Die George Air Force Base (George AFB, GAFB) war eine Militärbasis und ein Flugplatz der US-amerikanischen Luftwaffe bei Victorville in der Mojave-Wüste in Kalifornien, etwa 115 km nordöstlich von Los Angeles. George AFB entstand im Jahre 1941 und blieb bis zur Schließung Ende 1992 primär ein Ausbildungsstandort. Ab den 1970er Jahren wurden dort auch Besatzungen von Kampfflugzeugen der deutschen Luftwaffe ausgebildet.

Seit Herbst 1994 werden die Flugbetriebsbereiche als Southern California Logistics Airport zivil genutzt, auch als Victorville Airport bekannt. Auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne und der Siedlung für die Soldatenfamilien wurden ein Gewerbegebiet und ein Gefängnis errichtet, der noch nicht genutzte Rest verfällt.

Geschichte mini|Victorville Army Air Field im August 1943, Blick gen Südosten mini|Übungsgerät für die Ausbildung von Bombenschützen 1944 mini|Waco CG-4A Lastensegler mini|F-51 D (August 1952) mini|North American F-86F-35-NA Sabre der 72nd Fighter-Bomber Squadron (1955)

Entstehung Am 27. März 1940 schlugen Vertreter der Bürger von Victorville in Kalifornien der US Army vor, einen Flugplatz in der Mojave-Wüste zu bauen. Dabei stellten sie die besonderen Vorzüge der Region dar, insbesondere das sonnige Wetter an 360 Tagen im Jahr, die Verfügbarkeit von weiten, offenen Flächen sowie das Dienstleistungsangebot in den benachbarten Städten Victorville und Adelanto.

Im Zuge des Aufwuchses der US-Streitkräfte vor dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg wurde am 26. Juni 1941 die Air Corps Advanced Flying School aufgestellt. Das für den Flugplatz benötigte Land hatte die US Army kurz zuvor am 12. Juni 1941 von der Stadt Victorville gekauft. Die Arbeiten auf dem mehr als 890 Hektar großen Areal begannen am 12. Juli 1941 mit dem ersten Spatenstich. Gebaut wurden vier Start- und Landebahnen mit je 6500 Fuß (ca. 1981 Meter) Länge und 150 Fuß (ca. 46 Meter) Breite sowie sieben Hangars. Die Bahnen wurden mit einem Baufortschritt von einer viertel Meile (400 Meter) pro Tag aus Beton gegossen. Neben dem Flugplatz entstand eine große Militärbasis mit Truppenunterkünften, Betreuungseinrichtungen, Küchen und Kantinen, Sanitätseinrichtungen, verschiedenen Bürogebäuden, Lagerhallen und Werkstätten, eigener Strom-, Gas- und Wasserversorgung sowie Abwasserentsorgung für mehr als 4000 Soldaten. Darüber hinaus wurden in der Umgebung eine Reihe von Ausweichflugplätzen, Navigationshilfen sowie ein Übungsgebiet für Bombenabwürfe errichtet. Die Basis war im Wesentlichen im März 1942 fertiggestellt. Erste Truppen bezogen den Platz schon am 25. Oktober 1941.

Die Ausbildung von Piloten und Bombenschützen begann im Februar 1942. Der erste Lehrgang schloss seine Ausbildung bereits am 24. April 1942 ab. Piloten wurden auf den Flugzeugtypen North American AT-6, Curtiss AT-9 und Cessna AT-17 geschult. Ein Lehrgang dauerte neun Wochen und jeden Monat begann ein neuer Lehrgang. Bis zum April 1943 waren so mehr als 1000 Piloten ausgebildet worden. Die Ausbildung von Bombenschützen dauerte 13 Wochen. Für den fliegerischen Anteil dieser Lehrgänge wurden Flugzeuge der Typen Beechcraft AT-11 und Vultee BT-13 eingesetzt. Alle drei Wochen begann ein neuer Lehrgang von Bombenschützenschülern. Ab 1943 wurden zusätzlich Lehrgänge für Piloten für Lastensegelflugzeuge auf dem Muster Waco CG-4A durchgeführt. Schwerpunkte dieser Ausbildung waren Punktlandungen und Nachtlandungen. Ab März 1944 kamen auch noch Umschulungen auf das Luftfahrzeugmuster Bell P-39 hinzu. Je Pilot sah der Lehrplan ein Maximum von zehn Flugstunden vor. Bis zum Oktober 1944 erhielten 1887 Piloten ihre Umschulung auf die P-39.

