Das Public Eye on Davos wurde jährlich von 2001 bis 2015 als Gegenveranstaltung zum World Economic Forum (WEF) in Davos abgehalten. Sie war Plattform für Kritik an derselben Veranstaltung und an der Globalisierung im Allgemeinen.

Ab 2005 wurde während der Veranstaltung mit dem Public Eye Award ein Negativpreis an Unternehmen verliehen, die zuvor durch eine besonders menschen- und umweltschädigende Geschäftspolitik in die Kritik geraten waren. Im Januar 2015 wurde die Veranstaltungsreihe mit einer Schlussveranstaltung und der Verleihung des Public Eye Lifetime Awards abgeschlossen.Chevron «gewinnt» den letzten Public Eye Award. In: Tages-Anzeiger, 23. Januar 2015

Das Projekt involvierte Nichtregierungsorganisationen (NGO) aus der ganzen Welt und wurde von der Erklärung von Bern (heute «Public Eye») ins Leben gerufen. Bis 2008 war Pro Natura Projektpartnerin, seit 2009 war Greenpeace Schweiz die zweite Trägerorganisation des «The Public Eye on Davos».

Geschichte «The Public Eye on Davos» wurde ab Herbst 1999 mit dem Ziel aufgebaut, das Weltwirtschaftsforum (WEF) mit einer Gegenveranstaltung vor Ort kritisch zu begleiten und Alternativen für eine sozial und ökologisch verträgliche Wirtschaft aufzuzeigen. Im Januar 2000 luden die Initiatoren zu einer zusammen mit der WOZ organisierten Veranstaltung «Wer regiert die Welt?» ein. In Davos stellte sich Klaus Schwab, Präsident des WEF, dem «Public Eye» in einer öffentlichen Diskussion.Auf nach Davos. Veranstaltungskalender des Alternativradios Radio Lora. Die «Erklärung von Bern» zog aus dieser Diskussion den Schluss, «dass sogar eine wesentliche NGO-Vertretung im WEF kaum helfen würde, das WEF herauszufordern und zu verändern».Geschichte – The Public Eye on Davos auf der Seite des Public Eye der «Erklärung von Bern». In der Folge organisierte «Public Eye» selber eine – im Gegensatz zum WEF – öffentlich zugängliche internationale Gegenkonferenz parallel zum WEF, die in den ersten drei Jahren zeitgleich stattfand.

Die erste als Alternativkonferenz organisierte Veranstaltung fand im Januar 2001 statt. Daran nahmen rund 20 NGO-Vertreter und kritische Wissenschaftler teil, die im Rahmen der Veranstaltung Alternativlösungen für eine nachhaltige Wirtschaft präsentierten und ihre Kritik an der in ihren Augen einseitigen wirtschaftlichen Globalisierung, die nur die Industrieländer profitieren lasse, und deren Folgen für Mensch und Umwelt darlegten. 2002 wechselte auch die Gegenkonferenz parallel zur WEF-Veranstaltung nach New York. Dort eröffnete der damalige Schweizer Bundespräsident Kaspar Villiger vor seiner Eröffnungsrede beim WEF das «Public Eye». Pro Natura, Projektpartnerin von Public Eye, war auf beiden Veranstaltungen vertreten. Traditionell machten auch der Sicherheits- und der Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Graubünden dem Public Eye ihre Aufwartung.Gesamtregierung an der WEF-Eröffnung dabei, Südostschweiz, 14. Januar 2015

Im Gegensatz zum «Oltner Bündnis», das sich generell gegen das WEF, «selbst ernannte Eliten» und die NATO richtete, war Pro Natura als Nichtregierungsorganisation in New York 2002 nicht nur an der «Public Eye»-Konferenz, sondern auch direkt am WEF vertretenWEF-Gegenveranstaltungen im In- und Ausland – Öffentliches Auge und anderes Davos. In: Neue Zürcher Zeitung vom 16. Januar 2002. Abgerufen am 18. Dezember 2016. 2003 unterstützte «Public Eye» den Demonstrationsaufruf des «Oltner Bündnisses» nicht, weil ein Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit fehlte.«Public Eye» unterstützt Demonstrationsaufruf des Oltner Bündnisses nicht, weil Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit fehlte. In: Neue Zürcher Zeitung vom 8. Januar 2003. Abgerufen am 18. Dezember 2016. 2004 wurde die Eröffnungsrede von der UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte Mary Robinson gehalten,«Widerstand allein genügt nicht». Neue Zürcher Zeitung vom 22. Januar 2004. Abgerufen am 18. Dezember 2016. welche im 2005 sowohl die Wichtigkeit der erstmals verliehenen Awards zur Erinnerung der Firmen an menschen- und arbeitsrechtliche Verpflichtungen als auch die des WEF selber ansprach. Noreena Hertz kritisierte scharf die Weltbank und den IMF.«Gegenöffentlichkeit» zum WEF – IMF und Weltbank am Pranger, Neue Zürcher Zeitung vom 27. Januar 2005 Seite 14 Die Konferenz wurde auch von den Veranstaltern des WEF anerkannt, so sprach der WEF-Direktor 2004 von einem Wandel «von dialogloser Konfrontation hin zum kritischen Dialog».«Geist von Davos» ist zurück. Neue Zürcher Zeitung vom 25. Januar 2016. Abgerufen am 18. Dezember 2016.

