mini|280px|Collage von Dendermonde
Dendermonde (niederländisch, lokal Deiremonne; französisch Termonde) ist eine Stadt und Gemeinde in der Denderstreek in der belgischen Provinz Ostflandern und Verwaltungssitz des Arrondissements Dendermonde. Der Name der Stadt, wörtlich übersetzt „Dendermünde“, gibt über ihre Lage Auskunft: Sie liegt an der Mündung der Dender in die Schelde.
Geschichte mini|Dendermonde 1649 von J. Blaeu Bei Grabungen im Dendermonder Poldergebiet wurden Werkzeuge aus dem Neolithikum entdeckt. Auf dem Zwijvekekouter fanden Archäologen Reste zweier gallo-römischer Brandgräber von rund 125–150 n. Chr. Auf dem Hoogveld (Hochfeld) befand sich ein keltisch-römisches Heiligtum.
Mittelalter Gegen Ende der fränkischen Zeit entstand eine Niederlassung am Ort des heutigen Flachsmarktes, später folgte eine weitere auf der linken Uferseite im Schatten einer durch Kaiser Otto II. in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts gebauten Burg. Umringt von der Dender und der Fischgracht befand sie sich an der Stätte des heutigen Justizgebäudes. Die Burg stellte das administrative Zentrum des Landes von Dendermonde dar, wobei die Stadt schon seit 1233 nicht mehr zu diesem gehörte. Der Name Dendermonde wird erstmals in einer Urkunde des Jahres 1087 im Zusammenhang mit einem gewissen Rainghouts de Thenremonde erwähnt.Piet Buyse, Leen Meganck, Evert Vandeweghe, Robby Vervoort: De Grote Markt van Dendermonde van boven tot onder bekeken. Gent, 2007, ISBN 978-90-74311-63-2, S. 6. 1223 wurde eine Zisterzienserabtei gegründet und 1233 verlieh Robrecht van Bethune Dendermonde das Stadtrecht. Schon im 13. Jahrhundert war Dendermonde eine ummauerte und umwallte Stadt.
Frühe Neuzeit Im Jahre 1572 wurde Dendermonde von Wilhelm von Oranien erobert, jedoch kurz danach von spanischen Truppen eingenommen und geplündert. Kurz darauf wurde eine neue Stadtbefestigung errichtet. Der französische König Ludwig XIV. belagerte die Stadt 1667 erfolglos und entging nur knapp seinem eigenen Tode – er musste sein Heer zurückziehen, nachdem Dendermonde das Poldergebiet überfluten ließ. 1706 wurde die Stadt durch John Churchill, 1. Duke of Marlborough, in Schutt und Asche geschossen. Das zweite Barrieretraktat von 1717 hatte zur Folge, dass die Dendermonder Kasernen mit Niederländern und Österreichern bemannt wurden, die mit Truppen in den anderen Barrierestädten einen Schutz gegen eine eventuelle französische Aggression garantieren mussten. Später hatte die Stadt unter der Besetzung durch den französischen König Ludwig XV. zu leiden.
19. Jahrhundert Am Beginn des 19. Jahrhunderts zählte Dendermonde 5000 Einwohner. Die Umtriebigkeit des Hafens und die zahlreichen religiösen Gebäude bestimmten das Stadtbild innerhalb der Mauern, wovon heute noch Reste erhalten sind. Dendermonde war nach Brüssel und Mecheln die dritte Stadt auf dem europäischen Festland, die eine eigene Eisenbahnverbindung erhielt. Im Jahre 1850 besuchte König Leopold I. die Stadt.
20. und 21. Jahrhundert Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Hälfte der Häuser im Stadtkern verwüstet, nachdem das deutsche Militär sie in Brand setzte. Aufgrund seiner früheren Funktion als Festungs- und Garnisonsstadt und durch die Katastrophe von 1914 hat sich Dendermonde trotz seiner günstigen Lage nicht zu einer größeren Stadt entwickelt. 1933 und 1934 wurde ein Betonviadukt zwischen Dendermonde und Sint-Gillis-Dendermonde angelegt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden wichtige öffentliche Arbeiten wie die Zuschüttung der mittelalterlichen Gracht „Oude Vest“, das Anlegen der Noordlaan, der Bau einer zweiten Brücke über die Schelde und die Umleitung der Dender um das Stadtzentrum ausgeführt.
