mini|hochkant=2|Die am Arno gelegene Renaissance-Metropole Florenz|alternativtext=Farbiges Stadtpanorama mit einem Fluss, der von unten rechts bis zur linken Mitte führt. Mehrere alte Bogenbrücken verbinden beide Ufer und eine Brücke hat einen überdachten Gang. Rechts ist ein großer Kuppelbau und in der Mitte ein rechteckiger Turm. Im Vordergrund steht ein Park mit Hecken und Palmen und im Hintergrund sind Berge. mini|hochkant=1.4|Niederländische Renaissance in Antwerpen: das Rathaus (fertiggestellt um 1564)|alternativtext=Frontale Farbfotografie eines viergeschossigen Gebäudes mit vielen unterschiedlichen Nationalflaggen vor jedem Fenster. Der Mittelteil hat einen dreistöckigen Aufbau mit Wappen, Figuren und zwei Obelisken. An der Spitze steht ein goldener Adler. Auf dem Dach sind mehrere Giebel und vier Schornsteine. Auf dem Vorplatz befindet sich links auf einem Stein eine Figurenkonstellation.
Renaissance (IPA: [], ; das französische Wort für „Wiedergeburt“) bezeichnet eine sich über drei Jahrhunderte erstreckende europäische Kulturepoche in der Zeit des Übergangs vom Spätmittelalter zur Neuzeit. Kennzeichnend war die Wiederbelebung der kulturellen Leistungen der griechischen und römischen Antike, die zu Maßstäben für daran anknüpfende Renaissance-Werke von Gelehrten und Künstlern wurden. Bahnbrechende neue Perspektiven ergaben sich gegenüber dem Mittelalter insbesondere für das Menschenbild, für die Literatur, die Bildhauerei, die Malerei und die Architektur. Die Epochenbezeichnung selbst gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert.
Als Kernzeitraum der Renaissance werden in der Kunstgeschichte das 15. (Quattrocento) und 16. Jahrhundert (Cinquecento) angesehen. Die zeitliche Ausgedehntheit der Renaissance-Ära, die von den rivalisierenden norditalienischen Stadtrepubliken auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches (Reichsitalien) ausging, erklärt sich nicht zuletzt aus der zeitverschobenen Ausbreitung – mit jeweils unterschiedlichen Ausprägungen – in den Ländern nördlich der Alpen. Der – von Ostasien abgesehen – dort zuerst entstandene Buchdruck mit beweglichen Lettern gilt als bedeutendste Errungenschaft in der Technik in der Renaissance. Dabei wird der Epochenbegriff der Renaissance im protestantischen Norden Europas von dem der Reformation überlagert. Die Spätrenaissance als Epoche der Kunstgeschichte wird auch als Manierismus bezeichnet und wurde Anfang des 17. Jahrhunderts in Italien durch den Barock abgelöst.
Wegbereiter der Renaissance waren humanistische Gelehrte, die die Erschließung antiker Schriften, Literatur und sonstiger Quellen für ihre Gegenwart betrieben, weil sie darin orientierende Leitbilder sahen, an die es anzuknüpfen galt. Daraus entstand ein humanistisches Bildungsprogramm, das zur optimalen Entfaltung auf eine Verbindung von Wissen und tugendhafter Betätigung setzte oder auf ein der Erforschung und Erkenntnis gewidmetes kontemplatives Dasein – je nach individuellen Möglichkeiten und gesellschaftspolitischer Konstellation. Charakteristisch für das Menschenbild in der Renaissance wurde die Vielfalt der individuellen Entwicklungsmöglichkeiten. Im Zentrum der humanistischen Reflexionen stand der Mensch mit seiner Sprache und Geschichte.
Auf literarischem Gebiet erstreckt sich die Spannweite der Renaissance etwa von frühen Vertretern wie Francesco Petrarca, der als Vordenker des Renaissance-Humanismus gilt, oder Dante Alighieri bis zu William Shakespeares Werken. Als herausragende Bildhauer bekannt sind beispielsweise Donatello, Michelangelo und Tilman Riemenschneider. Neu entwickeltes Gestaltungsmittel in der Malerei war die Verwendung der Zentralperspektive. Zu den bedeutendsten Malern der Renaissance gehören Botticelli, Leonardo da Vinci, Raffael, Tizian und Albrecht Dürer. Große Namen in der Renaissance-Architektur sind insbesondere Filippo Brunelleschi, Leon Battista Alberti und Andrea Palladio. Als politischer Theoretiker von überzeitlicher Bedeutung ragt Niccolò Machiavelli heraus, als weithin kommunizierender zeitkritischer Denker Erasmus von Rotterdam. In der Musik verbindet man die Epoche vor allem mit verstärkter Mehrstimmigkeit und neuer Harmonie etwa bei Orlando di Lasso.
