Teneriffa () ist die größte der Kanarischen Inseln und gehört zu Spanien. Die Insel ist 83,3 Kilometer lang, bis zu 53,9 Kilometer (Ost-West-Ausdehnung) breit und hat eine Fläche von 2034,38 Quadratkilometern. Sie ist mit (Stand: ) Einwohnern die bevölkerungsreichste Insel Spaniens. Die Hauptstadt ist Santa Cruz de Tenerife. Die Einheimischen werden Tinerfeños genannt.
Geografie Teneriffa ist eine Vulkaninsel. Sie gehört – wie alle Kanarischen Inseln – geologisch zu Afrika, liegt 288 Kilometer vor der Küste Marokkos und der Westsahara und ist 1274 Kilometer von der Südküste des spanischen Mutterlandes entfernt.
Natur Geologie Die Insel Teneriffa entstand vor etwa zwölf Millionen Jahren durch vulkanische Aktivität. Diese ist auf einen Hotspot im Erdmantel zurückzuführen, der durch seine Aktivität eine Inselkette aufbaut, während die Afrikanische Platte über diesen Punkt im Erdinneren nach Nordosten driftet. Die geologisch ältesten Teile der Insel sind das Anaga-Gebirge im äußersten Nordosten, das Teno-Gebirge im Nordwesten sowie kleine Gebiete (Bandas del Sur) im äußersten Süden.
Jünger ist das Vulkanmassiv im Zentrum der Insel, das in der Mitte von einer 12 Kilometer mal 17 Kilometer großen Caldera namens Las Cañadas eingenommen wird. Aus ihr erhebt sich der höchste Berg Spaniens, der 3715 Meter hohe Pico del Teide.
Von oben betrachtet haben diese Gebirgszonen zusammen die Form des Buchstabens „Y“.
Dass die Insel vulkanisch noch sehr aktiv ist, zeigen die nachgewiesenen Vulkanausbrüche zwischen dem Teide-Massiv und dem Teno-Gebirge in den Jahren 1492 (von Kolumbus beobachtet), 1704/05/06, 1798 und 1909. Beim Ausbruch 1909 entstand der Schlackenkegel Chinyero.
Jahr Datum Ort; Bemerkungen 1341 ? Tagebuchaufzeichnung auf Segelschiffen (nicht zuverlässige Quelle) 1393/94 ? Tagebuchaufzeichnung auf Segelschiffen (nicht zuverlässige Quelle) 1430 ? Orotava-Tal (?) Überlieferung der Guanchen (nicht zuverlässige Quelle) 1492 August/September Boca Cangrejo; beobachtet von Christoph Kolumbus während seines Stops im August/September 1492 1704 ? Spalteneruption: Volcán de Siete Fuentes 1705 ? Spalteneruption: Fasnia 1705 ? Arafo 1706 5. Mai – 13. Juni Montaña Negra, 6,5 km südlich von Garachico 1798 9. Juni – 8. Sep. Pico Viejo (aka Chahorra), Lavastrom floss bis Bocca Tauce/Ethnographic Museum Juan Évora 1909 18. Nov. – 27. Nov. 60 Meter hoher Schlackekegel Chinyero
Klima Teneriffa besitzt wie alle anderen Inseln des Kanarenarchipels ganzjährig milde Temperaturen aufgrund der südlich der Rossbreiten entstehenden Nordost-Passatwinde. Diese tropischen Fallwinde sind auch für das so genannte Azorenhoch verantwortlich, das sich im Winter über Madeira befindet, im Sommer jedoch weiter nach Norden zu den Azoren wandert. Besonders tagsüber steigt die vom Meer mit Wasserdampf gesättigte Luft am Teidemassiv hinauf. Es bilden sich in etwa 1000 bis 1500 Meter Höhe Wolken, die beim Kontakt mit den dortigen Lorbeer- und Kiefernwäldern einen feinen Nieselregen abgeben (siehe Nebelkondensation). Dieser Umstand bringt in den sonst ausgesprochen trockenen Sommermonaten der Landwirtschaft auf der Nordseite der Insel entscheidende Vorteile. Es gibt auch Hochtemperaturphasen mit mehr als 35 Grad.
