mini|Blick auf Wettin von der Saale aus mini|Luftbildpanorama von Wettin mini|Rathaus am Marktplatz

Wettin ist ein Ortsteil der Stadt Wettin-Löbejün im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Bekannt ist die Kleinstadt vor allem durch das Herrschergeschlecht der Wettiner, das Markgrafen, Kurfürsten und Könige in Sachsen, Großbritannien, Belgien, Bulgarien sowie in Polen stellte.

Geografie Lage Wettin liegt auf einem Steilhang am rechten Ufer der Saale beim Saalekilometer 71, etwa 20 Kilometer nördlich von Halle (Saale) im Naturpark Unteres Saaletal. Das Ortschaftsgebiet erstreckt sich auf die Täler und Hügel rund um die Burg Wettin. Durch den Ort fließt der Luisengraben.

Ortsgliederung Zu Wettin gehören die Ortsteile Dobis, Dößel, Mücheln, Schachtberg und Zaschwitz, welches auf der anderen Seite der Saale liegt. Der vor 1815 erwähnte Ort LöbnitzmarkLöbnitzermark in der Topographischen Beschreibung des Herzogtums Magdeburg, S. 400 ist heute lediglich eine Straße im Osten von Wettin.

Geschichte Namensherkunft Die Stadt Wettin lag im Frühmittelalter östlich der Saale, die über längere Zeit als Grenzlinie zwischen dem sächsisch-ostfränkischen Herrschaftsraum und slawisch besiedelten Gebieten galt und im Zusammenhang mit dem sogenannten Limes Sorabicus genannt wird. Der Ortsname wird in der Forschung häufig als slawischer Herkunft gedeutet und mit der Namenssilbe Vit (altslawisch Vitъ) sowie der Ortsendung -in in Verbindung gebracht, die Zugehörigkeit oder Besitz ausdrückt („Ort des Vit“). Der Personenname Vit wird verschiedentlich als Kurzform von Namen wie Vitold oder als Entsprechung zum lateinischen Vitalis („der Lebenskräftige“, vgl. Saint Vitus) interpretiert, wobei die genaue Herleitung nicht eindeutig gesichert ist.Slawen · Deutsche · Namen (Baar-Verlag, 2009, 368 Seiten, ISBN 978-3-935536-80-6). Beiträge zur westslawischen Ortsnamenforschung, inklusive sorbischer Etymologien wie vitin. Vergleichbare Namensbildungen finden sich auch in Böhmen, etwa in Vitín, in Vitín bei Počepice sowie in Vitín bei Malé Březno, deren Namen ebenfalls aus dem Personennamen Vít und der Possessivendung -ín gebildet sind. Diese Parallelen werden als Hinweise auf vergleichbare slawische Namensbildungsprozesse im ostmitteldeutschen und böhmischen Raum gewertet.Die slawische Besiedlung des Landes zwischen Elbe und Saale (Baar-Verlag, 2019, 333 Seiten, ISBN 978-3-935536-29-5). Dieses Buch analysiert Namen wie Vitin im Kontext sorbischer Siedlungen mit stratigraphischen Belegen Frühslawische Keramik (Prag-Korčák-Kultur, 6.–7. Jh.) ist im Elbe-Saale-Raum (Saaletal, Sorben-Siedlungen) und in Böhmen archäologisch nachweisbar und markiert die slawische Besiedlung ab ca. 550/600 n. Chr. Ähnliche Funde (z. B. lineare Keramik mit Kammstrich) verbinden beide Regionen.Slawische Stämme an Elbe und Saale: Zu ihrer Geschichte und Archäologie im 7. bis 10. Jahrhundert von Hansjürgen Brachmann (De Gruyter, 1979, ca. 200 Seiten). Dieses Standardwerk beschreibt detailliert die Keramikgruppen (z. B. Ützer und Rüssener Gruppe) im Mittelelb-Saale-Gebiet mit stratigraphischen Analysen, Vergleichen zur Prager Typenkeramik in Böhmen und migrationsgeschichtlichen Verbindungen; siehe Kapitel zu frühen Horizonten (7./8. Jh.) mit Abbildungen und Fundkatalogen. Bei gleichlautenden slawischen Ortsnamen wie Vitin in Böhmen und Vitin (Wettin) im Elbe-Saale-Gebiet ist es onomastisch naheliegend, von einer identischen Namensbildung auszugehen. Siedlungsgeschichte Im 6. Jahrhundert siedelten die Sorben an der Saale. Sie errichteten hier eine Fluchtburg, die in der Folge zur dauerhaften Befestigung gegen die Franken erweitert wurde. 961 erfolgte die erstmalige urkundliche Erwähnung der Civitas Vitin am Fuße der Burg. Diese kam 985 samt Ort in den Besitz von Dedo, dessen Enkel Thimo von Wettin erweiterte im 11. Jahrhundert die Burg und den Machtbereich der Grafen von Wettin. Anschließend wurden die Wettiner, die die Markgrafen, Kurfürsten und Könige in Sachsen, Großbritannien, Belgien, Bulgarien sowie in Polen stellten, zu einem der bedeutendsten Herrschergeschlechter in Deutschland.

