miniatur|300px|Länder, die Botschaften aus Japan haben mini|300x300px|Länder, die Botschaften in Japan haben Die Außenpolitik Japans hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg grundlegend geändert.

Geschichte Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die japanische Außenpolitik bis heute durch die Yoshida-Doktrin geprägt. Diese auf Premierminister Yoshida Shigeru zurückgehende Doktrin sah vor, dass sich Japan militärisch an die Vereinigten Staaten von Amerika anlehnte und seine Verteidigungsausgaben auf einem niedrigen Niveau hielt. Generell kam es nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg zu einer Orientierung an die politischen Leitlinien der Epoche, die unmittelbar auf die Meiji-Restauration folgte. Demnach sah Japan sein außenpolitisches Umfeld als gegeben an und entwickelte keinen Ehrgeiz, dieses zu ändern, sondern wehrte sich gegen imperialistische Einflussnahme von fremden Mächten. Ziel dieser bis heute geltenden Strategie war es, das Überleben der Nation in einer Welt zu sichern, die von mächtigeren Reichen bestimmt wird.Gerald L. Curtis: Japan’s Cautious HawksWhy Tokyo Is Unlikely to Pursue an Aggressive Foreign Policy. In: Foreign Affairs, März/April 2013.

Internationale Bündnisse und Verträge 1956 trat Japan den Vereinten Nationen bei, 1975 wurde Japan Gründungsmitglied der heutigen G7 Webseite der Bundesregierung, abgerufen am 23. Juni 2017.

Nach der Erfahrung mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki engagiert sich das Land sehr stark gegen eine militärische Nutzung der Atomenergie, eine Position, die in den 1970er Jahren in den drei nicht-nuklearen Prinzipien festgehalten wurde.

Gemäß der Verfassung hielt sich Japan lange Zeit aus sämtlichen internationalen bewaffneten Konflikten heraus und forcierte stattdessen eine auf Freihandel ausgerichtete multilaterale Handelspolitik und betrieb ähnlich wie Deutschland Scheckbuchdiplomatie. Japan hat nach den USA das zweitgrößte Budget für Entwicklungszusammenarbeit in der Welt. Im Januar 2004 beschloss das Kabinett (auf Grundlage eines 2003 vom Parlament beschlossenen Irak-Wiederaufbaugesetzes) jedoch zum ersten Mal seit 1945 die Entsendung japanischer Soldaten in ein fremdes Land außerhalb einer UNO-Mission, nämlich in den Irak. Während Ministerpräsident Jun’ichirō Koizumi darin einen Beweis für die engen freundschaftlichen Beziehungen zu den USA sieht, betrachten viele Japaner dies als Verfassungsbruch.

Völkerrechtliche Verträge Rein statistisch hatte Japan bis zum Jahr 2000 über 1600 multi- oder bilaterale Verträge geschlossen, was im Vergleich mit anderen Industriestaaten sehr wenig ist. Bei der Anerkennung von völkerrechtlichen Verträgen spielen auf Seite Japans oft politische Erwägungen und Interdependenzen zwischen den Unterzeichnerstaaten eine Rolle.

Japan und die UNO Da Japan keine große Militärmacht ist, ist die Arbeit in internationalen Organisationen wie der UNO ein wichtiges Mittel der Außenpolitik Japans. Japan war jedoch seit dem Beitritt zu den Vereinten Nationen nicht immer ein aktives und angesehenes Mitglied, sondern sah sich lange Zeit nur als stiller Zuschauer und entwickelte seine heutige Position erst mit der Zeit.

Besonders wegen des starken Fokus auf monetäre Unterstützung der UNO und wegen der geringen operativen Unterstützung haftete Japan lange der Vorwurf des „wirtschaftlichen Riesen und politischen Zwergs“ an. Erst nach zögerlicher Mitarbeit in der UNO nach 1980 schaffte es das Land aus diesem Image auszubrechen.

Heute ist Japan in finanzieller und auch in politischer Hinsicht eines der wichtigsten Mitglieder der UNO. Eine Besonderheit ist, dass Japan bereits elf Mal zum nicht-ständigen Mitglied des UNO-Sicherheitsrates gewählt wurde; und wurde somit öfter als jeder andere Mitgliedsstaat gewählt.

