Der Westerwald ist ein deutsches Mittelgebirge. Er gehört zum rechtsrheinischen Teil des Rheinischen Schiefergebirges und erstreckt sich über die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Seine höchste Erhebung ist mit die zum Hohen Westerwald gehörende Fuchskaute.
Der Westerwald wird landläufig definiert als jenes Land zwischen den Flüssen Dill im Osten, Lahn im Süden, Rhein im Westen, Sieg im Norden und Heller im Nordosten, wobei die im Norden dieses Gebiets gelegenen Höhenzüge unmittelbar südlich von Sieg und Heller naturräumlich nicht mehr zum Westerwald gehören. Die historische Region Westerwald hat demgegenüber noch etwas abweichende, nicht exakt zu bemessende Grenzen.
Geographie Lage mini|Westerwald bei Arborn
Der Westerwald liegt südwestlich des Dreiländerecks von Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Sein Osten liegt im Lahn-Dill-Kreis, sein Südosten im Landkreis Limburg-Weilburg (beide Hessen), sein Zentrum im Westerwaldkreis, sein Westen im Landkreis Neuwied (beide Rheinland-Pfalz), sein Nordwesten im Rhein-Sieg-Kreis (Nordrhein-Westfalen) und sein Norden im Landkreis Altenkirchen (RP). Hinzu kommen kleine Randanteile am Kreis Siegen-Wittgenstein (NW) im äußersten Nordosten, am Rhein-Lahn-Kreis (RP) im Süden, am Landkreis Mayen-Koblenz (RP) und der Stadt Koblenz im Südwesten und an der Stadt Bonn (NW) im äußersten Nordwesten.
Er erstreckt sich etwa südlich von Burbach, südwestlich von Haiger, nordwestlich von Weilburg, nördlich von Limburg an der Lahn, nordöstlich von Koblenz, östlich von Linz am Rhein, südöstlich von Wissen und südlich von Betzdorf. In seinem Zentrum liegen Bad Marienberg, Hachenburg, Westerburg und Rennerod.
Im Uhrzeigersinn wird der Westerwald durch die Tallandschaften dieser Fließgewässer begrenzt: Dill (Dilltal) im Osten Lahn (Gießen-Koblenzer Lahntal) im Süden Rhein (unteres Endstück des Oberen Mittelrheintals, Neuwieder Rheintalweitung und Unteres Mittelrheintal) im Westen Sieg (Mittelsiegtal) im Norden Heller (Mittleres Hellertal) im Nordosten
Östlich der Dill schließt sich das Gladenbacher Bergland an, südlich der Lahn der Hintertaunus, westlich des Rheins die Eifel, nördlich der Sieg das Ebbegebirge und nordöstlich der Heller das Rothaargebirge.
Geomorphologisch gehört der Westerwald zum Rheinischen Schiefergebirge und bildet den zentral westlichen Teil von dessen östlicher, rechtsrheinischer Hälfte. Es gehört allerdings auch das östlich der Dill gelegene, bis hohe Gladenbacher Bergland und die bis hohe Struth zum Naturraum Westerwald, während die hohe Haincher Höhe (von der die Struth abzweigt) nebst der hohen Kalteiche schon zum Rothaargebirge gezählt wird.
Naturräumliche Gliederung
Insgesamt zeigt der Westerwald von seinen hohen Rändern her eine leicht beckenförmige Grundstruktur, die durch eine Vielzahl meist sanfter Hügelwellen überlagert ist. Von den Randerhebungen, in die Flüsse tiefe und enge Täler eingekerbt haben, fällt der Westerwald in die ihn umgebenden Flusslandschaften allerdings meist steil ab. Ausnahmen sind die sanften Anstiege zu den Pforten in den Westerwald, so im Westen aus dem Neuwieder Becken am Rhein nach Rengsdorf, und im Süden aus dem Limburger Becken von der Lahn nach Hadamar.