Der erste Stammsitz ging aber schon 1288 an das Erzbistum Magdeburg über. Unweit der Stadt wurden 1382 Steinkohlevorkommen entdeckt, die zunächst hauptsächlich für die Halloren gefördert wurden. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg und Stadt mehrfach von den Schweden geplündert, zudem zerstörten 1660 zwei Brände fast die gesamte Stadt.

Mit der Angliederung des Erzstifts Magdeburg an Preußen gehörte die Stadt ab 1680 zum brandenburg-preußischen Herzogtum Magdeburg und lag im damaligen Saalkreis. Sie wurde als Mediatstadt bezeichnet. Umgeben war sie vom königlich-preußischen Amt Wettin.Beschreibung der Stadt Wettin und des Amts Wettin. In: Geographie für alle Stände, S. 123 und 128

1806 erfolgte die Besetzung des Saalkreises durch französische Truppen. Unter Napoleon wurde das Amt Wettin 1806 aufgelöst und das Gebiet im Frieden von Tilsit 1807 dem Königreich Westphalen angegliedert. Als Teil des Saalkreises wurde Wettin und sein Umland dem Distrikt Halle im Departement der Saale zugeordnet. Dabei entstand aus Wettin und weiteren neun Kommunen der Kanton Wettin.Beschreibung des Saale-Departements (PDF) Nach der Niederlage Napoleons und dem Ende des Königreichs Westphalen befreiten die verbündeten Gegner Napoleons Anfang Oktober 1813 den Saalkreis. Bei der politischen Neuordnung nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Wettin 1816 dem Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen angeschlossen und dem Saalkreis zugeordnet.

Seit Ende des 17. Jahrhunderts erlebte Wettin durch die Kohlevorkommen eine wirtschaftliche Blütezeit, sodass hier ein preußisches Bergamt eingerichtet wurde. Im 19. Jahrhundert kam der Aufschwung zum Erliegen, da die Steingewinnung immer teurer wurde. Zudem gingen die Vorräte langsam zu Ende, das letzte Bergwerk schloss 1893. Schon zuvor war es zu einem großen Bevölkerungsrückgang gekommen, die Industrialisierung erfasste Wettin kaum. Insbesondere die schlechten Verkehrsverhältnisse wirkten sich negativ aus, diese verbesserten sich erst 1903 mit Eröffnung der Bahnstrecke Wallwitz–Wettin.

Am 1. Juli 2008 wurde die Gemeinde Dößel mit den Ortsteilen Dobis und Schachtberg in die Stadt Wettin eingemeindet.Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands StBA Am 1. Januar 2011 wurden die Städte Löbejün und Wettin sowie die Gemeinden Brachwitz, Döblitz, Domnitz, Gimritz, Nauendorf, Neutz-Lettewitz, Plötz und Rothenburg, die zuvor bereits in der Verwaltungsgemeinschaft Saalkreis Nord zusammengeschlossen waren, zur neuen Stadt Löbejün-Wettin, die bereits am 7. April 2011 ihren jetzigen Namen Wettin-Löbejün erhielt, zusammengefasst.StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2011

+ Eingemeindungen Datum Ehemalige Gemeinde Eingemeindung 30. September 1928 Mücheln Eingemeindung nach Wettin 1. Juli 1950 Dobis Eingemeindung nach Dößel 1. Juli 1950 Zaschwitz Eingemeindung nach Wettin 1. Juli 2008 Dößel mit Schachtberg Eingemeindung nach Wettin 1. Januar 2011 Wettin Eingemeindung nach Wettin-Löbejün

