Die Hansa-Brandenburg W 19 war ein deutsches Schwimmer–Jagdflugzeug des Ersten Weltkriegs. Das militärische Kürzel lautete nach dem Bezeichnungssystem der Kaiserlichen Marine C3MG für „zweisitziges Schwimmerflugzeug mit zwei starren und einem beweglichen MG“.
Entwicklung Die W 19 wurde unter der Leitung von Ernst Heinkel als Reaktion auf einen am 2. April 1917Volker Koos: Luftfahrt zwischen Ostsee und Breitling. Der See- und Landflugplatz Warnemünde 1914 – 1945. Transpress, Berlin 1990, ISBN 3-344-00480-8, S. 27–31. erteilten Auftrag als leistungsgesteigertes Nachfolgemodell der erfolgreichen W 12 geplant und gebaut. Dazu wurde die Spannweite um 2,6 m vergrößert, der Rumpf verlängert und eine weitere Stielebene zwischen Ober- und Unterflügel eingesetzt. Außerdem fand ein wesentlich leistungsstärkerer 240-PS-Motor Verwendung (W 12: 165 PS). Die Seeflugzeug-Abnahmekommission (SAK) war von dem Entwurf so überzeugt, dass sie am 2. April 1917 den Auftrag zur Serienproduktion zuungunsten des Konkurrenzmusters FF 48, einem C2MG-Typ und Nachfolger der FF 33h, erteilte. Das Baulos umfasste ursprünglich 55 Exemplare, von denen bis zum Mai 1918 53 Stück an die Seeflieger geliefert wurden. Die Flugzeuge waren gemäß dem C3MG-Standard bewaffnet; eine Ausnahme bildeten die drei ersten Flugzeuge mit dem Nummernblock 1469 bis 1471, die nur mit einem starren Maschinengewehr ausgerüstet waren. Zu Versuchszwecken erhielt eine W 19 mit der Marine Nummer 2237 eine bewegliche 20-mm-Maschinenkanone im Rückenstand, mit der im April 1918 vom Seeflugzeug-Versuchskommando (SVK) in Warnemünde Tests durchgeführt wurden.
Aufbau Die W 19 war wie ihre Vorgängerin als verstrebter Doppeldecker in Gemischtbauweise ausgelegt. Der Rumpf aus Holzspanten mit senkrechten Seitenwänden und gewölbtem Rücken war im hinteren Bereich ebenfalls nach oben gezogen und endete in dem nach unten gezogenen Seitenruder, wodurch sich ein sehr freies Schussfeld für den Beobachter nach hinten ergab. Die Konturen waren aerodynamisch verfeinert worden; so konnte die bei der W 12 durch die hintere Kabine verursachte Ausbeulung beseitigt werden. Der Kraftstofftank war im Rumpf untergebracht. Beim Tragwerk gab es neben der vergrößerten und nun oben wie unten gleichen Spannweite noch die zwei- statt einstielig ausgeführten Verstrebungen mit ausgekreuzten Verspannungsdrähten zwischen den aus sperrholzverkleideten Rundstahlrohren bestehenden I-Stielen. Die zweiholmigen Tragflächen hatten ein etwas dünneres Profil erhalten und besaßen oben wie unten Querruder. Das Schwimmwerk wurde von der W 12 übernommen und umfasste die beiden parallel zueinander angeordneten Sperrholzschwimmer mit je einer Stufe und dahinter gekieltem Unterboden. Sie waren durch N-Streben mit dem Rumpf verbunden und durch V-Streben zu den unteren Tragflächen hin abgestützt.
Vergebene Marinenummern MarinenummerJörg Biber: Das Seeflugzeug-Versuchs-Kommando Warnemünde. Media Script, Berlin 2023, ISBN 978-3-9822979-1-0, S. 263/264. Typ Anzahl 1469–1471 C2MG 3 2207–2216 C3MG 10 2237 CK 1 2238–2257 C3MG 20 2259–2278 C3MG 20 2537 C3MG 1 2544–2563 CK 20 2683–2722 C3MG 40 gesamt 115
Zu Vereinfachungszwecken wurde der große Nummernblock 2201–3000 am 16. November 1917 als gesamtes Hansa-Brandenburg zugewiesen. Inwiefern die diesen Nummern zugeteilten Flugzeuge speziell in den letzten Wochen des Krieges wirklich gebaut wurden, ist unklar und kann zumeist aufgrund fehlender Unterlagen nicht mehr nachvollzogen werden.
Technische Daten Kenngröße DatenGünter Kroschel, Helmut Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910–1918. Mittler, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-693-4, S. 154 Besatzung 2 Spannweite 13,8 m Länge 10,65 m Höhe 4,1 m Flügelfläche 57,8 m² Leermasse 1435 kg Nutzlast 100 kg Startmasse 2005 kg Antrieb ein wassergekühlter Sechszylinder-ReihenmotorMaybach Mb IV Nennleistung bei 1400/min Höchstgeschwindigkeit 150 km/h in Bodennähe Marschgeschwindigkeit 130 km/h Steigzeit 6:24 min auf 1000 m Höhe18:45 min auf 2000 m Höhe23 min auf 3000 m Höhe prakt. Gipfelhöhe 3000 m Reichweite 450 km Bewaffnung zwei starre 7,9-mm-MG 08/15 mit je 500 Schussein bewegliches 7,9-mm-MG Parabellum mit 500 Schuss
Literatur Rainer Lüdemann: Die deutsche Seefliegerei. Buch I: Schwimmerflugzeuge – Von den Anfängen bis Ende des 1. Weltkrieges. Epubli, Berlin 2020, ISBN 978-3-7529-8719-5. Wilfried Kopenhagen: Schwimmerflugzeuge des ersten Weltkriegs. In: Peter Bork (Hrsg.) Fliegerkalender der DDR 1986. Militärverlag, Berlin 1985.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Flugzeugtyp (Kaiserliche Marine) Kategorie:Schwimmerflugzeug Kategorie:Einmotoriges Flugzeug mit Kolbenmotor Kategorie:Erstflug 1917