In Inneranatolien spielen neben dem zentralen Kappadokien um Ürgüp und Nevşehir zwei Vulkanregionen im Süden bzw. Südosten der Konya-Ebene (Konya Ovası) eine landschaftlich und auch kulturhistorisch auffällige Rolle: Die Vulkanberge des Karacadağ bei Karapınar und des Karadağ nördlich von Karaman. Hier sind vor allem große Vulkankegel neogenen Alters und kleine Krater aus dem Quartär bzw. ein neogener Vulkan mit einem großen Krater und zahlreichen kleineren Parasitärkratern kennzeichnend. Das Vulkangebiet des Karacadağ mit seinem unmittelbaren Umfeld nahe der Stadt Karapınar bietet dabei ein besonders breites Spektrum geologischer, geomorphologischer und kulturhistorischer Aspekte. Der Karacadağ bei Karapınar sollte nicht verwechselt werden mit dem gleichnamigen Karacadağ (oder auch Karacalıdağ), einem 1957 m hohen Schildvulkan in der Provinz Şanlıurfa in der Südost-Türkei.

Lage Das Vulkangebiet des Karacadağ erstreckt sich weitgehend zwischen Karapınar und Ereğli (Konya Ereğlisi) in Nordosten, Osten und Südosten von Karapınar, einer Stadt und einem Landkreis in der Provinz Konya (Zentral-Anatolien). Der Kreis grenzt im Westen an die Kreise von Çumra und Karatay, im Nordosten an Emirgazi und im Osten an Ereğli, alle in der Provinz Konya. Im Norden liegen die Landkreise Eskil und Aksaray (Provinz Aksaray) und im Süden die Landkreise Karaman und Ayrancı (beide in der Provinz Karaman). Die Kreisstadt Karapınar liegt etwa 100 Kilometer östlich der Provinzhauptstadt Konya an der Fernstraße 330 von Konya nach Ereğli mit Anschluss an die Staatsstraße 750 nach Adana. Das eigentliche Karacadağ-Massiv mit einer Fläche von etwa 200 km² hat die Form eines abgeflachten Kamms mit einer Höhe von 2025 m, der sich in südwest-nordöstlicher Richtung erstreckt und seine vulkanischen Aktivitäten im mittleren oberen Miozän begann.

Geologisch-geographischer Rahmen Das von jungen Vulkaniten bedeckte Land in Anatolien ist sehr groß. Ein Blick auf eine geologische Karte der Türkei macht deutlich, dass es in Anatolien vier große junge vulkanische Hauptregionen gibt: In Westanatolien das Gebiet der Biga-Halbinsel mit ihren östlich und südlich benachbarten Bereichen, in Südostanatolien vor allem das oben bereits genannte Vulkanmassiv des Karacadağ zwischen Urfa und Diyarbakır, in Nordostanatolien die ausgedehnten Vulkanplateaus Hocharmeniens und in Zentralanatolien die besonderen Schwerpunkte in Kappadokien beidseits des Kızılırmak-Bogens zwischen Tuz Gölü und Antitaurus. Neben großen Formen, wie markant aufsteigenden Vulkanbergen, machen vor allem ausgedehnte Lavaplateaus, bizarre Vulkanablagerungen, kleine Explosionskrater und vulkanische Tuffregionen mit Tuffkegeln die Topographie dieser Gebiete auch touristisch besonders attraktiv.

