Wilhelm Scharrelmann (* 3. September 1875 in Bremen; † 18. April 1950 in Worpswede) war ein deutscher Lehrer und Schriftsteller.
Leben Scharrelmann war der Sohn eines Kolonialwarenhändlers. Er war der Bruder des Pädagogen und Schriftstellers Heinrich Scharrelmann (1871–1940).
Er besuchte in Bremen nach der Domschule wie sein Bruder das Bremer Lehrerseminar an der Hamburger Straße. Von 1896 bis 1905 war er Dorfschullehrer in Bremen-Seehausen, danach ab 1905 Lehrer in Walle und von 1908 bis 1921 an der Hilfsschule Vegesacker Straße.Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. 2., aktualisierte, überarbeitete und erweiterte Auflage. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X. Während der Zeit als Pädagoge engagierte er sich für die Bremer Schulreformbewegung, deren prominentester Kopf Fritz Gansberg war.
Scharrelmann schrieb bereits vor dem Ersten Weltkrieg Romane, Erzählungen und Bühnenstücke für Jugendliche und Erwachsene.
Nach dem Ersten Weltkrieg verstärkte sich sein schriftstellerisches Schaffen und so quittierte er 1921 den Schuldienst in Bremen. Er ließ sich 1926 in Worpswede nieder, wo er bis zu seinem Tod im abgelegenen Tannenhof lebte und arbeitete. Zusammen mit Hans Leip und dem literarischen Freundeskreis um Hans Franck, Hans Friedrich Blunck, Agnes Miegel und Manfred Hausmann gründete er 1924 die konservative bis z. T. auch völkisch-national ausgerichtete Autorenvereinigung Die Kogge, die 1934 im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik aufgelöst und in der im Oktober 1933 gegründeten Reichsschrifttumskammer mit anderen Autorenvereinigungen zusammengefasst wurde. Scharrelmann selbst machte in der NS-Zeit mit seiner Heimatdichtung Karriere und war williger Akteur der Zeit.
In seinen Erzählungen stehen einfache Menschen im Mittelpunkt: Die Geschichten aus der Pickbalge (1919), Rund um Sankt Annen (1919) bis hin zu Ein Kind schlägt seine Augen auf (1938). Sie waren sehr beliebt – auch von offizieller Seite des NS-Staates aus. So bekam Scharrelmann 1935, mit anderen, den Literaturpreis der Provinz Hannover; die Grußworte bei der Verleihung sprach Dr. Erdmann aus Berlin im Namen des Propagandaministeriums und der Reichsschrifttumskammer. Zahlreiche weitere Beispiele für Scharrelmanns Regimetreue finden sich in dem Buch von Strohmeyer/Artinger/KrogmannLandschaft, Licht und Niederdeutscher Mythos. Die Worpsweder Kunst und der Nationalsozialismus, Weimar 2000. Seit August 1933 war er im Reichsverband Deutscher Schriftsteller und erklärte sich laut Akte im Bundesarchiv BerlinBundesarchiv Berlin: Scharrelmann, Wilhelm, 3.9.75 RKK: 2101 Box:1105 File: 08. „vorbehaltlos bereit, jederzeit für das deutsche Schrifttum im Sinne der nationalen Regierung einzutreten“. Seit Mai 1934 war er zudem „Förderndes Mitglied“ der SSKrogmann, Ferdinand: Worpswede im Dritten Reich 1933-1945. Bremen: Donat Verlag 2011, S. 19–23.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Scharrelmann unter anderem die Fabeln Tiere, klug wie Menschen (1946) und die Märchen in Die schöne Akelei (1948). Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon.
Beigesetzt wurde er auf dem Worpsweder Friedhof.
Werke Romane und Erzählungen Anna Maria, Prosadichtungen, 1900 Die Fahrt ins Leben, 1907 Stimmen der Stille, 1908 Michael Dorn, 1909 Piddl Hundertmark, Geschichte einer Kindheit, 1912 Großmutters Haus und andere Geschichten, 1913 Geschichten aus der Pickbalge, Erzählungen, 1916 Täler der Jugend, 1919 Rund um Sankt Annen, Erzählungen, 1919 Die drei Brüder und anderes, 1920 Jesus, der Jüngling, 1920 Die beiden Kranze und andere Geschichten, 1920 Selige Armut, 1920 Schweigende Liebe, 1920 Die erste Gemeinde, Erzählung, 1921 Traumland, Novelle, 1922 In Poppenburg, Novellen, 1922 Hahnemanns Liebesgarten, Erzählung, 1923 Das Testament und andere Erzählungen, 1926 Das Fährhaus, 1928 Hinnerk der Hahn, 1930 Katen im Teufelsmoor, 1937 Ein Kind schlägt seine Augen auf, 1938 Tiere, klug wie Menschen, Erzählungen, 1946 Die himmlische Wanderung, 1947 Die Hütte unter den Sternen, 1947 Die schöne Akelei, 1948
Bühnenstücke Krieg, Schauspiel, 1906 (gemeinsam mit Johannes Wiegand) Die Himmelstür wird offenstehen!, Weihnachtsspiel, 1910 Die heilige Not, Schauspiel, 1914 (gemeinsam mit Johannes Wiegand) Zirkus Bratengeiger, Schwank, 1918 Die Hochzeit in der Pickbalge, heiteres Schauspiel, 1920
Hörspiele 1926: Die Hochzeit in der Pickbalge - - Regie: Hans Böttcher (NORAG (Hamburg)) 1951: De Hochtied in de Pickbalge – Bearbeitung und Regie: Eberhard Freudenberg (RB) 1952: Lammers is dorgegen – Regie: Jochen Rottke (RB) 1961: De Hochtied in de Pickbalge – Regie: Ivo Braak (RB)
Auszeichnungen und Ehrungen 1936: Literaturpreis der Provinz Hannover (gemeinsam mit Alma Rogge und Moritz Jahn)
Literatur Kurt Franz (Hrsg.): Wilhelm Scharrelmann. In: Kinder- und Jugendliteratur. Ein Lexikon: Autoren, Illustratoren, Verlage, Begriffe; Corian, Meitingen 1995ff, ISBN 3-89048-150-7 Wilhelm Scharrelmann: Antlitz der Freundschaft, hrsg. v. Johann-Günther König. Donat Verlag, Bremen 2000, ISBN 3-934836-10-0 Ferdinand Krogmann: Schriftsteller in Worpswede während des „Dritten Reiches“ im Spiegel der Presse und eigener Werke, darunter Wilhelm Scharrelmann: Seite 229–237, in: Strohmeyer/Artinger/Krogmann: Landschaft, Licht und Niederdeutscher Mythos. Die Worpsweder Kunst und der Nationalsozialismus, Weimar 2000
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