Verona ist eine Großstadt in der Region Venetien im Nordosten Italiens. Sie hat Einwohner (Stand ) und ist Hauptstadt der Provinz Verona. Die Stadt liegt an der Etsch etwa 59 m über dem Meeresspiegel am Austritt des Etschtals (wenige Kilometer südöstlich der Veroneser Klause) und der Brenner-Transitroute in die Po-Ebene und somit an einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Seit dem Jahr 2000 gehört die Altstadt von Verona zum UNESCO-Welterbe. Heute ist die Stadt ein wichtiges Wirtschaftszentrum und Sitz der Universität Verona.

Geschichte mini|hochkant|Lage der Gemeinde Verona in der Provinz Verona Frühgeschichte und Antike Zu einer ersten vorübergehenden Besiedlung Veronas kam es zwischen dem 11. und dem 8. Jahrhundert v. Chr., wie Grabbeigaben und vereinzelte Keramikfunde belegen. Besiedelt wurde zunächst das linke Etschufer rund um den Colle San Pietro, an dem eine Furt auf die andere Flussseite führte. Erst mit dem 4. Jahrhundert v. Chr. war der Hügel und seine nähere Umgebung erneut Ort einer festen Siedlung. Funde, die den Rätern, Euganeern und Cenomanen zugeordnet werden können, unterstreichen, dass die Siedlung an der Grenze verschiedener Kulturbereiche lag. Bereits römische Quellen hatten sich in dieser Richtung geäußert und Verona mit den genannten Völkern und Stämmen in Verbindung gebracht. Im 2. Jahrhundert v. Chr. tauchten die ersten römischen Siedler auf. Der Bau der Via Postumia 148 v. Chr. förderte die weitere römische Ansiedlung. Mit der Verleihung des latinischen Bürgerrechts an die Bewohner der Gallia cisalpina 89 v. Chr. wurde Verona zum Oppidum ausgebaut.Giuliana Cavalieri Manasse: Verona. In: Europa. (= Enciclopedia archeologica Band 4). Istituto della Enciclopedia italiana, Rom 2004, S. 722–723. (Digitalisat)

Mit der Verleihung der römischen Bürgerrechte unter Gaius Iulius Caesar wurde Verona 49 v. Chr. zum Municipium, was als offizieller Gründungsakt der Stadt angesehen wird. Mit der Ernennung erfuhr Verona auch einen radikalen städtebaulichen Schnitt. Lag das Zentrum des Ortes bis dahin am linken Etschufer, wurde Verona nun am rechten Ufer innerhalb der Etschschleife neu angelegt und an der zur Po-Ebene offenen Seite mit Stadtmauern geschützt. Zwischen Etsch und den römischen Stadtmauern entstand bereits unter Kaiser Augustus die römische Stadt Verona, die bald über ihre Mauern hinaus wuchs. So wurde das gut erhaltene Amphitheater – die Arena von Verona – ein knappes Jahrhundert später bereits vor den Stadtmauern angelegt.Gian Paolo Marchini: Verona romana e paleocristiana. In: Lionello Puppi (Hrsg.): Ritratto di Verona: lineamenti di una storia urbanistica. Banca Popolare di Verona, Verona 1978, S. 32.

mini|hochkant=1.2|Ponte Pietra (100 v. Chr.)

Im Vierkaiserjahr 69 n. Chr. entging Verona im Gegensatz zu Cremona der Verwüstung im Kampf zwischen den Legionen des Vespasian und den Legionen des Vitellius. Danach setzte bis zur Reichskrise des 3. Jahrhunderts eine friedlichere Phase ein. Der Usurpator Decius schlug hier 249 den Kaiser Philippus Arabs, Konstantin 312 den Pompejanus (Schlacht von Verona).Margherita Bolla: Verona romana. (= Quaderni delle regaste. Band 8), Cierre, Sommacampagna 2014, ISBN 978-88-8314-771-5, S. 42–44.

Während der Völkerwanderung wurde Verona 402 von den Westgoten unter Alarich bedroht. Zwar konnte Stilicho in der Schlacht bei Verona noch einen Sieg über Alarich erringen. Aber bereits 452 plünderten die Hunnen unter Attila die Stadt. Nach dem Sieg des Ostgotenkönigs Theoderich über Odoaker bei Verona 489 wurde die Stadt neben Pavia und Ravenna zur Residenz des Ostgotenkönigs, der später im deutschen Hoch- und Spätmittelalter zur Sagenfigur Dietrich von Bern stilisiert wurde. Aus dem Sagenkreis um Dietrich von Bern stammt auch der alte Name der Stadt: „Dietrichsbern“. Weiterhin war in alter Zeit die Bezeichnung „Welsch-Bern“ gebräuchlich (zimbrisch: Bearn).