Ende des Zweiten Weltkrieges Nach der Niederlage Deutschlands im Mai 1945 wurde der Ausbildungsflugbetrieb erheblich reduziert und im August 1945 völlig eingestellt. Nachdem auch Japan besiegt worden war, wurde die Basis am 12. Oktober 1945 vom aktiven in einen Bereitschaftsstatus versetzt.Associated Press, "Two Airfields In Desert Area Are Inactivated – Victorville, Daggett Bases Temporarily Suspend Operations", The San Bernardino Daily Sun, San Bernardino, California, Thursday 27 September 1945, Volume 52, page 6. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges diente das Victorville Army Airfield primär als Depot und Abstellfläche für überzählige Flugzeuge. Am 18. Oktober 1945 kamen die ersten von insgesamt 734 Boeing B-29 Superfortress Bombern an. Ende August 1948 wurde die inzwischen als Victorville Air Force Base bezeichnete Liegenschaft deaktiviert. Die letzten der abgestellten Flugzeuge verließen den Platz am 14. Oktober 1948.

Kalter Krieg und danach Im Vorfeld des Koreakrieges wuchsen die US-Streitkräfte wieder an. Für die dazu erforderliche signifikante Erhöhung der Ausbildungskapazitäten der US-Luftwaffe (USAF) wurde auch die eingemottete Victorville AFB benötigt. Daher wurde diese am 1. April 1950 wieder geöffnet. Sie wurde dem Air Defense Command unterstellt und am 2. Juni 1950 in George Air Force Base umbenannt. Der nach mehrjähriger Nichtnutzung desolate Zustand der Infrastruktur erforderte eine schnelle Wiederherstellung in Verbindung mit einer umfangreichen Modernisierung auf Nachkriegsstandard. Offiziell wurde George AFB am 1. November 1950 reaktiviert. Ende 1954 waren die neuen Startbahnen fertiggestellt.

Als erste fliegende Einheit verlegte am 1. Juli 1950 die mit North American F-86 ausgestattete 1st Fighter-Interceptor Wing von March AFB im Riverside County in Kalifornien nach George AFB. Am 30. November 1951 verlegte die 1st Wing weiter nach Norton AFB bei San Bernardino in Kalifornien.

mini|F-100A Super Sabres der 479th TFW, George AFB (ca. 1954) mini|Lockheed F-104C-5-LO Starfighter der 479 TFW, George AFB (1958) mini|F-105 G der 35th Tactical Fighter Wing in George AFB (1973) mini|Convair F-102A-75-CO Delta Dagger AF der 327th Fighter Interceptor Squadron mini|Convair F-106A Delta Dart der 329th Fighter Interceptor Squadron mini|F-4 E der 35th Tactical Fighter Wing (1987) Das erste langjährig in George stationierte Ausbildungsgeschwader war die 479th Fighter-Bomber Wing. Diese wurde am 1. Dezember 1952 in George AFB aufgestellt und war zunächst mit North American F-51 ausgerüstet. Ende 1952 erfolgte die Umrüstung auf Lockheed T-33. Im Februar 1954 wurde das Geschwader in 479th Fighter-Day Wing umbenannt und erhielt ab September 1954 die North American F-100 Super Sabre. So wurde George AFB der erste Überschallstandort des Tactical Air Command (TAC), dem der Platz seit November 1951 unterstellt war. Ab Juli 1958 trug das Geschwader die Bezeichnung 479th Tactical Fighter Wing (TFW), erhielt ab Oktober 1958 den Lockheed F-104C Starfighter und bildete NATO-Piloten darauf aus. Während des Vietnamkrieges stellte auch George AFB regelmäßig Personal und Flugzeuge für die Einsätze dort ab. So wurden 24 Starfighter der 479. Wing im April 1965 nach Südostasien verlegt, um in Einsatzkontingenten mit 14 Flugzeugen von Da Nang in Vietnam und später von Udorn in Thailand aus Begleitschutz und Combat Air Patrol Einsätze gegen sowjetische MiGs zu fliegen. Im November 1964 erhielt die 479th TFW ihre erste McDonnell F-4C Phantom. Im Juni 1967 hatte das Geschwader alle F-104 abgegeben und war vollständig auf die Phantom umgerüstet worden. Der Kreis der Umschüler auf die Phantom wurde ab dem Frühjahr 1969 erweitert: Die 479th TFW bildete nun auch ausländische Lehrgangsteilnehmer auf der Phantom aus, u. a. Besatzungen aus Israel, dem Iran und Japan. Am 30. September 1971 wurde die 479th TFW in George AFB außer Dienst gestellt.

