Lechenich ist der zweitgrößte Stadtteil von Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis, 20 Kilometer westlich von Köln gelegen. Zu Lechenich gehören Konradsheim und Heddinghoven.

Lage Lechenich liegt am Kreuzungspunkt der Bundesstraße B 265 mit den Landesstraßen Landesstraßen L 162 und L 263. Die nächste Autobahn-Anschlussstelle ist „Erftstadt“ an der A 1/A 61.

Geschichte Frühgeschichte Am heutigen Nordrand von Lechenich befand sich eine der mittleren Jungsteinzeit zugeordnete Siedlung, deren Gräberfeld bei der Anlage eines Sportplatzes im Juli 2010 angeschnitten wurde. Bei den freigelegten Körpergräbern handelte es sich um zwei Frauengräber, wie aus den Grabbeigaben (Mahlsteine) zu erschließen war. 2016 wurde ein weiteres Grab freigelegt. Der Befund der dort freigelegten Grabbeigaben erbrachte ihre Einordnung in die Zeit um 4950 bis 4800 vor Christus. Die Art der aufwendig verzierten Keramiken der Grabbeigaben ließ diese Artefakte der Großgartacher Kultur zuordnen.

Auf dem Gelände wurden auch Reste eines Gehöftes aus der älteren Eisenzeit (800–500 v. Chr.) freigelegt. Es handelte sich um ein Sechs- oder Neunpfostenhaus sowie zwei Gruben, aus deren Abfällen Keramikscherben und Holzkohlestücke geborgen wurden.In: Kölner Stadt-Anzeiger. 19. August 2010. Am heutigen südlichen Ortsrand von Lechenich bestand um 700 bis 500 v. Chr. eine früheisenzeitliche Siedlung (Hallstatt-Kultur) mit etwa 18 Gebäuden, die zu vier Hofstellen gehörten. Sie wurden 2006 beim Erschließen des Gewerbegebietes „Am Römerhof Süd“ entdeckt und untersucht.Cordula Brand u. a.: Die früheisenzeitliche Siedlung in Erftstadt Lechenich. In: Archäologie im Rheinland. 2005.Petra Tutlies, Claus Weber: Archäologie in Erftstadt . Berichte zu Ausgrabungen, Beobachtungen und Funden aus den Jahren 2005 bis 2016. In: Jahrbuch der Stadt Erftstadt 2018. Erftstadt 2017, S. 88–94.

Weitere archäologische Funde aus dem Raum Lechenich belegen eine frühe, bis in die Römerzeit reichende Besiedlung. Eine Anzahl dieser Fundstücke befinden sich heute im Rheinischen Landesmuseum Bonn.Bernhard Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des erftstädtischen Raumes. Erftstadt 1999, S. 24–27. (Angabe der Fundstellen)

Römerzeit mini|hochkant|Matronenstein der Matronen „Lachnechiae“ in Lechenich Westlich der heutigen Altstadt bestand in römischer Zeit an der Straße nach Aachen, die an der Erft von der Straße Römerstraße Trier–Köln, heute Agrippa-Straße Köln–Trier abzweigte, eine kleine Siedlung (Vicus). Teile der Anlage wurden 1972 bei Ausschachtungsarbeiten entdeckt. Auf einer „Trümmerstelle“ in der Flur „Am Böttchen“ wurden auf einem Areal von 180 × 200 Meter sechs Baugruben freigelegt, von denen drei eine Häuserzeile bildeten. Drei weitere Häuser begrenzten das Rechteck. In den römischen Fundamenten, einer Brandschicht und Abfallgruben kam Keramik zu Tage, die ins 2. bis 4. Jahrhundert datiert wurde. Des Weiteren haben die beiden Ubier „Ialehenius“ und „Challinius“ den Matronae Lanehiae auf deren Befehl (ex imperio ipsarum) einen Weihestein errichtet, deren Name sich im heutigen Ortsnamen Lechenich fortsetzt. Der um das 2. Jahrhundert datierte Votivstein mit einer Offenbarungs-Inschrift befindet sich heute ebenfalls im Rheinischen Landesmuseum in Bonn.Bernhard Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des erftstädtischen Raumes. Erftstadt 1999, S. 64 und Jahresbericht 1972. In: Bonner Jahrbuch 1974. Köln 1974, S. 622–624. Ein kleinerer Stein dieser Epoche blieb der Stadt jedoch vor Ort erhalten, er befindet sich sichtbar im äußeren Mauerwerk der Kapelle Heddinghoven. Am Rande der Siedlung lag ein Tempelbezirk von etwa 50 m × 90 m Ausdehnung. Gefundene Reste von Sandsteinkapitellen und Säulen, Fragmente von mehreren Altären, zahlreiche Keramikreste und ein vollständig erhaltener Sandsteinapfel verweisen auf ein Matronenheiligtum.Bernhard Peter Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des erftstädtischen Raumes. Erftstadt 1999, ISBN 3-9805019-4-9, S. 60–64.

