Der Ishak-Pascha-Palast () ist ein zwischen 1685 und 1784Datierung geht auf einen Beitrag von Ziya Ünal in der Zeitschrift Hayat Tarih Mecmuasih, Istanbul 1956, zurück. Dagegen Bingöl, S. 42: „...ist Ende des 18. Jahrhunderts in kurzer Zeit entstanden.“ Dagegen noch früher Yıldırım, S. 74: Grundsteinlegung durch Çolak Abdi Pascha während der Herrschaft von Murad IV. Dieser regierte 1623–1640. erbauter burgähnlicher Palast des osmanischen Emirs von Doğubeyazıt Çolak Abdi Paşa und seines Sohnes İshak Paşa II. Er liegt im äußersten Osten der Türkei etwa sechs Kilometer südöstlich der Stadt Doğubeyazıt. Die ungewöhnliche Architektur und Bauornamentik des Palastes vereint Einflüsse 500 Jahre älterer seldschukischer Moscheen, armenischer Kirchen und den zeitgenössischen osmanischen Stil. Sein Planungsprinzip folgt der Gliederung des Topkapı-Palastes in Istanbul. mini|Ishak-Pascha-Palast von Südosten. Zustand von 2005

Lage Die Ebene am Fuß des Ararat wird in südwestlicher Richtung vom Sarısu durchflossen. Südlich des Flusses verläuft parallel die E 80 über Doğubeyazıt zum Grenzort Bazargan und in den Iran. Die Ränder der flachen Ararat-Ebene werden von schroffen, felsigen Bergkämmen zerlappt. Der Palast befindet sich auf dem Vorsprung eines dieser Bergrücken auf etwa 2200 Metern Höhe, etwa vier Kilometer südlich der Schnellstraße. An der ehemaligen städtischen Siedlung unterhalb des Palastes vorbei führte die alte Handelsroute, ein Teil der Seidenstraße, nach Täbris in den Iran.

An drei Seiten erheben sich die Außenmauern der Anlage direkt über dem Steilhang. Der Zugang erfolgt von oben über den Bergrücken, dort oberhalb endet auch die Fahrstraße. Wenige 100 Meter nördlich des Palastes in einem Seitental ist eine osmanische Kuppelmoschee aus dem 16. Jahrhundert zu sehen. Oberhalb der Moschee und jenseits der Talmulde thront in der Nähe eines urartäischen Felsgrabs die mittelalterliche Festung der Stadt auf einem steilen Felsgrat. Im Tal fließt ein Bach von Osten nach Westen. Er diente den Palastbewohnern früher zur Versorgung mit Trinkwasser, das in einem Becken nördlich des Palastes gesammelt wurde. Ferner gab es früher eine Wasserquelle beim Dorf Kivi, zwei Kilometer südöstlich. Die Hochebene von Doğubeyazıt ist ansonsten wasserarm, nahezu baumlos und wegen der nur dünnen Erdschicht für Ackerbau ungeeignet.

Geschichte Westlich der Festung zeigen steinerne Funde, dass sich bereits zu urartäischer Zeit hier eine Siedlung befunden haben muss. Die frühesten Siedlungsreste werden auf die Zeit um 800 v. Chr. datiert. Nordöstlich des Palastes sieht man ein urartäisches Felsgrab, dessen Eingang von überlebensgroßen Relieffiguren gerahmt wird.

Spätestens seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. dürfte es eine gut befestigte Stadtanlage gegeben haben. 1374 ließen die mongolischen Dschalairiden unter Şehzade Bayazıt Han die Festung erweitern. Im Mittelalter befand sich vermutlich eine kleine, nach Bayazit benannte Stadt südlich des Palasthügels in der Ebene. Sie scheint zwischen dem 14./15. Jahrhundert und dem Russisch-Türkischen Krieg von 1828/29 eine Blütezeit erlebt und sich bis zum Steilhang im Osten der Festung ausgebreitet zu haben. Ab 1514 gehörte der Ort zum Osmanischen Reich. In frühosmanischer Zeit wurde die Stadtbefestigung aufgegeben und abgetragen, sehr wahrscheinlich zugunsten der nun wiederaufgebauten Festung. Zur Bauzeit des Ishak-Pascha-Palastes im 18. Jahrhundert hatte sich die Stadt in der Ebene um den Palasthügel ausgedehnt.

