Basisdaten Großregion: Nordwestchina Autonomes Gebiet: Xinjiang Status: Autonomer Bezirk Einwohner: 2.848.393 (2020)citypopulation.de: Yīlí Hāsàkè Zìzhìzhōu, Autonome Präfektur der Kasachen in Xīnjiāng Wéiwú'ĕr Zìzhìqū (China), abgerufen am 6. Februar 2022 Fläche: 273.200 km² 300px Der Kasachische Autonome Bezirk Ili (; , ; ) ist ein Provinzunmittelbarer Autonomer Bezirk () im Nordwesten des Autonomen Gebietes der Uiguren Xinjiang in der Volksrepublik China. Er ist nach dem Fluss Ili benannt. Seine Hauptstadt ist Gulja (Yining). Ili hat eine Fläche von ca. 273.200 km².
Administrative Gliederung Nach seiner Gründung bestand Ili zunächst aus drei Regierungsbezirken: Ili, Tacheng und Altay. Am 6. Oktober 2001 wurde der Regierungsbezirk Ili aufgelöst und seine Städte und Kreise der Regierung des Autonomen Bezirks direkt unterstellt. Somit setzt sich Ili heute aus folgenden Verwaltungseinheiten zusammen:
NameZhōngguó dìmínglù 中国地名录 (Beijing, Zhōngguó dìtú chūbǎnshè 中国地图出版社 1997); ISBN 7-5031-1718-4. Kasachisch (reformierte Arabische Schrift) in Lateinschrift Uigurisch (Kona Yeziⱪ) in Lateinschrift (Yengi Yeziⱪ)Hənzuqə-Uyƣurqə luƣət (sinaⱪ nus’hisi). Xinjiang həlk̡ nəxriyati, Ürümqi 1974, S. 1170–1172. Chinesisch Hanyu Pinyin direkt dem Autonomen Bezirk unterstellt: Stadt Gulja Qulja Qalası Ƣulja Xəⱨiri 伊宁市 Yīníng Shì Stadt Korgas Qorğas Qalası Ⱪorƣas Xəⱨiri 霍尔果斯市 Huò’ěrguǒsī Shì Stadt Kuytun Küytün Qalası Küytun Xəⱨiri 奎屯市 Kuítún Shì Kreis Gulja Qulja Awdanı Ƣulja Naⱨiyisi 伊宁县 Yīníng Xiàn Kreis Huocheng Qorğas Awdanı Ⱪorƣas Naⱨiyisi 霍城县 Huòchéng Xiàn Kreis Künes Künes Awdanı Künəs Naⱨiyisi 新源县 Xīnyuán Xiàn Kreis Mongolküre Moñğulküre Awdanı Mongƣulkürə Naⱨiyisi 昭苏县 Zhāosū Xiàn Kreis Nilka Nılqı Awdanı Nilⱪa Naⱨiyisi 尼勒克县 Nílèkè Xiàn Kreis Tekes Tekes Awdanı Tekəs Naⱨiyisi 特克斯县 Tèkèsī Xiàn Kreis Tokkuztara Toğıztaraw Awdanı Toⱪⱪuztara Naⱨiyisi 巩留县 Gǒngliú Xiàn Xibenischer Autonomer Kreis Qapqal Şapşal Sibe Avtonomyalıq Awdanı Qapqal Xibə Aptonom Naⱨiyisi 察布查尔锡伯自治县 Chábùchá’ěr Xībó Zìzhì Xiàn dem Regierungsbezirk Altay (阿勒泰地区 Ālètài Dìqū; Altay Wilayiti; Altay aymağı) unterstellt: Stadt Altay Altay Qalası Altay Xəⱨiri 阿勒泰市 Ālètài Shì Kreis Burqin Bwırşın Awdanı Burqin Naⱨiyisi 布尔津县 Bù’ěrjīn Xiàn Kreis Burultokay Bwrıltoğay Awdanı Burultoⱪay Naⱨiyisi 福海县 Fúhǎi Xiàn Kreis Jeminay Jemeney Awdanı Jeminəy Naⱨiyisi 吉木乃县 Jímùnǎi Xiàn Kreis Kaba Qaba Awdanı Ⱪaba Naⱨiyisi 哈巴河县 Hābāhé Xiàn Kreis Koktokay