miniatur|Scabby Bull, ein Arapaho-Indianer, 1898
Die Arapaho [] oder Arapahoe sind ein Indianervolk Nordamerikas und gehörten wie ihre engsten Verbündeten – die Cheyenne – als nomadische Plainsindianer zum Kulturareal der Prärien und Plains. Zudem waren beide Völker ab 1750 die dominante militärische sowie politische Macht der Central Plains und der Front Range im Westen von Nebraska und Kansas, im Südosten von Wyoming sowie im Osten von Colorado.
Historisch waren sie enge Verbündete der Cheyenne und später ihrer vormaligen Feinde, der Lakota Sioux, Comanche, Kiowa und Plains Apache. Zu ihren traditionellen Feinden zählten die Shoshone, Ute, Osage und Pawnee. Auch die verwandten Gros Ventre wurden oftmals hartnäckig bekämpft, da diese sich zu ihrem Schutz jeweils den Arapaho feindlich gesinnten mächtigen Stammesallianzen angeschlossen hatten – zuerst als Mitglied der Blackfoot-Konföderation (von etwa 1793 bis 1861) und danach als Mitglied der Cree-Assiniboine-Allianz (Nehiyaw-Pwat).
Ursprünglich bestanden die Arapaho aus fünf unabhängigen Dialekt- sowie Stammesgruppen, die entlang des Red River of the North im Norden Minnesotas und im Westen der Großen Seen im Gebiet des Kulturareals des Nordöstlichen Waldlandes lebten, die jedoch zusammen mit den Cheyenne dem Druck der mit Gewehren bewaffneten und militärisch überlegenen Ojibwe und Assiniboine nach Westen und Südwesten ausweichen mussten. Auf dieser Wanderung blieb die nördlichste Stammesgruppe Anfang des 18. Jahrhunderts im Norden Montanas sowie Süden Manitobas und Saskatchewans zurück, während die vier übrigen Stammesgruppen weiter nach Süden und Südwesten auf die Central Plains und in die Front Range zogen. Gegen 1750 hatten sich zwei separate Volksstämme entwickelt: die im Norden auf den Nördlichen Plains verbliebenen Gros Ventre sowie die nach Süden und Südwesten gezogenen Arapaho.
Seit 1878 leben die Northern Arapaho zusammen mit dem Eastern Shoshone Tribe auf der Wind River Indian Reservation in Wyoming und sind als Arapaho Tribe of the Wind River Reservation anerkannt; die Southern Arapaho leben zusammen mit den Southern Cheyenne in Oklahoma und bilden den ebenfalls auf Bundesebene anerkannten Stamm der Cheyenne and Arapaho Tribes.
Die Arapaho versuchten sich aus den Kriegen mit den Vereinigten Staaten herauszuhalten, wurden jedoch 1864 Opfer des Sand-Creek-Massakers, als Colonel Chivington ein Lager von Cheyenne und Arapaho auslöschte, das unter dem Schutz der US-Regierung stand. Die Überlebenden flohen nach Wyoming und baten die Shoshone um Land; andere sannen auf Rache und nahmen am sog. Red-Cloud-Krieg von 1866 bis 1868 (auch bekannt als Bozeman-Trail- oder Powder-River-Krieg) an der Seite der Northern Cheyenne und Lakota teil, der vorläufig mit einem vollständigen Sieg der vereinigten Stämme endete. Zusammen mit (meist) Northern Cheyenne und Lakota kämpften einige Arapaho 1876 in der Schlacht am Little Bighorn River gegen das 7. US-Kavallerie-Regiment unter George A. Custer.
