Kaulsdorf ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.
Geografie Kaulsdorf liegt im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt im südöstlichen Thüringen, im Saaletal am Eingang zum Thüringer Schiefergebirge inmitten einer Mittelgebirgslandschaft mit steilen Berghängen.
Klima Der Ort hat ein warmes Talklima, eine dauerhafte Schneedecke im Winter ist selten. Kaulsdorf liegt auf der Leeseite des Thüringer Waldes, mit Niederschlägen um 600 mm im Jahr. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt um 8,4 °C.AM Online Projects: Klima Kaulsdorf
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) Unterwellenborn, Hohenwarte, Leutenberg, Probstzella und die Stadt Saalfeld/Saale.
Gemeindegliederung Seit dem Jahr 1994 besteht die Gemeinde Kaulsdorf aus sechs Ortsteilen:Thüringer Verordnung über die Auflösung der Gemeinden Breternitz-Fischersdorf, Hockeroda und Weischwitz und ihre Eingliederung in die Gemeinde Kaulsdorf vom 21. März 1994 (GVBl S. 374); a) § 5 geändert durch Verordnung vom 17. Juni 1994 (GVBl. S. 774) Breternitz Eichicht Fischersdorf Hockeroda Weischwitz Tauschwitz
Geschichte mini|Schloss Kaulsdorf (Saale) mini|hochkant|Kirche Der Ort wurde erstmals im Jahr 1074 in einer Urkunde des Benediktinerklosters Saalfeld urkundlich erwähnt. 1425 wurde erstmals urkundlich die Kaulsdorfer Saalmühle erwähnt.Werner Dietzel: Mühlen zwischen oberer Saale und Thüringer Becken. Wasserräder und Turbinen in Mühlen, Hammerwerken und Schmelzhütten im Einzugsgebiet der Saale sowie Windmühlen auf den umliegenden Hochflächen. Rockstuhl, Bad Langensalza 2012, ISBN 978-3-86777-453-6, S. 17. Eine durch Gräben zusätzlich geschützte Burg stand an der Stelle des bis heute gut erhaltenen Schlosses. 1346 nannte man einen Siedelhof und meinte wohl die befestigte Anlage. Das jetzige Schloss wurde 1678 auf den Grundmauern der Burg aufgebaut.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 153–154.
Ursprünglich gehörte Kaulsdorf als Wettiner Lehen zur Grafschaft Weimar-Orlamünde. Deren Landesteil Lauenstein wurde 1427 der Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth unter böhmischer Oberlehnsherrschaft zum Lehen aufgetragen und 1438 an die Schwarzburger und von diesen 1503 an die Mansfeld-Vorderort verkauft. Bereits 1506 veräußerten die Mansfeld den Ort an die von Thüna wiederkäuflich als Lehen für 12.000 Gulden unter Vorbehalt der Ritterlehne. 1560 kauften die von Thüna Kaulsdorf denen von Enzenberg (ein Drittel der Nutzfläche) ab, wobei über die Lehnsherrschaft einzelner Dörfer zwischen Wettinern, Markgrafen und Mansfeldern Streit entstand. Lauenstein wurde 1600 Reichslehen der von Thüna, die es aber 1622 an die Markgrafen verkauften, zu deren (strittigem) Zubehör Kaulsdorf nun wurde. Das Gut fiel im Jahr 1631 an die von StreitbergDieter Zöberlein: Die von Streitberg, Geschichte einer fränkischen Adelsfamilie. Selbstverlag, Burggrub 2018, Teil 2, S. 241–243., 1645 an die von Dobeneck, die es 1687 mit dem Könitz’schen Besitz, der seit etwa dem Jahr 1370 bestand, etwa ein Viertel der Nutzfläche, vereinigten. Praktisch übten die Wettiner vom 16. bis 18. Jahrhundert die Oberlehnsherrschaft aus. 1776 konnten die Mansfelder ihre Forderungen gegen Sachsen-Saalfeld beim Reichshofrat durchsetzen. Nach ihrem Aussterben 1780 besetzte Kursachsen unter Berufung auf eine Verpfändung der Ernestiner von 1567 die Exklave, die dann 1787 nach Protest der Markgrafen beim Reichshofrat wieder an diese fiel.