Mittelalter Südwestlich der heutigen Altstadt lag in fränkischer Zeit eine Siedlung. Grabfunde ermöglichten, sie an das Ende des 5. Jahrhunderts einzuordnen.Bernhard Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des erftstädtischen Raumes. Erftstadt 1999, S. 86. Eine Urkunde berichtet, dass um 650 der zur Siedlung gehörende Fronhof im Besitz des Kölner Bischofs Kunibert war, der von diesem Hof den Almosenbrüdern des Hospitals St. Lupus in der Kölner Vorstadt Niederich Einkünfte zuwies.HAStK Bestand Domstift U Nr. 1/2/1

Die alte Burg Die Kölner Erzbischöfe ließen in den folgenden Jahrhunderten den Fronhof in Lechenich zu einer Motte ausbauen, die nach ihrer Zerstörung durch eine mächtige von Wassergräben, deren Konturen sich noch heute im Gelände abzeichnen, umgebene Burg ersetzt wurde. Im Jahre 1138, der ersten datierten Erwähnung Lechenichs, wurde die erzbischöfliche Burg als „curia“ bezeichnet.HSTAD Bestand Altenberg U Nr. 1mini|hochkant|Ausschnitt einer Aufzeichnung der Abtei Deutz mit der Erwähnung der Pfarre Lechenich Zu dieser Burg gehörte eine Siedlung mit einer Kirche, die schon Mitte des 12. Jahrhunderts als Pfarrkirche mit Filialen eine bedeutende Funktion besaß. In einer um 1155 entstandenen Handschrift der Abtei Deutz, dem codex thioderici, in der Pfarreien aufgezeichnet sind, die zum Kloster Deutz wallfahrten, wird die Lechenicher Pfarre mit ihren Filialen und den dazugehörenden Orten genannt.HAStK Abtei Deutz Rep.u.HS 2. Abschrift von Woldemar Harless (1865) des heute verlorenen Buches des Küsters Theoderich von Deutz 1181 wird Lechenich erzbischöfliches Territorium mit Gericht und Bann genannt.HAStK Bestand Domstift Urkunde Nr. 2/20, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band I Nr. 26 Die Burg wurde nach der Ablösung der Vögte durch Erzbischof Philipp von Heinsberg im Jahr 1185 der Verwaltungs- und Gerichtssitz des Amtes Lechenich.HAStK Bestand Domstift U Nr. 3/46 Ein erzbischöflicher Beamter (Schultheiß/Amtmann) übernahm die Verwaltung und zusammen mit den Schöffen die Rechtsprechung.R. Hoeninger: Kölner Schreinsurkunden des 12. Jahrhunderts. Bonn 1884. Band I, S. 343, S. 349 und S. 354.

In den in die Reichspolitik eingebundenen Territorialkämpfen des 13. Jahrhunderts zwischen den Erzbischöfen von Köln und den Grafen von Jülich und den Herzögen von Brabant kam der Burg in Lechenich eine große Bedeutung zu. Die Burg, das „castrum“ Lechenich, wurde mehrmals belagert, konnte jedoch nicht eingenommen werden.R. Knipping: Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter. Band III.1, Bonn 1909. Nr. 948, Nr. 982 und Nr. 984.

Stadtplanung und Stadtrechte mini|Stadtrechtsurkunde vom 15. September 1279

Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden schuf die Grundlagen für eine mit Mauern und Wassergräben befestigte Stadt Lechenich, als er 1256 bei einem Tausch mit dem Stift St. Aposteln in Köln von diesem etwa 30 Häuser am Lechenicher Markt erhielt.HAStK Bestand St. Aposteln U Nr 3/51 Die Siedlung am Markt lag an der die Stadt durchziehenden Bonn-Aachener HeerstraßeWilhelm Brüning: Die Aachener Krönungsfahrt Friedrichs III. im Jahre 1442. In: Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. Nr. 6/8, Aachen 1898, S. 81–104. und erhielt natürlichen Schutz durch die sie einfassenden Bäche, Rotbach und Mühlenbach, an dem auch die zur Grundherrschaft des Erzbischofs gehörende Mühle lag. Die Siedlung am Markt wurde das Zentrum einer zusätzlich durch hohe Mauern befestigte und durch angelegte, von den Bächen gespeiste Wassergräben, geschützte Stadt. Nach Baubeginn der planmäßig auf rechteckigem Grundriss angelegten Stadt wurde die alte 1155 genannte PfarrkircheHAStK Bestand Abtei Deutz RH 2 in der Nähe der alten Burg aufgegeben. Die neue Pfarrkirche in der Nähe des Marktes entstand an der Stelle der heutigen Kirche St. Kilian und war dem Stift von St. Aposteln inkorporiert. Die Umsiedlung der in den Häusern an der Burg lebenden Bewohner in den Bereich der heutigen Altstadt sowie der Neubau der Pfarrkirche waren 1271 abgeschlossen.HAStK Bestand Geistliche Abt. 16 Bl.15 Nr. 41