Stammesbezeichnung und Namen miniatur|Freckle Face, Arapaho-Frau, 1898 Nach verbreiteter Ansicht leitet sich der heutige Stammesname Arapaho von einem Wort der feindlichen Pawnee – entweder von raapuh / raapih („handeln“) oder von tirapihu / larapihu („Händler“) her; eine konkurrierende Lehrmeinung behauptet jedoch, der Name leite sich aus der Sprache der ebenfalls feindlichen Absarokee (Crow) ab, die die Arapaho als Alappaho („Volk mit vielen Tätowierungen“)andere behaupten der Crow Name Alappaho' bedeute Enemy with Many Skins („Feinde mit vielen Pelzen“), was dieselbe Bedeutung wie „Händler“ impliziert, da nur ein Volk in Besitz von vielen (überzähligen) Pelzen Handel treiben konnte. bezeichneten, das die europäischen Händler dann in Arapaho verballhornten – die Arapaho selbst kennen keinen Laut für „r“. Die Cree nannten sie ebenfalls Assaso Iyiniwak („Tätowiertes Volk“). Die Absarokee- und Cree-Namen bezogen sich auf die überlieferte Tradition unter den Arapaho, ihren Jungen drei horizontale Punkte auf die Brust und den Mädchen einen Punkt auf die Stirn zu tätowieren; dies geschah, um nach einem eventuellen Überfall und Raub der Kinder beziehungsweise Frauen durch einen feindlichen Stamm diese eventuell bei der Befreiung im feindlichen Lager wieder identifizieren zu können.die Arapaho galten – neben den Absarokee – unter benachbarten Stämmen und Europäern als äußerst schöne und gut aussehende Menschen – die Arapaho unterstellten sogar den gegenüber ihnen kleiner gewachsenen, untersetzteren und dunkelhäutigen Ute, gezielt Arapaho-Mädchen und Frauen zu stehlen, um sich vermeintlich besseres Blut und Aussehen in den Stamm einzuverleiben
Die Cheyenne nannten sie Hetanevo’eo’o („Wolken-Menschen“), die Lakota auch Maȟpíya Thó (‚Blue Cloud Men‘, ‚Blue Sky People‘ – „Blaue-Wolken-Menschen“, „Blaue-Himmel-Volk“) und die Assiniboine ebenfalls Maȟpíyato. Alle diese Namen könnten von der ursprünglichen Eigenbezeichnung der Arapaho als Heeteinono’eino herrühren.evtl. ein Verweis auf die blaue Farbe der Tatoos, die die Arapaho trugen
Die Pawnee bezeichneten die Arapaho – wie viele andere Stämme übrigens auch – als Sarí’itihka / Sári’itihka („Hundefleischesser“), die Comanche nannten sie ebenfalls Saria Tʉhka / Säretika (Sata Teichas), die Caddo Detseka’yaa und die Wichita-Völker Nia’rhari’s-kûrikiwa’ahûski, was alles in etwa „Hundeesser“ bedeutet (auch die Shoshone und Ute hatten ähnliche Bezeichnungen).
Die Arikaree hingegen nannten sie Tuhkanihnaáwiš / Kun na-nar-wesh (‚Grey Stone Village‘ oder ‚Colored Stone Village People‘)Gary E. Moulton (Herausgeber), Meriwether Lewis (Autor): The Definitive Journals of Lewis and Clark, Vol 3: Up the Missouri to Fort Mandan, Verlag: University of Nebraska Press, Juni 2002, ISBN 978-0803280106, Seite 137, da unter den Handelsgütern der Arapaho sich vielleicht auch Schmucksteine aus dem Südwesten befanden.
Da die Hidatsa die Arapaho auch als E-tah-leh / Ita-Iddi (‚Bison Path People‘) bezeichneten, übernahmen die Franzosen wahrscheinlich diesen Namen, so dass in der älteren französischsprachigen Literatur beide – Arapaho und Gros Ventre – auch als Gens de Vache („Büffelvolk“, „Bisonvolk“) bekannt sind. Die meist in englischen Texten (zum Beispiel Lewis und Clark) auftauchenden Stammesbezeichnungen als Kananavich, Ca-ne-na-vich oder Kanenavich scheinen Verballhornungen entweder der französischen Namensgebung Gens de Vache oder des Arikara-Namens zu sein.
Da die Arapaho die verwandten Gros Ventre verächtlich als Hitouunenno, Hitúnĕna oder Hittiuenina („Bettler“, wörtlich „Schmarotzer“) bezeichneten, übernahmen dies die verbündeten Cheyenne und nannten sie ebenfalls Hestóetaneo’o („Jene, die um Fleisch betteln“, „Schmarotzer“). Da die Franzosen diese Bezeichnung in der Zeichensprache der Plains als „Gros Ventres“ („Fette Bäuche“, statt des Zeichens für „Hunger“) missinterpretierten, wurden sie seitdem im Französischen als Gros Ventres oder im Englischen als Big Bellies bezeichnet.
Sich selbst nannten (nennen) die Arapaho wie viele andere indigene Völker einfach Hinono’eino, Hinanae’inan oder Inuna-Ina („unser Volk“ oder einfach „Volk“), ist jedoch der gesamte Arapaho-Stamm gemeint, wird die Bezeichnung Hinono’eiteen („Arapaho Nation“) verwendet.
Dialekt- und Stammesgruppen der Arapaho-Atsina (Gros Ventre) Wie bereits erwähnt, gab es ursprünglich fünf unabhängige Dialekt- und Stammesgruppen, die sich während der Wanderung zwischen 1700 und 1750 westwärts und südwärts auf die Plains zu zwei separaten Volksstämme entwickelten, die sogar feindlichen Stammesallianzen angehörten: Die nördlichste Dialekt- und Stammesgruppe blieb auf den nördlichen Plains zurück und entwickelte sich zu den Atsina (Gros Ventre), während die vier übrigen Dialekt- und Stammesgruppen weiter nach Süden und Südwesten auf die Central Plains und in die Front Range zogen und sich dort zu den Arapaho entwickelten.
