Hegyeshalom [] () ist eine ungarische Großgemeinde im Komitat Győr-Moson-Sopron mit einer Fläche von 52,66 km² und 3663 Einwohnern (Volkszählung Stand 1. Januar 2025). Der Ort liegt an der Grenze von Ungarn zu Österreich.
Geografie Hegyeshalom liegt in der Kleinen Ungarischen Tiefebene im Nordwesten Ungarns an einem Grenzübergang nach Nickelsdorf in Österreich.
Geschichte Zum ersten Mal wurde die ungarische Gemeinde im Jahre 1217 erwähnt. Das Dokument wies auf die Szűz Mária Templom (Kirche der Hl. Maria) hin, die auf einem Hügel gelegen war. Nach dem Krieg gegen die Türken wurde die Gemeinde von Deutschen besiedelt. Bei der Volkszählung 1941 waren von den 3550 Einwohnern noch ca. 1800 Deutsche, die in den Jahren 1945 und 1946 überwiegend vertrieben wurden. Einen Aufschwung bedeutete der 1863 erfolgte Anschluss an die Bahnlinie Wien–Budapest. Zur bisher überwiegend bäuerlichen und deutschen Bewohnerschaft kam nun der Zuzug eines magyarischen Bevölkerungsanteils, der vor allem im Eisenbahnwesen Beschäftigung fand.
Im April 1989 begann die Sowjetunion, damals regiert von Michail Gorbatschow, damit, ihre Truppen aus Westungarn zurückzuziehen; man wolle so „eine Zone des Vertrauens entlang der Grenze“ schaffen. Beim Dorf Hegyeshalom begannen ungarische Soldaten und Einheimische am 2. Mai 1989 damit, den Eisernen Vorhang zu demontieren.Der Spiegel 19/1989 vom 8. Mai 1989, Seite 173 f. (online)
Etwa zwei Monate später durchtrennten die Außenminister Österreichs und Ungarns, Gyula Horn und Alois Mock, in der Nähe der Stadt Sopron im nordwestlichen Ungarn symbolisch den Rest des Grenzzauns. Abgerufen am 2. Mai 2014.
mini|Grenzkontrollposten Hegyeshalom nach Eintritt Ungarns in den Schengen-Raum
Bis zum 21. Dezember 2007 war der Grenzübergang Nickelsdorf/Hegyeshalom ein wichtiger Grenzübergang zwischen Österreich und Ungarn. Die Grenzkontrollen wurden durch den Beitritt von Ungarn zum Schengen-Raum hinfällig.; abgerufen am 2. Mai 2014.
Ab dem 5. September 2015 kamen in Hegyeshalom täglich tausende Flüchtlinge über die Grenze.zeit.de vom 19. August 2016: "Es war wie in einem schlechten Film"
Sehenswürdigkeiten mini|Außenansicht der katholischen Kirche mit deutlich erkennbaren drei Bauschichten des Turmes: romanisches Fundament - Wehraufbau 17. Jh. - barocker Glockenturm
Die von einer Steinmauer umgebene, dem Heiligen Bartholomäus geweihte Kirche steht auf einem nur wenige Meter hohen Hügel. Dieser einzige in der sonst völlig flachen Umgebung bestehende Hügel hat vermutlich dem Ort den Namen gegeben: „hegyes“ = hügelig(er), „halom“ = Haufen. Anders als die meisten Dorfkirchen in der weiteren Umgebung hat die Kirche einen herausragenden historischen und baukulturellen Stellenwert. Der romanische Ursprung der Kirche (12. Jahrhundert) wurde bei den Ausgrabungen von 1976 gesichert, als der Grundriss der ursprünglichen Kirche rekonstruiert und alle Bauphasen durch Mauerwerksuntersuchungen sichtbar gemacht wurden. Dir ursprüngliche Kirche zeigt die Charakteristik jener Zeit – ein einschiffiges Kirchenschiff, einen halbrunden Altarraum, Quadersteinmauerwerk und keinen an das Kirchenschiff angebauten Turm besitzt. Aus dieser Epoche sind die beiden romanischen Schlitzfenster erhalten. Das Gebäude der Kirche aus der Árpád-Zeit wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts