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Renate Fueß (* 16. August 1946 in Egelsbach/Hessen als Renate Liebmann) ist eine deutsche Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin. Sie schreibt Gedichte, Prosa und Essays.
Leben und Werdegang Renate Fueß wurde als Tochter des Ingenieurs Alois LiebmannPeter Handke, Alfred Kolleritsch: Schönheit ist die erste Bürgerpflicht. Briefwechsel Peter Handke/Alfred Kolleritsch. Jung und Jung, Salzburg/Wien 2008, Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, ISBN 978-3-902497-38-3, S. 281. und der Kauffrau Elisabeth Schneider in Egelsbach/Hessen geboren. Die Eltern leiteten eine alteingesessene Baufirma in Frankfurt am Main.Anzeige „Kanal-Schneider“, Frankfurter Adressbuch 1934, S. 324 (Adressbücher UB Frankfurt, Digitalisat, abgerufen am 27. September 2025). Sie selbst heiratete nach dem Abitur 1966 den Chemiker Hartmut FueßWho’s Who in Germany, Bd. 1, R. Oldenbourg Verlag 1988, S. 508 (Auszugsansicht google.books)., den sie 1968 auf seinem beruflichen Werdegang nach Grenoble (Frankreich) und Oxford (England) begleitete,Hans-Rüdiger Schwab: Renate Fueß. In: Dietz-Rüdiger Moser (Hrsg.): Neues Handbuch der deutschen Gegenwartsliteratur seit 1945, Nymphenburger, München 1990, S. 213 (Digitalisat). wo die gemeinsamen Söhne, der Ostasienwissenschaftler Harald Fuess und der Islamwissenschaftler Albrecht Fuess, ihre Kindheit verbrachten.
Im Herbst 1975 kehrte Fueß mit ihrer Familie nach Frankfurt zurück, studierte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Germanistik und Romanistik und promovierte 1982 bei Norbert Altenhofer mit einer Arbeit über das frühe Werk Thomas Bernhards. Gleichzeitig erschienen erste literarische Veröffentlichungen. Schon in ihrer Dissertation hatte sich Fueß intensiv mit zeitgenössischer österreichischer Literatur befasst, auch mit den Autoren um das Forum Stadtpark Graz und der Zeitschrift manuskripte. Hier wurden frühe Gedichte der Autorin publiziert,Gedichte. In: Alfred Kolleritsch und Günter Waldorf (Hrsg.): manuskripte. Zeitschrift für Literatur 62/78, Forum Stadtpark Graz, Graz 1978, zdb-katalog.de, S. 65–66. weitere Lyrik und Prosa sollten in den kommenden Jahren folgen. Veröffentlichungen in den AkzentenDrei Gedichte. In: Hans Bender, Michael Krüger (Hrsg.): Akzente. Zeitschrift für Literatur, Heft 5, Hanser, München 1979, , S. 538–539., der Neuen RundschauFünf Gedichte. In: S. Fischer Verlag GmbH (Hrsg.): Neue Rundschau, 92. Jg., Heft 4, S. Fischer, Frankfurt 1981, , S. 145–149. und der Frankfurter Allgemeinen ZeitungTriff mich. Gedicht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. Dezember 1981, FAZ in der ZDB, ISSN 0174-4909, S. 23. schlossen sich an. 1981 erhielt Fueß den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis für Lyrik des Literarischen März der Stadt Darmstadt und den Kurzgeschichtenpreis der Stadt Arnsberg.
