Der Deutsche Fechter-Bund e. V. (DFB) ist der nationale Dachverband für den Fechtsport in Deutschland. Er gehört der Fédération Internationale d’Escrime und dem kontinentalen Dachverband Confédération Européenne d’Escrime an. Im Jahr 2024 vertrat der Verband 23.175 Mitglieder in 458 Vereinen, die in zwanzig Landesverbänden organisiert sind. Bei den Olympischen Spielen waren die vom DFB vertretenen Fechter mit insgesamt 42 Medaillen die fünfterfolgreichste Nation.

Der Verband wurde im Dezember 1911 in Frankfurt am Main gegründet. Nachdem er zur Zeit des Nationalsozialismus durch das Fachamt Fechten ersetzt und der Fechtsport nach Kriegsende von den Alliierten als „paramilitärische Übung“ verboten worden war, wurde er im November 1949 wieder gegründet. Nach dem Ende der DDR wurde 1990 der Deutsche Fechtverband (DFV) in den Deutschen Fechter-Bund eingegliedert.

Geschichte Der DFB bis 1933 Bereits im Jahr 1897 wurde mit dem Deutschen Fechterbund, der sich bald in Deutscher und Österreichischer Fechterbund (DÖFB) umbenannte, eine Vorläuferorganisation des heutigen DFB gegründet. Allerdings löste sich dieser erste überregionale Fechtverband schon 1902 wieder auf. Anschließend organisierte meistens der Gauverband mittelrheinischer Fechtklubs die Teilnahmen an internationalen Wettbewerben.Andreas Schirmer: Die Gründung des DFB 1911. In: Deutscher Fechter-Bund (Hrsg.), Andreas Schirmer (Red.): En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012, S. 26–29, hier S. 26. Erst nach der Auflösung des DÖFB, bei den Olympischen Zwischenspielen 1906 in Athen, siegten mit Gustav Casmir im Säbeleinzel sowie der Säbelmannschaft um Casmir und Jakob Erckrath de Bary das erste Mal deutsche Vertreter bei einem bedeutenden internationalen Wettbewerb. Bei den nachfolgenden Olympischen Spielen konnten sie die Titel jedoch nicht verteidigen.

Vor allem um eine bessere Vertretung der deutschen Fechter bei internationalen Turnieren zu etablieren, wurde am 17. Dezember 1911 im Hotel Frankfurter Hof in Frankfurt am Main der Deutsche Fechter-Bund gegründet. Zu seinen Gründungsmitgliedern gehörten neun Vereine, die insgesamt 557 Fechter vertraten. Sein Zweck war die Vereinigung Deutscher Fechterverbände, -vereine und Einzelfechter, die Abhaltung von Turnieren auf nationaler Ebene und die Vertretung deutscher Interessen im Ausland. Eine Verbindung mit dem Österreichischen Fechter-Bund wurde nach den negativen Erfahrungen mit der Vorgängerorganisation ausdrücklich ausgeschlossen. Am 25. Februar 1912 wurde die erste Bundesversammlung abgehalten, die Jakob Erckrath de Bary zum ersten Präsidenten des neuen Verbandes wählte.Andreas Schirmer: Die Gründung des DFB 1911. In: Deutscher Fechter-Bund (Hrsg.), Andreas Schirmer (Red.): En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012, S. 26–29, hier S. 27 f. Ein Jahr später war der Deutsche Fechter-Bund auch Gründungsmitglied des internationalen Fechtverbandes, der Fédération Internationale d’Escrime. De Bary wurde einer ihrer Vizepräsidenten.Max Geuter: Chronik der deutschen Fechtzeitungen. In: Deutscher Fechter-Bund (Hrsg.), Andreas Schirmer (Red.): En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012, S. 65–68, hier S. 65.