In den Regionen um Konya ist das Vulkangebiet des Karacadağ (2225 m) eines der Hauptvulkangebiete, zu denen aber auch der Karadağ (2271 m) bei Karaman, die Erenler Dağları (2319 m) im Südwesten bzw. der Aladağ (2203 m) im Westen von Konya (2319 m) gehören, deren Lavaansammlungen im Miozän und unteren Pliozän gebildet wurden und die Grundlage einiger Vulkanberge bzw. -gebirge bilden. Während die Erenler- und Aladağ-Vulkanmassen weitgehend aus Dazit- und Andesit-Laven und der Karadağ überwiegend aus roten Andesiten bestehen, ist das Massiv des Karacadağ neben Basalten und Andesiten nach Peter de Tchihatcheff aus zahlreichen Trachytkegeln und weißem Bimsstein und Tuffstein gebildet worden und ein Vulkangebirge, das starken Denudationsprozessen (flächenhaft wirkende Abtragung) ausgesetzt war. Vulkantuff, Andesit und Basalte, Produkte des letzten Ausbruchs, bilden die Hauptstruktur des Berges. Forscher haben den quartären Vulkanismus in dieser Region zwischen 714.000 und 20.000 Jahren mit der Kalium-Argon-Datierungsmethode ermittelt. Diese Daten zeigen, dass die letzte Phase des Vulkanismus historische Perioden erreichte. links|mini|400x400px|Die Karte zeigt die wichtigsten physisch-geographischen Besonderheiten des Vulkangebietes um den Karacadağ bei Karapınar Neogen-quartäre Vulkangesteine treten in einem weiten Gebiet auf, das sich um den Karacadağ bis nach Karapınar, Emirgazi und Ereğli erstreckt. Die neogen vulkanischen Erscheinungen, die in Form von Lavaströmen, Kuppeln und Pyroklasten auftreten, werden pauschal als „Karacadağ-Vulkanite“ bezeichnet. Auf der anderen Seite werden quartäre mafitische vulkanische Sedimente, die als Schlackenkegel, Lavaströme und Maar-Pyroklastiken auftreten, als "Karapınar-Vulkane" bezeichnet. Diese beiden Vulkanregionen bilden die südwestliche Erweiterung der kappadokischen Vulkanprovinz und werden unter dem Namen Karapınar-Karacadağ-Vulkankomplex zusammengefasst. Die Karacadağ-Vulkanite sind klar kalkalkalisch und bestehen hauptsächlich aus Andesit, seltener aus Basalt, Dazit und Trachyt. Karapinar-Vulkanite dagegen haben einen kalkalkalisch-mildalkalischen Charakter und bestehen hauptsächlich aus Basalt, seltener aus basaltischem Andesit und Andesit. links|mini|Gewaltig ist der Blick vom Topuzdağı-Pass auf die Kulisse des 3917 m hohen Erciyes Dağı über die Ebene von Dörtyol hinweg mini|Blick von Güzelyurt über die Yüksek Kilise und das Tal des Melendiz Çayı auf den massiven Vulkankegel des 3268 m hohen Hasan Dağı nördlich des Karacadağ links|mini|Die Flugaufnahme zeigt ein typisches junges Vulkangebiet, ein Lavafeld mit zwei Aschkegeln, in der antiken Landschaft Katakekaumene (verbranntes Land) in Westanatolien bei Kula. mini|Das Bild zeigt einen der beiden Aschekegel im jungen Vulkangebiet von Kula in Westanatolien. Erste jüngere vulkanische Eruptionen ereigneten sich im Gebiet von Karapınar wohl im Miozän. Nachdem vulkanische Ereignisse dann im mittleren Pliozän weitgehend ausgeblieben waren, setzten sie sich im oberen Pliozän und im Quartär mit Aktivitäten fort, die in der Türkei bis in historische Zeiten reichten, so u. a. im Umfeld des Erciyes Dağı und des Nemrut Dağı (Vanseegebiet). Die vulkanischen Vorgänge, die bislang entlang von großen Bruchlinien verlaufen waren, änderten sich dabei allerdings zu Formen zentraler Eruptionserscheinungen. Dies geschah im Allgemeinen in zwei großen Eruptionsperioden: In der ersten Phase im Miozän und Unter-Pliozän entstanden überwiegend Andesit-Dazit-Laven. Damals wuchsen Vulkanlandschaften in der Umgebung von Ankara und Afyonkarahisar, kappadokische Tuff-Hochebenen von Nevşehir und Aksaray und Ignimbrit-Plateaus der Bozok und Kars Yaylası. Die zweite Phase verstärkter vulkanischer Eruptionen geschah im oberen Pliozän bis zum Quartär meist in Form zentraler Ausbrüche und hauptsächlich in Form von Basaltlaven mit Eruptionen über dem gleichen vorher gebildeten vulkanischen Gelände des Miozäns und Unteren Pliozäns, wobei nur schwache Vulkanberge sowie Asche- und pyroklastische Kegel und Explosionskrater entstanden, die allerdings nicht alle den gleichen morphologischen Charakter aufweisen. Ein Teil davon ist entweder inzwischen vollständig erodiert und damit weitgehend verschwunden, wie Spuren derartiger vulkanischer Formationen um Karapınar zeigen, oder stark erodiert, wie am Karacadağ oder am Erciyes Dağı bei Kayseri. Andere haben bis heute mit ihrem geologisch und morphologisch jungen Erscheinungsbild überlebt, wie der Hasan Dağı oder die pyroklastischen Kegel, die in der letzten Phase z. B. um Kula (Westanatolien) entstanden sind. Zwischen diesen beiden Eruptionsphasen gab es eine Phase tektonischer Ruhe und eine Pause der vulkanischen Aktivität, während der sich im Holozän durch flächenhafte Denudation einerseits Plateaus und andererseits durch einschneidende Tiefenerosion schornsteinhafte Tuffgebilde (die so oft zitierten „Feenkamine“ Kappadokiens) mit unterschiedlichen Formen herauspräparierten.