durch die frühgotische Erweiterung erstmals verändert. Der halbrunde romanische Altarraum wurde abgerissen, das Kirchenschiff um fast zwei Meter erweitert, und anschließend wurden der Spitzbogen und der neue Altarraum errichtet. Nach dem gotischen Umbau wurde der Altarraum mit einer Schutzmauer mit Schießscharten versehen. Die so entstandene mittelalterliche Kirche wurde architektonisch nicht wesentlich verändert. Das Innere der Kirche war jedoch bemalt, ein Rest davon ist erhalten geblieben. Eine zweite Phase des Umbaus der Kirche lässt sich auf das 17. Jahrhundert datieren. Damals wurde ein unregelmäßiger, achteckiger wehrhafter Aufbau errichtet, ungewöhnlicher Weise über dem Altarraum und offensichtlich mit Abwehrfunktion in der Türkenzeit. Weitere Umbauten folgten Ende des 17. Jahrhunderts, insbesondere die Errichtung des Tonnengewölbes des Langhauses. Nach 1720 wurde am Westende des Gebäudes ein halbrunder barocker Anbau errichtet, während an der Nordseite ein neuer Altarraum und eine größere Sakristei entstanden. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der auf den Mauern des mittelalterlichen Altarraums errichtete wehrhafte Aufbau zu einem Turm mit Glockenturm erhöht. Es bietet sich seither von außen das seltene Bild eines Kirchturms, der aus drei horizontal geschichteten, deutlich erkennbaren Bauperioden von der Romanik bis zum Barock besteht. Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die Kirche romantische Wandmalereien in Secco-Technik, von denen heute nur noch ein kleiner Teil freiliegt. 1978/79 wurde die Kirche, wie viele andere auch, wegen der katholischen Liturgiereform umgebaut, sodass der Priester nun mit dem Blick zum Volk hin zelebrieren kann. Dieser Umbau fiel äußerst radikal aus: der barocke Hochaltar wurde an eine Seitenwand gestellt und an seine Stelle trat ein schmuckloser Steinaltar, die Wände ringsum sind kahl. Parallel zu Umbau und Restaurierung von 1978/79 wurde auch das unmittelbare Umfeld der Kirche, das ehemals von einer Mauer umgebene Areal, neu gestaltet. Die Krypta ist teils mit Ziegelsteinen, teils mit Vegetation eingefasst. Im gepflegten Park auf dem Kirchhügel wurde ein großer Marmorblock zum Gedenken an die Opfer der Tragödien des 20. Jahrhunderts (Weltkriege, Deportation der Deutschen, Ungarnaufstand 1956) aufgestellt. 2011 wurde die Außenfassade renoviert, das Dach komplett erneuert und ein neues Uhrwerk im Turm installiert. Die Kirche ist ein nationales Denkmal in staatlicher Obhut. Evangelische Kirche, erbaut 1850 Römisch-katholische Kirche hl. Bartholomäus (Szent Bertalan ápostol) Stettni-See und Freizeitpark (Stettni-tó és Szabadidő park)
Verkehr Die Grenzgemeinde liegt an der Autobahn M1 und der Wien-Raaber Bahn genannten Eisenbahnlinie zwischen den Metropolen Wien und Budapest. Am Eisenbahnknotenpunkt Hegyeshalom zweigen Nebenstrecken zum Bahnhof Bratislava-Petržalka und nach Szombathely über Csorna ab.
Persönlichkeiten Mathes Nitsch (1884–1972), Journalist, Literat Johann Zimmermann (1872–1950), Evangelischer Pfarrer, Regionalhistoriker, Volkskundeforscher Ida Strohmer (1922–1945), Widerstandskämpferin und Opfer des NS-Regimes
Literatur Straß-Sommereiner Heimatbuch. Herausgegeben von Johann Nitsch und Hanns Schrödl, Amberg 1968
Einzelnachweise
Weblinks
Luftaufnahmen über Hegyeshalom