mini|Lage an der Stadtgrenze von Berlin Eichwalde ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg in Deutschland.
Geografie Eichwalde liegt direkt an der südöstlichen Stadtgrenze von Berlin. Der im Norden und Osten angrenzende Berliner Ortsteil ist Schmöckwitz. Die südliche Nachbargemeinde ist Zeuthen, die westliche Schulzendorf.
Die städtische Bebauung geht an allen Seiten nahtlos in die der drei Nachbargemeinden über. Eichwalde hat damit keine Wachstumsmöglichkeiten in der Fläche. Die nördlich der Waldstraße (die hier die Landesgrenze bildet) liegende Siedlung Schmöckwitz ist vom Rest Berlins aus nur über Eichwalder Gebiet zu erreichen. Im Osten des Gemeindegebiets hat Eichwalde einen schmalen Zugang zum Zeuthener See. Hier gibt es einen Badestrand („Badewiese“) und mehrere Bootsanleger.
Eichwalde ist mit nur 2,8 km² die flächenkleinste Gemeinde in Brandenburg und die mit der zweithöchsten Bevölkerungsdichte, nach dem ähnlich strukturierten Glienicke/Nordbahn am nördlichen Berliner Stadtrand. Unter den mehr als 12.000 Gemeinden in Deutschland belegte 2022 Eichwalde nach der Bevölkerungsdichte den 30. Platz. Nach einer Untersuchung der Märkischen Allgemeinen Zeitung im Jahre 2010 ist Eichwalde zudem die Gemeinde mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen im Landkreis Dahme-Spreewald.
Gemeindegliederung Eichwalde verfügt über keine Ortsteile, bewohnten Gemeindeteile oder Wohnplätze.
Geschichte Der Ort wurde 1673 erstmals als Rahdelandt erwähnt und war zu dieser Zeit ein Freigut, d. h. ein abgabenfreies Landgut des Stadtmajors A. Quappe. Im Jahr 1700 gab es einen Ort Sandacker, Radeland genannt, vor Zeuthen gelegen, der vom Heideläufer und Krüger zu Schmöckwitz gerodet und bestellt worden war. Allerdings mussten sie dem Amt Köpenick die Kosten für die Aussaat entrichten. 1743 erschien erstmals die Schreibweise Radeland, damals in Verbindung mit einem Vorwerk und einem Hammelstall. Zehn Jahre später kam es vom Amt Köpenick in die Herrschaft Königs Wusterhausen – wie viele andere, umliegende Gemeinden durch Aufkauf des Königs. Demzufolge erschien es 1773 als königliches Vorwerk, indem 1781 zwei Pfälzer Kolonisten angesiedelt wurden. 1801 wurde der Ort mit einer Meierei unweit Schmöckwitz geführt. Dort lebten ein Büdner und vier Einlieger mit drei Feuerstellen (=Haushalte). Eichwalde gehörte seit 1817 zum Kreis Teltow in der preußischen Provinz Brandenburg.
1840 war lediglich ein Vorwerk mit vier Wohnhäusern bekannt. 1858 erschien ein Gut mit einem Gutseigentümer, einem Pächter sowie vier Knechten und Mägden und sieben Tagelöhnern. Die Besitzung war 1076 Morgen groß. Daneben gab es zwei weitere Besitzungen, die zusammen lediglich auf vier Morgen kamen. Erstmals erschien aber auch ein Schiffseigentümer mit einem Gehilfen. 1860 war der Ort auf vier Wohn- und fünf Wirtschaftsgebäude angewachsen. Nach und nach wurden die Flächen parzelliert und es entstand eine Villenkolonie. Dennoch war Radeland, wie der Ort nach wie vor hieß, landwirtschaftlich geprägt. Die Einwohner bewirtschafteten 635 Morgen Wald, 375 Morgen Acker, 52 Morgen Wiese, 17 Morgen Weide und ein Morgen Gartenland. Die Gehöfte nahmen eine Fläche von fünf Morgen ein. mini|hochkant|Evangelische Kirche Mit Wirkung zum 20. März 1893 wurde das Gut für Siedler durch Umwandlung und Umbenennung in Eichwalde aufgeteilt. Bis 1899 war Eichwalde nach Schmöckwitz eingekircht, wurde aber in diesem Jahr selbstständige Pfarrgemeinde und Mutterkirche mit den Tochterkirchen in Neu Zittau, Schmöckwitz und Wernsdorf. Die Einwohnerzahl stieg stark an und so gab es 1900 bereits 179 Wohnhäuser. Damit kam auch der Wunsch nach einer eigenen Dorfkirche auf, die in den Jahren 1906 bis 1908 nach Plänen des Architekten Carl Zaar durch den Baumeister Rudolf Vahl entstand. 1931 waren es bereits 398 Wohnhäuser. Dies schlug sich auch auf die wirtschaftliche Struktur nieder, denn 1939 waren lediglich noch zwei landwirtschaftliche Betriebe aktiv, die eine Fläche von 0,5 bis 5 Hektar bewirtschafteten.