Nach deren Regierungsverzicht 1791 fiel die Exklave an Preußen, das auch 1795 das Gut aufkaufte und parzelliert an Bauern und Bürger weiterverkaufte. Napoleon annektierte 1806 die Herrschaft Kaulsdorf und gab sie 1810 an Bayern weiter. Nach dem von Bayern verlorenen Deutschen Krieg von 1866 fiel Kaulsdorf durch Annexion wieder an Preußen, das es dem Landkreis Ziegenrück im Regierungsbezirk Erfurt der Provinz Sachsen zuordnete. Infolge der Auflösung der Provinz Sachsen kam es am 1. Juli an 1944 an Thüringen und wurde zum 1. Juli 1945 dem Landkreis Saalfeld zugeordnet. Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Eichicht eingegliedert. Infolge der Auflösung der Länder der DDR gehörte der Kreis Saalfeld zum Bezirk Gera. Ab der Deutschen Wiedervereinigung gehörte der Kreis Saalfeld wieder zu Thüringen.Bernd Feicke: Zeitweiliger Besitz der Mansfelder Grafen in Thüringen. In: Zeitschrift für Heimatforschung. Bd. 15, 2006, , S. 36–42, dort weitere Literatur und Karte. Seit 1994 gehört Kaulsdorf zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.
Von 1993 bis 1995 gehörten Kaulsdorf und Hohenwarte der Verwaltungsgemeinschaft Saale-Loquitz an.Thüringer Landesamt für Statistik Am 19. Oktober 1995 wurde sie aufgelöst und Kaulsdorf wurde erfüllende Gemeinde für Hohenwarte. Im Jahre 1996 wurden die Gemeinden Altenbeuthen und Drognitz ebenfalls zu beauftragenden Gemeinden von Kaulsdorf, da die Verwaltungsgemeinschaft Obere Saale aufgelöst wurde.
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994: Stand jeweils 31. Dezember): 1933: 842 1939: 903 1994: 3.189 1995: 3.213 1996: 3.228 1997: 3.195 1998: 3.192 1999: 3.191 2000: 3.160 2001: 3.101 2002: 3.053 2003: 3.017 2004: 2.963 2005: 2.942 2006: 2.924 2007: 2.893 2008: 2.850 2009: 2.804 2010: 2.761 2011: 2.661 2012: 2.637 2013: 2.588 2014: 2.575 2015: 2.530 2016: 2.508 2017: 2.491 2018: 2.446 2019: 2.410 2020: 2.396 2021: 2.340 2022: 2.307 2023: 2.315 2024: 2.340 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
Politik
Kaulsdorf besitzt den Status einer erfüllenden Gemeinde. Die beauftragenden Gemeinden sind Altenbeuthen, Drognitz und Hohenwarte.
Gemeinderat Der Gemeinderat von Kaulsdorf setzt sich nach der Wahl 2024 aus 14 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Gewerbe- und Fremdenverkehrsverein Kaulsdorf: 6 Sitze (−1) CDU: 4 Sitze (−1) TOR (Thieme, Oßwald, Röppischer): 2 Sitze (+2, neu) Saaletal: 1 Sitz (+ 1, neu) Kunstmann: 1 Sitz (+/- 0) In Klammern die Werte im Vergleich zur Wahl 2019. Damals war noch die SPD mit einem Sitz vertreten.
Bürgermeisterin Hauptamtliche Bürgermeisterin ist seit 2018 Kerstin Barczus. 2024 wurde sie bei den Kommunalwahlen mit 94,6 Prozent der gültigen Stimmen wiedergewählt.