Der in den oben skizzierten Grenzen bemessene Westerwaldder rechtsrheinische Teil der Kölner Bucht südlich der Siegmündung ist hier als Tieflandsregion nicht einbezogen gliedert sich naturräumlich in folgende Landschaften (Naturräume, die Außengrenzen darstellen, in Klammern): zu 29 Mittelrheingebiet zu 290 Oberes Mittelrheintal 290.4 Lahnsteiner Pforte zu 291 Mittelrheinisches Becken 291.0 Neuwieder Rheintalweitung 291.1 Neuwieder Beckenrand 291.10 Hüllenberger Randterrasse 291.11 Wollendorf-Gladbacher Beckenhang 291.12 Ehrenbreitsteiner Randterrasse zu 292 Unteres Mittelrheingebiet 292.1 Unteres Mittelrheintal 292.10 Andernacher Pforte 292.11 Linz-Hönninger Talweitung 292.12 Honnefer Talweitung 292.3 Linzer Terrasse 292.4 Siebengebirge 292.5 Pleiser Hügelland („Pleiser Ländchen“) 31 Gießen-Koblenzer Lahntal zu 33 Süderbergland zu 330 Mittelsieg-Bergland 330.0 Südliches Mittelsieg-Bergland (Siegerwesterwald – 191 km²) 330.00 Leuscheid 330.01 Nisterbergland 330.1 Mittelsiegtal zu 331 Siegerland (Naturraum) zu 331.3 Hellerbergland 331.31 Mittleres Hellertal 331.32 Südliches Hellerbergland (mit Die Höh)… Fortsetzung zu 32 Westerwald (Naturraum) zu 321 Dilltal 321.0 Unteres Dilltal 321.1 Oberes Dilltal 322 Hoher Westerwald (346 km²) 322.0 Westerwälder Basalthochfläche 322.1 Neunkhausener-Weitefelder Plateau 323 Oberwesterwald (669 km²) 323.0 Westerwald-Osthang (Dillwesterwald) 323.1 Oberwesterwälder Kuppenland 323.2 Dreifelder Weiherland 323.3 Südoberwesterwälder Hügelland 323.30 Steinefrenzer Platte… Fortsetzung (immer noch 32 Naturräumlicher Westerwald) 324 Niederwesterwald (1316 km²) 324.0 Emsbach-Gelbach-Höhen 324.00 Horchheimer Höhe 324.01 Emsbachtal 324.02 Hochfläche von Welschneudorf 324.03 Gelbachtal 324.04 Eppenroder Hochfläche (Hochstein-Rücken) 324.1 Montabaurer Höhe 324.2 Montabaurer Senke 324.3 Kannenbäcker Hochfläche 324.4 Rhein-Wied-Rücken 324.5 Waldbreitbacher Wiedtal 324.6 Sayn-Wied-Hochfläche 324.60 Isenburger Sayntal 324.7 Dierdorfer Senke 324.8 Asbach-Altenkirchener Hochflächen 324.80 Asbacher Hochfläche 324.81 Altenkirchener Hochfläche 324.9 Rheinwesterwälder Vulkanrücken mini|Heu laden, im Hintergrund Getreidehausten, Westerwald 1958
Der Westerwald im engeren Sinn Der Westerwald im engeren Sinn teilt sich auf in drei Regionen bzw. naturräumliche Haupteinheiten: Hoher Westerwald, Oberwesterwald und Niederwesterwald.
Hoher Westerwald
Die Bezeichnung Hoher Westerwald taucht zum ersten Mal 1786 auf. Die Grenzen des Gebiets werden seitdem in der Literatur unterschiedlich eng gefasst. Der Hohe Westerwald ist eine mit Wäldern versehene und wellige Hochfläche als basaltiger Höhenschwerpunkt des Mittelgebirges mit ausgeprägtem Reizklima auf rund 450 bis Höhe. Hier befindet sich mit der Fuchskaute der höchste Berg des Westerwaldes. Das Gebiet unterteilt sich in die Teillandschaften Westerwälder Basalthochfläche und Neunkhausener-Weitefelder Plateau. Das Dreiländereck Nordrhein-Westfalen-Hessen-Rheinland-Pfalz befindet sich ebenfalls im Hohen Westerwald. Typisch und prägend für die Landschaft waren offene Räume, oft als Heide, wie die hier abgebildete bei Westernohe als letzte verbliebene Heide auf dem Hohen Westerwald.
Oberwesterwald
Der Oberwesterwald liegt als teils bewaldetes vulkanisches Kuppenland mit größeren Basaltdecken vor allem im Bereich der Westerwälder Seenplatte auf etwa 350 bis Höhe. Südlich schließt sich als Teil des Lahntals das Hügelland des Limburger Beckens an.
Niederwesterwald
Der Niederwesterwald (häufig auch als Unterwesterwald bezeichnet) grenzt an die Tallandschaften von Rhein und Lahn und stellt den West- und Südwestteil des Westerwaldes als zertaltes Rumpfgebirge in Höhenlagen von 200 bis dar. Darin eingelagerte Senkungsräume (Dierdorfer Senke, Montabaurer Senke) sind für ihre Tonvorkommen bekannt (Kannenbäckerland). Im Südwesten befinden sich mit der waldreichen Montabaurer Höhe () ein Härtlingszug aus Quarzit sowie das Naturschutzgebiet Malberg. Das nordwestlich anschließende Siebengebirge bei Bonn (bis ) wird naturräumlich schon dem Mittelrheingebiet zugerechnet.