1984 erschien der Lyrikband Am Eingang von Kotor. Kotor, die montenegrinische Hafenstadt, die im Jahr 1979 durch ein schweres Erdbeben zu großen Teilen zerstört wurde, steht hier als Sinnbild für das, was Fueß beschreibt: Unerwartete Risse und Verwerfungen im Privaten und in der Welt. 1985 folgten die Erzählungen Kein Brief aus Amerika, in denen oft Frauen im Mittelpunkt stehen. Den scheinbaren sozialen Verletzungen und unerfüllten Träumen tritt die Erzählerin, wie Heiner Boehncke es nennt, mit „geschliffenen Sätzen, die funkeln und schneiden“, entgegen.Heiner Boehncke: Renate Fueß: ‚Kein Brief aus Amerika‘. Rundfunkmanuskript. Rezension In: Kallias, der Online Katalog des Deutschen Literaturarchivs Marbach. S. 5. (vgl. Sendung Hessischer Rundfunk vom 6. Februar 1986), abgerufen am 10. Oktober 2025. Sowohl die Lyrik als auch die Prosa von Fueß sind sehr rhythmisch und leben von einer ausgeprägten Bildsprache zwischen Alltag und Kunst, zart, genau, trotzig, in der Prosa zuweilen grotesk. Was Fueß beim Schreiben inhaltlich interessiert, so die Autorin selbst, ist das, was in „Beziehungen zwischen Menschen stört“Michael Hierholzer: Die Autorin: Renate Fueß: Lyrische Erzählkunst. Kurzporträt zur Erzählung: Das andere Land. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. April 1990, FAZ in der ZDB, S. 27. und dass nichts in der Welt so ist und bleibt, wie es scheint. Wichtige Elemente sind die Auslotung der Ränder von Liebe und Tod. Steht in der Lyrik oft das Überraschende am Schluss, so werden in der Prosa häufig zwei oder drei Geschichten in einer erzählt.
Während einer zweijährigen Zeit als Stadtliteratin in Bocholt arbeitete sie an dem längeren Text Shirleys Fest, dessen Eingangspassage 1988 in den manuskripten erschien.Shirleys Fest. In: manuskripte 100/’88, Graz 1988, zdb-katalog.de, S. 26–33. Eine Wende in Fueß’ literarischem Schaffen bahnte sich an, als die Mutter der Autorin starb. Das Gedicht atmen, hören, sehenGedicht. In: manuskripte 100/’88, Graz 1988, zdb-katalog.de, S. 57. und der Text Kühle MutterKühle Mutter. Hessisches Literaturbüro im Mousonturm e. V. (Hrsg.): Der Literatur-Bote, 4. Jg., 15. Heft, dipa, Frankfurt Oktober 1989, Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, ISSN 0937-8308, S. 37–38. sind von unterschiedlichen Varianten der Trauer geprägt. Der Vater erkrankte wenige Jahre später. Fueß übernahm die Geschäftsführung des mittelständischen Unternehmens in Frankfurt, in und mit dem sie aufgewachsen war.
Werke (Auswahl) Nicht fragen. Zum Double–bind in Interaktionsformen und Werkstruktur bei Thomas Bernhard. Bernd Urban, Wolfram Mauser (Hrsg.): Literatur und Psychologie, Bd. 11, Lang, Frankfurt / Bern / New York 1983, ISBN 978-3-8204-7416-9. Am Eingang von Kotor. Gedichte, rororo 5391, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1984, ISBN 3-499-15391-2. Kein Brief aus Amerika. Erzählungen, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985, ISBN 3-498-0205-1-X.