Wappen Das Wappen von Kaulsdorf wurde am 23. September 1992 genehmigt. Blasonierung: „In Rot, geteilt durch ein schrägliegendes, mit drei roten Sternen belegtes, silbernes Wellenband, oben eine silberne Weintraube mit zwei Blättern, unten ein silbernes Eichenblatt.“
Das Wappen von Hockeroda wurde am 2. September 1992 genehmigt. Blasonierung: „In Silber eine blaue Wellendeichsel, begleitet von drei grünen Nadelbäumen.“
Gemeindepartnerschaften Die hessische Gemeinde Beselich ist seit Anfang Mai 1991 Partnergemeinde von Kaulsdorf. Die Partnerschaftsurkunden zwischen beiden Gemeinden wurden von den Bürgermeistern Hans-Peter Wahl (Beselich) und Hans-Jürgen Oßwald (Kaulsdorf) unterzeichnet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Naturdenkmale Der nahegelegene Hohenwarte-Stausee ist ein Naherholungsgebiet mit Campingplätzen und Fahrgastschifffahrt. Kaulsdorf liegt am Saaleradweg. Der nur einen Kilometer entfernte Lohmturm bietet einen umfassenden Ausblick über die Gemeinde und das Saaletal. In Kaulsdorf findet das alljährliche Gänsemarktfest statt.
Baudenkmale mini|Das Schloss Eichicht
Von weitem kann man das Schloss Eichicht sowie das tiefer gelegene Schloss Kaulsdorf sehen. Unweit im Nachbarort Hohenwarte liegt das Pumpspeicherwerk Hohenwarte sowie die Sperrmauer des Hohenwarte-Stausees, welcher Deutschlands viertgrößter Stausee ist und zum Verbund der Saalekaskade gehört.
Geschichtsdenkmale Ein Gedenkstein auf dem Friedhof erinnert seit 1970 an 25 Opfer der Zwangsarbeit, die hunderte Menschen aus Osteuropa für den Bau von Rüstungsanlagen der REIMAHG verrichten mussten. Ein weiterer Gedenkstein erinnert seit 1985 an die Opfer des Todesmarsches aus dem KZ Buchenwald, der nahe der Saale vorbeiführte.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 234.
Persönlichkeiten Friedrich Wilhelm Ludwig von Beulwitz (1755–1829), Kanzler von Schwarzburg-Rudolstadt und Besitzer der Güter in Eichicht und Breternitz Gottfried Leuckfeld (1874–1944), Wirtschaftsfunktionär Gerolf Annemüller (1937–2020), Brauwissenschaftler und Hochschullehrer Reginald Hanke (* 1956), deutscher Politiker (FDP), Mitglied des Deutschen Bundestages, lebt seit 1979 in Breternitz
Wirtschaft und Infrastruktur Kaulsdorf besitzt angesichts seiner Ortsgröße ein ausgeprägtes und intaktes Gewerbe- und Handelsleben mit vielen Geschäften, Handwerkern und Familienbetrieben.
Der Sportplatz und das Bürgerhaus ergänzen spezielle Freizeitangebote.
Verkehr mini|Haltepunkt Kaulsdorf (Saale), 2018 Kaulsdorf liegt an der Bahnstrecke Leipzig–Probstzella, die auf bayerischer Seite als Frankenwaldbahn weiter nach Hochstadt am Main führt. Im Gemeindegebiet liegen die Haltepunkte Breternitz, Kaulsdorf (Saale) (Name bis 1954 Eichicht) und Hockeroda. In Hockeroda zweigt eine Nebenbahn nach Bad Lobenstein und Blankenstein (Saale) ab. An allen Stationen außer Hockeroda halten Regionalzüge des Franken-Thüringen-Express der Linie Leipzig–Nürnberg, an allen Stationen die Regionalzüge der Relation Saalfeld (Saale)–Blankenstein, in Kaulsdorf zusätzlich Regional-Express-Züge der Relation Saalfeld (Saale)–Nürnberg.
Parallel zur Frankenwaldbahn verläuft die Bundesstraße 85, parallel zur Strecke nach Blankenstein die Bundesstraße 90.
Sicherheit Die Freiwillige Feuerwehr Kaulsdorf-Eichicht sorgt für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe.
Literatur
Weblinks
Internetpräsenz der Einheitsgemeinde Kaulsdorf
Einzelnachweise
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