Nach den ersten fünf Ausgaben wurde das Erscheinungsbild der Veranstaltung geändert. Es sollten gemäss den Veranstaltern weniger «trockene Globalisierungsdebatten» geführt und die Veranstaltung sollte einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Die bisherige Form als Gegenkonferenz hatte nicht die gewünschte Medienaufmerksamkeit gegenüber dem WEF erhalten, zugleich gab es mit dem Weltsozialforum bereits eine weitere Veranstaltung, die eine ähnliche Ausrichtung wie das «Public Eye on Davos» hatte. In der Folge wurde im Jahr 2005 mit dem Public Eye Award erstmals ein Negativpreis an Unternehmen verliehen, denen die Nominatoren eine menschen- und umweltschädigende Geschäftspolitik vorwarfen. Diese «Auszeichnungen» wurden in verschiedenen Kategorien durch eine Jury vergeben, wobei in den ersten zwei Jahren der Preis in verschiedenen Sachkategorien vergeben wurde. Ab 2007 wurde jeweils ein Negativpreis für Schweizer und globale Unternehmen vergeben, ab 2008 kam noch ein Publikumspreis hinzu. Von 2006Neue Zürcher Zeitung vom 13. Januar 2006 Seite 14 bis 2009 wurde auch ein Positivpreis an der Veranstaltung vergeben. Ab der Veranstaltung 2006 war die früher mehrtägige Veranstaltungsreihe verkürzt worden auf den Tag der Verleihung der Preise.Neue Zürcher Zeitung vom 24. Januar 2006 Seite 11 Ein Kriterium zur Preisvergabe war auch, dass eine zivilgesellschaftliche Organisation ein Aufklärungsprojekt dazu betrieb, welches auch nach der Preisverleihung weiterlaufen würde.

Thomas Niederberger bilanzierte 2013 im Greenpeace Magazin, dass, obschon sich die Reaktionen der nominierten Konzerne mit Ignorieren, Abstreiten und Beschönigen geglichen hätten, sich eine Dynamik ergeben hätte durch die weiter laufenden Kampagnen, einer Voraussetzung für eine Nominierung. Niederberger attestierte den Konzernen, sie hätten dazugelernt. „Um ein Bekenntnis zum Umweltschutz und sozialem Engagement“ käme niemand mehr herum. Die internationale Berichterstattung hätte dem Preis auch darum bei seinem Anliegen des Benennens und Bekanntmachens geholfen, weil die ganze anwesende Weltpresse gerne kontroverse Inhalte gesucht hätte. Zur Qualitätssicherung sassen ab diesem Jahr auch vier renommierte Ethiker in der Jury. Zudem erstelle das Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen ein Gutachten zu jeder Nominierung. Gemäss dem Vertreter der EvB in der Jury, Andreas Missbach, sei sein grösstes Problem jedoch, dass es immer zu viele Kandidaten gebe, welche den Preis verdient hätten.Greenpeace Magazin Nr. 3 -2013, Seiten 14/15

Im November 2014 gaben die «Erklärung von Bern» und Greenpeace Schweiz bekannt, dass das «Public Eye» im Januar 2015 zum letzten Mal stattfinde. Als Hauptgrund für die Einstellung der Veranstaltungsreihe wurde die sich damals in der Vorprüfung befindende Konzernverantwortungsinitiative sowie das WEF selbst genannt, das nach Überzeugung von Public Eye on Davos als «Privatveranstaltung» an Bedeutung verloren habe; politische Forderungen hätten sich an demokratisch legitimierte Entscheidungsträger zu richten.Altgediente WEF-Kritiker zieht es nicht länger nach Davos, Südostschweiz, 20. November 2014Schluss mit Konzern-Bashing. Tages-Anzeiger vom 19. November 2014. Abgerufen am 18. Dezember 2016. So verbreiteten The Yes Men die Botschaft, dass öffentlich-private Partnerschaften nicht die Lösung, sondern Teil des Problems seien.Preis für grösste Verantwortungslosigkeit, Südostschweiz, 23. Januar 2015 Insgesamt erhielten 23 Unternehmen einen Award des «Public Eye», wobei Chevron während der Abschlussveranstaltung den sogenannten Lifetime Award erhielt.

