mini|Collage von Seminolen
Die Seminolen sind eine Ethnie der Indianer Nordamerikas. Vor der Vertreibung der Indianer, ethnischen Säuberungen durch die Vereinigten Staaten, lag ihr Siedlungsgebiet im nördlichen Florida. Heute leben sie überwiegend in Oklahoma sowie im Süden Floridas.
Während des 18. Jahrhunderts wanderten Angehörige der Creek und Mikasuki sowie Gruppen kleinerer indigener Völker aus dem Gebiet der heutigen Bundesstaaten Mississippi, Alabama und Georgia in Florida ein. Zu ihnen kamen noch Afroamerikaner, entlaufene Sklaven. Während dieser Zeit setzte die Ethnogenese der Seminolen ein.
Die meisten Seminolen sprachen Maskoki (Mvskoke). Diese Sprache ist ein Teil der Sprachfamilie der Muskogee-Sprachen, die 1990 noch von 6.000 der ca. 20.000 Creek und Seminolen gesprochen wurde. Die Mikasuki unter ihnen sprachen das verwandte und zur selben Sprachfamilie gehörende Hitchiti-Mikasuki, welches heute noch von ca. 500 Angehörigen der Mikasuki in Florida gesprochen wird.
Geschichte der Seminolen bis zu den Seminolenkriegen Frühgeschichte Das Gebiet des heutigen Florida wurde vor der Ankunft der Europäer im 16. Jahrhundert unter anderem von den indigenen Völkern der Apalachee, Caloosahatchee, Timucua, Ais, Calusa, Jaega, Mayaimi, Tequesta und Tocobaga besiedelt.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren die indianischen Völker Floridas durch Kriege mit den spanischen Eroberern und durch die von Europäern eingeschleppten Krankheiten stark dezimiert. Die überlebenden Indianer wurden nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges 1763, als Spanien Florida vertraglich an Großbritannien abtreten musste, von den Spaniern nach Kuba gebracht.
Während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wanderten englische Kolonisten verstärkt in das Gebiet des heutigen South Carolina und des nördlichen Georgia ein. Dies führte zu Konflikten mit den ansässigen Indianern. Zwischen 1715 und 1717 kam es infolgedessen zum Yamasee-Krieg.
Am 12. Februar 1733 gründete James Oglethorpe zwischen dem Savannah- und dem Altamaha-Fluss die englische Provinz Georgia. Die Provinz wurde auch als Schutz vor spanischen Übergriffen auf die Provinz South Carolina errichtet. Im Jahr 1735 versuchten die Spanier erfolglos, das 1733 neu gegründete Savannah einzunehmen.
1736 wurde eine Vereinbarung zwischen Vertretern der Provinz Georgia und Spanisch-Floridas geschlossen, welche eine neutrale Zone zwischen dem Altamaha- und dem San-Juan-Fluss vorsah. Während des Jenkin’s-Krieges von 1739 bis 1742 kämpften Engländer und Spanier in Georgia und Florida gegeneinander. Die Kämpfe endeten ergebnislos.
Entstehung der Seminolen Zur Entstehung des Volkes der Seminolen kam es während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Einen wesentlichen Anteil hatten dabei die zur Gruppe der Hitchiti gehörigen Oconee. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts siedelten sie in der Nähe von Milledgeville im heutigen Baldwin-County am Ufer des nach ihnen benannten Oconee-Flusses. Nach dem Yamasee-Krieg zogen sie westwärts zum Chattahoochee-Fluss im Gebiet der Creek. Sie traten der Creek-Konföderation bei.
Um 1750 entstanden Differenzen zwischen ihnen und den Creek. Unter ihrem Häuptling Secoffee (Cowkeeper) emigrierten große Teile von ihnen in die „Neutrale Zone“ in das Gebiet der Alachua-Prärie. Die Gegend erwies sich als äußerst wildreich. Außerdem gab es mehrere verwilderte Rinder der ehemaligen spanischen Rinderfarm Rancho de la Chua, woher sich der Name Alachua herleitet. Der Name Alachua wurde zur Bezeichnung für die siedelnden Oconee in dieser Gegend.
