mini|Blühender Rosmarin mini|Rosmarinbusch mini|Blüten mini|Rosmarin am Standort in Sardinien Der Rosmarin (Salvia rosmarinus; Synonym: Rosmarinus officinalis) ist eine Art der Gattung Salbei und ein immergrüner Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).
Name Der Name Rosmarin bzw. Rosmarinus kommt vom lateinischen ros marinus (Genitiv roris marini) und bedeutet „Tau (ros) des Meeres (marinus)“, also „Meertau“. Als Begründung wird oft angeführt, dass Rosmarinsträucher an den Küsten des Mittelmeeres wachsen und nachts sich der Tau in ihren Blüten sammelt. Eine ältere Deutung der Herkunft des Namens ging auf den griechischen Begriff rhops myrinos (balsamischer Strauch) zurück. Dazu gehört auch ein möglicher namenskundlicher Zusammenhang der griechischen Wörter libanotis (Rosmarin) und libanos (Weihrauch). Im Mittelalter wurde (im Gegensatz zum mit libanotis und ähnlich bezeichneten Kraut) die Blüte von Rosmarin AnthosOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 157 (Anthos vel rosmarinus; dort auch „merische rose, (dy blume) anthos, (das crut) libanotides oder dendron libanum, sowie (Flos) anthos, (Herba) libanotidos vel denrolibanum“). genannt.
Beschreibung Vegetative Merkmale Der immergrüne, dicht buschig verzweigte Strauch duftet intensiv aromatisch und erreicht eine Größe von 0,5 bis 2 Meter. Die Äste sind braun und meist aufrecht. Ältere Äste haben abblätternde Rinde.Hans Flück, Rita Jaspersen-Schib: Unsere Heilpflanzen. Ott, Thun 1984, ISBN 3-7225-6713-0, S. 128. Die 10 bis 40 mm langen und 1,5 bis 3 mm breiten Blätter sind gegenständig, sehr kurz gestielt und schmal lineal. Oberseits sind sie tiefgrün und glatt und mit einer dicken Epidermis überzogen, an der Blattunterseite weiß- bis graufilzig behaart. Die Haare sind kleine Sternhaare. Die Ränder sind nach unten umgerollt. Hierdurch wird das Blatt vor Austrocknung geschützt.
Generative Merkmale Die Blüten können das ganze Jahr über entstehen. Hauptblütezeit ist aber März bis April. Die Blüten stehen in zwei- bis zehnblütigen, sternhaarig-filzigen Scheinquirlen. Der Kelch ist glockig, zweilippig und zur Fruchtzeit deutlich größer. Die Oberlippe des Kelchs ist dreispitzig, die Unterlippe zweispaltig. Die Krone ist hellblau, selten rosa oder weiß, 10 bis 12 mm lang, zweilippig mit leicht zurückgebogener, ausgerandeter Oberlippe. Der Mittellappen der Unterlippe ist löffelförmig ausgehöhlt, fast gestielt und nach unten herabgeschlagen. Die 2 kleinen Seitenlappen sind vorgestreckt. Die zwei Staubblätter ragen weit über die Oberlippe aus der Blüte heraus. Der Griffel hat 2 ungleiche Narbenäste. Die Klausen sind braun, verkehrteiförmig, glatt und 1,5 bis 2 Millimeter lang.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.
Vorkommen Der Rosmarin kommt im westlichen bis zentralen Mittelmeerraum wild vor, insbesondere in Küstenregionen von Portugal bis zum Ionischen Meer. Im östlichen Mittelmeergebiet und am Schwarzen Meer wird diese Art seit der Antike kultiviert und verwilderte gelegentlich, ist manchmal sogar bestandsbildend, zum Beispiel auf Santorin. Der Rosmarin hat ursprüngliche Vorkommen in Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, im früheren Jugoslawien, Albanien, Griechenland und in der Türkei.
Rosmarin gedeiht meist an sonnigen, trockenen, kalkreichen Standorten. Er ist typisch für den Buschbewuchs von Macchien und Garrigues. Er ist eine Charakterart des Verbands Rosmarino-Ericion.
Der Rosmarin wird häufig als Zier- und Gewürzpflanze kultiviert. Wann der Rosmarin nach Mitteleuropa kam, ist nicht bekannt, er ist aber in der Landgüterverordnung Capitulare de villis vel curtis imperii auf Erlass Karls des Großen verzeichnet. In England wurde Rosmarin 1328 durch Königin Philippa von Hennegau eingeführt.Mary Keen: The Glory of the English Garden. Litte, Brown and Co., Boston 1989, S. 19. In Vorarlberg wird er bis zu 880 Meter Meereshöhe kultiviert, im Kanton Wallis am Simplonpass bis 1500 Meter.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+ (trocken), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).
