mini|hochkant|Adolph von Düring (1905) Adolph von Düring (auch AdolfSo etwa als Buchautor seiner Chaucer-Übersetzung in den 1880er Jahren. von Düring; Taufname Adolph George Dietrich von Düring; * 8. Juni 1832 in Osnabrück; † 21. Oktober 1905 auf CapriNiedersächsisches Landesarchiv Abteilung Osnabrück: Rep. 502, Nr. 69 (enthält 1906er Abschriften der Testamente Adolf [sic] von Dürings vom 10. September 1903 – ausgestellt im Stift Börstel – und vom 10. Februar 1883 – ausgestellt in Coburg).) war hannoverscher Offizier, Flügeladjutant des hannoverschen Königs Georg V. und „Chef der Welfenlegion“, außerdem Schriftsteller und Übersetzer von Werken des englischen Klassikers Geoffrey Chaucer.
Herkunft und Familie Adolfs von Dürings Großvater war der Generalmajor Georg Albrecht von Düring.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel), 1901, 2. Jg., S. 269, S. 271. Er war das achte Kind seiner Eltern, des hannoverschen Oberstleutnants Johann Dietrich Heinrich von Düring (* 20. April 1783; † 7. Mai 1832) und dessen Ehefrau Charlotte Dorothea Caroline Franziska, geb. von Freytag (* 5. August 1797; † 26. Mai 1862) aus dem Haus Daren.Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser. Der in deutschland eingeborene Adel, 2. Jg. Perthes, Gotha 1901, S. 271 (Digitalisat auf digital.ulb.hhu.de, abgerufen am 28. September 2025)
Düring heiratete am 17. April 1871 in Turin die aus England stammende Marie Ada Dundas (* 12. März 1848; † 30. Oktober 1924). Das Paar hatte zwei Kinder: Henry William Viktor (* 6. Februar 1872; † 7. Mai 1957), Kaufmann in Shanghai ⚭ 1907 Dorothea Marie Thekla Cäcilie von Diebitsch (* 12. April 1881 in Zwickau).Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser, 1911, S. 251. (archive.org, abgerufen am 28. September 2025) Mary Lilian (* 22. September 1873; † 18. Februar 1969), Stiftsdame in Börstel, Schriftstellerin.Johanna Pointke: Von der Adelsherrschaft zur ökumenischen Gemeinschaft. Das Kapitel des Freiweltlichen Stifts Börstel seit Anfang des 20. Jahrhunderts (= Studien zur Kirchengeschichte Niedersachsens. Band 54). V & R Unipress, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8471-1597-7, S. 66. (Google Books)
Leben und Wirken
Militärische Laufbahn Adolph von Düring kam am 5. Juli 1849Hof- und Staatshandbuch für das Königreich Hannover, 1856, S. 219 als Leutnant in das 7. Infanterie-Regiment nach Osnabrück und gehörte diesem Regiment bis zu seiner Auflösung im Jahr 1866 an. Er stieg dort bis zum Hauptmann auf. In dieser Zeit war er für zwei Jahre zur französischen Armee nach Charlon abkommandiert.
Während der Mobilmachung zum Deutschen Krieg von 1866 befand er sich in Ostfriesland und war als Hauptmann Kommandeur eines in Emden stationierten Detachements. Er soll mit den Grafen zu Knyphausen und von Wedel bis zu 1000 Mann Freiwillige gesammelt haben. Aus Osnabrück wurden Waffen geschickt, als diese am 21. Juni 1866 in Emden ankamen, erreichte auch eine kleine preußische Flotte („Loreley“ und „Tiger“) die Stadt. Auf Drängen des preußisch-gesinnten Bürgermeisters und der Einwohner wurde ein freier Abzug der Hannoveraner ausgehandelt.H. v. B.: Der deutsche Krieg im Jahre 1866 nach den bis jetzt bekannten Quellen. Neumann-Hartmann, Elbing 1867, S. 85 f (Books Google) Düring und einige Soldaten gelangten in Zivil und ohne Waffen über die Niederlande und Frankreich nach Mainz in Hessen, aber nicht mehr rechtzeitig zu den Truppen des hannoverschen Königs Georg V. in Langensalza.Victor von Diebitsch: Die Königlich hannoversche Armee auf ihrem letzten Waffengange im Juni 1866. M. Heinsius Nachfolger, Bremen 1897, S. 354–359. (Google Books)
