Mit Caddo, oder in einer Langform CadoaquiosHermann Moll, Karte der West Indies und der Karibik, 1732, werden heute meist drei historisch mächtige Konföderationen (Allianzen) – richtiger: Häuptlingstümer – indianischer Völker sowie mit diesen lose verbündete Stämme bezeichnet, die alle Varianten des Südlichen Caddo sprachen und im Einzugsgebiet des Red River of the South in Osttexas, Südwesten Arkansas, Westen Louisianas und Südosten Oklahomas lebten. Zudem werden unter dem Sammelbegriff Caddo manchmal auch alle Stämme der Südlichen und Central Plains sowie der angrenzenden Kiefern-Waldgebiete im Osten bezeichnet, die Varianten der Caddo-Sprachen sprachen. Kulturell zählen sie sowohl zum Kulturareal des Südöstlichen Waldlands als auch zu dem der Prärie und Plains und gelten als Nachfolger der Mississippi-Kultur.

Sprache

Die unter dem Sammelbegriff Caddo bezeichneten Völker werden sowohl geographisch und kulturell als auch sprachlich in zwei große Caddo-Dialektgruppen unterteilt, die einst fünf Caddo-Sprachen sprachen: die Nördlichen Caddo oder Plains Caddo lebten als Halbnomaden auf den Südlichen und Central Plains von Zentral-Texas bis nach North Dakota (von Süd nach Nord): die Wichita-Völker die Kichai (Kitsai) die Pawnee die Arikara

die Südlichen Caddo oder einfach als Caddo bezeichneten Völker lebten als sesshafte Ackerbauern auf der Prärie sowie in den Waldgebieten im Einzugsgebiet des Red River of the South im Osten Texas’, Südwesten Arkansas’, Westen Louisianas und Südosten Oklahomas, waren historisch in drei große mächtige Häuptlingstümer (Allianzen) oder Konföderationen unterteilt, denen sich lose andere kleinere Stämme anschlossen (von Süd nach Nord): die Hasinai oder Tejas (Texas)-Konföderation die Natchitoches-Konföderation die Kadohadacho oder Caddo-Konföderation sowie mehrere kleinere Stämme wie die Cahinnio, Mento, Upper und Lower Yatasi, Ouachita (Washita), Eyeish sowie evtl. Tula

Keine der heute noch vier gesprochenen Caddo-Sprachen erreicht jeweils eine Zahl von mehr als 25 Sprechern. Daher zählen sie alle zu den ernsthaft bedrohten Sprachen (Südliches Caddo) bzw. fast ausgestorbenen Sprachen (Nördliches Caddo).

Die allgemein als Südliche Caddo oder im engeren Sinn als Caddo bezeichneten Völker sprachen (sprechen) jeweils mehrere gegenseitig verständliche Dialekte des Südliches Caddo (Hasí:nay), die meist auch die politischen Allianzen widerspiegelten: Kadohadacho, Hasinai, Hainai, Natchitoches und Yatasi, sowie die Dialekte der Eyeish, Quachita (Washita) sowie evtl. Tula. Heute gibt es nur noch 25 hauptsächlich ältere Caddo-Sprecher, wobei die Hasinai und Hainai-Dialekte dominieren – neben einigen Kadohadacho-Dialekt-Sprechern.