Im Stadtgebiet wurden in den 1950er Jahren sogar Grenzbefestigungen errichtet und bis 1954 wurden Kontrollen von sowjetischen Soldaten durchgeführt, dann von Mitgliedern der Kasernierten Volkspolizei. Nach dem Bau der Berliner Mauer wurden diese Anlagen zurückgebaut, doch fanden noch bis 1977 an der Stadtgrenze zwischen Ost-Berlin und der DDR mehr oder minder regelmäßig Kontrollen statt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Eichwalde 1952 zum Kreis Königs Wusterhausen im DDR-Bezirk Potsdam. 1955 gründete sich ein VEB Holzbau mit 133 Beschäftigten. 1973 kam ein VEB Hoch- und Betonbau sowie eine PGH des Friseurhandwerks sowie des Orthopädie-Schuhmacher-Handwerks hinzu. Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1910 1.565 1925 3.069 1933 4.815 1939 6.318 1946 5.847 1950 6.493 1964 6.352 1971 6.377 1981 5.962 1985 5.705 Jahr Einwohner 1990 5.141 1995 4.887 2000 5.737 2005 6.002 2010 6.205 2015 6.426 2020 6.452 Jahr Einwohner 2021 6.453 2022 6.360 2023 6.383 2024 6.34120256.380
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Eichwalde besteht aus 16 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 73,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 17,9 % 3 20,0 % 4 SPD 18,5 % 3 18,8 % 3 Wählerinitiative Eichwalde 15,1 % 3 17,7 % 3 AfD 14,0 % 1 16,6 % 3 Bündnis 90/Die Grünen 19,3 % 3 11,2 % 2 Die Linke 15,1 % 3 9,8 % 2 Die PARTEI – – 4,2 % 1 FDP – – 1,8 % – Insgesamt 100 % 16 100 % 18
Der Stimmenanteil der AfD 2019 entsprach drei Sitzen. Sie hatte jedoch nur einen Kandidaten aufgestellt. Daher blieben nach § 48 (6) des Brandenburgischen KommunalwahlgesetzesBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz § 48 (6) zwei Sitze in der Gemeindevertretung unbesetzt.
Im Jahr 2007 wurde das erste Schülerparlament der Gemeinde von Schülern des Humboldt-Gymnasiums und der Humboldt-Grundschule unter dem Namen Kinder und Jugendparlament Eichwalde (kurz: KJP) gewählt. Mit diesem Projekt, das zu den ersten dieser Art in der Region gehörte, soll auch Jugendlichen und Kindern eine Mitwirkung am Ortsgeschehen inklusive der Budgetberatung ermöglicht werden.Gemeinde Eichwalde: (abgerufen am 1. Mai 2011)
Bürgermeister mini|Rathaus 1893–1896: Paul Schmidt (1841–1907)Wolfgang Flügge: Bernd Speer – der 34. Bürgermeister von Eichwalde – wer aber war der erste?, Eichwalder Bote 2/2010, S. 8–9 […] 1934–1945: Erich Rix (NSDAP)Wolfgang Müller: Eichwalde unterm Hakenkreuz, Eichwalde 2007, S. 175 1945–1946: Franz Errulat (1880–1955) (KPD) 1946–1950: Kurt Wegner (1898–1964) (SPD) 1951–1952: Gerhard Vogt (1922–2003) (SED)Wolfgang Müller: Nachkriegsjahre in Eichwalde, Eichwalde 2004, S. 27–28 1952–1953, 1965: Helene Scholz (SED) […] Mai 1989 – Dezember 1989: Andreas Müller (SED)Wolfgang Flügge: 20 Jahre Mauerfall – Das Jahr 1989 und die Jahre danach, Eichwalder Bote 2/2009, S. 9 […] 2002–2010: Ekkehard Schulz (PDS)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Potsdam 2004, S. 23. Abgerufen am 26. Oktober 2025. 2010–2018: Bernd Speer (Wählerinitiative Eichwalde)Bilanz-15 Jahre WIE in der Gemeindevertretung auf wie-eichwalde.de seit 2018: Jörg Jenoch (Wählerinitiative Eichwalde)Eichwalde: Bürgermeister Jörg Jenoch nimmt die Fahrt auf! Der Schulzendorfer, 1. Februar 2018, abgerufen am 26. Oktober 2025.
