Charlottendorf West ist ein Ortsteil der Gemeinde Wardenburg im niedersächsischen Landkreis Oldenburg. Namensgeberin des Ortes war Sophie Charlotte von Oldenburg (1879–1964).
Geographie Charlottendorf West liegt etwa siebeneinhalb Kilometer südwestlich des Kernbereichs von Wardenburg zwischen der westlich fließenden Lethe und der östlich verlaufenden Landesstraße L 870. Charlottendorf Ost befindet sich sechs Kilometer östlich, Littel zweieinhalb Kilometer östlich und Benthullen drei Kilometer nordwestlich der Siedlung.
Sechs Kilometer südwestlich von Charlottendorf West liegt Nikolausdorf, welches bereits zur Gemeinde Garrel im Landkreis Cloppenburg gehört. Die Grenze zwischen dem Landkreis Oldenburg und dem Landkreis Cloppenburg nahe Charlottendorf West stellt eine Konfessionsgrenze dar.
Das 185 ha große Naturschutzgebiet Böseler Moor liegt westlich und das 201 ha große Naturschutzgebiet Sager Meere, Kleiner Sand und Heumoor südlich.
Geschichte
Gründung der Heidekolonie Charlottendorf 1910 mini|Symbol für Charlottendorf West auf der Skulptur „Gemeindebaum“, geschaffen 2006 von Daniel Hübner Das Gebiet des heutigen Charlottendorfes bestand ursprünglich überwiegend aus Moor- und Heideflächen. Zur Regierungszeit von Graf Anton Günther von Oldenburg befand sich dort ein Bienenstand, der von der Bevölkerung aus Littel betrieben wurde. Der Bienenkorb ist bis heute das Symbol von Charlottendorf West.
Das Großherzogtum Oldenburg erwarb ab 1906 unkultivierte Flächen südlich von Wardenburg, um diese landwirtschaftlich zu erschließen. Dazu wurden Entwässerungsgräben angelegt und Wege gebaut. Bis 1911 hatte der Staat rund 560 Hektar Land erworben, von denen 420 Hektar an 44 Kolonisten vergeben worden waren.
Der Wardenburger Gemeinderat bestätigte in seiner Sitzung vom 20. August 1912 die Benennung und Aufteilung Charlottendorfs in Ost und West. Anders als die im Gemeindegebiet später geteilten Dörfer Harbern I und Harbern II entwickelten sich Charlottendorf Ost und Charlottendorf West nach ihrer Gründung unabhängig voneinander.
Nach einer zunächst erfolgreichen Entwicklung veränderten die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs die Lebensbedingungen der Kolonisten. Viele Männer aus Charlottendorf wurden zum Kriegsdienst eingezogen, während zugleich Düngemittel knapp wurden. Die Bewirtschaftung der noch jungen Höfe lag während der Kriegsjahre daher zu einem großen Teil in den Händen der Frauen. Der Kriegsausbruch verhinderte die geplante Errichtung einer eigenen Schule in Charlottendorf West.
Charlottendorf als Moorgut Rote Erde Während der Weimarer Republik wurde die landwirtschaftliche Erschließung Charlottendorfs weiter vorangetrieben. Im März 1924 erwarb der Schwerindustrielle Albert Vögler größere Landflächen in Charlottendorf. Bereits zuvor hatte er als Reichstagsabgeordneter der nationalliberalen DVP mit dem Wardenburger Gemeindevorsteher und Abgeordneten Diedrich Dannemann zusammengearbeitet. mini|Straße „Vehnberg“ (2026) Im Jahr 1927 wurden die Gebäude des Moorgutes Rote Erde fertiggestellt. An das ehemalige Gut erinnert heute der Rote-Erde-Weg. Das Moorgut entwickelte sich mit etwa 120 Beschäftigten zu einem wichtigen Arbeitgeber im Dorf. Eine weitere kleine Siedlung namens Vehnberg entstand ab 1938, die seither zu Charlottendorf West gehört.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde im Moorgut Rote Erde ein Lager für Kriegsgefangene eingerichtet. Auf dem Moorgut sowie den landwirtschaftlichen Höfen Charlottendorfs mussten etwa zwanzig französische Männer sowie vier polnische Familien unter schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen Zwangsarbeit leisten.
Jüngere Geschichte mini|Fahrradhütte „Vehnbergs-Eck“ in Charlottendorf West, errichtet 2016 Im Jahr 1954 wurde in Charlottendorf West eine einklassige Schule eingerichtet, die bis 1971 bestand und im Laufe ihrer Geschichte 56 Kinder beschulte.
Ein Dorfgemeinschaftshaus wurde nach einjähriger Bauzeit am 7. Juli 2006 eingeweiht. Am 31. Oktober desselben Jahres wurde ein Dorfgemeinschaftsverein, der das gesellschaftliche Dorfleben ehrenamtlich gestaltet. mini|Charlottendorfer Eichenfund (2013) 2013 wurde in Charlottendorf West in 4,50 Meter Tiefe die Reste einer 5118 Jahre alten Eiche gefunden. Der Baumstamm kann im Moor- und Bauernmuseum Benthullen besichtigt werden.
Weblinks Natur erleben in Niedersachsen – Landkreis Oldenburg 1910 | Charlottendorf West in: „Wardenburger Geschichten“ Website der Dorfgemeinschaft Charlottendorf West
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Wardenburg) Kategorie:Ort im Landkreis Oldenburg