Begrifflich-zeitliche Einordnung mini|Der Schweizer Historiker Jacob Burckhardt als moderner Epochenbezeichner der Renaissance Als Epochenbezeichnung im Sinne geschichtlicher Periodisierung hat sich die Renaissance erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts etabliert.Der französische Begriff bezog sich vordem auf die „Wiedergeburt [des Christen] durch die Taufe“ (Eintrag „renaissance“, in Le Trésor de la Langue Française informatisé). Wesentlich dazu beigetragen haben Jules Michelet, der dem 1855 erschienenen siebten Band seiner Histoire de France den Titel Renaissance gab und damit der Erste war, der die Renaissance, die er als Geburtsstunde des modernen Denkens ansah, als eigene Epoche darstellte,Eugenio Garin: Weltkulturen. Renaissance in Europa. In: Propyläen Weltgeschichte, Band 6: Die Kultur der Renaissance. Berlin 1964, S. 431. Schon das Wort Renaissance galt Michelet als liebenswert; es bezeichne „eine Lebenszeit und dazu eine, in der das Leben schön sei.“ (Ebenda). sowie Jacob Burckhardt, der 1860 sein Werk Die Kultur der Renaissance in Italien herausbrachte.Jacob Burckhardt: Die Cultur der Renaissance in Italien. Ein Versuch. Schweighauser, Basel 1860. Digitalisat der Erstausgabe im Deutschen Textarchiv. Neuausgaben bei Seemann (seit 1869), Kröner (seit 1919) und Insel (seit 1997). Dabei bezog sich Burckhardt in seiner Darstellung hauptsächlich auf das 14. und 15. Jahrhundert, während Michelet den Schwerpunkt im 16. Jahrhundert setzte: beim Zusammenprall der italienischen mit der französischen Kultur im Zuge kriegerischer Verwicklungen.Herfried Münkler, Marina Münkler: Renaissance. In: Dieselben: Lexikon der Renaissance. München 2000, S. 338 f. August Buck schlug zur Begrenzung des Epochenbegriffs Renaissance die Zeit zwischen Petrarcas Geburt (1304) und Torquato Tassos Tod (1595) vor.August Buck: Zu Begriff und Problem der Renaissance. Eine Einleitung. In: August Buck (Hrsg.): Zu Begriff und Problem der Renaissance (= Wege der Forschung. Band 204). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1969, ISBN 3-534-04411-8, S. 1–136, hier: S. 29.
Die Renaissance-Humanisten bezogen das Paradigma der Wiedergeburt auf diverse Anwendungsfelder wie die Kunst der Beredsamkeit, die Breite des literarischen Schaffens und auch auf die Geschichtsschreibung samt den enthaltenen politiktheoretischen Ansätzen.Gerl 1989, S. 5. Geschichte wurde zunehmend, wenn auch nicht gänzlich, von kosmologischen Zyklen oder einer theologischen Heilsgeschichte losgelöst und dem Menschen zugewiesen – „auf den Selbstvollzug des Humanen konzentriert“.„Sie ist, wie die Kunst und die Religiosität, ein proprium humanitas und gehört zu den wesentlichen Möglichkeiten seines [des Menschen] bewussten Selbstverhältnisses.“ (Leinkauf 2017, Band 1, S. 953 f. (Zitate S. 954)).
Die Vorstellung, in einer vom Mittelalter unterschiedenen neuen Zeit zu leben, hatte sich unter Humanisten, Literaten und Künstlern in Italien allerdings bereits seit dem 14. Jahrhundert verbreitet. Als Rinascimento begrifflich fixiert wurde sie 1550 von dem italienischen Künstler und Künstlerbiographen Giorgio Vasari, der damit die Überwindung mittelalterlicher Kunst durch einen Rückgriff auf antike Vorbilder meinte.„Wenn Vasari 1550 von der ‚renascita‘ der schönen Künste, Pierre Belon 1553 von der ‚désirable renaissance‘ (de bonnes disciplines) spricht, so ist damit der Terminus gewonnen, der sich über verschiedene Vermittlungsstufen schließlich bei Jules Michelet 1855 als Epochentitel überhaupt durchsetzt und von Jakob Burckhardt 1860 in seiner ‚Cultur der Renaissance in Italien‘ bestätigt wird.“ (Gerl 1989, S. 6.) Vasari unterschied drei Zeitalter der Kunstentwicklung: das glanzvolle Zeitalter der griechisch-römischen Antike, ein Zwischenzeitalter des Verfalls, das etwa mit der Epoche des Mittelalters gleichgesetzt werden kann, das Zeitalter des Wiederauflebens der Künste und der Wiedergeburt des antiken Geistes im Mittelalter seit etwa 1250.