Durch die Gemeindereformen wuchs das Stadtgebiet um folgende ehemals selbstständige Gemeinden: 1971 Appels und Sint-Gillis-bij-Dendermonde, 1976 Baasrode, Grembergen, Mespelare, Oudegem und Schoonaarde. Heute übt die Stadt durch ihre Einkaufsmöglichkeiten, ihre zahlreichen allgemein- und kunstbildenden Schulen und das Kulturzentrum Belgica vor allem regional auf die umliegenden Gemeinden größere Anziehungskraft aus. Die Stadt beherbergt auch ein renommiertes Dokumentationszentrum zur Jazz- und Bluesmusik (Jazz Centrum Vlaanderen). Darüber hinaus ist Dendermonde Sitz eines eigenen Gerichtsbezirks zu dem auch Sint-Niklaas und die Region von Aalst gehören. Die Stadt verfügt über Tennis- und Fußballplätze, ein städtisches Schwimmbad, sowie einen eigenen Fußballverein, KAV Dendermonde. Das Industriegebiet Hoogveld liegt zwischen der N41, der Hauptstraße 'Hoogveld' und dem Mechelsesteenweg. Am 24. September 2010 wurde die neue öffentliche Stadtbibliothek in der Kerkstraat durch Bürgermeister Piet Buyse und Ehrenbürgermeister Norbert De Batselier eröffnet.
Eingegliederte Gemeinden Neben dem Kernort umfasst die Gemeinde auch die Orte Appels, Baasrode, Grembergen, Mespelare, Oudegem, Schoonaarde und Sint-Gillis-bij-Dendermonde.
# Name Fläche(km²) Einwohner01/01/2009 Jahr derEingliederung Einwohnerdamals I Dendermonde 8,20 II Appels 3,87 2677 1971 2900 III Baasrode 8,23 6058 1977 6342 IV Grembergen 9,92 6416 1977 6100 V Mespelare 1,98 524 1977 540 VI Oudegem 7,25 3967 1977 3950 VII Schoonaarde 5,64 2163 1977 3950 VIII Sint-Gillis-bij-Dendermonde 10,59 12.923 1971 ? Quelle: Stadt Dendermonde
Appels Der Ort wurde 1971 eingegliedert und hatte damals 2900 Einwohner auf 387 ha. Es handelt sich um ein typisches Wohn- und Bauerndorf im Schelde- und Dendertal. Die alte Schelde bei Appels ist ein Mäander, der abgetrennt wurde um die Schifffahrt zu vereinfachen. Die Bedeutung des Namens (seit dem 13. Jahrhundert in Gebrauch) ist bis heute unbekannt. Manche nehmen an, dass der Name von einem Bachlauf oder Fluss stammt, der früher das Ortsgebiet durchlief und der „Apls“ genannt wurde. Eine andere Möglichkeit besteht in einer Zusammenstauchung des Namens „Apollonia“. Appels war ein Wallfahrtsort für die heilige Apollonia (Patronin der Zahnärzte), der auch die denkmalgeschützte Ortskirche St. Apollonia (1786–1788) geweiht ist, die mit Mobiliar, Malereien und Bildnissen des 18. Jahrhunderts ausgestattet ist.
Appels blieb, abgesehen von einigen Unterbrechungen, bis zur Französischen Revolution im Besitz der Zisterzienserinnenabtei Zwijveke. Der kirchliche Besitz wurde veräußert, der damalige Pfarrer 1796 hingerichtet. Die Einwohner des Scheldedorfes werden „Appelsenaren“ genannt. Durch die Zunahme von Appartementsgebäuden wird der ländliche Charakter allmählich verdrängt.
In Appels können Fußgänger und Fahrradfahrer mit einer Fähre (eine der letzten vorhandenen) über die Schelde nach Berlare übersetzen. Jedes Jahr, von Samstag bis zum Montag der Woche des 21. Juli (belgischer Nationalfeiertag), wird auch ein allseits bekannter Jahrmarkt organisiert (der größte von Dendermonde) mit zahlreichen Attraktionen und einem musikalisch untermalten Abschlussfeuerwerk.
Demographische Entwicklung
Quellen: NIS en Stadt Dendermonde – 1806 – 1970=Volkszählungen 1986:Grenzkorrekturen zwischen Appels, Dendermonde en Sint-Gillis-bij-Dendermonde, wodurch sich Appels qua Fläche vergrößerte, jedoch rund 600 Einwohner verlor
Sint-Gillis-bij-Dendermonde mini|St-Gillis-Buiten Kirche Sint-Gillis wurde 1971 eingegliedert in Dendermonde. Der Ort hat 12.923 Einwohner (2009) und damit die meisten Einwohner aller Teilgemeinden Dendermondes, das alte Zentrum mit eingeschlossen. Das typische Wohn- und Bauerndorf liegt im Dendertal am Eisenbahnknotenpunkt Gent-Mecheln-Brüssel und südlich vom Stadtkern Dendermondes, mit dem es mittlerweile eng verbunden ist.
Vor allem der jährliche Blumenkorso (Bloemenstoet) am ersten Sonntag im September ist bekannt, in dem prächtig dekorierte Blumenwagen, geschaffen durch verschiedene Nachbarschaften mit jährlich wechselndem Motto, durch den Ort ziehen.