An der Spitze des Sandschak von Bayazıt stand ein Mütesarrıf, dessen Amt seit Mitte des 17. Jahrhunderts vererblich war. Möglicherweise begann unter dem Provinzgouverneur Çolak Abdi Pascha 1685 der Bau des Palastes. Ein Mitglied der ab dieser Zeit herrschenden kurdischen Familiendynastie Çıldıroğulları hieß İshak Paşa. 1723 wurde er Wesir und im folgenden Jahr zum Statthalter (Pascha) von Tiflis ernannt. Sein Enkel Hasan wurde 1760/61 Statthalter von Çıldır. Ein anderer İshak, der 1790–1791 Pascha von Çıldır war, ließ den Palast vollenden. Die einzige inschriftliche Datierung des Palastes umfasst acht Zeilen, sie befindet sich über dem Portal zum Harem und nennt als Fertigstellungsjahr 1199 AH, entsprechend 1784 n. Chr.

Vermutlich der letzte Pascha dieser Dynastie, der den gesamten Palast bewohnte, war Mahmut († 1805) am Beginn des 19. Jahrhunderts. Er ist der einzige Herrscher, dessen Grab sich in der Grabkammer unter dem Palasthof befindet. Als die Russen im Russisch-Osmanischen Krieg 1828/29 im Jahr 1828 die Stadt eroberten, herrschte Mahmuts Nachfolger Behlül, der seinen Wohnsitz vom Palast in die Festung verlagert hatte. Ein großer Teil der Holzkonstruktion des Palastes wurde während des Krieges zerstört. In der Folge des Krieges zwangen die russischen Eroberer die Mehrzahl der Einwohner zum Verlassen der Stadt und zur Auswanderung nach Russland. Ein Erdbeben von 1840 richtete schwere Schäden am Palast und an der Festung an. Die Palastbewohner mussten in ein Haus in der Stadt umziehen. Um 1860 waren einige Räume wieder soweit hergestellt, dass die Herrscherfamilie sie nutzen konnte. Beim nächsten Russisch-Osmanischen Krieg von 1877/78 diente der Palast als Soldatenunterkunft. Weitere Schäden erlitt der Palast im Ersten Weltkrieg durch Gewehrfeuer, als die Stadt wegen ihrer strategischen Lage zwischen russischen und türkischen Truppen umkämpft war.

In der jungen Türkischen Republik war der Palast bis 1926 das Verwaltungszentrum für die Provinz Ağrı und den Distrikt (Kaza) von Bayazıt. Danach verlagerte man die Provinzverwaltung in die Stadt Ağrı und die Verwaltung für den Distrikt Bayazıt fünf Kilometer weiter in die Ebene, wo unter dem in Doğubeyazıt geänderten Namen ab Anfang der 1930er Jahre die heutige Stadt entstand. Die Bewohner gaben die alte, heute Eski Beyazıt („Alt-Beyazıt“) genannte Siedlung unterhalb des Palastes bis auf wenige Häuser am Osthang des Festungshügels auf.Sinclair, S. 386f

Forschungsgeschichte Die erste Kunde des Palastes brachte Pierre Amédée Jaubert nach Europa. Der französische Orientalist reiste im Auftrag Napoleons auf dem Weg nach Persien durch Bayazıt, wo er gefangen genommen wurde. Er lernte ein halbes Jahr lang den Kerker des Palastes kennen, bis er nach dem Tod Mahmut Paschas 1805 entlassen wurde. Aufgrund Jauberts Reisebeschreibung ließ sich das Todesdatum Mahmuts bestimmen, das auf dem Grabstein dieses letzten Herrschers der Dynastie aus Çıldır unleserlich ist. In dem 1821 erstmals veröffentlichten Werk ist außerdem eine Radierung des Palastes enthalten.

Aleksandr Kleonokovic Ushakov beschreibt den Krieg 1828/29 aus russischer Sicht in seinem 1838 in deutscher Übersetzung in Leipzig erschienenen Buch Geschichte der Feldzüge des General Paskewitch in der asiatischen Türkei. Er schildert genau die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Region, erwähnt jedoch den Palast nur am Rande.

Ausführlicher und voller Bewunderung berichtet der französische Forschungsreisende Charles Texier, der 1830 im Palast zu Gast war, über den zweiten Hof und besonders über die Ausstattung des Empfangsraums dort. Weitere europäische Reiseberichte folgten, darunter im Jahr 1838 der des damaligen britischen Konsuls in Erzurum. Die bis 1840 zusammengekommenen Kenntnisse aus Reiseberichten, die häufig nur ungenaue Eindrücke waren, fasste der Geograph Carl Ritter in seinem Werk Asiatische Türkei. Erdkunde von Asien X zusammen.

Detaillierter sind die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erschienenen Aufsätze türkischer Autoren. Der erste auf Türkisch erschienene Bericht stammt von Yusuf Mazhar Bey 1928. Darin sind drei Fotografien und einige Skizzen enthalten. Erkennbar ist, dass sich die Gebäude in einem schlechten Zustand befanden. Mazhar Bey entzifferte mehrere Inschriften und verglich den Palast mit dem Topkapı Sarayı. Im Jahr 1934 folgten Aufsätze von İ. Zühtü und Ali-Salm Ülgen, letzterer fand außerdem Parallelen zum heute verschwundenen Edirne Sarayı.