Nach der Schlacht bei Langensalza vom 27. Juni 1866 sowie zwei Tage später der Kapitulation und Auflösung der hannoverschen Armee folgte v. Düring seinem König, der sich nach wie vor als mit Preußen im Kriegszustand befindlich ansah, ins Exil nach Hietzing bei Wien. Dort wurde er von Georg V. im August 1868 zum Major befördert.Niedersächsisches Landesarchiv Abteilung Hannover, Signatur: Hann. 48a II Nr. 12 (16. Dezember 1868, persönlich von Georg V. unterzeichnetes Schreiben). Hintergrund war die Beauftragung mit der Organisation und Ausrüstung der Welfenlegion,Gisela Hummel, Carz Hummel (Hrsg.): „mit aller Vorsicht zu Werke gehen.“ Aus der Korrespondenz des Königlich-hannoverschen Majorfs Adolph von Düring und andere Dokumente (= Welfenschriften. 39). Welfenbund, Hannover 2008, S. 49. einem in Paris aufgestellten, rund 1000 Mann starken Freikorps. Zur diplomatischen Unterstützung erhielt er den Titel eines königlichen Flügeladjudanten. Aus jener Zeit überlieferte der Diplomat Oskar Meding, der ebenfalls mit Georg V. ins Exil gegangen war, später in einem Zeitroman eine auf persönlichen Erlebnissen fußende Kurzcharakteristik zu einer Szene in Hietzing: „Der Major von Düring [trat ein], eine kleine bewegliche Gestalt, dessen längliches Gesicht von scharfen, geistvollen Zügen, mit blondem Schnurrbart und dünnem, die hohe Stirn weit hinauf freilassendem Haar, den Ausdruck von Muth, Entschlossenheit und Willenskraft zeigte.“Gregor Samarow (= Oskar Meding): Zwei Kaiserkronen. Zeitroman. Verlag von Morwitz & Co, Philadelphia (o. J., ca. 1880), S. 126. – Digitalisat auf Google Books. (Achtung: Die Romanabschrift im Projekt Gutenberg beinhaltet sprachliche Änderungen und Glättungen.) Als der preußische Staat den Welfenfonds beschlagnahmte und die aufwändige Finanzierung der Welfenlegion nicht mehr gelang, kam es zu Untersuchungen, u. a. gegen v. Düring, dem man nachsagte, dass er „ein elegantes Geschäftslokal“ sowie „mit Zulagen und Diäten Generalsgehalt“Welfenlegion. In: (Linzer) Tages-Post, 20. März 1907, S. 3. (Digitalisat auf anno.onb.ac.at, abgerufen am 30. September 2025) habe. Die Auflösung der Welfenlegion im Frühjahr 1870 führte zum Zerwürfnis mit v. Düring. Jedoch konnte er im August 1870 eine ehrenhafte Entlassung aus hannoverschen Militärdiensten erreichen.Niedersächsisches Landesarchiv Abteilung Stade: Dep. 37 acc. 2009/30, Nr. 539: Originalurkunde für Adolf von Düring zum Abschied aus hannoverschen Militärdiensten vom 16. August 1870, unterzeichnet von König Georg V. (Findbucheintrag auf arcinsys.niedersachsen.de, abgerufen am 13. Februar 2026). Kurz darauf willigte er in ein Amnestieangebot des Königreichs Preußen und eine preußische Pension als Major ein und gab dafür ein Versprechen zum Aufgaben seiner politischen Tätigkeit.Niedersächsisches Landesarchiv Abteilung Stade, Dep. 37 Acc. 2009/30, Nr. 537, Blatt 90: Abschrift eines Schreibens von Adolf v. Düring an seinen Bruder Georg vom 5. Dezember 1870 mit Bericht über die diesbezüglich laufenden Verhandlungen des ÜberläufersOskar Meding mit Bismarck.Martin Tielke: Georg Adolph Dietrich von DÜRING. In: Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Bd. 2. Aurich 2001, S. 119–121. (Abschrift auf bibliothek.ostfriesischelandschaft.de, abgerufen am 13. Februar 2026)
Ruhestand Anschließend heiratete Adolph v. Düring, gründete eine Familie und begann bis zu seinem Lebensende ein Vierteljahrhundert ausgedehnter Reisen und häufiger Wohnsitzwechsel, dessen Einzelheiten nur schlaglichtartig belegt sind: 1876 ließ sich v. Düring in Coburg nieder. Dort findet sich um 1880 ein Eintrag im Einwohnerverzeichnis mit den Daten der Familie; 1883 verfasste er in Coburg ein erstes Testament. Sein Name erscheint noch einmal 1888 in einem Coburger Adressbuch.Mitteilung des Leiters des Stadtarchivs Coburg zu Adolf von Dürings Aufenthalt in Coburg, auf hs-augsburg.de, abgerufen am 28. September 2025.Genealogisches Taschenbuch des Uradels. 