Erzbischof Siegfried von Westerburg verlieh Lechenich am 15. September 1279 Stadtrechte.HAStK Bestand Domstift U Nr. 2/392 Die wichtigsten dieser verliehenen Rechte waren das Recht, sieben Schöffen zu wählen, einen Jahrmarkt an St. Remigius (1. Oktober) sowie einen Wochenmarkt an jedem Dienstag veranstalten zu dürfen. Weiter auch die Rechte als Steuerbehörde Einkünfte aus der „Akzise“ genannten Warensteuer zu erzielen, die für den Bau und Unterhalt der Stadtmauern verwendet werden sollten, und das Recht ein Bürgeraufnahmegeld zu erheben, das jeder Neubürger zu zahlen hatte, der sich in Lechenich niederlassen und das Bürgerrecht erwerben wollte. Die Bürger, zu denen auch die Einwohner der Burgbanndörfer Ahrem, Blessem, Konradsheim, Herrig und Meller gehörten, waren verpflichtet, der Stadt bewaffnete Hilfe zu leisten, sobald die Bannglocke läutete. Die verliehenen städtischen Privilegien berechtigten zur Führung eines Stadtsiegels, das 1282 erstmals belegt ist.Hastk Bestand Domstift Urkunde Nr. 1/425, veröffentlicht in Stommel Quellen Band I Nr. 149

Während einer Auseinandersetzung König Albrechts I. mit dem Kölner Erzbischof Wigbold von Holte um die Rheinzölle wurden 1301 die alte Burg und die noch im Bau befindliche Stadtbefestigung auf Befehl des Königs von Graf Gerhard VII. von Jülich und seinen Verbündeten zerstört.Wilhelm Janssen: Das Erzbistum Köln im späten Mittelalter. (= Geschichte des Erzbistums Köln. Band 2.1). Köln 1995, ISBN 3-7616-1149-8, S. 203–207.

Die neue Burg mini|hochkant|Landesburg Lechenich

Im Jahre 1306 begann der Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg mit dem Wiederaufbau der Stadtbefestigung und Neubau einer Burg (Wohnturm) in der Nordostecke der heutigen Altstadt.HAStK Bestand Domstift U Nr. 1/752 Das ergänzende Hochschloss entstand unter den Erzbischöfen Walram von Jülich und Wilhelm von Gennep. Die mächtige Burganlage bildete mit den sie umschließenden Wassergräben eine separate Festung innerhalb der befestigten Stadt.

Die Landesburg Lechenich diente im 14. und in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts oftmals als Residenz der Kölner Erzbischöfe. Sie diente darüber hinaus Verwaltungs- und Gerichtszentrale des Amtes Lechenich.

Vom Beginn der Neuzeit zum Ende Kurkölns Stadtverwaltung und Hexenprozesse mini|hochkant|Stadtwappen am historischen Rathaus Lechenich in der Form des 17. Jahrhunderts

In den Statuten der Stadtrechtsurkunde von 1279 war das Amt eines Bürgermeisters nicht festgelegt worden. Ein solcher, nebst einem Stadtrat, amtierten im 15. Jahrhundert,HSTAD Kurköln U Nr. 2254. jedoch wurde ein Rathaus (Bürgerhaus) erst 1590 genannt.HAStK Bestand Auswärtiges 170b Der Bürgermeister, 1450 erstmals erwähnt, vertrat die Stadt auf dem Landtag.HSTAD Kurköln II 5657 Gemeinsam regelte er mit Schöffen und Rat die städtischen Angelegenheiten. Maßgebend für die Stadt blieben jedoch die Direktiven des Landesherrn, als dessen Stellvertreter der Amtmann fungierte. Dieser gab Anweisungen, wählte die Schöffen aus und vereidigte sie, auch kontrollierte er die Stadtrechnungen, wie es in der Stadtrechtsurkunde bestimmt war.Archiv Schloss Gracht Akte 51, Akte 52 und Akte 53 (Bürgermeisterrechnungen)

Zu den vom Stadtrat getroffenen Maßnahmen gehörte der Bau eines Siechenhauses für Leprakranke in der Nähe der alten Römerstraße Köln-Trier. Anfang des 18. Jahrhunderts verkaufte die Stadt das nicht mehr genutzte, heruntergekommene Gebäude mit dem dazugehörigen Garten.K. und H. Stommel: Quellen zur Geschichte der Stadt Erftstadt. Band V Nr. 2823.