michael Hanke: Mitten in der Bewegung der Zeit. Geschichte des Kolpingwerkes in Deutschland. Band 1: 1846-1871, Kolping-Verlag, Köln, 2000, S. 139ff. Peter Sprandel geht im zweiten Teil der Geschichte des Kolpingwerk Diözesanverband Augsburg allerdings davon aus, dass die Gründung im Bistum Augsburg vermutlich erst Ende 1864, Anfang 1865 erfolgte. Er hält fest: „Eine genaue Datierung ist aufgrund der Quellenlage nicht möglich.“Kolpingwerk Diözesanverband Augsburg (Hrsg.), verantwortlich Joachim Lehmann, Verfasser Peter Sprandel, wissenschaftliche Betreuung Heinz Granvogl: Die katholischen Gesellenvereine in der Diözese Augsburg vom Tode Adolph Kolpings bis zum 1. Weltkrieg (1865–1914). Kolping-Verlag, Köln, 1992, S. 31. Das von der Kolping-Generalversammlung 1864 in Würzburg beschlossene Promemoria an die Bischöfe, das u. a. die Einführung von Diözesanpräsides und -verbänden beschleunigen sollte, unterzeichnete Ponholzer bereits als Diözesanpräses.Pastoralblatt des Bistums Eichstätt, 12. Jahrgang, Nr. 7, 18. Februar 1865, S. 46–48. (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 29. Mai 2021. Als Diözesanpräses war Ponholzer viel im Bistum unterwegs, um die Gesellenvereine zu besuchen. Sprandel nennt Ponholzer die „herausragendste Persönlichkeit“ unter den DiözesanpräsidesKolpingwerk Diözesanverband Augsburg (Hrsg.), verantwortlich Joachim Lehmann, Verfasser Peter Sprandel, wissenschaftliche Betreuung Heinz Granvogl: Die katholischen Gesellenvereine in der Diözese Augsburg vom Tode Adolph Kolpings bis zum 1. Weltkrieg (1865–1914). Kolping-Verlag, Köln, 1992, S. 385. und berichtet, dass in seiner Amtszeit 45 Vereine, darunter 24 Gesellen- und 21 St.-Josephsvereine, gegründet wurden.Kolpingwerk Diözesanverband Augsburg (Hrsg.), verantwortlich Joachim Lehmann, Verfasser Peter Sprandel, wissenschaftliche Betreuung Heinz Granvogl: Die katholischen Gesellenvereine in der Diözese Augsburg vom Tode Adolph Kolpings bis zum 1. Weltkrieg (1865–1914). Kolping-Verlag, Köln, 1992, S. 34.
Volksdramen zur Belehrung und Unterhaltung Die Neue Augsburger Zeitung berichtete im Januar 1863, dass Ponholzer kurz nach seinem Amtsantritt im Kolpinghaus in Augsburg eine Bühne einbauen ließ und mit den Gesellen die ersten von ihm selbst verfassten Bühnenstücke aufgeführt hat.Neue Augsburger Zeitung, Nr. 8, 8. Januar 1863 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 29. Mai 2021. Da in den Gesellenvereinen nur Männer Mitglieder waren, schrieb Ponholzer vor allem Bühnenstücke mit nur männlichen Rollen. Ausnahme ist der Band 5 seiner Volksdramen, den er – nur mit Frauenrollen – „den Instituten und Jungfrauen-Vereinen“ gewidmet hat.
Der Titel der „Volksdramen zur Belehrung und Unterhaltung“ ist eine programmatische Aussage zum Ziel und Zweck. Ponholzer wünschte den Empfängern seiner Werke: „Möge die dramatische Vorführung dieses biblischen Stückes sowohl beim Darsteller als auch beim Beschauer den lehrreichen Inhalt und moralischen Werth lebendig ins Gedächtnis rufen.“Volksdramen, dritte Folge, „Vorerinnerung“ zum ägyptischen Josef, S. 2 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 29. Mai 2021. Die zweite Intention, warum Ponholzer Theaterstücke verfasste, beschrieb er in der vierten Folge: „Die Zukunft wird es uns dankbar nachrufen, dass wir im gegenwärtigen Ringen zwischen Religion und Unglaube nicht unthätig waren, sondern redlich… mitgefochten haben, dem Sinn fürs Edlere und wahrhaft Schöne zum Siege zu verhelfen und den verdorbenen Geschmack an edlen Speisen allmälig an eine gesund Nahrung zu gewöhnen.“Vorwort Volksdramen, vierte Folge, S. VIII (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 30. Mai 2021.
Im Sinne eines Volkstheaters schrieb er neben Schauspielen auch Tableaus (Lebendige Bilder, Schaubilder), Oratorien, Opern und Operetten für die Darsteller des Laienspiels. Häufig können die verschiedenen Gattungen durch Ergänzungen gewechselt, vermischt oder erweitert werden. In den Einführungen gab Ponholzer Tipps, wie die Stücke auf kleine oder große Bühnen und auf unterschiedliche Besetzungen angepasst werden können.
Noten zu den musikalischen Elementen konnten bei der Buchhandlung Kranzfelder in Augsburg, bei der die Volksdramen erschienen sind, bezogen werden. Als Komponisten werden u. a. genannt: Abbé Pan, P. Holzer, Bernhard Mettenleiter, Max Britzelmayr, Karl Kempter, Benno Widmann, Eduard Komprecht, Adolf Schanderl und Karl Kammerlander.Übersicht über den Inhalt der erschienenen Ausgaben der Volksdramen am Ende der siebten Folge (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 30. Mai 2021.
Die Stücke wurden von Gesellenvereinen und anderen Gruppen an unterschiedlichen Orten aufgeführt (z. B. Der Sieg des Kreuzes 1866 in Hohenwart,Neue Augsburger Zeitung, Nr. 90, 2. April 1866 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 30. Mai 2021. Die Offenbarung des Herrn 1870 in Rosenheim,Rosenheimer Anzeiger, 16. Jahrgang, Nr. 31, 17. April 1870 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 30. Mai 2021. Der verlorene Sohn 1876 in Bamberg,Bamberger Volksblatt, Nr. 74, 1. April 1876, S. 6. (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 30. Mai 2021. Justus, der Märtyrer von Rom Würzburg 1877,Fränkisches Volksblatt, Nr. 81, 10. April 1877 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 30. Mai 2021. Heinrich von Kempten 1896 in RosenheimRosenheimer Anzeiger, 42. Jahrgang, Nr. 66, 19. März 1896 (digitale-sammlungen.de), abgerufen am 30. Mai 2021.). Am Ende der siebten Folge der Volksdramen wird erwähnt, dass die separate Ausgabe von den Hirten von Bethlehem bereits in der vierten Auflage erschienen ist. Weitere Auflagen der verschiedenen Werke erschienen zwischen 1914 und 1928 bei A. Heidelmann in Bonn.Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, Suche „Ponholzer“. In: www.dnb.de, abgerufen am 30. Mai 2021.
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