Flora und Fauna mini|Ganzjährig blühender wilder Weihnachtsstern (span. ) auf Teneriffamini|Eidechsen im Gebiet um den Teide
Die Insel weist eine vielfältige Vegetation auf – zahlreiche Pflanzenarten sind nur auf den Kanaren oder sogar nur auf Teneriffa heimisch (endemisch). Die Kanarische Kiefer (Pinus canariensis) bildet große Wälder. Im trockenen Süden der Insel sind sukkulente Wolfsmilchgewächse (Euphorbia canariensis) beheimatet. Weitere charakteristische Pflanzenarten sind z. B. der Teneriffa-Natternkopf ('Orgullo de Tenerife – Stolz Teneriffas' oder Taginaste genannt, Wildprets Natternkopf) und der Kanarische Drachenbaum (Dracaena draco) – ein altes und eindrucksvolles Exemplar ist bei Icod de los Vinos zu finden. Neben den einheimischen Pflanzen prägen auch viele Pflanzen aus der ganzen Welt die Insel. Aus Amerika stammen verwilderte Kakteen sowie die riesigen Sträucher des Weihnachtssterns, einer Pflanze, die in Mitteleuropa in Töpfen zum Advent verkauft wird. Die aparten Blütenstände der südafrikanischen Strelitzie sind ein beliebtes Souvenir für Touristen. Fast alle Pflanzenarten stehen heute unter strengem Artenschutz, die Ausfuhr von Pflanzen, Pflanzenteilen oder Samen ist daher verboten.
Die Tierwelt weist außer verwilderten Hauskatzen und eingeführten Wildkaninchen kaum Säugetiere auf. Größere Raubtiere oder giftige Schlangen hat es nie gegeben. Reich ist dagegen die Vogelwelt – es gibt auch einige für Teneriffa und für die Kanaren typische Arten, etwa den Teydefinken oder die Wildform des Kanarienvogels, den Kanarengirlitz. Zu erwähnen sind ferner die Westkanareneidechsen, die in großer Zahl auf Teneriffa vorkommen.
Zu den auf den Kanarischen Inseln endemischen Schmetterlingsarten zählen der Kanaren-Weißling (Pieris cheiranthi), der Kanarische Admiral (Vanessa vulcania) und das Kanaren-Waldbrettspiel (Pararge xiphioides).
Eine Besonderheit sind die Pilotwale, die in großer Zahl in der bis zu 2000 Meter tiefen Meerenge zwischen Teneriffa und La Gomera anzutreffen sind. An kaum einem anderen küstennahen Ort der Welt sind so viele Wale beheimatet.
Naturschutz Auf der Insel gibt es mehrere Schutzgebiete., gobiernodecanarias.org
Die ganze Insel ist seit 1988 auch ein Lichtschutzgebiet (Ley del Cielo 31/1988), besonders für das Observatorio del Teide (Europäische Nordsternwarte).. BOE núm. 264, 3 de noviembre de 1988 (pdf; Weblink; beide iac.es) – Dispociones Adicionales, Primera dehnt den Schutz für La Palma auch auf Observatorien auf der Insel Teneriffa aus, außer in Bezug auf Außenbeleuchtung
Vor der südwestlichen Küste Teneriffas liegt das Teno-Rasca-Meeresschutzgebiet, das der Erhaltung vielfältiger mariner Lebensräume und Arten dient.
Allgemeines Teneriffa liegt als eine der Kanarischen Inseln in der Westeuropäischen Zeitzone (WET, UTC±0) und nutzt im Sommer die Westeuropäische Sommerzeit (WEST, UTC+1). Sie unterscheidet sich damit um eine Stunde vom spanischen Festland.
Natürliche Symbole der Insel
Natürliche Symbole der Insel Teneriffa sind:Ley 7/1991, de 30 de abril, de símbolos de la naturaleza para las Islas Canarias
Geschichte
Erste Siedler
Die ältesten Spuren menschlicher Anwesenheit auf der Insel Teneriffa stammen aus dem 10. Jahrhundert v. Chr. Die dauerhafte Besiedlung der Insel geschah vermutlich kontinuierlich oder in mehreren Wellen zwischen dem 5. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. Die Siedler stammten mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Gegend nördlich und südlich der Straße von Gibraltar. Zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. gab es enge wirtschaftliche Beziehungen zwischen dem Mittelmeergebiet und den Kanarischen Inseln. Spätestens mit der Reichskrise des 3. Jahrhunderts im Westen endeten die Beziehungen der Inseln zu Europa.
Da die Guanchen, die Urbewohner der Insel Teneriffa, keinerlei nautische Kenntnisse hatten, brachen auch die Verbindungen zwischen den einzelnen Inseln ab. Kontakte zwischen Teneriffa und La Gomera scheinen sich nur gelegentlich durch einzelne Personen ergeben zu haben. Während der folgenden etwa tausend Jahre entwickelten die Guanchen auf der Insel Teneriffa eine von den Altkanariern der anderen Inseln klar unterschiedliche Kultur.
Wiederentdeckung im 14. / 15. Jahrhundert Im 14. Jahrhundert ermöglichten technische Fortschritte den Seefahrern aus dem Mittelmeergebiet, die Kanarischen Inseln nicht nur zu erreichen, sondern auch nach Europa zurückzukehren. Das Interesse der Europäer konzentrierte sich auf die östlichen Inseln, die näher am afrikanischen Festland lagen und auf denen man leichter ins Innere der Inseln vorstoßen konnte, weil die Küsten nicht so steil waren.