Mittelalter und frühe Neuzeit mini|Buch II, 14 der Historia Langobardorum des Paulus Diaconus in der Handschrift Cividale del Friuli, Museo Archeologico Nazionale, XXVIII (1. Hälfte 9. Jahrhundert); darin wird neben anderen Städten die Einnahme von Verona durch König Alboin erwähnt. Im 5. und 6. Jahrhundert war Verona nicht nur Residenz der Ostgoten, sondern wurde auch von den Langobarden unter König Alboin, wohl kampflos,Neil Christie: From Constantinople to Charlemagne. An Archeology of Italy, AD 300–800, Aldershot 2006, S. 111. in Besitz genommen, bis es an das fränkische Reich kam.

In der Folge der verheerenden Ungarneinfälle ab 899 in Oberitalien wurde die stark befestigte Stadt nach 900 Sitz einer Münzstätte, die zum Ausgangspunkt des Veroneser Währungsraums wurde. Ab 952 gehörte Verona zur Markgrafschaft Verona und damit zum Herzogtum Bayern bzw. (ab 976) zu Kärnten. Erst zu Beginn des 12. Jahrhunderts wurde Verona selbständig und besaß eigene Stadtrechte. 1117 wurde die Stadt von einem Erdbeben getroffen, bei dem unter anderem Teile der Arena einstürzten. Die verheerenden Ausmaße der von späteren Chronisten dargestellten Schäden wurden in neueren Studien allerdings in Zweifel gestellt.Fabio Coden: „Terremotus maximus fuit“: il sisma del 1117 e l’architettura medioevale dell’area veronese. In: Arte Veneta. 67, 2011, S. 6–25 Digitalisat Bei einem Stadtbrand 1172, ausgelöst durch Streitigkeiten zwischen Ghibellinen und Guelfen, brannten große Teile der Stadt ab.Franco Benucci: Incendi e altre catastrofi urbane. Padova e Verona nelle fonti annalistiche, epigrafiche e letterarie di età presignorile. In: Franco Benucci u. a. (Hrsg.): Il fuoco e la città: storia, memoria, architettura. (= Studi di storia urbana Band 5). Roma Tre, Università degli studi: CROMA, Rom 2016, ISBN 978-88-8368-123-3, S. 34–35. 1184 fand das Konzil von Verona statt.

mini|Verona 1866 Im Kampf gegen Kaiser Friedrich I. stand Verona mit an der Spitze des Lombardischen Städtebundes. Darauf wurde es durch die Parteikämpfe der Adelsparteien, der Montecchi (Ghibellinen) und der San Bonifazios (Guelfen), erschüttert. Zu Anfang des 13. Jahrhunderts bemächtigten sich die Ezzelini, die Beschützer der Montecchi, der Stadt. Nach dem Tod Ezzelinos III. da Romano (1259) wählten die Veroneser 1260 Mastino I. della Scala zum Podestà. Die Scaliger herrschten fortan 127 Jahre lang über Verona und erreichten unter der Signoria von Cangrande I. ihre höchste Blüte und unter seinem Nachfolger Mastino II. die größte territoriale Ausdehnung.

1387 fiel Verona nach der Vertreibung von Antonio della Scala durch Gian Galeazzo Visconti an die Mailänder Visconti. Nach dem Tod Gian Galeazzos 1402 nutzten die Carraresi aus Padua das entstandene Machtvakuum und nahmen die Stadt 1404 in ihren Besitz. Aber bereits 1405 beendete die Republik Venedig die Träume eines paduanischen Herrschaftsgebietes auf der Terraferma und Francesco II. da Carrara musste Verona an die Serenissima übergeben. Mit dem von einer Vertretung der Stadt am 24. Juni 1405 geleisteten Treueid gegenüber der Republik Venedig begann die venezianische Herrschaft.Edoardo Demo: Dalla dedizione a Venezia alla fine del Cinquecento. S. 149–151. Letztere wurde 1509 nach der Niederlage Venedigs in der Schlacht von Agnadello unterbrochen und die Stadt von den kaiserlichen Truppen Maximilian I. besetzt. Nach dem Ende des Krieges der Liga von Cambrai fiel Verona 1517 wieder an Venedig.Giovanni Zalin (Hrsg.): Storia di Verona. Caratteri, aspetti, momenti. S. 445.

1630 wurde die Stadt erneut von der Pest heimgesucht, nachdem die Bevölkerung von Verona bereits im 14. und 15. Jahrhundert von Pestepidemien dezimiert worden war. Der im März 1630 ausgebrochenen Epidemie fielen bis November des gleichen Jahres etwa 30.000 der 50.000 Einwohner zum Opfer. Der vom Geschichtsschreiber Francesco Pona abgefasste Bericht über die Epidemie inspirierte später Alessandro Manzoni zu seinem Werk I Promessi Sposi.