Heutige territoriale Gliederung: Bundesländer und Landkreise Der Westerwald wurde in seiner Geschichte meist von Herrschern aus den ihn umgebenden Regionen regiert, und so zu einer von Grenzen durchzogenen Region. Dies hat sich bis heute in seiner Zuordnung zu verschiedenen Bundesländern niedergeschlagen. Zwar gehört der weitaus größte Teil seines Kernlandes zu Rheinland-Pfalz, doch liegt sein Ostteil im Bundesland Hessen und im Nordwesten reichen seine Ausläufer nach Nordrhein-Westfalen. Wenn auch im Laufe der Zeit durch Zusammenschlüsse seiner Landkreise deren Zahl sich verkleinerte, so zeigt der Westerwald auch heute noch eine starke regionale Zergliederung auf: Neben den drei Kern-Landkreisen Landkreis Altenkirchen mit der gleichnamigen Kreisstadt Altenkirchen, dem Westerwaldkreis mit seiner Kreisstadt Montabaur sowie dem Landkreis Neuwied, dessen Kreisstadt Neuwied im Rheintal zwar nicht zum Westerwald gehört, aber der als Landkreis weit in den westlichen Teil des Westerwaldes reicht, haben der Lahn-Dill-Kreis, der Landkreis Mayen-Koblenz, der Rhein-Lahn-Kreis und der Landkreis Limburg-Weilburg Anteile am Westerwald. Nimmt man die Sieg als nördliche geografische Begrenzung des Westerwaldes an, so gehören einige rechtsrheinische Teile des nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreises (z. B. das Siebengebirge und die Gemeinden Eitorf und Windeck) dazu.
Siedlungsstruktur und wichtige Orte Um 800 hatte der Westerwald eine höhere Siedlungsdichte als andere deutsche Mittelgebirge. Gründe dafür waren wichtige alte Verkehrswege, Eisenerzvorkommen, das leicht zu meisternde sanfte Landschaftsprofil und die vielen Quellmulden, die gute Voraussetzungen für die Ansiedlung boten. Von 1000 bis 1200 wurden viele weitere Siedlungen geschaffen, naturgemäß nahe bei den zu bearbeitenden Feldern. Wenn viele Einzelgehöfte später auch wüst fielen, so ist doch schon vor 1000 Jahren das für den Westerwald typische enge Siedlungsraster mit seiner Vielzahl kleiner, nie sehr weit voneinander entfernter Orte entstanden. Je nachdem, wo man seine Grenzen ziehen will, wohnen auf dem Westerwald heute rund 400.000 Einwohner in etwa 400 Gemeinden, was einen eher kleindörflichen Durchschnitt von 1.000 Einwohnern pro Ort ergibt. Nur 16 Orte haben mehr als 5.000 Einwohner, und dies oft auch nur durch Zusammenlegung verstreut liegender Gemeinden im Rahmen von Gemeindereformen, was auch Montabaur vergrößerte. Die Kreisstadt wurde so mit heute gerade einmal 13.691 Einwohnern zum größten Ort auf dem Westerwald. Dabei hatten viele Orte schon früh Stadtrechte bekommen: Montabaur 1291, Westerburg 1292, Driedorf 1305, Altenkirchen, Hachenburg, Weltersburg allesamt 1314, Friedewald 1324, Dierdorf 1357 und Liebenscheid 1360. Einige blieben Dörfer oder Marktflecken. Manche wuchsen weiter, waren keine Dörfer mehr, doch halfen ihnen selbst die Stadtrechte nicht, um in Struktur, Funktion und Größe zu einer echten Stadt zu wachsen. So hat dann der Westerwald bis heute manches Städtchen, aber nicht eine Stadt mittlerer Größe.
Die größten Orte bezogen auf ihre Einwohnerzahl sind: Montabaur - 14.773 EinwohnerStatistikportal des Bundes und der Länder (abgerufen am 3. Januar 2026) - Unterer Westerwald Hadamar - 13.122 EinwohnerStatistikportal des Bundes und der Länder (abgerufen am 3. Januar 2026) - Hessischer Westerwald Höhr-Grenzhausen - 9.306 EinwohnerStatistikportal des Bundes und der Länder (abgerufen am 3. Januar 2026) - Unterer Westerwald Dornburg - 8.461 EinwohnerStatistikportal des Bundes und der Länder (abgerufen am 3. Januar 2026) - Hessischer Westerwald Ransbach-Baumbach - 8.128 EinwohnerStatistikportal des Bundes und der Länder (abgerufen am 3. Januar 2026) - Unterer Westerwald Asbach - 7.766 EinwohnerStatistikportal des Bundes und der Länder (abgerufen am 3. Januar 2026) - Vorderer Westerwald Altenkirchen - 6.657 EinwohnerStatistikportal des Bundes und der Länder (abgerufen am 10. Oktober 2025) - Vorderer Westerwald Neustadt (Wied) - 6.558 EinwohnerStatistikportal des Bundes und der Länder (abgerufen am 10. Oktober 2025) - Vorderer Westerwald Hachenburg - 6.274 EinwohnerStatistikportal des Bundes und der Länder (abgerufen am 10. Oktober 2025) - Oberer Westerwald Bad Marienberg - 6.209 EinwohnerStatistikportal des Bundes und der Länder (abgerufen am 10. Oktober 2025) - Hoher Westerwald
Auffällig ist dabei, dass die meisten der größeren Orte in den unteren Höhenlagen des Westerwaldes liegen.
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