An einem günstigen Ort errichteten sie ihre Hauptsiedlung Cuscowilla (Alachua). In der Nähe befand sich ein See, dem sie den gleichen Namen gaben. Der amerikanische Naturforscher William Bartram besuchte im Jahr 1773 Cuskowilla, er beschrieb eine ansehnliche Siedlung von 30 Häusern.W. Bartram, S. 189
In das entvölkerte nördliche Florida wanderten neben den Oconee noch Gruppen der ebenfalls zur Sprachgruppe der Hitchiti gehörenden Mikasuki und Angehörige der Unteren Muskogee ein, die sich im Konflikt mit den Oberen Muskogee befanden, sowie einige Mitglieder anderer Stämme des Südostens der heutigen USA. Vor allem nach dem Yamasee-Krieg wanderten Yamasee und Yuchi ein, die sich auf der Flucht vor den vordringenden englischen Kolonisten aus dem heutigen South Carolina und Georgia befanden. Zu den Indianern kamen noch einige entlaufene Sklaven und ein paar Europäer.
Bedeutung des Namens Seminolen Diese neu entstandene Bevölkerung wurde von den Spaniern aus St. Augustine als cimarrón bezeichnet, das „Wilde Menschen“ oder „Flüchtlinge“ bedeutet. In der Sprache der Muskogee entwickelte sich daraus simano-li, wovon sich die Bezeichnung Seminole herleitet. Die Seminolen Floridas nannten sich selbst ikaniúksalgiA. Gatschet, S. 66, was „Menschen der Halbinsel“ bedeutet.
Erste Konflikte zwischen Seminolen und weißen Siedlern Die Alachua nahmen eine führende Rolle unter den Stammesgruppen der Seminolen ein. Ihr Häuptling Cowkeeper wurde als Oberster Häuptling der Seminolen anerkannt. Alle nachfolgenden Obersten Häuptlinge der Seminolen entstammten der Familie von Cowkeeper. Nach dem Tod von Cowkeeper im Jahr 1783 wurde King Payne sein Nachfolger. Anfang des 19. Jahrhunderts reichten die Siedlungen und Plantagen der weißen Amerikaner aus Georgia bis in das Grenzgebiet von Spanisch-Florida. Viele schwarze Sklaven flohen von den Plantagen zu den Seminolen. Das Verhältnis zwischen den Indianern und den Sklaven war eher das von Vasallen. Die Afroamerikaner konnten bei den Indianern ein freieres Leben als bei den Weißen führen. Eheschließungen kamen häufig vor. Ihre Nachkommen wurden in den Stamm aufgenommen. Aus ihnen entstanden die Schwarzen Seminolen.
Sklavenjäger aus Georgia drangen in das Gebiet der Seminolen ein und verlangten die Rückführung der entlaufenen Sklaven. Dies führte zu Konflikten mit den Indianern. Beim Ausbruch des Britisch-Amerikanischen Krieges von 1812 griffen Indianer Siedlungen in Georgia an. Unterstützt wurden sie dabei vom spanischen Gouverneur von Florida. Großbritannien und Spanien waren verbündet. Es folgte ein Angriff der Miliz von Georgia auf das Land der Seminolen, unter dem Kommando von Colonel Daniel Newnan. Während des Kampfes wurde King Payne am 28. September 1812 tödlich verwundet.D. Thrapp, S. 1123
Sein Nachfolger wurde sein jüngerer Bruder Bolek. Die Miliz zog sich nach Georgia zurück. 1813 kam es erneut zu einem Kampf zwischen den Seminolen und den amerikanischen Milizen aus Tennessee und Georgia. Während dieser Invasion wurde Cuscowilla zerstört. Der Oberste Häuptling der Seminolen verlegte daraufhin seinen Hauptsitz in ein Dorf am westlich gelegenen Suwannee-Fluss. Nach dem Creek-Krieg von 1813 bis 1814 zogen viele Angehörige der unterlegenen Lower Creek zu den Seminolen nach Florida. Die Konflikte zwischen den Indianern und den weißen Amerikanern verschärften sich in den folgenden Jahren noch weiter und mündeten in den Ersten Seminolenkrieg.