Köktoğay Awdanı Koktoⱪay Naⱨiyisi 富蕴县 Fùyùn Xiàn Kreis Qinggil Şiñgil Awdanı Qinggil Naⱨiyisi 青河县 Qīnghé Xiàn dem Regierungsbezirk Tacheng (塔城地区 Tǎchéng Dìqū; Tarbaƣatay Wilayiti; Tarbağatay aymağı) unterstellt: Stadt Tacheng Şäwesek Qalası Qɵqək Xəⱨiri 塔城市 Tǎchéng Shì Stadt Usu Şïxw Qalası Wusu Xəⱨiri 乌苏市 Wūsū Shì Kreis Dorbiljin Dörbiljin Awdanı Dɵrbiljin Naⱨiyisi 额敏县 Émǐn Xiàn Kreis Qagantokay Şağantoğay Awdanı Qaƣantoⱪay Naⱨiyisi 裕民县 Yùmín Xiàn Kreis Shawan Sawan Awdanı Sawən Naⱨiyisi 沙湾县 Shāwān Xiàn Kreis Toli Tolı Awdanı Toli Naⱨiyisi 托里县 Tuōlǐ Xiàn Mongolischer Autonomer Kreis Hoboksar Qobıqsarı Moñğul Avtonomyalıq Awdanı Ⱪobuⱪsar Mongƣul Aptonom Naⱨiyisi 和布克赛尔蒙古自治县 Hébùkèsài’ěr Měnggǔ Zìzhì Xiàn
Ethnische Gliederung der Gesamtbevölkerung des Autonomen Bezirks Ili Beim Zensus im Jahr 2000 hatte Ili insgesamt 3.821.940 Einwohner (Bevölkerungsdichte: 13,99 Einw./km²).
Name des Volkes Einwohner Anteil Han 1.697.827 44,42 % Kasachen 979.343 25,62 % Uiguren 614.981 16,09 % Hui 339.570 8,88 % Mongolen 62.671 1,64 % Dongxiang 48.667 1,27 % Xibe 28.960 0,76 % Kirgisen 16.678 0,44 % Usbeken 5491 0,14 % Daur 4940 0,13 % Russen 4482 0,12 % Mandschu 4045 0,11 % Salar 3097 0,08 % Tataren 2584 0,07 % Sonstige 8604 0,23 %
Ethnische Gliederung des ehemaligen Regierungsbezirks Ili mini|Jurte in Ili Laut Zensus hatte der ehemalige Regierungsbezirk Ili im Jahr 2000 2.082.577 Einwohner.
Name des Volkes Einwohner Anteil Han 675.150 32,42 % Uiguren 566.774 27,22 % Kasachen 469.634 22,55 % Hui 244.706 11,75 % Dongxiang 41.289 1,98 % Xibe 27.139 1,3 % Mongolen 26.624 1,28 % Kirgisen 14.739 0,71 % Usbeken 4903 0,24 % Mandschu 2689 0,13 % Salar 2638 0,13 % Sonstige 6292 0,29 %
Geschichte Der Khan des im 13. Jahrhundert entstandenen Tschagatai-Khanats residierte in Almaliq, das in der Nähe des heutigen Gulja lag.
Kuldscha / Ili unter der Mandschuherrschaft Nach der Zerstörung des Dsungarenreiches zwischen 1754 und 1759 durch Truppen der Qing-Dynastie gründeten die Mandschubefehlshaber eine Militärkolonie im Ili-Gebiet. Die 1764 gegründete Stadt Neu-Kuldscha wurde 1866 vollständig zerstört. Seit der Besetzung durch die Mandschuadministration befindet sich die Region am Oberlauf des Ili bis in die Gegenwart fast ununterbrochen in chinesischer Hoheit. Die Kuldscharegion (chinesische Bezeichnung Ili-Provinz, russische Bezeichnung Kuldscha-Distrikt) unterlag häufig aber wechselnden politischen Einflüssen.