Jede Stammesgruppe sprach ihren eigenen Dialekt (oder eine Arapaho-Sprache), von denen manche vom eigentlichen Arapaho in verschiedener Form und Stärke abwich – jedoch waren alle Dialekte beziehungsweise Arapaho-Sprachen (Arapaho-Atsina) untereinander gegenseitig verständlich. Diese führte auch dazu, dass die einzelnen Stammesgruppen jeweils meist ihre eigene Identität und Sprache lange bewahren konnten, auch wenn sie sich später politisch neu organisieren sollten. Die Dialekte der Haa’ninin (Atsina / Gros Ventre), Beesowuunenno’ und Hinono’eino (eigentliches Arapaho) waren eng untereinander verwandt, während die Dialekte der Nanwacinaha’ana und Hánahawuuena am meisten von diesen abwichen. Nach Aussagen der Ältesten der Arapaho jedoch war der Dialekt der Hánahawuuena der am schwersten zu verstehende Dialekt.
Der Anthropologe Alfred Kroeber identifizierte diese fünf Dialekt- und Stammesgruppen wie folgt (von Süden nach Norden):
Nanwacinaha’ana, Nawathi’neha („im Süden/südlich lebendes Volk“) oder Nanwuine'nan / Náwunena, Noowothiineheeno' / Noowunenno („Südliches Volk“), ihre heute ausgestorbene Sprache bzw. Dialekt Nawathinehena war einer der am stärksten abweichenden Dialekte – sie entwickelten sich zu den späteren Southern Arapaho. Hánahawuuena, Hananaxawuune’nan oder Aanû’nhawa („Felsenleute“, „Felsenvolk“, vielleicht mit Bezug auf die Rocky Mountains), ihre Stammesgebiete grenzten im Norden an die der Nanwacinaha’ana, sie sprachen die heute ebenfalls ausgestorbene Sprache bzw. Dialekt Ha’anahawunena und entwickelten sich später zu den Northern Arapaho. Hinono’eino, Hinanae’inan oder Inuna-Ina (ursprünglich „wahre Arapaho“ oder „eigentliche Arapaho“, später mit der Bedeutung als „unser Volk“ auf alle Arapaho übertragen) oder eigentliche Arapaho, sprachen Hinónoʼeitíít / Heenetiit oder eigentliche Arapaho-Sprache der Arapaho-Sprachen – entwickelten sich später zu Keimzelle der Northern Arapaho und galten unter den anderen Arapaho als Mutterstamm. Beesowuunenno, Baasanwuune’nan oder Bäsawunena („Volk mit großen Behausungen“ oder „Wigwam/Grashütten Volk“), lebten weiter nördlich der Hinono'eino, ihre Kriegstrupps nutzten unterwegs ähnliche Behausungen wie das Wigwam ähnlich der Algonkin-Stämme rund um die Großen Seen, laut Überlieferung verließen sie ihre ursprüngliche Heimat später als die anderen Arapaho-Gruppen (manche Arapaho und Linguisten behaupten daher auch ihr Name bedeute „Volk der Großen Seen“ oder „Volk am großen Wasser“, jedoch ist heute keine allgemein anerkannte Übersetzung bekannt), sprachen die heute ebenfalls ausgestorbene Sprache bzw. Dialekt Besawunena bzw. Beesoowuuyeitiit der Arapaho-Sprachen – die meisten schlossen sich den Northern Arapaho an, einige den Southern Arapaho sowie den Gros Ventre (Atsina). Haa’ninin, A’aninin, Ahahnelin oder A’ani („Volk der weißen Ton(erde)“ oder „Kalkvolk“), waren die nördlichste Dialekt- und Stammesgruppe, nach der Trennung von den anderen vier Arapaho-Stammesgruppen wurden sie von Letzteren verächtlich als Hitouunenno, Hitúnĕna oder Hittiuenina („Bettler“, wörtlich „Schmarotzer“) bezeichnet – da die Arapaho die Haa’ninin als unterlegen bzw. minderwertig betrachteten; als zeitweise Verbündete der feindlichen Blackfoot-Konföderation (circa 1793–1861) konnten sie sich ihre ethnische Eigenständigkeit bewahren und entwickelten sich zu den späteren Gros Ventre oder Atsina (die Blackfoot bezeichneten die Haa’ninin als „Atsíína“ – „wie ein Cree, d. h. Feind“, auch als „Mutiges Volk“ wiedergegeben oder als „Piik-siik-sii-naa“ – „Schlangen, d. h. Feinde“), sie sprechen die heute fast ausgestorbene Sprache bzw. Dialekt Gros Ventre oder Ananin/Ahahnelin, die von den Arapaho verächtlich als Hitouuyeitiit („Sprache der Bettler bzw. Schmarotzer“) bezeichnet wurde; es gibt Hinweise, dass die südliche Stammesgruppe der Haa’ninin, die Staetan Band, zusammen mit Bands der späteren Northern Arapaho die Sprache bzw. Dialekt Besawunena sprachen.
Entwicklung zu den Gros Ventre (Atsina) und Arapaho