1. Band, Brünn 1891, S. 192. (Google Books) Zwischendurch war v. Düring im Jahr 1880 auch in Bremen als „Diätar“ gemeldet.Adress-Buch der freien Hansestadt Bremen (...), Neue Folge 17. Jahrgang, M. Heinsius Nachfolger, Bremen 1890, Teil 2, S. 61 (Google Books) In den 1890er Jahren lebte v. Düring längere Zeit bei seiner älteren Schwester Karoline von Düring, die Äbtissin im Stift Börstel war;Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Osnabrück, Signatur: Dep 16 b, Nachlass Düring, Adolph v. (Findbucheintrag auf arcinsys.niedersachsen.de, abgerufen am 28. September 2025) auch seine Tochter Lilian war dort Stiftsdame. In dieser Zeit widmete er sich landesgeschichtlichen Forschungen und publizierte über mehrere Jahre hinweg in den Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück. Schließlich lebte Adolph von Düring zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder im Ausland, zunächst in Saint Helier auf der englischen Kanalinsel Jersey und dann auf der Insel Capri (Villa CasoGothaisches genealogisches Taschenbuch der uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). Fünfter Jahrgang, Perthes, Gotha 1904, S. 224. (Google Books), zuletzt Villa LacroceGothaisches genealogisches Taschenbuch der uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). Neunter Jahrgang, Perthes, Gotha 1908, S. 195. (Google Books)), wo er am 21. Oktober 1905 verstarb.Bilder der Woche. Major v. Düring †. In: Österreichische Illustrierte Zeitung, Jg. 15, 1905, Heft 13, 24. Dezember 1905, S. 292. (Digitalisat auf anno.onb.ac.at, abgerufen am 28. September 2025) Dort ist er auf dem für Nichtkatholiken reservierten Teil des Friedhofs beigesetzt worden; sein Grab ist erhalten.
Schmähgedicht auf Ostfriesland Adolph von Düring hatte Mitte des 19. Jahrhunderts erheblichen Einfluss auf die ostfriesisch-hannoverischen Beziehungen. Ostfriesland galt damals als „ein äußerstes Thule“Martin Tielke: Georg Adolph Dietrich von Düring. In: Biographisches Lexikon für Ostfriesland, Band III, Aurich 2001, S. 119–121. (Abschrift auch auf bibliothek.ostfriesischelandschaft.de, abgerufen am 28. September 2025; Abschrift ebenso auf hs-augsburg.de, abgerufen am 28. September 2025) des Königreichs Hannovers. Als v. Düring im Dezember 1852 von Osnabrück nach Aurich versetzt wurde, war er sehr ungehalten. Seinem Ärger machte er in Form eines in „Silvesterlaune entsprungenen Gelegenheitsgedicht[s]“ gegen die Ostfriesen Luft, das er an Kameraden nach Osnabrück schickte. Das Schmähgedicht persiflierte Goethes Italiensehnsucht und war nicht zur Veröffentlichung gedacht, doch durch die Frau eines Kameraden gelangte es nach Ostfriesland zurück und wurde am 27. Januar 1853 im Norder Stadtblatt mit den Initialen „v. D“ abgedruckt. Es folgte eine Welle der Entrüstung, denn insbesondere die städtische, aufgeklärte bürgerliche Gesellschaft Aurichs, zu der sich die hannoverschen Beamten rechneten, fühlten sich brüskiert. Von Düring erwartete ein Verfahren „wegen Abfassung eines Spottgedichts auf die Provinz Ostfriesland“, doch mit Arrest bestraft wurde schließlich der Offizier, dessen Frau das Gedicht nach Ostfriesland weitergeleitet hatte. Düring aber wurde von Aurich nach Osnabrück zurückbeordert.
Das Spottgedicht Adolph von Dürings blieb lange unvergessen: 1853 publizierte der Leeraner Hinrich Leerhoff Willems (Pseudonym Arminius Teut) auf „dichterischer Ebene zum Gegenschlag“ unter dem Titel Ostfriesland. Angriff und Verteidigung, das bis 1940 neun weitere Ausgaben erfuhr. Die letzte – allerdings nicht mehr selbstständige – Veröffentlichung war 1959.Arminius Teut (= Hinrich Leerhoff Willems): Ostfriesland. Angriff und Verteidigung. Zwei alte Gedichte. 6. Ausgabe. D. H. Zopfs & Sohn, Leer 1901. (Digitalisat auf bibliothek.ostfriesischelandschaft.de, abgerufen am 28. September 2025)Paul Weßels: Wie das „Land der edlen Friesen arg verleumdet und begeifert“ wurde. Über einen „Dichterstreit“ 1853 und das ostfriesische Selbstbewusstsein. Auf ostfrhist.hypotheses.org, abgerufen am 28. September 2025.
Chaucer-Übersetzung