Nach Fall des Mandschureiches 1862 verfiel hier der chinesische Einfluss während der Dunganenaufstände. In der Zeit zwischen 1862 und 1864 entflammten Kämpfe gegen äußere Einflüsse, bei denen auch das russische Konsulat und die Handelsniederlassung in Kuldscha zerstört wurden. Zahlreiche Flüchtlinge entkamen diesen Wirrnissen in das russische Siebenstromland. Es etablierte sich eine moslemische Machtstruktur aus der einheimischen Bevölkerung.
Zerfall chinesischer Herrschaft und Bildung des Sultanats Tarantschi Im Januar 1866 stürmten regionale Gruppen der Dunganen und bewaffnete Angehörige der ostturkestanischen bzw. usbekischstämmigen Bevölkerung (Tarantschi) die von den Chinesen gehaltene Festung in Neu-Kuldscha und nahmen sie ein. Dabei fanden der chinesische Regionalverwalter, seine Beamten und weitere Angehörige den Tod.
Als Jakub Bek 1867 vom benachbarten Kaschgar aus begann, die chinesische Herrschaft in der Region Ostturkestans zu beseitigen, ein eigenes Khanat schuf und Verbindungen mit den Engländern aufnahm, befürchtete die russische Seite eine Ausdehnung dieser Tendenzen über das Kuldscha-Gebiet bis in das Siebenstromland hinein.Hambly, 1995, S. 223 mini|Der Kuldscha-Distrikt (rot umrandet) Das in der Kuldscharegion bereits 1864 entstandene autonome Sultanat erlangte nur eine geringe innere Stabilität. Dem vierten und letzten Sultan Alija-chan Obil-ogly gelang es nicht, die unruhige Situation in seinem Herrschaftsbereich zu befrieden. Sie griffen weiter auf die benachbarten Gebiete des russischen Siebenstromlandes über. Dadurch sah sich der dortige Militärbefehlshaber General Gerasim Alexejewitsch Kolpakowski (Truppen des Generalgouvernements der Steppe) zum Einschreiten gezwungen. Er führte zuerst Verhandlungen mit dem Sultan und ließ, als jene keinen Erfolg erbrachten, im Herbst 1870 mit einer Truppeneinheit den Musart-Pass (Gebirgsübergang im Tianschan) besetzen. Dadurch schnitt man die Verbindung nach Kaschgar an der Westseite des Gebirges ab.
Kuldscha unter russischer Verwaltung Im Frühjahr 1871 spitzten sich die Verhältnisse zu. Kirgisenhirten aus Russland drangen in das Kuldschagebiet ein und versuchten den Sultan zu unterstützen. Dabei griffen sie Kosakentruppen an der Grenze an. Dieser Vorfall führte in der Folge zum russischen Einmarsch in das Sultanat. Am 21. Juni 1871 ergab sich Sultan Obil-ogly dem russischen Militär, das am Folgetag die Stadt Kuldscha besetzte. Damit übernahm das Russische Kaiserreich die Landschaften am Oberlauf des Ili in seine Verwaltung und gliederte sie dem Generalgouvernement Turkestan an. Im Jahr 1872 schlossen Russland und Kaschgarien einen Handelsvertrag.Hambly, 1995, S. 308
Während der russischen Verwaltungsperiode wirkte in der Stadt Kuldscha der Arzt Albert Regel als Kreisarzt. Er trug zur archäologischen und naturkundlichen Erforschung der Turfanregion bei, verfolgte aber dabei wahrscheinlich auch militärische Aufgaben.Edward Delmar Morgan: „Dr. Regel's Expedition from Kuldja to Turfan in 1879-1880“, in: Proceedings of the Royal Geographic Society 3/6, 1881, 340 Der Engländer Edward Delmar Morgan bereiste 1880 Kuldscha und hinterließ in der Folge eine Beschreibung des Gebietes.Meyers Konversations-Lexikon, Erg. Band 19, 1881–1882, S. 76 Er berichtete auch über Regels Forschungen.Edward Delmar Morgan: „Dr. Regel's Expedition from Kuldja to Turfan in 1879-1880“, in: Proceedings of the Royal Geographic Society 3/6, 1881, 340
Die Erwartungen der russischen Seite an die Entwicklung ihres politischen und ökonomischen Einflusses über den Kuldscha-Distrikt wurden als unbefriedigend empfunden, weil die Staatsinteressen weit über Kuldscha hinausgingen.