Erstmals 1913 wurden die deutschen Meisterschaften vom DFB ausgerichtet. Davor fanden schon von 1896 bis 1899 Meisterschaftswettbewerbe statt. Der Wettbewerb wurde 1896 als private Veranstaltung und 1897–1899 vom DÖFB organisiert. 1914 konnten die Meisterschaften noch einmal ausgetragen werden. Anschließend legte der Erste Weltkrieg nicht nur jede fechterische Aktivität lahm, sondern kostete auch einigen Fechtern das Leben, unter anderem dem ersten deutschen Meister im Säbelfechten, Hermann Plaskuda. Erst gegen 1920 gab es wieder einen geordneten Turnierbetrieb, trotzdem mussten noch 1922 die deutschen Mannschaftsmeisterschaften abgesagt werden. Erst 1925 wurde der DFB wieder in den internationalen Dachverband aufgenommen und nahm ab diesem Jahr wieder an internationalen Wettbewerben teil.Klaus Dieter Güse, Andreas Schirmer: Faszination Fechten: Vom wundersamen Aufstieg eines Sports in Deutschland. Limpert Verlag, Bad Homburg 1986, S. 39. Auf Vereinsebene gab es allerdings schon früher internationale Wettkämpfe, so folgten 1923 niederländische Fechter einer Einladung zu einem Turnier in Offenbach.Andreas Schirmer, 150 Jahre FC Offenbach – Die Modernisierer vom Main, fechtsport magazin 04/2013, S. 20–22.

1924 erschien mit dem Fechtsport erstmals eine eigene Verbandszeitschrift, nachdem die gemeinsam mit den Turnern herausgegebene Deutsche Fechter-Zeitung während der Inflationszeit eingestellt werden musste.Max Geuter: Chronik der deutschen Fechtzeitungen. In: Deutscher Fechter-Bund (Hrsg.), Andreas Schirmer (Red.): En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012, S. 176–179, hier S. 177. Die Konkurrenz zur Deutschen Turnerschaft, in der erheblich mehr Fechter organisiert waren als im Fechtverband, war prägend für die Anfangsjahre des DFB. Zwar konnten 1926 gemeinsame Meisterschaften ausgetragen werden und 1931 ein gemeinsamer „Deutscher Fechtausschuss“ gegründet werden,Berno Bahro: Die Zeit des Nationalsozialismus. In: Deutscher Fechter-Bund (Hrsg.), Andreas Schirmer (Red.): En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012, S. 44–53, hier S. 44. aber bis 1934 blieben die deutschen Fechter in zwei verschiedenen Verbänden organisiert. Im Jahr 1928 wurde August Petri Nachfolger de Barys im Amte des DFB-Präsidenten. Ihm folgte bereits zwei Jahre später Heinrich Mayer, der bis zur Umorganisation des DFB unter den Nationalsozialisten Präsident blieb.Andreas Schirmer: Zäsur einer Epoche: Der 1. Weltkrieg. In: Deutscher Fechter-Bund (Hrsg.), Andreas Schirmer (Red.): En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012, S. 34–43, hier S. 34–36.

Die erfolgreichsten Fechter der Jahre 1914–1933 waren der Frankfurter Erwin Casmir und bei den Damen, die erstmals bei den 1923 bei deutschen Meisterschaften Florettwettbewerbe austrugen, Helene Mayer. Casmir gewann neben zahlreichen deutschen Meistertiteln in allen Waffen auch die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam. Mayer gewann die Olympischen Spiele sowie mehrmals die Weltmeisterschaften im Florett-Einzel. Die dominierenden Vereine waren der Fecht-Club Hermannia Frankfurt und der Fechtclub Offenbach.

Fechten zur Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945 mini|Ellen Müller-Preis, Ilona Elek und Helene Mayer bei der Siegerehrung der Olympischen Sommerspiele 1936 Schon kurz nach der Machtergreifung Hitlers passte sich auch der deutsche Sport der nationalsozialistischen Ideologie an. Der Deutsche Turner-Bund beschloss bereits am 8. April 1933 einen Arierparagraphen, schon das Ende Juli stattfindende Deutsche Turnfest sollte „judenfrei“ sein. Auch zahlreiche von Turnvereinen unabhängige Fechtvereine schlossen jüdische Mitglieder aus. Beim Fechtclub Offenbach wurden jüdische Fechter, unter anderem die Familie von Helene Mayer gebeten, von sich aus zu kündigen.Berno Bahro: Die Zeit des Nationalsozialismus. In: Deutscher Fechter-Bund (Hrsg.), Andreas Schirmer (Red.): En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012, S. 44–53, hier S. 45 f.