Essays und andere Beiträge „Wo hab ich jemals einen Kontakt wollen?“ (Thomas Bernhard). Vom Mythos des „Einsamen in der Bergwelt“ und seinem Ausverkauf. In: Günter Kunert u. a. (Hrsg.): Die Literatur blüht im Tal, Literaturmagazin 14. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1981, ISBN 978-3-499-25156-6, S. 78–92. „Tu felix Austria, juble und jodle!“. Aspekte des Double-bind in der zeitgenössischen Lyrik Österreichs. In: Johannes Cremerius u. a. (Hrsg.): Freiburger literaturpsychologische Gespräche, Bd. 4, Königshausen + Neumann, Würzburg 1985, ISBN 3-88479-207-5, S. 123–138. Die geflügelte Welt mit Vogelkrallen. Friederike Mayröcker: ein Leben im Poesiereservat. In: Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, Fachbereich Buch (Hrsg.): Gep-Buch-Magazin 3, Frankfurt 1986, zdb-katalog.de, ISSN 0176-9219, S. 24–25. Die ganze Welt steht dir offen. In: Kulturamt der Stadt Aachen (Hrsg.): Grenzgänge. Aachener Literaturpreis Anthologie 1986. Alano, Aachen 1986, S. 7–14. Darf ich auf Deinem Schulhof spielen? Notizen einer Stadtliteratin. In: Theodor Tauchel (Hrsg.): Der Literat. Zeitschrift für Literatur und Kunst, 31. Jg., Nr. 6, Frankfurt 1989, zdb-katalog.de, ISSN 0024-4627, S. 178–179. Eine ganz neue Sphäre. Mme de Staëls enthusiastische Kulturgeschichte „De l’Allemagne“ (1810/1814). In: Harro Kieser, Gerlinde Schlenker (Hrsg.): Mitteldeutsches Jahrbuch für Kultur und Geschichte. Bd. 17, Monumente Publikationen, Bonn 2010, ISBN 978-3-86795-034-3, S. 86–98. Melencolia, rastlos. Zum Tode Helga M. Novaks (1935–2013). In: Mitteldeutsches Jahrbuch, Bd. 23, Monumente Publikationen, Bonn 2016, ISBN 978-3-86795-116-6, S. 214–218. Elie Kedourie (Hrsg.): Die Jüdische Welt: Offenbarung, Prophetie und Geschichte, dt. Neubearbeitung von Karl Erich Grözinger, Lyrik-Übersetzungen aus dem Englischen von Renate Fuess. S. Fischer, Frankfurt 1980, ISBN 978-3-10-038903-9, S. 266–270.
Auszeichnungen Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis für Lyrik des Literarischen März der Stadt Darmstadt 1981 Deutscher Kurzgeschichtenpreis des Internationalen Kurzgeschichtenkolloquiums der Stadt Arnsberg 1981 Stipendium des Deutscher Literaturfonds 1983 2. Literaturpreis der Stadt Aachen 1986Kulturamt der Stadt Aachen (Hrsg.): Grenzerfahrungen. Aachener Literaturpreis Anthologie. Alano, Aachen 1986, Zentralbibliothek Aachen, webopac.stadtbibliothek-aachen.de Stadtliteratin der Stadt Bocholt 1988/89
Literatur (Auswahl) Jürgen Jacobs: Die Frau aus der Baukastenwelt. „Am Eingang von Kotor“, der erste Gedichtband von Renate Fueß. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. August 1984, S. 22. Agnes Hüfner: Eine schwebende Dame. Erzählungen von Renate Fuess. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28. November 1985, S. 26. Wolfgang Müller-Funk: Innenräume. Erster Erzählband von Renate Fuess. In: Neue Zürcher Zeitung vom 19. Februar 1986, zdb-katalog.de, ISSN 0376-6829, S. 40.
Heiner Boehncke: Renate Fueß: Kein Brief aus Amerika. Rezension. Manuskript in: Kallias, Online-Katalog des Deutschen Literaturarchivs Marbach, S. 1–5.
Hans Rüdiger Schwab: Renate Fueß. In: Dietz-Rüdiger Moser (Hrsg.): Neues Handbuch der deutschen Gegenwartsliteratur seit 1945. Nymphenburger, München 1990, ISBN 3-485-03550-5, S. 213.
Vertonungen Ludger Hofmann-Engl: Am Eingang von Kotor (1988) für mittlere Frauenstimme und Gitarre (7 songs for middle range female voice and guitar); text: Renate Fueß.Ludger Hofmann-Engl: List of Works (2024), chameleongroup.org.uk
Sigrid Riegebauer: Drei Lieder für Stimme und Klavier–nach Texten von Karin Kiwus, Inge Backhaus und Renate Fueß (1989).Werkverzeichnis Sigrid Riegebauer, musicaustria.at
Weblinks
Literatur von und über Renate Fueß im Kallias, Online-Katalog des Deutschen Literaturarchivs Marbach Renate Fueß in der Liste der Autorinnen und Autoren der manuskripte in der Österreichischen Nationalbibliothek (Literaturarchiv)
Einzelnachweise
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