Im Jahr 1956 begann die regionale Denkmalschutzbehörde (Anıtlar ve Müzeler Genel Müdürlüğü) mit einer ersten Untersuchung. Sie vermaßen einige Monate die Anlage und fertigten Zeichnungen an. Einen ausführlichen Bericht hierüber veröffentlichte ihr Leiter Mahmut Akok 1960. Um das Jahr 1963 begannen Aufräumarbeiten. 1966 waren die Restaurierungen an der östlichen und südlichen Umfassungsmauer abgeschlossen. Das Mauerwerk des Palastes wurde bis zu den 1980er Jahren großteils wiederhergestellt. Die 1982 erschienene Monographie über den Palast von Yüksel Bingöl beruht auf einer Feldforschung 1978/79.Bingöl, S. 9–13

1992 begannen durch das Kulturministerium veranlasste umfangreiche Restaurierungsarbeiten. Die in den vorigen Jahren mit Beton ergänzten Mauerabschnitte wurden entfernt und durch angemesseneren Kalkmörtel und behauene Feldsteine ersetzt. 2004 entdeckte man bei statischen Untersuchungen, dass falsch eingebrachte Stahlanker zu Beschädigungen an den Außenmauern führten. Risse in den Moscheewänden mussten geschlossen werden. Im Jahr 2009 erhielten die bei der Restaurierung mit flach geneigten Wellblechdächern provisorisch eingedeckten Räume und die übrigen Gebäudeteile, die in den 1980er Jahren offen geblieben waren, eine aufwendige Überdeckung durch eine tonnengewölbte Holzbalken-Glas-Konstruktion.3.bp.blogspot.com (Foto von 2010 mit den neuen Dächern) Das Glas hält Regen und Schnee ab und schützt mit einem eingebauten UV-Filter vor Überhitzung im Sommer.Yıldırım, S. 81–83

Architektur mini|Abfolge der drei Portale. Kuppelmoschee mit Minarett auf dem Dach. Mitte hinten: Pyramidendach über der Küche. Von Nordosten Die Raumfolge der Gesamtanlage orientiert sich grob in ost-westlicher Richtung. Sie folgt dem Schema der traditionellen Dreiteilung osmanischer Paläste in einen Vorhof (biderun oder birun) und einen dahinter folgenden Innenhof (enderun), von dem sich der private Frauenwohnbereich (harem) als dritte Baugruppe abgrenzt. Die nördliche Außenmauer steht von der Ostecke bis zum Ende der Felsnase im Westen in zunehmender Höhe über dem Felshang. Die einstmals überbaute Fläche betrug in Längsrichtung etwa 120 Meter und etwa 65 Meter an der breitesten Stelle.Sinclair, S. 388: nach Plan Um die Ebene an der West- und Südseite zu vergrößern, wurde eine hohe Außenmauer aus rechteckig gefügten Blöcken errichtet und das Gelände dahinter aufgefüllt. Auf 7600 m² und zwei Etagen zählte der Palast nach einer Beschreibung von 1956 ursprünglich 366 Zimmer,Bingöl, S. 12 sie waren über die beiden hintereinanderliegenden Höfe und durch Korridore erschlossen. Beidseits des äußeren Hofes lagen Nebenräume, vom zweiten Hof waren die Wohn- und Aufenthaltsräume der Männer (selamlık) und die Moschee zugänglich, der Frauenwohnbereich mit dem Salon und den Funktionsräumen bildete den hinteren Westteil.

Die Räume waren klein genug, um im Winter durch einen offenen Kamin (ocak) beheizt werden zu können. In den Wänden entlangführende Luftschächte zeigen, dass viele Räume außerdem an eine zentrale Heizungsanlage angeschlossen waren. Es gab fließendes Wasser und ein Abwassersystem.

Für das Mauerwerk aus unbehauenen Feldsteinen oder sauber gefügten Quadern verwendete man sechs Gesteinsarten aus der näheren Umgebung. Holz kam als Dachgebälk, Türstürze, für frei stehende Tierfiguren und an manchen Stellen als Zugbalken in Wänden zum Einsatz. Laut einer chemischen Analyse handelt es sich um Waldkiefer (Pinus sylvestris L.), die in der Schwarzmeerregion und in Nordostanatolien bis über 2500 Meter Höhe vorkommt.Erdin, Tırak, S. 129 Die alten vergoldeten Tore wurden unter russischer Herrschaft Anfang des 20. Jahrhunderts abtransportiert und befinden sich heute in der Eremitage in Sankt Petersburg.

Ostportal, äußerer Hof