Storbeckshof ist ein bewohnter Gemeindeteil im Ortsteil Glöwen der Gemeinde Plattenburg im Landkreis Prignitz in Brandenburg.
Geografie und Naturraum Der Storbeckshof liegt in der Region Prignitz, nordwestlich von Glöwen und direkt südlich der Grenze zum Gemeindeteil Groß Leppin auf einer Hochfläche in einer Höhe von rund 33 bis 40 m ü. NHN.
Der geologische Untergrund und die Bodenbeschaffenheit sind eiszeitlich geprägt. Auf der Hochfläche tritt sogenannter Geschiebemergel an die Oberfläche, der von weiten Sandflächen umgeben ist. Dieser Mergel enthält relativ viel Kies und Steine, weshalb er in den Erläuterungen von 1896 auch als Grand- oder Geröllmergel bezeichnet wurde. Das Material wurde früher in mehreren Gruben nahe dem Gut abgebaut.
Geschichte Ursprung als Freischulzengut (1806–1874) Die Ursprünge des Ortsnamens gehen auf die Prignitzer Familie Storbeck zurück, die im 16. Jahrhundert den saldernschen Hof Storbeck im benachbarten Bendelin bewirtschaftete und ab 1730 die Erblehnschulzen im Dorf Glöwen stellte. Infolge der Separation der landwirtschaftlichen Flächen Anfang des 19. Jahrhunderts zog der zum Quitzöbeler Anteil gehörige Lehnschulze Johann Christoph Storbeck aus dem Glöwener Dorfkern aus. Er legte im Jahr 1806 als herrschaftlicher Abbau eine neue, eigenständige Hofstelle an der Grenze zu Groß Leppin an, um seinen zuvor weit verstreuten Landbesitz zu konsolidieren.
In Registern des Jahres 1815 wurde bezüglich neuerer preußischer Kartenwerke wie der von Daniel Friedrich Sotzmann entworfenen Special-Karte von dem Herzogthum Magdeburg und der Altemark angemerkt, dass die junge Ansiedlung in den dortigen Ortsverzeichnissen noch fehle. Im Jahr 1817 wurde die Ansiedlung offiziell als Storbeckshof mit 12 Einwohnern im Ortschaftsverzeichnis geführt; gerichtlich unterstand der Hof bis 1849 dem Patrimonialgericht Quitzöbel. Das preußische Urmesstischblatt von 1843 verzeichnete auf dem Areal differenziert ein Etablissement Starbeckshof (2 km nordwestlich von Glöwen) sowie das Etablissement „Schulze Storbecks Hof“ (3 km nordnordwestlich von Glöwen). In direkter Nachbarschaft befinden sich zu dieser Zeit zudem der Hermeshof und der Stölkenhof, welche aus den 1815 durch Andreas Storbeck erworbenen Bauerngütern der Familien Herm und Stölke hervorgegangen waren.
Andreas Storbeck hatte den Hof im Jahr 1815 übernommen und erwarb fortlaufend umliegende Höfe sowie Wiesenflächen hinzu. Im Jahr 1830 löste Storbeck die verbliebenen lehnsrechtlichen Verpflichtungen für einen Betrag von 625 Talern ab, wodurch der Storbeckshof den Status eines Freischulzenguts erhielt. Für das Jahr 1860 sind für das Ackergehöft drei Wohn- und fünf Wirtschaftsgebäude verzeichnet; die Einwohnerzahl lag bei 26 Personen.
Nach ihm bewirtschaftete Andreas Christoph Eduard Storbeck den Besitz. Mit der preußischen Kreisreform von 1872 endete die administrative Sonderstellung des Hofes. Im Jahr 1874 siedelte die Familie Storbeck auf das Rittergut Penzlin in der Ostprignitz über, welches sie als Pächter bewirtschaftete.
Wandel zum repräsentativen Gut (1874–1945) Nach dem Wegzug der Gründerfamilie wurde der Besitz an den Gutsbesitzer Steingröwer verkauft, welcher dort spätestens ab 1878 wirtschaftete und im Juni desselben Jahres als erster Stellvertreter des Schiedsmanns für den zweiten ländlichen Bezirk der Westprignitz verpflichtet wurde. Nach weiteren Besitzerwechseln wurde das Anwesen, das historisch den Status eines Lehnschulzengutes besaß, mit einer Gesamtfläche von 261 Hektar und einem Grundsteuer-Reinertrag von 2083 Mark im März 1880 durch das Königliche Amtsgericht Havelberg zur Zwangsversteigerung (Subhastation) ausgeschrieben.
