mini|Porträtzeichnung von Herbert Baum Herbert Baum (* 10. Februar 1912 in Moschin, Provinz Posen; † 11. Juni 1942 in Berlin) war ein deutsch-jüdischer Widerstandskämpfer und Kommunist.
Leben Herbert Baum kam als Kind nach Berlin und absolvierte dort die Realschule und eine Lehre als Elektriker. Anschließend arbeitete er in diesem Beruf. Bereits seit 1926 engagierte er sich in verschiedenen linksgerichteten und jüdischen Kinder- und Jugendorganisationen, ab 1931 im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD).Stefan Reinecke: Sie waren jung, jüdisch und links. In: taz, 3. März 2010. Ab 1940 war er Zwangsarbeiter in den Elektromotorenwerken (Elmo-Werk) der Firma Siemens & Schuckert in Berlin-Spandau.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann er zusammen mit seiner Frau Marianne Baum und seinen Freunden Martin und Sala Kochmann – alle vier kannten sich bereits seit ihrer Schulzeit –, vorwiegend jüdische Jugendliche um sich zu scharen, die meist aus der jüdischen Jugendbewegung, aus dem kommunistischen, sozialistischen oder links-zionistischen Spektrum stammten. Die „Herbert-Baum-Gruppe“, der zeitweilig bis zu 100 Jugendliche angehörten, pflegte intern politische Diskussionen und kulturelle Arbeit und trat nach außen durch die Verbreitung von Flugblättern in Erscheinung. Ab 1941 wurden jüdische Zwangsarbeiter unterstützt und Juden beim Untertauchen geholfen, um sie vor der Deportation zu bewahren.
Brandanschlag Die Gruppe um Herbert Baum wurde vor allem durch einen Brandanschlag, den sie am 18. Mai 1942 auf die antikommunistische Propagandaausstellung Das Sowjetparadies am Berliner Lustgarten verübte, bekannt. Der Schaden blieb allerdings begrenzt. Innerhalb weniger Tage wurde ein Großteil der Gruppe verhaftet; vermutlich war sie denunziert worden. Über 20 Mitglieder der Gruppe wurden später zum Tode verurteilt. Baums Grabstein listet 28, der Gedenkstein im Lustgarten 34 Mitglieder der Gruppe als Opfer auf. Insgesamt 28 Mitglieder der Gruppe wurden 1942 und 1943 ermordet. Baum kam am 11. Juni 1942 in der Haft im Polizeipräsidium am Alexanderplatz um, ob infolge von Folterungen oder durch Suizid durch Erhängen, wie es in einem Aktenvermerk heißt, ist nicht geklärt. Etwa 50 weitere Mitglieder der Gruppe erhielten langjährige Haftstrafen.Geschichte der revolutionären Berliner Arbeiterbewegung. Dietz Verlag, Berlin, 1987, S. 469.
Am 28./29. Mai 1942 wurden in einer „Vergeltungsaktion“ 500 Berliner jüdische Männer verhaftet, von denen die Hälfte sofort erschossen und die andere Hälfte in Konzentrationslager gebracht wurden. Am nächsten Tag wurde Vertretern der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ in Berlin von Adolf Eichmann mitgeteilt, dass die Aktion im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Ausstellung im Lustgarten stehe, an dem Juden beteiligt gewesen seien. Ob dieser Zusammenhang tatsächlich bestand, ist heute umstritten.
Gedenken mini|Der Berliner Gedenkstein im Lustgarten
Gedenktafel in Berlin auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee Eine Gedenktafel gedenktafeln-in-berlin.de für die Getöteten der Herbert-Baum-Gruppe und das Grab Baums befinden sich auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee in der Ehrenreihe im Feld A1-G1. Das Grab ist als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet. Die auf das Hauptportal des Friedhofs führende Straße heißt seit 1951 Herbert-Baum-Straße.
Gedenkstein im Lustgarten Im Lustgarten wurde 1981 ein von Jürgen Raue gefertigter Gedenkstein errichtet, der an den Anschlag der Gruppe Baum mit folgendem Spruch erinnert:Widerstandsgruppe um Herbert Baum. Gedenktafeln in Berlin, abgerufen am 12. Juni 2024.
Im Jahre 2000 wurde dieser Gedenkstein verändert: Der Teil der ursprünglichen Inschrift, der die Freundschaft mit der Sowjetunion zum Thema hat, wird nun durch bedruckte Glasplatten überdeckt. Sie enthalten historische Informationen zur Gruppe Baum und zu ihrem Anschlag und schließen mit den Worten:
Gedenktafel Am Wohnhaus von Sala und Martin Kochmann in der Gipsstraße in Berlin-Mitte befindet sich eine Gedenktafel für diese beiden Mitglieder der Gruppe Baum.