Religion und Kirchen Die evangelische St.-Nikolai-Kirche ist die größte und älteste Kirche Wettins. Sie wurde im 12. Jahrhundert im romanischen Stil als Bürgerkirche erbaut und im 16. und 17. Jahrhundert im gotischen Stil umgebaut und erweitert. Die Kirche konnte seit 1958 wegen Schwammbefalls nicht mehr genutzt werden und verfiel in den folgenden Jahren. Seit 1990 erfolgte eine schrittweise Sanierung. Diese sind mittlerweile abgeschlossen worden, sodass das Gebäude wieder im vollen Umfang nutzbar ist. Die Kirche gehört heute zum Pfarrsprengel Wettin im Kirchenkreis Halle-Saalkreis der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. mini|Zugang zur St.-Petrus-Kirche Die katholische St.-Petrus-Kirche entstand 1955 aus einer ehemaligen Seifenfabrik. Obwohl im Zentrum der Stadt liegend, fügt sie sich entsprechend unauffällig in das Stadtbild Wettins ein. Ihre Kirchengemeinde bildete sich ab 1945, nachdem infolge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa auch im seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägten Wettin wieder Katholiken in größerer Zahl zugezogen waren. 1946 bekam die Kirchengemeinde einen eigenen Seelsorger, ihre Gottesdienste fanden anfangs in der evangelisch-lutherischen St.-Nikolai-Kirche statt. 1950, die zur Pfarrei St. Elisabeth gehörende Wettiner Kirchengemeinde war inzwischen zu einer Kuratie geworden, wurde ein Gebäude angekauft, das unter Kuratus Adolf Pachl nach Plänen des Architekten Gustav Hauser aus Halle (Saale) zu Pfarrhaus und Kirche umgebaut wurde. Die Kirche übernahm das Patrozinium des heiligen Apostels Simon Petrus von der 1840 abgetragenen Kirche der Burg Wettin, der Petrikirche. Die heutige St.-Petrus-Kirche wurde am 16. Oktober 1955 durch Friedrich Maria Rintelen, den in Magdeburg ansässigen Weihbischof des Erzbistums Paderborn, zu dem Wettin damals gehörte, konsekriert. Am 1. Oktober 1966 wurde die Kuratie Wettin zur Filialkirchengemeinde (Pfarrvikarie) erhoben.Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 31, Teil 11, Die Zeit von der Potsdamer Konferenz bis zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik 1945–1949. St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 157–161. Im Jahr 2004 musste die Kirche wegen Holzwurmbefalls umfassend saniert werden, dabei wurde der Kirchenraum verkleinert und mit neuen Bänken und einer Orgel versehen. Das ehemalige angrenzende Pfarrhaus dient heute als Herberge für kirchliche und andere Gruppen.Willkommen auf der Homepage des Gemeindehauses Wettin. Abgerufen am 17. März 2022. Seit 2009 gehört die St.-Petrus-Kirche zur Pfarrei Halle-Nord, die seit 2014 ihren heutigen Namen Carl Lampert trägt und ihren Sitz an der Heilig-Kreuz-Kirche (Halle) hat.Gemeinde Wettin. Katholische Pfarrei Carl Lampert, abgerufen am 17. März 2022.

Im Wettiner Ortsteil Mücheln befindet sich die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im gotischen Stil errichtete Templerkapelle. Sie ist die einzige noch erhaltene Kapelle des Templerordens in Deutschland und steht unter Denkmalschutz. Nach umfassender Sanierung wird die Kapelle mittlerweile als Raum für Konzerte und Ausstellungen genutzt.

Wappen Blasonierung: „In Rot eine silberne Burg mit Zinnenmauer und geöffnetem goldenen Tor, mit einem niederen gezinnten Mittelturm zwischen zwei spitzbedachten gezinnten Seitentürmen mit drei (1:2) Fensteröffnungen.“

Die Farben des Ortsteils Wettin sind Weiß-Grün.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Musik Wettin besitzt neben einem Chor aus der Stadtbevölkerung auch einen im Burg-Gymnasium Wettin.

Bauwerke mini|Nikolaikirche Nach der Burg Wettin stellen die Templerkapelle in Mücheln, die St.-Nikolai-Kirche, das Rathaus das historische Gebäude Wettiner Hof und der Bismarckturm neben den Fachwerkbauten der Innenstadt die wichtigsten architektonischen Punkte dar.

Der Bismarckturm () ist ein 1905 fertiggestellter 21,5 m hoher Aussichtsturm auf dem westlich des Ortszentrums gelegenen Großen Schweizerling.Bismarckturm Wettin auf bismarcktuerme.de

Sport Wettin besitzt einen Fußballverein, der in der Sportanlage am Burg-Gymnasium trainiert.

Museum Im Bismarckturm befindet sich seit dem 4. April 2015 ein Bogenmuseum.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Hochseilfähre Wettin über die Saale Verkehr mini|Linienbusse der OBS nahe der Fähre Wettin liegt in der Nähe der Bundesautobahn 14 und hat eine eigene Abfahrt. Die nächsten Bahnhöfe liegen seit der Stilllegung der Bahnstrecke Wallwitz–Wettin in Wallwitz, Nauendorf und Domnitz. Derzeit läuft ein neues Planfeststellungsverfahren für die Bundesautobahn 143, die das Saaletal ca. 6 km südlich von Wettin schneiden würde.

Der öffentliche Personennahverkehr wird unter anderem durch den PlusBus des Landesnetzes Sachsen-Anhalt erbracht. Folgende Verbindung, betrieben von dem Omnibusbetrieb Saalekreis, führt durch Wettin: Linie 330: Halle ↔ Morl ↔ Wettin ↔ Nauendorf ↔ Löbejün