mini|Blick auf Lindenhardt von Osten

Lindenhardt (oberfränkisch: LindahoadJ. Pfanner: Landkreis Pegnitz, S. 33. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „lindɒhoɒd“.) ist ein Gemeindeteil der Stadt Creußen im Landkreis Bayreuth (Oberfranken, Bayern). Die Gemarkung Lindenhardt hat eine Fläche von 9,078 km². Sie ist in 1163 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 7805,27 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Oberhöhlmühle und Unterhöhlmühle.

Lage Das Pfarrdorf liegt in einer Waldlichtung auf einer Hochebene der Fränkischen Schweiz. Die Staatsstraße 2184 führt nach Schwürz (2,8 km nordöstlich) bzw. an der Ober- und Unterhöhlmühle vorbei zur Anschlussstelle 43 der Bundesautobahn 9 (2,5 km westlich). Die Kreisstraße BT 22 führt nach Schnabelwaid zur Bundesstraße 2 (4,2 km südöstlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Leups zur Kreisstraße BT 23 und nach Hörlasreuth (2 km nordöstlich). Im Lindenhardter Forst liegen die Rotmainquelle sowie der Ursprung der Fichtenohe, des Oberlaufs der Pegnitz. Durch Lindenhardt verläuft der Fränkische Marienweg.

Geschichte Der Ort wurde 1125 als „villa Lindenharde“ erstmals urkundlich erwähnt. Sie war im 12. Jahrhundert im Besitz der Pfalzgrafen von Wittelsbach. Bischof Otto von Bamberg stiftete die Kirche Unsere Liebe Frau und unterstellte sie dem Kloster Ensdorf.J. Pfanner: Landkreis Pegnitz, S. 33. 1399 gelangte der Ort in den Besitz der Burggrafen von Nürnberg, der späteren Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach bzw. Brandenburg-Bayreuth. 1684 zerstörte ein großes Feuer das Dorf, dem auch die Kirche zum Opfer fiel. Nur fünf Häuser blieben erhalten.G. P. Hönn: Lexicon Topographicum des Fränkischen Craises, S. 270. Lindenhardt war Sitz eines Verwalteramtes.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 3, Sp. 377. Von 1791/92 bis 1810 waren das preußische Justiz- und Kammeramt Pegnitz die übergeordneten Institutionen. Danach kam die gesamte Region an das Königreich Bayern.

Mit dem Gemeindeedikt wurde 1812 der Steuerdistrikt Lindenhardt gebildet. Zu diesem gehörten Arnoldsreuth, Gößmannsreuth, Oberhöhlmühle, Schmellenhof und Unterhöhlmühle. Wenig später entstand die Ruralgemeinde Lindenhardt mit Ober- und Unterhöhlmühle. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Schnabelwaid (1842 Landgericht Pegnitz umbenannt) und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Pegnitz. Ab 1862 gehörte Lindenhardt zum Bezirksamt Pegnitz (1939 in Landkreis Pegnitz umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Pegnitz (1879 in Amtsgericht Pegnitz umgewandelt). Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 9,097 km². Am 1. Mai 1978 wurde die Gemeinde Lindenhardt in die Stadt Creußen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Gemeinde Lindenhardt Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 420 517 525 510 498 475 477 484 531 524 491 436 406 378 373 377 364 359 350 561 523 450 360 335HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1799 werden diese als Häuser bezeichnet, von 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 78 86 86 61 79 83 84 Quelle

Ort Lindenhardt Jahr 1799 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 369 420 481 463 512 398 350 513 355 327 393Häuser 60 84 59 77 81 82 118Quelle

Religion Lindenhardt ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und Sitz der Pfaerrei St. Michael (Lindenhardt). Die Katholiken sind nach St. Thomas von Aquin (Trockau) gepfarrt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler In Lindenhardt gibt es sechs Baudenkmäler: An der Kirche 5: Mesnerhaus An der Kirche 9: Ehemaliges zweites Pfarrhaus An der Kirche 11: Evangelische Pfarrkirche mit Kriegerdenkmal Graubühl 4: Ehemaliges Forsthaus Marktstraße 6: Pfarrhaus

Lindenhardter Altar mini|hochkant|Vorderseite des Altars Der spätgotische Flügelaltar in der Wehrkirche St. Michael birgt ein seit 1915 Mathias Grünewald zugeschriebenes Gemälde aus dem Jahr 1503. Der vorreformatorische Marienaltar zeigt auf seiner Rückseite Christus als Schmerzensmann und die 14 Nothelfer. Eine neuere Publikation des ehemaligen Ortspfarrers Italo BacigalupoItalo Bacigalupo bei DNB Forschungen führt allerdings Hinweise an, die für Hans von Kulmbach als ausführenden Künstler sprechen könnten.Fast zu schön, um echt zu sein in: Süddeutsche Zeitung vom 24. Dezember 2011 in: Sonntagsblatt 13/2012 vom 25. März 2012

Zentrale Gestalt der Vorderseite ist eine Skulptur der Mutter Gottes mit dem Jesuskind, flankiert von St. Veit und Otto dem Heiligen von Bamberg. Im linken Altarflügel sind als Reliefarbeiten St. Wolfgang und St. Bartholomäus zu erkennen, auf dem rechten Flügel Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde, die gemeinsam ein Modell des Bamberger Doms tragen. Schnitzwerk und Gehäuse entstammen höchstwahrscheinlich der Werkstatt von Michael Wolgemut. Die Gruppierung der Figuren verrät, dass der Altar für eine Kirche in der Diözese Bamberg bestimmt war.Karl Müssel: Fünfhundert Jahre Grünewald-Altar In: Heimatkurier 1/2004 des Nordbayerischen Kuriers, S. 11 f.

Der Altar befand sich ursprünglich in der St.-Bartholomäus-Kirche von Bindlach. Nachdem für diese ein neuer Barockaltar angefertigt worden war, wurde der Grünewaldaltar Anfang des Jahres 1685 der Pfarrgemeinde Lindenhardt überlassen, da deren Kirche samt Altar durch den Ortsbrand zerstört worden war. 1687 wurde er in der wiederaufgebauten Kirche von Lindenhardt aufgestellt.

Sport Der Fußballverein SV Lindenhardt spielt zurzeit in der A-Klasse Bayreuth 5.

Literatur Italo Bacigalupo: Der Lindenhardter Altar : Grünewald oder Hans von Kulmbach? ; die Entstehungs- und Gebrauchsgeschichte der Tafelbilder. Petersberg: Imhof 2011, ISBN 978-3-86568-664-0.

Karl Müssel: Das Rätsel Grünewald und Oberfranken – Zum Jubiläum des 500-jährigen Lindenhardter Altars (1503–2003). In: Archiv für Geschichte von Oberfranken, 83. Band; Bayreuth 2003; Herausgeber: Historischer Verein für Oberfranken .

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Fußnoten

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