Der Vulkanismus der Karacadağ-Vulkane, der im Zusammenhang mit den Kollisionen zwischen der arabisch-afrikanischen Platte und der anatolischen Platte gesehen werden muss, ist weitgehend krustalen Ursprungs. Dabei wurde der dortige Vulkanismus, der im Pliozän als kalkalkalisch mit hohem Kaliumgehalt begann, mit der Zeit ärmer an Kalium und Silicium und verwandelte sich im Quartär in einen Vulkanismus mit eher leicht alkalischer Zusammensetzung. Die Tatsache, dass einige der quartären Basalte dort leicht kalkalkalisch sind, zudem aber eine Kaliumanreicherung aufweisen, weist darauf hin, dass die Magmaschmelze aus einer größeren Tiefe erfolgte und dabei z. T. kalkhaltige Vulkane bildete. „Alkalischer Vulkanismus bzw. kalkalkalischer Vulkanismus liefert vulkanische Produkte, bei denen der Anteil der Kieselsäure zwischen 56 % und 61 % liegt (bei etwa gleichen Anteilen von CaO und K2O+Na2O), charakteristischerweise also Plagioklas enthalten. Die Kalkalkali-Gesteine werden als Pazifische Sippe bezeichnet und stellen mit Granit, Diorit, Syenit oder Gabbro den weitaus größten Teil der magmatischen Gesteine. Unter ihnen wird noch zwischen einer Atlantischen Sippe mit vorwiegendem Na-Gehalt und einer Mediterranen Sippe mit vorwiegendem K-Gehalt unterschieden.“ links|mini|Blick nach Norden auf das Massiv des Karacadağ von einem der kleineren Vulkankegel nordöstlich des Meke Gölü mini|Blick über die Vulkanlandschaft östlich von Karapınar Nach geochronologischen Berechnungen beträgt das Alter der Basalte der Karacadağ-Vulkanite 5,65 ± 0,06 Millionen Jahre und das Alter der dortigen Dazite 5,45 ± 0,09 Millionen Jahre. Aufgrund entsprechender weiterer Daten war der Vulkanismus von Karapınar und des Karacadağ von vor 2,5 Millionen Jahren bis zu historischen Perioden aktiv. Verschiedene Indikatoren weisen darauf hin, dass die Magmamassen aus dem Erdmantel-Bereich (also größerer Tiefe) stammen, allerdings auch kontinentale Krustenkomponenten enthalten, also Teilschmelzen von Krustenmaterial aus Subduktionsprozessen aufnahmen, wobei die kontinentalen Krustenkomponenten von Neogen zum Quartär hin abnahmen, dann aber im Quartär räumlich zunahmen.

Auf der Basalt-Ebene von Karapınar stößt man auf mindestens fünf Aschekegel, zwei Lavafelder und zahlreiche Explosionskrater und Maare, deren vulkanische Strukturen tektonischen Linien folgen. In dem Gebiet liegen viele vulkanische Formationen unterschiedlicher Größe mit unterschiedlichen Eigenschaften und Altersgruppen nahe beieinander, die in ihrem natürlichen Zustand gut erhalten sind. Hier befinden sich 6 von 10 der in der Türkei bekannte Maare.

Pliozän-quartärer Vulkanismus im Gebiet um Karapınar und Ereğli Die vulkanischen Aktivitäten während des Pliozäns und Quartärs im Bereich des Karacadağ-Massivs hat sich vor allem in Form von Vulkankegeln, Eruptionskratern, Aschekegeln und Maarbildungen manifestiert, wobei es auch hier wieder Hinweise auf verschiedene Phasen gibt:

Während der ersten Phase wurden vereinzelte Kegel gebildet, die anschließend wieder erodiert wurden, sodass von ihnen rezent z. B. nur noch Lavapfropfen, wie die 1104 m bzw. 1097 m hohen Hügel auf der Hochfläche zwischen Yavşan Yaylası (1036 m) östlich des Meke Gölü und Lokmandanışık Yaylası im Südwesten übrig sind. Diese flachen Kegel mit einer relativen Höhe von 60–70 m weisen keine sehr ausgeprägte Form auf. In der zweiten Phase traten dort vulkanische Agglomerate auf, die später ebenfalls erodiert wurden, aber einer Kegelform ähneln, die durch ihre konischen Formen immer noch erkennbar sind. Der 1128 m hohe Hügel zwischen Meke Gölü und Acı Göl ist einer von ihnen. In der dritten Phase bildeten sich mehrphasige und poolförmige Lavaansammlungen (sogenannte Lavapools), wie der Andıklı Tepe (1119 m) südlich von Karapınar, der Küçük Medet Tepesi (1302 m) und südlich davon die Lava südlich des Meke Gölü. Weitere Beispiele sind der Lavapool mit dem Ayırtmeke Tepesi (1278 m) und die Cihirlik-Lavapools nordwestlich des Meke Tepesi. In der vierten Phase wurden oft pyroklastische Kegel gebildet, die bis heute frisch aussehen. Beispiele für pyroklastische Kegel sind der leicht beschädigte Kegel im Zentrum des Andıklı Tepe sowie die Kegel des Küçük Medet Tepesi und des Ayıtmeke.