Oskar Jenni (* 1967 in Davos) ist ein Schweizer Kinder- und Jugendarzt sowie ordentlicher Professor für Entwicklungspädiatrie an der Universität Zürich.
Werdegang Oskar Jenni studierte von 1987 bis 1994 Humanmedizin an den Universitäten Zürich und Stellenbosch (Südafrika). Nach dem medizinischen Staatsexamen arbeitete er am Universitäts-Kinderspital Zürich und erwarb 2002 den Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Zwischen 2002 und 2004 war er als Postdoctoral Research Fellow am Departement of Psychiatry and Human Behavior der Brown University und als Clinical Fellow in Entwicklungspädiatrie am Children’s Neurodevelopment Center (CNDC) des Hasbro Children’s Hospital in Providence, Rhode Island (USA), tätig. Anschliessend erwarb er den Schwerpunkt Entwicklungspädiatrie und den Fähigkeitsausweis für Schlafmedizin des Schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF).
2005 übernahm Oskar Jenni in der Nachfolge von Remo H. Largo die Leitung der Abteilung Entwicklungspädiatrie am Universitäts-Kinderspital Zürich. Seit 2011 wird die Abteilung zusammen mit Prof. Bea Latal in einer Co-Leitung geführt. Die Entwicklungspädiatrie am Kinderspital Zürich ist eine wichtige Anlaufstelle für Kinder mit Entwicklungs- und Verhaltensstörungen im Kanton Zürich. Die Abteilung ist die grösste ihrer Art in der Schweiz. Kinder mit Entwicklungsbeeinträchtigungen werden dabei von einem interdisziplinären Team von Kinderärzten, Psychologen, Logopäden und Heilpädagogen betreut.
Oskar Jenni habilitierte sich 2007 an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich mit einer Schrift über „Sleep-Wake-Regulation during Child Development: Implications for Behavioral Disorders.“ Nach sechs Jahren als Privatdozent für Pädiatrie, speziell Entwicklungspädiatrie, wurde Jenni 2013 zum Titularprofessor ernannt, schliesslich 2020 zum Extraordinarius und 2025 zum Ordinarius für Entwicklungspädiatrie ad personam an der Universität Zürich berufen.
Forschung und Lehrtätigkeit Im Zentrum der Forschung von Oskar Jenni steht die kindliche Entwicklung in ihrer ganzen Breite – von der motorischen, sprachlichen und kognitiven bis hin zur sozialen und emotionalen Entwicklung gesunder und kranker Kinder. Seine wissenschaftlichen Arbeiten befassen sich mit grundlegenden Fragen: Wie lernen Kinder sprechen, denken, spielen, zeichnen und mit anderen in Beziehung zu treten? Wie beeinflussen Umwelt, Stress oder schwierige Lebensbedingungen ihre Entwicklung? Und wie können Entwicklungsverläufe besser verstanden, gemessen und unterstützt werden?
Ein aktueller Schwerpunkt seiner Forschung sind die Zürcher Longitudinalstudien, eine der weltweit bedeutendsten Langzeitstudien zur kindlichen Entwicklung. Seit 1954 wurden 1000 Kinder von der Geburt bis ins Erwachsenenalter untersucht; heute werden die Kohorten in einer einzigartigen Lebensspannenstudie weiterverfolgt.
Weitere Schwerpunkte der Forschung von Oskar Jenni sind die langfristigen Folgen früher Deprivation in Zusammenarbeit mit dem Marie Meierhofer Institut für das Kind, Fragen zu Stress und Gesundheit im Kindes- und Jugendalter sowie Untersuchungen zur Versorgung und Förderung von Kindern mit Entwicklungsstörungen.
Neben seinem Lehr- und Forschungsauftrag an der Universität Zürich ist Oskar Jenni verantwortlich für den Basiskurs in Entwicklungspädiatrie des Kinderspitals Zürich, der für alle angehenden Kinderärzte obligatorisch ist. Er ist ausserdem Leiter des Zertifikats- und Diplomstudienganges (CAS/DAS) in Entwicklungspädiatrie und des CAS Entwicklungsorientierter Unterricht an der Universität Zürich. Daneben lehrt er als Dozent an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) sowie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).
Auszeichnungen Oskar Jenni erhielt 1998 den mit 10.000 DM dotierten Forschungspreis der Europäischen Gesellschaft für pädiatrische Intensivmedizin und Neonatologie. Ausserdem gewann er 2002 den mit 10.000 Euro dotierten Young Scientist Award of the European Society for Sleep Research (ESRS). 2017 wurde er mit dem Julius-Springer-Preis für einen herausragenden Leitthemenartikel über die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung in der Fachzeitschrift Monatsschrift für Kinderheilkunde ausgezeichnet.Oskar Jenni: Aufmerksamkeitsdefizit‑/Hyperaktivitätsstörung. In: Monatsschrift für Kinderheilkunde 164, 2016, S. 271–277, . Zudem wurde Oskar Jenni 2021 zusammen mit Bea Latal der Fanconi-Preis der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie für seine grossen Verdienste für die Kinder- und Jugendmedizin und die Wissenschaft zugesprochen.
Bücher Die kindliche Entwicklung verstehen. Praxiswissen über Phasen und Störungen. Springer, Berlin/Heidelberg 2021, ISBN 978-3-662-62447-0. Kindheit. Eine Beruhigung. Oskar Jenni (Hrsg.), Kein & Aber, Zürich 2024, ISBN 978-3-0369-5886-6. Entwicklungsstörungen verstehen. Springer, Berlin/Heidelberg, 2024, ISBN 978-3-662-69222-6. Miteinander reden. 101 Fragen für starke Eltern und glückliche Kinder. Patricia Lannen, Oskar Jenni. Kein & Aber, Zürich 2025, ISBN 978-3-0369-5085-3. Kompass Kind. 99 Antworten, die Eltern Orientierung geben. Kein & Aber, Zürich 2026, ISBN 978-3-0369-5192-8.
Weblinks Vollständige Publikationsliste bei ORCID, Google Scholar, Clarivate, Scopus Kompass Kindheit – Website von Oskar Jenni Oskar Jenni beim Kinderspital Zürich
Einzelnachweise
Kategorie:Pädiater Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Zürich) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1967 Kategorie:Mann