Moderne Nach dem von Napoleon Bonaparte bewirkten Ende der Republik Venedig fiel Verona im Frieden von Campo Formio 1797 an Österreich; der vorherige antifranzösische Aufstand der Veroneser zu Ostern wurde blutig niedergeschlagen. Unter österreichischer Herrschaft war die Stadt Teil des oberitalienischen Festungsvierecks (it.: Quadrilatero), das 1815 zur Verteidigung der habsburgischen Besitztümer in Italien in den Orten Peschiera, Mantua, Legnago und Verona errichtet wurde. Der Ausbau zur Festungsstadt wurde zwischen 1833 und 1866 nach Plänen des Ingenieurgenerals Franz von Scholl vorgenommen. 1866 kam Verona als Ergebnis des Deutschen Kriegs nach dem Dritten Italienischen Unabhängigkeitskrieg zum Königreich Italien.

1882 wurde die Stadt an der Etsch von einer schweren Flutkatastrophe heimgesucht, bei der mehrere Gebäude vollkommen zerstört, fast 200 beschädigt und 3000 Menschen obdachlos wurden. Der nachfolgende Wiederaufbau prägt nach wie vor das Stadtbild entlang des Etschufers. 1913 wurde zum 100. Geburtstag von Giuseppe Verdi in der römischen Arena die Oper Aida aufgeführt. Aus dem überwältigenden Erfolg entstanden nach dem Ersten Weltkrieg die Opernfestspiele in der Arena von Verona.

Nachdem Verona bereits im Ersten Weltkrieg zum Ziel der österreichisch-ungarischen Luftstreitkräfte geworden war, wurde die Stadt im Zweiten Weltkrieg mehrmals von den Alliierten bombardiert. Im Herbst 1943 fand im Castelvecchio der erste Parteitag der neugegründeten Republikanischen Faschistischen Partei statt, die nach dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 und dem Verbot der Faschistischen Partei im September desselben Jahres gegründet worden war. An gleicher Stelle fand im Januar 1944 der sogenannte Prozess von Verona statt. In dem Schauprozess wurden sieben ehemalige Mitglieder des Großen Faschistischen Rats, die in der Sitzung vom 24./25. Juli 1943 in Rom im Palazzo Venezia für die Absetzung Benito Mussolinis als Oberbefehlshaber der italienischen Streitkräfte gestimmt hatten, wegen Hochverrats zum Tode verurteilt, darunter Galeazzo Ciano, der Schwiegersohn Mussolinis. Am 26. April 1945 wurde Verona im Rahmen der alliierten Frühjahrsoffensive befreit. Zuvor hatten die abziehenden deutschen Truppen noch sämtliche zehn Etschbrücken der Stadt, darunter die Römerbrücke Ponte Pietra sowie die Scaligerbrücke, gesprengt.

Heute ist die Stadt durch die Nähe zum Gardasee und zu Venedig ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen und wirtschaftliches Zentrum der Region Venetien. 2000 wurde die Altstadt von Verona in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1871 1881 1901 1911 1921 1931 1936 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2011 2021 Einwohner 86.443 89.784 99.579 116.518 131.711 145.863 153.565 178.415 221.001 266.205 265.932 255.824 253.208 252.250 255.985 Quelle: ISTAT

Römisches Verona Von der Bedeutung Veronas als eines politischen und wirtschaftlichen Zentrums zeugen heute noch etliche Monumente, angefangen von der Arena bis zum Römischen Theater, vom Gavi-Bogen bis zum Stadttor Porta Borsari, von dem Grabungsgebiet der Porta Leoni bis zu den Scavi Scaligeri.

Arena

mini|Arena von Verona

Das gut erhaltene und in das heutige Stadtbild mit einbezogene Amphitheater wurde wahrscheinlich unter Kaiser Tiberius um 30 n. Chr. erbaut. Es entstand ein halbes Jahrhundert vor dem Kolosseum in Rom (80 n. Chr.) und ist somit eines der frühesten Beispiele für ein von den Römern fortentwickeltes, in Form eines geschlossenen Ovals angelegtes Amphitheater. Das Bauwerk ist 138 m lang, 109 m breit und ist das nach dem Erhaltungszustand zweitgrößte Amphitheater neben dem Kolosseum in Rom. Die klassisch gegliederte Fassade besteht aus zweigeschossigen Arkadenbögen; man muss sich das Original jedoch mit einer zusätzlichen Außenmauer aus rosafarbenem Marmor vorstellen. Das Innere der Arena besteht aus 45 Sitzreihen, welche 45 cm hoch und 45 cm tief sind, mit heute etwa 22.000 Plätzen. Im Sommer finden in der Arena die berühmten Opernfestspiele statt.