Das Cinema Albert (das einzige Kino in Dendermonde) ist eines der ältesten Kinos Belgiens. Schon seit 1914 wurden hier sporadisch Filme gezeigt, nach dem Ersten Weltkrieg wurde es ein vollwertiges Kino. Es wird noch immer durch dieselbe Familie betrieben. Es hat zwei Kinosäle und steht in der Topliste belgischer Kinos auf Platz 36 von 140.
In Sint-Gillis ist der Dendermonder Rugby Club zu Hause. Hier wird auch das jährliche Internationale Turnier Flanders Open Rugby ausgetragen.
St. Gillis ist der Geburtsort des Dichters Emmanuel Hiel (1834–1894) und des Literaturwissenschaftlers Wies Moens (1898–1982).
Baasrode mini|Baasrode (2025) mini|Die St. Gertrudiskirche zu Vlassenbroek (Juli 2004)
Baasrode liegt im Scheldetal und erfüllt infrastrukturell sowohl Wohn- als auch Gewerbefunktionen. Seit 1977 (damals 6342 Einwohner) ist Baasrode eingegliedert in Dendermonde. An der Grenze zu Buggenhout findet man auf der Gemarkung ebenfalls den zugehörigen Weiler Briel. Des Weiteren befindet sich im Norden das anziehende Künstlerdorf Vlassenbroek, das dicht am Scheldedeich liegt. Die Dorfstruktur konzentriert sich auf das malerische und zusammen mit der unmittelbaren Landschaft denkmalgeschützte spätgotische St. Gertrudiskirchlein aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
mini|Baasrode in einem Gemälde von 1556 von Pieter Bruegel dem Älteren
Die ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert stammende St. Ursmaruskirche liegt ebenfalls nahe der Schelde. Unglücklicherweise war sie eines der ersten Opfer des Bildersturms 1566 und wurde auch in folgenden Feldschlachten, wie der Schlacht um Baasrode am Ende des 16. Jahrhunderts schwer beschädigt. Der heutige Turm im Renaissancestil ist von 1677, während das Kirchenschiff zwischen 1779 und 1830 instand gesetzt und verbreitert wurde.
Vor Schließung der Schiffswerft war Baasrode als ein Schiffbauerdorf bekannt. Über die Geschichte der Binnenschifffahrt kann man im Schifffahrtsmuseum mehr erfahren, wo zahlreiche Schiffsmodelle, Drucke und viele andere Exponate darüber Auskunft geben. Gegenwärtig bestehen Pläne die alte Schiffswerft zu einer Erholungszone mit Museumsschiffen und Rundfahrtbooten umzubauen.
Darüber hinaus liegt Baasrode an der touristischen Eisenbahnlinie Dendermonde-Puurs. Zu dieser Linie gehört die Station Baasrode-Nord, das „Hauptquartier“ der Stoomtrein Dendermonde-Puurs, die die Linie unterhält. Hier kann man eine Sammlung alter Eisenbahngüter sehen, u. a. Lokomotiven, Güter- und Personenwaggons, Signalwerke, und jeden Sonntag von Juli bis September mit einer alten Dampflok fahren. Am sogenannten Zugwochenende Anfang Juli werden die Dampflok und die Bahnhöfe mit Blumen dekoriert.
Das Scheldefest am dritten Wochenende im September ist ein Dorffest, das mit der Septemberkirmes, organisiert wird. Am Samstag findet dabei das Mosselrockfestival statt und zum Sonntag gehört der Tuningday, ein mittlerweile beinahe eigenständiges Ereignis. Am Dienstag nach der Kirmes findet ein Jahrmarkt statt. Der Karneval in Baasrode dauert von Faschingssonntag bis Aschermittwoch und findet somit gleichzeitig mit dem Aalster Karneval statt. Höhepunkt ist der Karnevalsumzug am Sonntag., eingesehen am 12. April 2011
Baasrode hat mehrere Sportvereine, VA Baasrode, den Basketballverein Panters Baasrode und den Fußballverein Voetbalclub KFC Baasrode, der dem KBVB angeschlossen ist. Seit 1985 gibt es auch einen aktiven Kraftball-Verein (ndl. Krachtbal) 't Botterken Baasrode.
Demographische Entwicklung
Bron: NIS; Opm:1806 t/m 1970=volkstellingen; 1976, 1985, 1995, 2005, 2007=inwoneraantal op 31 december
Grembergen Grembergen, seit 1977 eingegliedert in Dendermonde (damals 6100 Einwohner), liegt im Gegensatz zu Dendermonde und seinen anderen Teilgemeinden auf dem linken Scheldeufer.