Historischer Überblick Japan gehörte bereits seit 1920 dem Völkerbund an und war eines der Gründungsmitglieder. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Japan zu den Siegermächten und fühlte sich damit international und vor allem in Asien anerkannt. Neben Frankreich, Großbritannien und Italien gehörte Japan auch als ständiges Mitglied dem Völkerbundrat an. Ebenso entsandte es Richter an den Internationalen Gerichtshof und wurde Ratsmitglied der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Nach japanischen Aggressionen gegen China wurde der dort errichtete Marionettenstaat Manchukuo jedoch vom Völkerbund nicht anerkannt und nach einer Untersuchung der Lytton-Mission in einer Resolution am 24. Februar 1933 als völkerrechtswidrige Aktion verurteilt (42 Ja-Stimmen zu einer Gegenstimme von Japan, dazu eine Enthaltung von Thailand). Daraufhin zog Japan seine Delegation zurück und trat am 27. März 1933 aus dem Völkerbund aus. Webseite UNOG, PDF S.3, abgerufen am 23. Juni 2017

Nach dem Zweiten Weltkrieg galt Japan (analog zu Deutschland) als Feindstaat und konnte darum nicht der UNO beitreten.

Der Weg zur UN-Mitgliedschaft Japan unterzeichnete im April 1952 den Friedensvertrag von San Francisco und erklärte bereits bei dieser Gelegenheit seinen Willen zur Mitgliedschaft in der UN. Im Juni desselben Jahres wurde der Mitgliedsantrag schließlich seitens Japans eingereicht, jedoch legte die Sowjetunion ihr Veto gegen die Mitgliedschaft ein, da sie befürchtete, Japan würde zu sehr unter dem Einfluss der USA stehen. 1955 wiederholte Japan den Antrag, der jedoch wieder von der Sowjetunion abgelehnt wurde, obwohl alle anderen Mitglieder des Sicherheitsrates zustimmten. Als Begründung gab die Sowjetunion an, dass Japan im Zweiten Weltkrieg Hitler aktiv unterstützt habe und außerdem in kriegerischen Handlung mit China und den Staaten Südostasiens verstrickt gewesen sei. Daher wären Zweifel am Pazifismus des Landes angebracht. Hintergrund des sowjetischen Vetos war jedoch vermutlich auch der Kalte Krieg, weswegen viele Mitgliedsanträge zur damaligen Zeit scheiterten.

Nach einer Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen jedoch wurde Japan schon 1952 zum friedliebenden Staat erklärt, der fähig und willens ist, die Verpflichtungen der UN-Charta auszuführen und somit als Mitglied geeignet ist. Schließlich stimmte die Sowjetunion am 19. Oktober 1956 einer Mitgliedschaft Japans zu, sodass das Land am 18. Dezember 1956 zum 80. Mitglied der UNO wurde.

Hauptgrund des Beitritts war aus Sicht Japans der Wunsch nach Sicherheit im internationalen Umfeld. Hierbei hoffte Japan besonders auf eine Fokussierung der UNO auf die Abrüstung von Massenvernichtungswaffen, da es selbst zuvor Opfer zweier Atombomben geworden war.

Das Land sah sich innerhalb der UNO auch als Brücke zwischen dem Osten und Westen. Allgemein war die Sicht auf die UNO aus japanischer Perspektive jedoch sehr idealisiert, da Japan hohe Erwartungen an die UNO hatte. Nach dem Beitritt konzentrierte sich die japanische Außenpolitik auf drei Säulen:

Zentralität der UNO Kooperation mit dem wirtschaftlich starkem Westen Betonung japanischer Identität als asiatische Nation

Bereits vor dem Beitritt war Japan Mitglied in internationalen Organisationen:

Internationale Fernmeldeunion seit 1879 Weltpostverein seit 1948 Internationale Arbeitsorganisation seit 1951 Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO seit 1951 UNESCO seit 1951 Weltgesundheitsorganisation seit 1951 Internationaler Währungsfonds seit 1952 Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung seit 1952 Wirtschafts- und Sozialkommission für Asien und den Pazifik, bzw. dem Vorgänger ECAFE, seit 1952 International Civil Aviation Organization seit 1953 World Meteorological Organization seit 1953 Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen GATT seit 1953 Internationale Finanz-Corporation seit 1955 (Gründungsmitglied)

Die passive Phase Japans Nach seinem Eintritt in die Vereinten Nationen spielte Japan zunächst eine eher passive Rolle, die durch Zurückhaltung und eine enge Anlehnung an die USA gekennzeichnet war. Zudem war das Land sehr mit der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung beschäftigt, sodass politische Themen nur zögerlich angegangen wurden.