Häuptlingstümer sowie Stämme der Südlichen Caddo KADOHADACHO oder CADDO-Konföderation (Allianz) (Caddo: Kadawdáachuh oder Kä’dohadä’cho, auch als Real Caddo, Grand Caddo bezeichnet, waren namensgebend für alle Caddo sowie deren Sprache; lebten traditionell im Gebiet der Schleife des Red River of the South im Grenzgebiet von Texas, Oklahoma, Arkansas und Louisiana, jeder Stamm der Konföderation wurde von einer erblichen Linie von Häuptlingen, den Caddi angeführt, die einen indigenen Adel bildeten; die Spanier bezeichneten diese adligen Anführer als Cacique (Kazike), die Engländer später als chief (Häuptling); der oberste Caddi der Konföderation entstammte dem Adel des Kadohadacho-Stammes und wird im Englischen zur Unterscheidung zu den politisch abhängigen Caddi als Paramount chief bezeichnet.) Kadohadacho oder eigentl. Caddo (bedeutendster Stamm der Kadohadacho (Caddo)-Allianz, lebten entlang des Nordufers des Red River nahe der heutigen Arkansas-Texas-Grenzlinie, Anfang des 18. Jahrhunderts wurden sie immer wieder von den westwärts ziehenden Chickasaw angegriffen, getötet oder versklavt, die Kadohadacho flohen daher zu den Nassoni und Natchitoches, Ende des 18. Jahrhunderts schlossen sich die überlebenden Kadohadacho den Natchitoches im Nordwesten von Louisiana an) Nanatsohoweitere Namen für die Nanatsoho: Natsoho, Natsoo, Natsoto, Nadsoo, Natsvto oder Nathosos (lebten Ende des 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts zwischen den Kadohadacho und Upper Nasoni entlang der Schleife des Red River im Grenzgebiet von Arkansas, Oklahoma und Texas, Anfang des 19. Jahrhunderts hatten sie ihre eigenständige Identität verloren und waren in den anderen Stämmen der Kadohadacho-Konföderation aufgegangen) Upper Nasoni oder Upper Assonyweitere Namen sowohl für Upper und Lower Nasoni: Nassohone oder Nisohoni (lebten entlang des Red River im Osten von Texas und Südwesten von Arkansas, waren Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts Verbündete der Franzosen, später stark durch Krankheiten und Kriege dezimiert) Upper Natchitoches (Caddo: Náshit'ush oder Nashitosh, lebten entlang des Cane River im Gebiet des heutigen nach ihnen benannten Natchitoches im Nordwesten Louisianas, Anfang des 17. Jahrhunderts hatten bereits einige Kadohadacho (Caddo) vor den angreifenden Chickasaw bei ihnen Schutz gesucht, Ende des 18. Jahrhunderts schlossen sich die letzten überlebenden Kadohadacho (Caddo) ihnen an; die Lower Natchitoches waren hingegen Teil der südlich lebenden Natchitoches-Konföderation) folgende Stämme waren ursprünglich unabhängig, schlossen sich jedoch später der Kadohadacho-Konföderation an: Cahinnioweitere Namen für die Cahinnio: Cachaymon, Cahaynohoua, Caynigua, Cahainihoua und Cainione (lebten ursprünglich nahe dem Red River of the South im äußersten Südwesten von Arkansas, waren Feinde der südlich lebenden Natchitoches- und Hasinai-Konföderationen, wanderten im 18. Jahrhundert nordwestwärts und siedelten nun entlang des Südufers des Ouachita River, ca. 1763 zogen sie nochmals weiter nordwärts und ließen sich entlang des Arkansas River nieder. 1771 unterzeichneten sie zusammen mit mehreren benachbarten Stämmen einen Friedensvertrag mit den Franzosen. Wie andere Stämme auch, wurden sie durch Krankheiten und Kriege stark dezimiert, so dass sie im 19. Jahrhundert durch andere Stämme der Kadohadacho-Konföderation assimiliert wurden und ihre separate Identität als Stamm verloren.) Mentoweitere Namen für die Mento: Mentou, Maintou, Manto, Menton, Matoua, Matora, Mathora oder Mantona (lebten am Nordufer des Arkansas River, nahe ihren einst enge Verbündeten den Cahinnio, schlossen sich wie diese im späten 18. Jahrhundert der Kadohadacho-Konföderation an und verloren ebenfalls durch Krankheiten sowie durch Assimilation innerhalb der bevölkerungsreicheren benachbarten Kadohadacho ihre separate Identität als Stamm.) Upper Yatasi (Caddo: Yáttasih – „Jenes andere Volk“, eine Bezeichnung der einst feindlichen Kadohadacho, eine Splittergruppe der Yatasi, die sich auf Grund großer Verluste im Kampf gegen die Chickasaw von den Yatasi der Natchitoches-Konföderation abspaltete, und sich den Stämmen der nördlich lebenden Kadohadacho-Konföderation anschloss) Imahaweitere Namen für die Imaha: Imaham, Imahans, Imahao oder I’maha (ursprünglich eine Band der Quapaw (Kwâpâ oder Ugahxpa) (historisch meist Akansea / Akansa genannt, hiervon leiten sich die Namen für den Arkansas River sowie für den Bundesstaat Arkansas ab), die sich Ende des 18. Jahrhunderts zu den Kadohadacho flüchteten und sich der Konföderation anschlossen, behielten jedoch ihre eigenständige Identität sowie ihre von den Caddo-Sprachen abweichende Dhegiha-Sioux-Sprache bei, heute gibt es immer noch Familien unter den Caddo, die sich auf die Imaha-Quapaw zurückführen, jedoch nicht mehr ihre Sprache sprechen) Yowani oder Yowani Choctawsweitere Namen für die Yowani: Yguanes, Yugani oder Iguanes (stammten ursprünglich aus der gleichnamigen Stadt Yowani der Choctaw (Chahta) nahe der heutigen Stadt Shubuta am Chickasawhay River im Osten Mississippis, gegen 1764 zog eine Gruppe von Yowani-Choctaw westwärts nach Louisiana in Caddo-Territorium. Die Yowani übernahmen Caddo-Traditionen und Gebräuche und wurden in die Kadohadacho-Konföderation integriert.YOWANI INDIANS Nach dem Louisiana Purchase von 1803 zogen die Yowani nach Spanisch-Texas um den vordringenden amerikanischen Siedlern auszuweichen (1824 folgte eine zweite Gruppe), bis 1850 lebten die meisten Yowani in Gebieten der Caddo in Texas, im Indianerterritorium (Oklahoma) und Teilen von Louisiana, nach dem kurzfristigen Aufschub der Texanischen Indianerkriege durch den Sezessionskrieg schlossen sie sich wieder Choctaw oder Cherokee unter Häuptling Chicken Trotter an; heute sind sie Mitglieder der Texas Band of Cherokee Indians of the Mount Tabor Indian Community, der Chickasaw Nation und Choctaw Nation.)