Jenoch ist seit dem 1. Februar 2018 Bürgermeister von Eichwalde. Er wurde am 24. September 2017 mit 54,9 % der gültigen Stimmen gewählt. Bei der Bürgermeisterstichwahl am 9. November 2025 wurde er mit 61,1 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt; die Wahlbeteiligung lag bei 54,2 %.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 9. November 2025 Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74
Wappen Das Wappen wurde am 5. Mai 1995 genehmigt.
Blasonierung: „In Gold auf grünem Boden eine grüne Eiche mit goldenen Früchten.“Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
Das Eichwalder Wappen zeigt die 300-jährige Friedenseiche in der Friedenstraße.
Flagge Die Bannerflagge ist längs gestreift von Grün und Gold und trägt das Wappen der Gemeinde übergreifend in der Mitte.
Partnergemeinde Eichwalde hat eine polnische Partnergemeinde: Ośno Lubuskie (Drossen) in der ehemals brandenburgischen Neumark. Der Ort liegt 85 Kilometer von Eichwalde entfernt, nordöstlich der Grenzstadt Frankfurt (Oder).
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Katholische Kirche mini|Humboldt-Gymnasium In der Liste der Baudenkmale in Eichwalde stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.
Bauwerke Ortskern mit einem Ensemble an Gründerzeitgebäuden und -villen (zum Beispiel: Alte Feuerwache, Humboldt-Gymnasium) Die Dorfkirche Eichwalde entstand in den Jahren 1906 bis 1908 nach Plänen des deutschen Architekten Carl Zaar durch den Baumeister Rudolf Vahl. Im Innenraum befindet sich die weltweit einzige erhalten gebliebene Parabrahm-Orgel, die Friedrich Weigle erbaute. Katholische St.-Antonius-Kirche, erbaut 1913 Wasserturm und Wasserwerk
Museen Die Alte Feuerwache ist das kulturelle Zentrum der Gemeinde. In dem Haus finden vom Kulturbeirat der Gemeinde Eichwalde, vom Verein Kind & Kegel, dem Freundeskreis Alte Feuerwache und vom Heimatverein organisierte Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und andere künstlerische und kulturelle Ereignisse statt.
Das Archiv deutscher Bieretiketten zeigt einen historischen und systematischen Abriss über die Etikettierung von Bierflaschen. Die mehr als 32.000 Exponate können nach Terminvereinbarung angesehen werden.
Naturdenkmale mini|hochkant=0.8|Eichwalder Friedenseiche Die Friedenseiche in der Friedenstraße ist im Stadtwappen wiederzufinden.
Musik Weltweit einzig erhaltene Parabrahm-Orgel in der evangelischen Kirche, im Jahr 1908 erstellt (Orgel der evangelischen Kirche in Eichwalde) Regelmäßige Konzerte in der alten Feuerwache (siehe Kultur und Sehenswürdigkeiten)
Lokale Medien Die Eichwalder Nachrichten sind ein unabhängiges Online-Magazin für Eichwalde und Kommunen in der Nachbarschaft.
Verkehr mini|Bahnhof Eichwalde Eichwalde liegt an der Landesstraße L 401 zwischen der Berliner Landesgrenze (Bezirk Treptow-Köpenick) und Königs Wusterhausen. Die nächstgelegenen Autobahnanschlussstellen sind Königs Wusterhausen an der A 10 (südlicher Berliner Ring) und Waltersdorf an der A 117.
Der Bahnhof Eichwalde wird von den S-Bahnlinien S 8 (Wildau–Birkenwerder) und S 46 (Königs Wusterhausen–Westend) bedient.
Mehrere Buslinien verbinden Eichwalde mit den Nachbarorten.
Der Flughafen Berlin Brandenburg ist etwa 7 km Luftlinie entfernt.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Fritz Vetter (1901–1969), Politiker (GB/BHE) Bodo Helmholz (1913–1991), Jurist, Präsident des Hessischen Rechnungshofes Rudolf Werner Kipp (1919–1990), Dokumentarfilmer und Filmproduzent Sonja Ziemann (1926–2020), Schauspielerin Werner Droste (1929–1995), Professor für Elektrische Anlagen auf Schiffen Karl-Heinz Maeder (1948–2013), Schachspieler
Mit Eichwalde verbundene Persönlichkeiten