2016 hat sich die bisherige Mitveranstalterin des «Public Eye on Davos», die «Erklärung von Bern», in «Public Eye» umbenannt.

«Public Eye Awards» mini|Das Public-Eye-Award-Logo Der Public Eye Awards wurde an Konzerne vergeben, die sich nach Meinung der Initianten besonders verantwortungslos gegenüber Mensch und Umwelt verhalten hatten. Der Fokus der Public Eye Awards lag somit auf dem Thema unternehmerische Gesellschaftsverantwortung. Public Eye startete keine eigenen Kampagnen, sondern bot ohnehin bestehenden Kampagnen eine Plattform.WEF-Kritiker verzichten auf Schmähpreis und lancieren Initiative, Südostschweiz, 23. Januar 2015 Die nachfolgend aufgeführten Begründungen sind jene, die aus der jeweiligen Laudatio zur Verleihung hervorgehen.

2005 Menschenrechte: Dow Chemical übernahm 2001 das Chemieunternehmen Union Carbide Corporation, wobei beide die Verantwortung über die Folgen der Katastrophe von Bhopal nicht übernommen hätten. An den Folgen dieser Katastrophe starben bis 2005 je nach Schätzung bis zu 25'000 Menschen und rund 150'000 Personen litten unter chronischen Folgeerkrankungen dieses Chemieunfalls. Dow Chemical wurde bei der Preisverleihung beschuldigt, bis zum Zeitpunkt der Verleihung keine Informationen über das ausgeströmte Gas preisgegeben zu haben und sich der Verantwortung für die Folgen der Katastrophe zu entziehen. Union Carbide hatte einen Vergleich mit der indischen Regierung ausgehandelt und konnte dadurch von der indischen Justiz nicht mehr belangt werden. Ein Tag nach der Preisvergabe gab es in Davos noch einen „Menschenteppich“ gegen Dow Chemical.

Umwelt: Royal Dutch Shell fördert in Nigeria seit 1956 Erdöl und verbrennt dabei gemäss der nominierenden nigerianischen Organisation Environmental Rights Action (Teil des Netzwerks Friends of the Earth) trotz gegenteiligen Versprechungen immer noch offen Erdgas, was einen enormen Lärm und Russpartikelausstoss verursache. Durch zahlreiche Lecks, zum Zeitpunkt der Verleihung seien über die Dauer des Bestehens 4'000 derselben gezählt worden, verschmutze Shell zudem die Umwelt und namentlich das Nigerdelta.

Arbeitsrechte: Walmart besitzt Zulieferunternehmen in Lesotho, Kenia und Thailand. Der amerikanische Einzelhandelskonzern sei mehrfach auf Missstände bezüglich Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten und -löhne in seiner Zulieferkette aufmerksam gemacht worden, habe meist gar nicht erst darauf geantwortet und die Anforderungen an seine Lieferbetriebe nicht angepasst. In der Nominationsrede wurde als Beispiel Lesotho genannt, wo der Normalarbeitstag bei 10 Stunden liegt, die Arbeiter jedoch bis zu 14 Stunden täglich arbeiten müssten und dies für einen durchschnittlichen Monatslohn von 54 US-Dollar. Für 900 Arbeiterinnen gebe es dort nur drei Toiletten.

Steuern: KPMG habe sich gemäss den Veranstaltern als nun «reuige Beihelferin zur Steuerhinterziehung» profiliert. Das niederländische Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen habe gemäss Public Eye über 500 Modelle zur Steuervermeidung angeboten und damit ein lukratives Geschäft betrieben und verschiedene Staaten um Hunderte Milliarden US-Dollar geprellt. Nominiert wurde KPMG durch das Tax Justice Network, zu dessen Mitgründern die «Erklärung von Bern» zählt. KPMG reagierte auf die Kritik mit der Auslagerung der Steuerberatung für wohlhabende Privatleute in eine Tochtergesellschaft, um damit eine Beschädigung des Konzernansehens zu verhindern.

Publikumspreis: Nestlé erhielt den Schmähpreis bereits im Vorfeld durch ein Onlineabstimmung wegen «aggressiver Vermarktung von Babynahrung», die das gesündere Stillen konkurrenziere, und wegen seines Verhaltens bei einem Arbeitskonflikt in Kolumbien.Public Eye Award an Nestlé verliehen. Artikel auf news.ch vom 26. Januar 2005. Abgerufen am 19. Dezember 2016.