Als Jakub Bek 1877 bei militärischen Auseinandersetzung mit den Chinesen deren Truppen unterlag und seine beiden Söhne das Khanat nicht halten konnten, zerfiel sein Reich 1878 nach dem Fall von Khotan endgültig. Diese Entwicklung schwächte vorübergehend das Interesse der Russischen Regierung am Kuldscha-Distrikt ab. Daraufhin gab es im September 1879 Vertragsverhandlungen zwischen der russischen Regierung und einem chinesischen Unterhändlers in Livadia. Das Ergebnis wurde aber nach Rückkehr des Unterhändlers in Peking nicht bestätigt und er selbst zum Tode verurteilt (später begnadigt). Als unmittelbare Folge gab es an der russisch-chinesischen Grenze beiderseitige Militärkonzentrationen, und die Kaiserlich Russische Marine bezog vor der Küste Chinas drohende Positionen. Ein neuer Vorstoß wurde mit dem chinesischen Gesandten in Paris, Marquis Tseng, unternommen. Seine Antrittsaudienz fand am 10. (23.) August 1880 in Sankt Petersburg statt. In deren Folge gelangte die bis dahin anhaltende militärische Konfrontation wieder zunehmend in friedlichere Bahnen. mini|Die Hauptmoschee in Kuldscha um 1882 Die Kuldschafrage wurde mit dem Vertrag von 2. (14.) Februar 1881 beendet. Demzufolge gab Russland die Region an China zurück, verlangte aber einen Ausgleich in einer Höhe von 9 Millionen Silberrubel für die zeitweiligen Verwaltungsaufwendungen und Ersatz für die den russischen Bürgern während dieser Zeit entstandenen Schäden. Weiterhin regelte der Vertrag, dass der westliche Teil des Gebietes bei Russland verbliebe, da dort die umsiedlungswilligen Personen eine neue Heimat finden sollten. Ferner bestimmte der Vertrag, dass das Recht Russlands, im Westen Chinas Konsulate zu unterhalten, weiter ausgedehnt und eine garantierte Verkehrsstraße für russische Händler zum Hafen nach Tientsin festgeschrieben wurden. Die Ratifizierung erfolgte von Russland am 4. (16.) August 1881 und durch den Chinesischen Kaiser bereits am 3. (15.) Mai 1881.Meyers Konversations-Lexikon, Erg. Band 18. 1880–1881, S. 570–571Meyers Konversations-Lexikon, Erg. Band 19. 1881–1882, S. 562–564
Gulja als Teil Chinas Zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Stadt Gulja zu einem wichtigen ökonomischen Zentrum westlich der Mongolei geworden. Die Bevölkerung der Stadt war ausgesprochen inhomogen zusammengesetzt. Neben zahlreichen Moscheen befanden sich hier zwei buddhistische Tempel, eine griechisch-katholische sowie eine römisch-katholische Kirche. Nördlich der Stadt gewann man Kohle, und die Handelsstraße erfreute sich einer regen Nutzung in östlicher und westlicher Richtung.
Während der Chinesischen Revolution von 1911 geriet die Situation in der Guljaregion wieder in eine instabile Lage. Russland verstärkte daraufhin seine Konsulatsschutztruppen in Xinjiang.
Das russische Konsulat in Gulja wurde im Jahr 1918 geschlossen. Erst zwischen 1924 und 1925 konnte es seine Arbeit fortsetzen, sogar über das Jahr 1927 hinaus, als China die diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion abbrach.Hambly, 1995, S. 315
Im November 1944 entflammten im Ili-Gebiet unter der kasachischen Bevölkerung Unruhen (Drei-Bezirke-Revolution), denen sich auch Angehörige der Uiguren anschlossen. Dabei wurde in der Stadt Gulja die Ostturkestanische Republik ausgerufen. Diese Bewegung diente der besseren Interessensvertretung der nichtchinesischen Bevölkerung.