NATCHITOCHES-Konföderation (Allianz) (Caddo: Náshit'ush oder Nashitoshweitere Namen für die Natchitoches: Nachittoos, Nachtichoukas, Nacitos, Nactythos, Nadchito, Naketosh, Napgitache, Naquitoches, Nashi’tosh, Nasitti, Natsytos, Notchitoches und Yatchitcohes – „Papau (Pawpaw)“, jedoch wurde einem frühen spanischen Historiker, Jose Antonio Pichardo, mitgeteilt, dass sich der Stammesname von Nacicit – „Ort, wo die Erde Ockerfarben ist“ und der Name eines kleinen Baches in ihrem Territorium war, der durch rote Erde floss; lebten entlang des Red River of the South im Nordosten von Texas und Nordwesten von Louisiana, waren im 17. und 18. Jahrhundert wichtige Verbündete der Franzosen, waren in großem Umfang an der Unterwerfung der Natchez im Natchez-Aufstand und den sog. Natchez-Kriegen beteiligt) Doustioni oder Dotchetonneweitere Namen der Doustioni: Souchitioni oder Dulcinoe (das genaue Siedlungsgebiet ist heute umstritten, manche Historiker verorten sie im Nordosten von Texas, J. R. Swanton identifizierte sie als einen Caddo-Stamm aus dem Gebiet rund um Bayou Dauchite im Nordwesten von Louisiana, beides ist nicht bewiesen; der französische Entdecker Robert Cavelier de La Salle berichtete, dass sie im 17. Jahrhundert Verbündete des Kadohadacho-Stammes der Kadohadacho-Konföderation waren; später siedelten sie sich auf Einladung ihrer Verbündeten, der Franzosen, in der Nähe der verwandten Lower Natchitoches am Red River nieder, durch Krankheiten und Kriege stark dezimiert verloren sie ihre eigenständige Identität und gingen in den anderen Caddo-Stämmen auf) Lower Natchitoches (Caddo: Náshit'ush oder Nashitosh, lebten in der Nähe des späteren nach ihnen benannten französischen Handelsposten Natchitoches im Nordwesten von Louisiana; die Upper Natchitoches waren hingegen Teil der nördlich lebenden Kadohadacho-Konföderation) folgende Stämme waren ursprünglich unabhängig, schlossen sich jedoch später der Natchitoches-Konföderation an: Ouachita oder Washita (Caddo: Wishita – „gute Jagdgründe“,weiterer Name der Quachita: eventuell Yesito lebten ursprünglich entlang des nach ihnen benannten Ouachita Rivers und entlang des Black River (der Bezeichnung für den Unterlauf des Quachita River nach der Einmündung des Taensa River) im Nordosten von Louisiana, ca. 1690 siedelten bei Pargoud Landing nahe dem heutigen Monroe, Louisiana, schlossen sich aufgrund von Verlusten durch Krankheiten und Kriege gegen 1720 der Natchitoches-Konföderation an)