Seminolenkriege
Erster Seminolenkrieg (1814–1818) miniatur|hochkant=1.6|Ehemaliges Stammesgebiet der Seminolen und erstes Reservat (1838), ihre Umsiedlungsroute und Gefechte mit indianischer Beteiligung im Südosten der USA zwischen 1811 und 1847
Zum ersten Krieg kam es von 1814 bis 1818, als General Andrew Jackson von Georgia nach Florida einmarschierte, das damals unter spanischer Herrschaft stand, um entlaufene schwarze Sklaven einzufangen, die sich zu den Seminolen geflüchtet hatten. Jackson eroberte St. Marks und Pensacola in West-Florida. Die Seminolen wurden besiegt und mehrere ihrer Dörfer entlang des Suwannee-Flusses zerstört. 1821 wurde Florida von Spanien gemäß dem im Jahre 1819 unterzeichneten Adams-Onís-Vertrag an die USA übergeben. Andrew Jackson wurde Militärgouverneur von Florida bis zur Einrichtung des Florida-Territoriums im Jahre 1822.
Es kam im Norden Floridas zu einer Einwanderungswelle von weißen Amerikanern. Die Seminolen wurden 1823 unter ihrem Obersten Häuptling Micanopy (Micco-Nuppe, Michenopah, Miccanopa, Mico-an-opa; Hitchiti: „Miko“ (Häuptling) und „naba“ (über), sprich „Oberster Häuptling“, es handelt sich hierbei um den Titel für den Oberhäuptling der Seminolen), dem Nachfolger des 1821 verstorbenen Bolek (Bowlegs), gezwungen, den Vertrag von Moultrie Creek zu unterzeichnen. Der Vertrag sah unter anderem vor, dass die Seminolen in ein Reservat im mittleren und südlichen Inland der Halbinsel Florida ziehen sollten. 1827 war die Übersiedlung ins Reservat abgeschlossen. In den 1820er und 1830er Jahren kamen viele weiße Siedler nach Florida.
Die Situation der Seminolen verschlechterte sich immer mehr, sie mussten kontinuierlich Land an die weißen Siedler abtreten und sich in die Wildnis der Everglades zurückziehen. Präsident Andrew Jackson unterzeichnete 1830 den Indian Removal Act, in dem festgelegt wurde, dass alle Indianer östlich des Mississippi nach Westen umsiedeln mussten, so auch die Seminolen Floridas (siehe Indianer-Umsiedlung). 1832 wurden die Seminolen gezwungen, den Vertrag von Payne’s Landing zu unterzeichnen. Ein wesentlicher Teil des Vertrages sah vor, dass die Indianer ihre Gebiete in Florida an die Regierung der USA abtreten und in das Indianerterritorium der bereits umgesiedelten Creeks ziehen sollten, das heutige Oklahoma. Viele Angehörigen der Seminolen waren Flüchtlinge aus dem Creek-Krieg von 1813 bis 1814. Die Regierung betrachtete die Seminolen nicht als eigenständiges Volk, sondern als Teil der Creek-Nation, was die Seminolen jedoch bestritten.
Zweiter Seminolenkrieg (1835–1842) Da sich die Seminolen weigerten, den Vertrag von Payne’s Landing anzuerkennen und nach Westen zu ziehen, kam es unter der Führung von Micanopy und Osceola (Asi-yahola) (auch: Billy Powell) 1835 zum zweiten Mal zum Krieg mit der Armee der USA. Die Seminolen waren zunächst erfolgreich, da sie sich in einem Guerillakrieg mit Überraschungsangriffen gegen die Küstensiedlungen die Sümpfe und natürlichen Gegebenheiten zunutze machen konnten. Zudem schlossen sich erfolgreiche, aber im Creek-Krieg von 1836 geschlagene Anführer der Red Sticks-Fraktion der Creek – wie Jumper (Otee Emathla oder Ohta Emahlv) oder Opothleyahola (Opothle Yohola, Opothleyoholo, Hu-pui-hilth Yahola oder Hopoeitheyohola) – den Seminolen in ihrem Kampf mit ihrer Erfahrung und Kriegern an. Die amerikanische Armee verlor, durch Unkenntnis und Ungewohntheit der Umgebung, mehrere Kämpfe und wurde zum Teil demoralisiert, was Desertionen zur Folge hatte.Howard Zinn: A People’s History of the United States. Harper Perennial, 2005, ISBN 0-06-083865-5, S. 145–146.