Systematik Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen Rosmarinus officinalis durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 23. Die Neukombination zu Salvia rosmarinus wurde 1835 von Fridolin Carl Leopold Spenner in Handbuch der Angewandten Botanik oder praktische Anleitung zur Kenntniss der medizinisch, technisch und ökonomisch gebräuchlichen Gewächse Teutschlands oder der Schweiz ..., Band 2, Seite 447 veröffentlicht. Spenner hätte als Artepitheton officinalis verwenden müssen, aber der Name Salvia officinalis war schon für eine ganz andere Art besetzt.
Salvia rosmarinus wird als eine von vielen hundert Arten der Gattung Salvia angesehen. Früher wurde sie in eine viel kleinere Gattung, Rosmarinus, gestellt, die nur zwei bis vier Arten enthielt, darunter Rosmarinus officinalis, die als Synonym von Salvia rosmarinus angesehen wird.Bryan T. Drew, Jesús Guadalupe González-Gallegos, Chun-Lei Xiang, Ricardo Kriebel, Chloe P. Drummond, Jay B. Walked, Kenneth J. Sytsma: Salvia united: The greatest good for the greatest number. In: Taxon, Band 66, Teil 1, 2017, S. 133–145. doi:10.12705/661.7 PDF.
Botanische Geschichte Je nach Autor gibt es wenige Unterarten; Nach B. T. Drew et al. 2017 sind diese Unterarten bzw. Varietäten unter der Gattung Salvia als Salvia rosmarinus zu vereinigen: Rosmarinus officinalis subsp. officinalis Rosmarinus officinalis subsp. palaui (Syn: Rosmarinus officinalis var. palaui ) Sie kommt nur auf den Balearen vor. Rosmarinus officinalis subsp. valentinus : Sie wurde 2014 aus dem südlichen Spanien erstbeschrieben.
Ökologie Die Rosmarinblüten werden von langrüsseligen Apiden (Bombus, Xylocopa, Megachile, Eucera) bestäubt.
Die rasch reifenden Klausen bleiben durch einen ölreichen Teil der Blütenachse (Pseudostrophiole) verbunden und werden deshalb von Ameisen (Lasius niger und Messor barbarus) gesammelt und verschleppt.
Blattgallen erzeugt die Gallmücke Asphondylia rosmarini. Auf den Zweigen lebt der Schlauchpilz Melanopsamma bolleana.
Vermehrung, Pflege und Ernte Die Pflanze kann über Stecklinge vegetativ vermehrt werden. Auch die generative Vermehrung über Saatgut ist möglich, bedarf aber eines warmen Klimas. Die Keimdauer beträgt ungefähr vier Wochen. Der Rosmarin ist anfällig für langandauernde Nässe und braucht durchlässige, humusreiche Erde.Marie-Luise Kreuters: Der Bio-Garten. BLV Verlagsgesellschaft, München 1983, S. 241. Unter trockenen Bedingungen wächst die Pflanze besser. Nördlich der Alpen ist sie normalerweise nur in den milden Regionen und Weinbaugebieten winterhart,Paul Gerhard Wilhelm: Das Gartenbuch für jedermann. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 1979, ISBN 3-8001-6092-7, S. 215. es existieren jedoch spezielle Züchtungen wie ‚Arp‘, die Temperaturen bis unter −20 °C ertragen. Im Spätwinter wird der Kleinstrauch zurückgeschnitten, damit er buschiger wird.Christoph und Maria Köchel: Die schönsten Kübelpflanzen. BLV Verlagsgesellschaft, München 1990, ISBN 3-405-13223-1, S. 114.
Geerntet werden idealerweise ganze Zweiglein, nicht einzelne Blätter. Es kann ganzjährig geerntet werden.Betty Bossi: Küchenkräuter. Betty Bossi, Zürich 1996, S. 82. In der Mischkultur eignet sich der Echte Salbei als Nachbar.
Inhaltsstoffe Rosmarin enthält zwischen 1 und 2,5 % ätherisches Öl, zusammengesetzt aus verschiedenen Terpenverbindungen (Cineol, α-Pinen, Borneol, Ursolsäure, Isobornylacetat, Campher, Camphen, Verbenon, Carnosol, Oleanolsäure, Carnosolsäure, α-Terpineol, Betulin, Betulinsäure). Des Weiteren 8 % Gerbstoff (hauptsächlich Rosmarinsäure), Flavonoide, Glycolsäure, Kaffeesäure, Bitterstoffe, Saponine, Harz und verschiedene Vitalstoffe, wobei sich einzelne Wirkstoffkonzentrationen in den Blättern und Stängeln deutlich unterscheiden.P. N. Ravindran: The Encyclopedia of Herbs and Spices. 2017, S. 812. (Inhaltsstoffe der Arzneidroge) (books.google.de)R. Hänsel, K. Keller, H. Rimpler, G. Schneider (Hrsg.): Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Band 6: Drogen P–Z. 5. Auflage. Springer, 1994, ISBN 3-540-52639-0, S. 496–500 und 551–557.