Unter Führung des Reichssportkommissars Hans von Tschammer und Osten entstand der Reichsführerring des deutschen Sports als neuer Dachverband des deutschen Sports, die Zahl der Sportverbände, jetzt Fachsäulen genannt, wurde von achtunddreißig auf fünfzehn reduziert. Die Fechter wurden zunächst im Deutschen Turner-Bund eingegliedert, was von den Fechtern des ehemaligen DFB entschieden abgelehnt wurde. Erst nach der Gründung des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen am 23. Januar 1934 wurde das Fechten als Fachamt 8 eines von 21 selbstständigen Fachämtern. Fachamtsleiter wurde Erwin Casmir. Der Fokus lag bis 1936 auf Spitzensport und der Vorbereitung für die Olympischen Spiele in Berlin, ein deutlicher Mitgliederverlust in den Jahren 1934 bis 1936 wurde dabei in Kauf genommen.Berno Bahro: Die Zeit des Nationalsozialismus. In: Deutscher Fechter-Bund (Hrsg.), Andreas Schirmer (Red.): En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012, S. 44–53, hier S. 46–48.

Die deutschen Fechter konnten bei den Olympischen Spielen jedoch nicht mit den dominierenden Italienern und Franzosen mithalten, von den drei Medaillen wurde eine zudem von Helene Mayer gewonnen, die in den Vereinigten Staaten lebte und aufgrund ihres jüdischen Vaters von den Nationalsozialisten als Halbjüdin eingestuft wurde. Casmir wurde auf Betreiben Reinhard Heydrichs, selber ein erfolgreicher Säbelfechter, als Leiter des Fachamts entlassen und durch den SS-Standartenführer Hermann Behrends ersetzt. In der Folge übernahm die SS Schlüsselpositionen innerhalb des Fachamtes, zahlreiche erfolgreiche Fechter wurden Mitglieder der SS, mit Roman Fischer wurde 1938 erstmals ein SS-Mitglied deutscher Meister.Volker Kluge; Donald Macgregor (Übers.): A “New Woman” and her Involuntary Myth* – One hundred years ago the German fencer Helene Mayer was born. In: Journal of Olympic History. 19, Nr. 3, 2011, S. 30–38.Berno Bahro: Die Zeit des Nationalsozialismus. In: Deutscher Fechter-Bund (Hrsg.), Andreas Schirmer (Red.): En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012, S. 44–53, hier S. 50–53.

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges beeinträchtigte den Fechtbetrieb zunächst nicht, 1941 übernahm Heydrich selbst das Amt des Fachamtleiters, übergab das Amt jedoch schon 1942 wieder an Hermann Rau. Ab 1943 war der Sportbetrieb nur noch eingeschränkt möglich, die Deutschen Meisterschaften 1944 wurden schließlich abgesagt.Berno Bahro: Die Zeit des Nationalsozialismus. In: Deutscher Fechter-Bund (Hrsg.), Andreas Schirmer (Red.): En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012, S. 44–53, hier S. 53. Nach der Bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches wurde das Sportfechten schließlich vom Alliierten Kontrollrat als „paramilitärische Übung“ in der Direktive Nr. 23 („Beschränkung und Entmilitarisierung des Sportwesens in Deutschland“) verboten.

Bis zur Wiedervereinigung 1990 Auch wenn das Fechten offiziell untersagt war, setzten sich viele Fechter über den Beschluss des Alliierten Kontrollrats hinweg und fochten im Geheimen – zum Beispiel in Kellern oder auf Dachböden.Andreas Schirmer: Die Wiedergründung nach 1945. In: Deutscher Fechter-Bund (Hrsg.), Andreas Schirmer (Red.): En Garde! Allez! Touchez! 100 Jahre Fechten in Deutschland – Eine Erfolgsgeschichte. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2012, S. 54–58, hier: S. 54. Trotz des bestehenden Verbotes wurde am 27. November 1949 der Deutsche Fechter-Bund im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Bonn erneut gegründet. Vorsitzender des wiedergegründeten DFB wurde Erwin Casmir. Ein halbes Jahr später hob die Alliierte Hohe Kommission das Fechtverbot offiziell auf. In der DDR entwickelte sich die „Sektion Fechten“ unabhängig vom DFB, sodass dieser nur noch den westlichen Teil Deutschlands vertrat. Im März 1952 wurde der DFB schließlich wieder in die internationale Fechtorganisation FIE aufgenommen. Die ostdeutsche Sektion Fechten wurde erst 1956 Mitglied der FIE.Andreas Schirmer, Zweigeteilt wie das Land – der deutsche Fechtsport nach 1945. In: Berndt Barth, Emil Beck (Hrsg.): Fechttraining. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2000, S. 18 f.