Die hohen Erwartungen Japans an die Handlungsfähigkeit der UNO in Sicherheitsfragen wurden jedoch enttäuscht, sodass sich Japan sicherheitspolitisch immer mehr an die USA lehnte. Hierbei wurde es zum verlässlichen Partner des westlichen Blocks innerhalb der UN. Bei Votierungen jedoch enthielt sich Japan oft, um mögliche Handelspartner nicht zu verprellen.

Stark vertreten war Japan jedoch wenn es um die Lobbyarbeit zu Resolutionen der Generalversammlung zu Gunsten Südkoreas gegenüber dem kommunistischen Nordkorea ging. Häufig agierte Japan an der Seite der USA gegen den Kommunismus. Es scheiterte hiermit jedoch bei dem Versuch zusammen mit Australien und den USA die Mitgliedschaft Taiwans zu erhalten, obwohl der Sitz an die Volksrepublik China gegangen war. Die enge Anlehnung an die USA wird auch durch die hohe Konformität im Stimmverhalten in der Generalversammlung deutlich: Bis zum Anfang der 1970er Jahre stimmt das Stimmverhalten Japans zu 80 % mit dem der USA überein.

Die oben genannten drei Säulen galten weiterhin für die japanische Außenpolitik, jedoch verlor die Zentralität der UNO zu Gunsten der Kooperation mit dem Westen während der 1950er und frühen 1960er Jahre immer mehr an Gewicht. Unter Umständen war die Zentralität der UNO auch nur eine Deckung für das eigentlich fehlende Profil der japanischen Außenpolitik. Je formulierter und spezieller die Außenpolitik also wurde, desto überflüssiger wurde die Betonung der UN-Zentralität. Dies ist jedoch umstritten.

Auch in dieser Phase wurde Japan Mitglied in weiteren Sonderorganisationen der UN:

Internationale Atomenergieorganisation seit 1957 Internationale Organisation für Migration seit 1958 Internationale Entwicklungsorganisation seit 1960 OECD seit 1964 Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung seit 1967

In den Amtsperioden 1958–1959 und 1966–1967 wurde Japan zum nicht-ständigen Mitglied des Sicherheitsrats gewählt.

Von 1960 bis 1965 und 1968 bis 1970 wurde Japan auch zum Mitglied des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen.

Außerdem stellte Japan zwischen 1961 und 1970 mit Tanaka Kōtarō einen Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Der finanzielle Beitrag des Landes wuchs seit Beginn der Mitgliedschaft von 2 % auf 4 %.Gaimushō (Jap. Außenministerium, 1957–2002), Gaikō seisho (Das diplomatische Blaubuch), Bände 1–46, Tokyo: Eigenveröffentlichung

Die besonderen 1970er Jahre Die frühen 1970er Jahre waren durch die Eintrittswelle der kurz zuvor in die Unabhängigkeit entlassenen Staaten Afrikas und Asiens gekennzeichnet. Die Stellung der USA innerhalb der UNO wurde hierdurch teils geschwächt, weshalb auch Japans Orientierung am Westen neu koordiniert werden musste. Japan behielt zwar eine westliche Orientierung bei, näherte sich jedoch auch der Position der Entwicklungsländer an (wie beispielsweise bzgl. Problemen des Nahen Ostens).

Durch den Ölschock 1973 wurde Japan deutlich die Rohstoffabhängigkeit des Landes vor Augen geführt. In der Folge begann Japan aktiv bilaterale Beziehungen zu rohstoffproduzierenden Staaten aufzunehmen und unterstützte die liefernden Entwicklungsländer. Auch Ölproduzenten im Nahen Osten wurden finanziell unterstützt.

Hinzu kam Japans Einsatz für eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts, wie beispielsweise durch die Unterstützung der UNO-Resolution zur Einladung der Palästinensischen Autonomiebehörde in die Generalversammlung der UNO oder der Resolution zur Anerkennung des Rechts der Palästinenser auf Selbstbestimmung. Ebenso sprach sich Japan gegen das Apartheidsregime Südafrikas aus.

Allgemein versuchte Japan während der 1970er mit allen ihm wichtigen Staaten Beziehungen über die UNO aufzubauen und ignorierte dabei auch nicht die Forderungen der Entwicklungsländer nach sozialer Gerechtigkeit.