Eine vom portugiesischen König Alfons IV. ausgerüstete Expedition besuchte im Jahr 1341 die Kanarischen Inseln. Ein Bericht darüber, der vermutlich von Niccoloso da Recco, einem der Leiter dieser Reise, verfasst wurde, liegt heute in der Bearbeitung von Giovanni Boccaccio vor. Er gilt als die erste glaubwürdige Information über die Inseln seit ihrer Wiederentdeckung im späten Mittelalter. Über die Besonderheiten einiger Inseln werden genaue Angaben gemacht. Teneriffa wurde von der Expedition aber nicht betreten, da man Angst vor wundersamen Naturerscheinungen an dem hohen Berg hatte. Spätestens nach dieser Reise war in Europa die Lage aller Inseln bekannt. Die älteste Karte, in der auch Teneriffa in ihrer Lage und Form nahezu richtig dargestellt wurde, ist Teil des Portolano Laurenziano Gaddiano in der Biblioteca Medicea Laurenziana aus dem Jahr 1351. Dort wird sie wie in vielen anderen Karten und Berichten der folgenden Zeit als „Insula de Infierno“ (Insel der Hölle) bezeichnet.
Jean de Béthencourt und Gadifer de la Salle Die aus Frankreich stammenden Jean de Béthencourt und Gadifer de la Salle brachten ab 1402 die Bewohner der Inseln Lanzarote, Fuerteventura und El Hierro unter die Oberhoheit der Krone von Kastilien. Aus den Berichten der Chronik Le Canarien, in denen die Aktivitäten der Franzosen beschrieben werden, kann man schließen, dass sie Teneriffa hingegen nie betreten haben. Jean de Béthencourt wurde 1403 von König Heinrich III. von Kastilien das Recht auf die Eroberung und den anschließenden Besitz der Kanarischen Inseln gewährt.
1405 setzte Jean de Béthencourt seinen Verwandten Maciot de Béthencourt als Stellvertreter ein. Der gab die Rechte 1418 an Enrique de Guzmán, Graf von Niebla ab. Nach einigen weiteren Übertragungen erhielten Inés Peraza de las Casas und ihr Ehemann Diego García de Herrera ab 1452 das Herrscherrecht über die gesamte Inselgruppe. Nach der Rücknahme versehentlich durch Heinrich IV. vergebener Rechte waren die Mitglieder der Familie Peraza–Garcia de Herrera ab 1468 theoretisch ohne Einschränkungen oder Vorbehalte Herren der Kanarischen Inseln, wenn diese auch zum Teil noch nicht erobert waren.
Diego García de Herrera y Ayala Nachdem Diego García de Herrera am 16. August 1461 in Anwesenheit der Guanartemes von Telde und Gáldar in einer symbolischen Zeremonie die Insel Gran Canaria im Namen des Königs von Kastilien in Besitz genommen hatte, wiederholte er diese Art der Besitzergreifung am 21. Juni 1464 für die Insel Teneriffa. An dem in den Urkunden als „Acta de Bufadero“ dokumentierten feierlichen Akt nahmen die als „Könige“ bezeichneten Menceyes der neun Herrschaftsgebiete der Inseln teil. Die Dokumente sagen aus, dass diese neun Könige ihrem Herren „Diego de Perrera“ ihre Hochachtung erwiesen, ihm die Hände küssten und versprachen, ihm als ihrem Herren zu gehorchen. Als Zeugen wurden nicht nur der Dolmetscher und Personen aus dem Umfeld Diego García de Herreras, sondern auch Bürger der Insel Lanzarote, Bürger von Sevilla sowie viele andere, „die die Sprache der Insel Teneriffa beherrschen“, aufgeführt. Um dem Dokument eine größere Bedeutung zu geben, wurde es von dem Bischof von Rubicón, Diego López de Illescas, beglaubigt und an den Hof von Kastilien geschickt. Dieser Akt der Herrschaftsübernahme war rein symbolisch. Es gab nichts, was sich später als Anerkennung der Hoheitsgewalt darstellte.
Nach der Besitzergreifung von Teneriffa schloss Diego García de Herrera einen Vertrag mit dem Mencey von Anaga über den Bau einer Befestigungsanlage bei Añazo (heute auf dem Gebiet der Innenstadt von Santa Cruz de Tenerife). Zweck der durch einige Soldaten besetzten Anlage war es, den Handel zwischen der Insel Teneriffa und den unter kastilischer Hoheit stehenden Inseln zu ermöglichen. Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Kastiliern und den Guanchen dauerten von etwa 1465 bis 1471. Das Verhalten der Soldaten der Garnison und die Reaktionen darauf durch Diego García de Herrera führten dazu, dass die Guanchen die Anlage angriffen und zerstörten.