Im Sommer 1884 erwarb der Imker Heinrich Gravenhorst das Gut für 57.000 Taler und siedelte am 12. Juli desselben Jahres mit einem Großbienenstand von 150 Stöcken auf den Storbeckshof über. Bei der amtlichen Volkszählung vom 1. Dezember 1885 wurden für den Storbeckshof zwei Wohngebäude und 35 Einwohner verzeichnet.
Infolge unvorhergesehener Hypothekenkündigungen und finanzieller Schwierigkeiten wurde der Besitz jedoch bald unter Sequestration gestellt. Im Dezember 1886 wurde das Anwesen durch das Königliche Amtsgericht Havelberg erneut zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben und Anfang 1887 für lediglich 28.000 Taler zugeschlagen. Gravenhorst musste seine Imkerzucht auflösen, verlor sein Vermögen und siedelte nach Bad Wilsnack über. Für das Jahr 1887 verzeichnete das Militär-geographisch-statistische Lexikon des Deutschen Reichs noch 28 Einwohner auf dem Hof, der militärisch zum Bezirkskommando Perleberg gehörte.
In der Folgezeit gelangte das Gut in den Besitz von Brandt von Lindau, einem Premier-Lieutenant der Reserve, welcher dort spätestens ab 1890 als Gutsbesitzer wirtschaftete und im Jahr 1892 als Mitglied der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft verzeichnet war.
Nach einem weiteren Eigentümer namens Wohlgast (um 1905) erwarb ein Leutnant Spring den Besitz. Unter ihm wurde das ursprüngliche Wohnhaus zu einem Jagdschloss umgebaut, größere Wirtschaftsgebäude sowie Arbeiter- und Verwalterwohnungen errichtet und Parkanlagen angelegt.
Vor 1913 erwarb der Major Hans Vogelgesang (später Vogelsang) das Gut, das 1925 41 Einwohner zählte. Nach dem amtlichen Güter-Adressbuch von 1914 umfasste das Gut eine Gesamtfläche von 359 Hektar, davon 121,5 Hektar Ackerflächen, 158 Hektar Wald sowie 48 Hektar Wiesen und 31,5 Hektar Weiden.
In der Folgezeit wurde das Gut auf eine Gesamtfläche von 422 Hektar erweitert. Vogelgesang gestaltete die Umgebung des Gutshauses zu einem Landschaftspark um und stiftete noch im Jahr 1927 gemeinsam mit dem Kirchenpatron von Jagow die Glasfenster in der Altarnische der Glöwener Kirche. Er verstarb im Juni 1929, woraufhin der Besitz von Hans Vogelsangs Erben weitergeführt wurde.
In der Folgezeit ging das Gut an Helmut Eppens über; die ritterschaftliche Kreditakte des Anwesens verzeichnet die direkte Besitzabfolge von Vogelgesang auf Eppens. Beim Einmarsch der Roten Armee im Jahr 1945 verstarb Helmut Eppens gemeinsam mit seiner Familie durch Freitod. Die Kreditakte des Gutes wurde 1946 geschlossen.
Nachkriegszeit und neuere Geschichte (ab 1945) Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gut im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet, da die landwirtschaftliche Fläche über 100 Hektar betrug. Das Land wurde an Neubauern und Umsiedler aufgeteilt. In dieser Zeit wurde auch das unter Leutnant Spring zum Jagdschloss umgebaute Gutshaus abgetragen.
In der Nachkriegszeit änderte sich vorübergehend die administrative und kirchliche Zuordnung: Der Storbeckshof gehörte zeitweise zur Kirchengemeinde Glöwen, wurde jedoch zum 1. April 1950 wieder der Gemeinde Groß Leppin zugeordnet.
Im Herbst 1990 wurde eine feste Bitumenstraße errichtet, die von Groß Leppin an Storbeckshof vorbei führt.
Im Zuge der brandenburgischen Gemeindegebietsreform wurde die Gemeinde Glöwen am 31. Dezember 2001 in die neu gebildete Gemeinde Plattenburg eingegliedert. Seither wird Storbeckshof als bewohnter Gemeindeteil des Ortsteils Glöwen geführt. Im Jahr 2012 ließ die Gemeinde Plattenburg die Brücke auf dieser Gemeindestraße zwischen Groß Leppin und Storbeckshof für insgesamt rund 300.000 Euro neu errichten, um den regionalen Bus- und Schülerverkehr abzusichern.
Weblinks Storbeckshof auf plattenburg.de
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Plattenburg) Kategorie:Ort im Landkreis Prignitz