Nach Vasari hatten bereits die italienischen Bildhauer, Architekten und Maler der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, darunter Arnolfo di Cambio, Nicola Pisano, Cimabue oder Giotto, „in dunkelsten Zeiten den Meistern, die nach ihnen kamen, den Weg gewiesen, der zur Vollkommenheit führt“.
Im üblichen heutigen Sprachgebrauch markiert die Renaissance für sich genommen die Epoche am Übergang zur Neuzeit.Zur Renaissance als Begriff einer Epochenscheide und Zeitenwende einerseits und als Begriff für eine eigene Epoche andererseits vgl. Stephan Skalweit: Der Beginn der Neuzeit. Epochengrenze und Epochenbegriff (= Erträge der Forschung. Band 178). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1982, ISBN 3-534-06095-4, S. 9–46; und dazu Richard Toellner: Zum Begriff der Autorität in der Medizin der Renaissance. In: Rudolf Schmitz, Gundolf Keil (Hrsg.): Humanismus und Medizin (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission für Humanismusforschung. Band 11). Acta humaniora, Weinheim an der Bergstraße / Bonn-Bad Godesberg 1984, ISBN 3-527-17011-1, S. 159–180, hier: S. 159–161. Doch spricht man auch in bestimmten anderen Zusammenhängen von einer Renaissance, wenn alte Werte, Ideen oder Handlungsmuster wieder hervortreten. Als Karolingische Renaissance beispielsweise bezeichnet man die Formen der Rückbesinnung auf die Antike, die unter Karl dem Großen um 800 einsetzten. Wenn in der jüngeren Vergangenheit wiederum regionale Kulturen sich verstärkt für ihre Eigenarten (und Sprachen) interessieren, greift man auch mitunter auf den Renaissance-Begriff zurück, wie etwa im Fall der irischen Renaissance.
Vorbereitet wurde die geistige Renaissance Europas, die oft vor allem als europäisches Phänomen, das in Südeuropa seinen Anfang nahm, definiert wird, insbesondere durch den Erhalt und die Übermittlung antiker philosophischer und naturwissenschaftlicher Schriften im christlichen und dann muslimischen Orient, die im christlichen Europa, als heidnisch verpönt, in Vergessenheit geraten waren. Der Transfer erfolgte maßgeblich über die Rezeption dieser Schriften in zunächst syrischer und dann arabischer Sprache und die spätere Übersetzung ins Lateinische, auch Italienische und Spanische. In diesem Zusammenhang als beispielhaft zu nennen sind die islamische Philosophie und die Übersetzerschule von Toledo. Die geistige Wiederentdeckung der Antike führte letztendlich auch zur Hinwendung zum künstlerischen Ausdruck der Antike, insbesondere in der Formensprache der Architektur und der Motivik in bildender Kunst und Literatur.
Wie bei allen Epocheneinteilungen besteht auch bei der Renaissance die Problematik, dass kulturelle, gesellschaftliche oder künstlerische Entwicklungen je nach geographischem, sprachlichem oder sozialem Raum sehr unterschiedlich verlaufen können. So wird etwa die italienische Renaissance deutlich früher angesetzt als in anderen europäischen Ländern. Außerdem ist zu beachten, dass mit der Antikenverehrung der Renaissance-Humanisten eine Abwertung des vermeintlich ‚finsteren Mittelalters‘ einhergeht. Viele kulturelle Erzeugnisse aus der Zeit des Mittelalters werden in diesem Kontext als Vorläufer oder frühe Vertreter der Renaissance interpretiert.
Entstehungsaspekte In ihrem Ursprung war die Renaissance eine kulturelle Bewegung zur Wiedergewinnung von Zeugnissen der Antike für die eigene Daseinsorientierung. Begünstigt wurde diese Bewegung von gesellschaftspolitischen Konstellationen speziell in der Nordhälfte Italiens und von krisenhaften Zeitumständen, die einer geistigen Neuorientierung Vorschub leisteten.
Sammlung und Ordnung des antiken Nachlasses mini|Originalmanuskript eines 1985 in Erfurt entdeckten Gedichts Petrarcas|alternativtext=Ein handschriftlicher Text mit einem breiten F am Anfang des unteren Abschnitts, der zwei Zeilen groß ist.