Die Liste von Reformatoren mit monastischem Hintergrund erfasst Persönlichkeiten, die in der Reformation des 16. Jahrhunderts aktiv hervortraten und zuvor einem Orden angehörten oder in einem Kloster wirkten. Martin Luther selbst war Augustiner-Eremit. „Mönchtum und Universität, die beiden dynamischsten Institutionen Lateineuropas, haben Luther zutiefst geprägt; ohne sie hätte es seine Reformation nicht gegeben.“Thomas Kaufmann: Erlöste und Verdammte. Eine Geschichte der Reformation. Beck, München 2016, S. 102.
Klosteraustritte Während seines Wartburgaufenthalts 1521 schrieb Luther grundsätzliche Überlegungen zu Mönchsgelübden und Klöstern nieder. So weit sie Orte der Werkgerechtigkeit seien, solle man Klöster ganz zerstören. Doch falls das Mönchsleben in Freiheit gewählt werde, sei es eine für Christen mögliche Option. In diesem Sinn reformierte Klöster könne es geben. Ob Zerstörung bestehender Klöster oder deren Weiterführung in reformatorischem Sinn, der Bruch mit der Tradition des mittelalterlichen Mönchtums war aus Luthers Sicht unvermeidlich.Volker Leppin: Martin Luther. Von Zabern, 3. Auflage Darmstadt 2017, S. 185. Die Lektüre seiner Schrift De votis monasticis iudicium war für viele Mönche und Nonnen der Anlass, ihr Kloster zu verlassen. Einige von ihnen verfassten einen persönlichen Rechenschaftsbericht über diese Entscheidung, und diese Texte gingen teilweise in Wittenberg in den Druck.Johannes Schilling: Gewesene Mönche. Lebensgeschichten in der Reformation, München 1990, S. 8.
Vom Mönch zum evangelischen Pfarrer Nach dem Klosteraustritt stellte sich die Frage, wovon der Lebensunterhalt bestritten werden konnte. Für die Landgrafschaft Hessen weist Johannes Schilling nach, dass zahlreiche ehemaligen Mönche ein Gemeindepfarramt ausübten. Die Klostervergangenheit qualifizierte sie nicht automatisch dafür, vielmehr wurden die Interessenten der ersten Generation von Adam Krafft auf ihre Eignung überprüft.Johannes Schilling: Klöster und Mönche in der hessischen Reformation. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1997, S. 227 Das Thüringische Pfarrerbuch ergibt hinsichtlich der Herkunft aus Orden folgende Verteilung: 15 Augustiner-Eremiten, 9 Benediktiner, 8 Franziskaner, 4 Dominikaner, 3 Zisterzienser, 3 Wilhelmiten, 2 Kartäuser, 2 Karmeliten, 3 Deutschherren, ein Servit. Das heißt, unter den lutherischen Thüringer Pfarrern waren ehemalige Mönche eine Minderheit.Enno Bünz: Schicksale von Mönchen und Nonnen in der Reformationszeit. Ihre Zukunftsperspektiven nach Aufhebung der Klöster im Kurfürstentum Sachsen, Köln/Weimar/Wien 2015, S. 101f. Eine weitere Option war die Tätigkeit als Schulmeister, die aber in den Quellen weit schlechter fassbar ist. „Abgesehen von den ganz wenigen, die ihre Entscheidung gegen das Klosterleben wortreich zu begründen vermochten, und der schon etwas größeren Zahl jener Mönche, die in den lutherischen Pfarrerstand eintraten, verliert sich die Spur der meisten Mönche, und das gilt in noch stärkerem Maße für die Nonnen.“Enno Bünz: Schicksale von Mönchen und Nonnen in der Reformationszeit. Ihre Zukunftsperspektiven nach Aufhebung der Klöster im Kurfürstentum Sachsen, Köln/Weimar/Wien 2015, S. 108.
Namensliste Ungefähre Geburtsdaten sind kursiv.