Verwendung Duftpflanze Rosmarin hat einen sehr intensiven, aromatischen Geruch und einen harzigen, leicht bitteren Geschmack, der etwas an Kampfer und Eukalyptus erinnert. Er wurde aufgrund seines ähnlichen Geruches als Ersatz für Weihrauch verwendet.
Rosmarin war Bestandteil eines der ersten destillierten Parfüme, bei dem ätherisches Öl mit Alkohol kombiniert wurde. Die Mischung hieß nach der Königin Elisabeth von Ungarn (1305–1380) „Ungarisches Wasser“. Nach einer Legende versicherte ein Einsiedler, der das Duftwasser der Königin überreichte, es werde ihre Schönheit bis zu ihrem Tode bewahren.Pierre Pomet: Histoire générale des drogues. Loyson & Pillon, Paris 1694, S. 182–185: Huile de Romarin – Essence de Romarin – Eau de la Reine d’Hongrie […]. (Digitalisat) – Nicolas Lémery: Cursus chymicus. Paris 1675, S. 426–428: Eau de la Reine d’Hongrie (Digitalisat); in der Bearbeitung von Johann Christian Zimmermann, Walther, Dresden 1754, S. 743–746: Hungarisch Wasser. (Digitalisat).
Kölnisch Wasser enthält Rosmarinöl.
Verwendung in der Küche Rosmarin wurde zuerst bei religiösen Riten und als Droge verwendet, bevor er in der Küche Einzug hielt. Rosmarin ist in der mediterranen Küche (vor allem in Italien und der Provence) ein wichtiges Gewürz und ist Bestandteil der Provence-Kräutermischung. Er gilt als klassisches Grillgewürz und harmoniert unter anderem mit Fleisch, Geflügel, Lammfleisch, Zucchini, Kartoffeln, Fisch und Teigwaren.Betty Bossi: Küchenkräuter. Verlag Betty Bossi AG, Zürich 1996, S. 80. Eine Rosmarin-Marinade wird etwa beim Grillen verwendet. Auch für Süßspeisen findet das Blatt oder der Rosmarinhonig Anwendung. Apfelgelee lässt sich beispielsweise mit Rosmarin aromatisieren. In Kräuterbutter wird Rosmarin häufig verwendet. Rosmarin wird oder wurde zeitweilig auch als Bitterstoff im Bier verwendet.
Ein „Extrakt aus Rosmarin“ steht als Antioxidations- und Konservierungsmittel in der Liste der Lebensmittelzusatzstoffe (sogenannte „Liste der E-Nummern“) als E 392.
Verwendung in der Heilkunde In der Naturheilkunde wird Rosmarin innerlich als Tee zur Kreislaufanregung und gegen Blähungen verwendet, vor allem wirkt er anregend bei der Blutzufuhr zu den Unterleibsorganen und der Bildung von Magen- und Darmsaft. Auch wirkt die Droge galle- und harntreibend und findet als Tee Anwendung als Appetitanreger. Zu hohe Dosen können Rauschzustände und Krämpfe auslösen. Tagesdosen von 6 g Blätter für Teeaufgüsse, 20 Tropfen ätherisches Öl und 50 g für Bäder sollten nicht überschritten werden; Schwangeren wird generell von der Einnahme abgeraten.Rosmarin. In: Natur-Lexikon.com, abgerufen am 5. Dezember 2015.
Äußerlich wirkt Rosmarin durchblutungssteigernd und wird daher zu Bädern sowohl bei Kreislaufschwäche, Durchblutungsstörungen als auch bei Gicht und Rheuma (beispielsweise als Rosmarinspiritus) gebraucht.Rosmarin (Rosmarinus officinalis). In: Focus Online. Abgerufen am 5. Dezember 2015.Anke Dorl: Rosmarin – der "Tau des Meeres". In: Gesundheit.de, abgerufen am 5. Dezember 2015. Neben Rosmarinspiritus kann auch die Salbe gegen Rheuma und Migräne eingesetzt werden. Als Bademittel wirkt der Aufguss desinfizierend und fördert den Heilungsprozess von infizierten, schlecht heilenden Wunden.
Rosmarinöl hat eine stark antiseptische Wirkung, die das 5,4fache von Karbolsäure (Phenol) beträgt.