Namensgeber Ein Zubringertrawler mit der Fischereikennnummer ROS 408 der „Artur Becker“-Baureihe erhielt seinen Namen. Der Offenbacher Verlag Olga Benario und Herbert Baum ist nach ihm und der ebenfalls von den Nazis verfolgten Olga Benario benannt.Eigendarstellung des Verlages. (PDF; 0,1 MB) verlag-benario-baum.de; abgerufen am 23. Oktober 2021 (PDF; 127 KB) Von 1972 bis 1990 gab es in Berlin in der Rigaer Straße eine Oberschule mit dem Namen Herbert-Baum-Oberschule. Danach wurde das Gebäude vom Heinrich-Hertz-Gymnasium übernommen. Das Fliegertechnische Bataillon 2 (FTB-2) „Herbert Baum“ der NVA in Trollenhagen
Angehörige der „Gruppe Herbert Baum“ mini|hochkant|Ehrengrabstätte für Herbert Baum auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee; Aufnahme vom April 2010
Auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee wird auf einer Gedenktafel an 27 Mitglieder der Gruppe erinnert, die 1942/43 wegen ihres Widerstands hingerichtet (bzw. getötet) wurden. Es handelt sich um:
Herbert Baum, Ehemann von Marianne Baum, starb in der Haft, offizielle Todesursache war „Selbstmord durch Erhängen“.
Marianne Baum (geb. Cohn), Ehefrau von Herbert Baum, im August 1942 hingerichtet Martin Kochmann, Ehemann von Sala Kochmann, im September 1943 hingerichtet Sala Kochmann, Ehefrau von Martin Kochmann, im August 1942 hingerichtet Gerhard Meyer, jüngerer Bruder von Herbert Meyer, Ehemann von Hanni Meyer, im August 1942 hingerichtet Hanni Meyer (geb. Lindenberger), Ehefrau von Gerhard Meyer, im März 1943 hingerichtet Suzanne Wesse (geb. Vasseur), Französin, Felix Heymann war Vetter ihres Mannes, im August 1942 hingerichtet Irene Walther, im August 1942 hingerichtet Heinz Birnbaum, im März 1943 hingerichtet Heinz Rotholz, im März 1943 hingerichtet Hella Hirsch, Schwester von Alice Hirsch, im März 1943 hingerichtet Alice Hirsch, Schwester von Hella Hirsch und jüngstes Mitglied der Gruppe, Zuchthaus Edith Fraenkel (zunächst zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt, die dann „aufgehoben“ wurde; Edith Fraenkel wurde am 15. Oktober 1943 nach Theresienstadt deportiert und später in Auschwitz ermordet) Felix Heymann (* 1917), im September 1943 hingerichtet Werner Steinbrinck, im August 1942 hingerichtet Hildegard „Hilde“ Jadamowitz, Verlobte von Werner Steinbrinck, im August 1942 hingerichtet Hans Adler (eigentlich Hans-Georg Mannaberg), im August 1942 hingerichtet Heinz Joachim, Ehemann von Marianne Joachim, im August 1942 hingerichtet Marianne Joachim, Ehefrau von Heinz Joachim, im März 1943 hingerichtet Siegbert Rotholz, Ehemann von Lotte Rotholz, im März 1943 hingerichtet Lotte Rotholz (geb. Jastrow), Ehefrau von Siegbert Rotholz, Zuchthaus Lothar Salinger, im März 1943 hingerichtet Hildegard Löwy, im März 1943 hingerichtet Herbert Budzislawski, im September 1943 hingerichtet Helmut Neumann, im März 1943 hingerichtet Hardel Heymann Kurt Bernhard, mit 40 Jahren ältestes Mitglied der Gruppe Herbert Meyer, älterer Bruder von Gerhard Meyer, 1942 in Haft ermordet
Daneben sind als Mitglieder bekannt: Rita Meyer (geb. Zochner) (* 1915), Frau von Herbert MeyerMargot Pikarski: Jugend im Berliner Widerstand. Herbert Baum und Kampfgefährten. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1978, S. 146 (Herbert Meyer) und 162 (Rita Zocher) Werner Schaumann, im Mai 1943 hingerichtet Herbert Ansbach Lisa Behn (1936 verhaftet, Freundin von Werner Steinbrinck) Joachim Franke (1905–1942) Ilse Haak (geb. Lewin, später Stillmann), arbeitete im Siemens-Elektromotorenwerk Ilse Heller Richard Holzer (1911–1975), der nach Ungarn flüchten konnte Charlotte Holzer (geb. Abraham), Ehefrau von Richard Holzer, wurde vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt; nach einem Bombenangriff auf Berlin gelang es ihr, aus dem Gefängnis an der Iranischen Straße zu fliehen und so ihrer Hinrichtung zu entgehen. Hermann Braun Erwin Pawlowski Walter Sack (* 26. Dezember 1915; † 29. April 2008)Gottfried Hamacher et al. (Hrsg.): (PDF; 894 kB) Dietz, Berlin 2005, S. 178 (Reihe: Manuskripte/Rosa-Luxemburg-Stiftung, Band 53) drafd.org Alice Zadek (geb. Kronheim) (* 28. März 1921; † 14. April 2005) und Gerhard Zadek (* 2. November 1919; † 5. Oktober 2005) Franz Krahl (1914–1990)Ein Gedenkstein erinnert an standhafte Jungkommunisten. In: Neues Deutschland, auf Seite 8 am 3. August 1982 In: ZEFYS Lothar Cohn (1908–1944), Bruder von Marianne Baum Hans Fruck Ismar Zöllner (1918–1973), Cousin von Herbert Baum und im Betrieb von Moritz Sack, dem Vater von Walter Sack, angestellt Gerda May (geb. Fichtmann) (* 1915) und Willy May (1909–1982), Freunde von Siegbert Rotholz Weitere Personen im Kreis der Gruppe:
Artur Illgen (1905–1943), Verbindungsmann zwischen der Gruppe und der illegalen Parteizelle der KPD, im Mai 1943 hingerichtet Karl Kunger (1901–1943), Informationsgeber, im Juni 1943 hingerichtet
Siehe auch Aufhebung von NS-Unrechtsurteilen Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege Ungesühnte Nazijustiz
Literatur Luise Kraushaar: Deutsche Widerstandskämpfer 1933 bis 1945. Band 1. Berlin 1970, S. 84 ff. Hans Maur: Gedenkstätten der Arbeiterbewegung in Berlin-Friedrichshain. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Berlin 1981, Biografie Baum S. 94–96. Margot Pikarski: Jugend im Berliner Widerstand – Herbert Baum und Kampfgefährten. Berlin 1984. Alfred Etzold u. a.: Jüdische Friedhöfe in Berlin. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1987, S. 91–94. Charlotte Holzer: Bericht über die „Herbert-Baum-Gruppe“. In: Andreas Lixl-Purcell (Hrsg.): Erinnerungen deutsch-jüdischer Frauen 1900–1990. Reclam, Leipzig 1992 und öfter, ISBN 3-379-01423-0, S. 333–336 (RUB 1423; zum Attentat auf die Ausstellung). Mskr. 01/298 im Yad-Vashem-Archiv Jerusalem. Wilfried Löhken, Werner Vathke (Hrsg.): Juden im Widerstand. Drei Gruppen zwischen Überlebenskampf und politischer Aktion. Berlin 1939–1945. Berlin 1993, ISBN 3-89468-068-7. Konrad Kwiet, Helmut Eschwege: Die Herbert-Baum-Gruppe. In: Arno Lustiger: Zum Kampf auf Leben und Tod. Das Buch vom Widerstand der Juden in Europa 1933–1945. Köln 1994, S. 56–66. Regina Scheer: Im Schatten der Sterne – Eine jüdische Widerstandsgruppe. Aufbau-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-351-02581-5.
Weblinks
Wolfgang Benz: Jugend- und Studentenopposition. In: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg. Bundeszentrale für politische Bildung, 9. April 2005 (über die Herbert-Baum-Gruppe). cine-holocaust.de Wolfgang Wippermann: Die Berliner Gruppe Baum und der jüdische Widerstand. (PDF; 2 MB; 31 Seiten) Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Video: Ausschnitt aus Mit dem Mut der Verzweifelten – Jüdischer Widerstand gegen Hitler (2005) mit Walter Sack über die Herbert-Baum-Gruppe. Forschungsstelle NS-Pädagogik The Herbert Baum Group Blog Website über die herbert-Baum-Gruppe (englisch).
Einzelnachweise
Kategorie:NS-Opfer Kategorie:KJVD-Mitglied Kategorie:Person der Widerstandsgruppe Baum Kategorie:Bestattet in einem Ehrengrab des Landes Berlin Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1912 Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Mann