Als Nachfolger der 479th TFW wurde am 1. Oktober 1971 die 35th Tactical Fighter Wing (TFW) in George AFB reaktiviert. Zuvor war dieses Geschwader bis zu seiner Deaktivierung am 31. Juli 1971 auf der Phan Rang Air Base in Südvietnam stationiert. Die 35th TFW übernahm den Auftrag, technisches und fliegendes Personal auf der F-4 auszubilden. Die zum Geschwader gehörende 21st Tactical Fighter Training Squadron (TFTS) bildete Besatzungen der USAF auf der F-4E aus, während die 20th TFTS im Rahmen eines Foreign Military Sales Vertrages ausschließlich Piloten und Waffensystemoffiziere der deutschen Luftwaffe nach einem eigens dafür erstellten Syllabus (Lehrplan) auf der Phantom schulte. Die Phantoms der 20th TFTS und der 21st TFTS trugen die Kennung „GA“ am Seitenleitwerk. Das Spektrum der Aufträge der 35th TFW erweiterte sich 1973, als mit Republic F-105G ausgerüstete Wild-Weasel-Staffeln von McConnel AFB bei Wichita in Kansas nach George AFB verlegten und dem Geschwader unterstellt wurden. Im März 1981 wurde der Wild-Weasel-Auftrag der 37th Tactical Fighter Wing übertragen. Das nun nur noch mit der F-4E ausgerüstete und am 1. Juli 1984 in Tactical Training Wing umbenannte Geschwader bildete weiterhin amerikanisches fliegendes und technisches Personal der Air National Guard sowie deutsche Phantom-Besatzungen aus. Als die 37th TFW am 5. Oktober 1989 aufgelöst wurde, erhielt die 35th Wing die F-4G mit dem Wild-Weasel-Auftrag noch einmal kurz zurück. Am 15. Dezember 1992 wurde dann auch die 35th Training Wing aufgelöst.

Zwar war George AFB in erster Linie ein Standort für die Ausbildung, jedoch waren dort bis 1967 auch Einsatzverbände für die Luftverteidigung der USA mit den Jagdflugzeugen Convair F-102 und später Convair F-106 stationiert. Ab 1975 befand sich in George nur noch eine abgesetzte Alarmrotte mit F-106. Darüber hinaus wurden in George AFB insbesondere während des Korea- und des Vietnamkrieges eine Reihe weiterer Geschwader aufgestellt, bis zur Einsatzreife ausgebildet und dann verlegt.

Wild Weasel mini|Eine F-4G der 562nd Tactical Fighter Training Squadron mit ECM Pod & Flugkörpern (GAFB 1982) mini|Eine F-4G verschießt einen AGM-45-Shrike-Flugkörper in der Nähe von George AFB (1. August 1988) Nach erheblichen Verlusten durch Flugabwehrraketen, die Nordvietnam während des Vietnamkrieges gegen amerikanische Flugzeuge einsetzte, statteten die USA einige Kampfflugzeuge mit Geräten aus, welche die Ausstrahlungen der Radargeräte von Flugabwehrsystemen erfassen, identifizieren, lokalisieren und bekämpfen konnten. Diese Flugzeuge wurden als Wild Weasel bezeichnet.Der Begriff Wild Weasel war im US DOD Dictionary definiert als: "An aircraft specially modified to identify, locate, and physically suppress or destroy ground based enemy air defence systems that employ sensors radiating electromagnetic energy." Neuere Ausgaben (ab ca. 2005) enthalten diesen Begriff nicht mehr. Im NATO Glossar (AAP-6) von 2019 ist die Definition jedoch noch enthalten. Im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch wurde der Begriff „Wild Weasel“ breiter verwendet und war ein Synonym nicht nur für die Flugzeuge, sondern auch für das Projekt, den Einsatz, die Staffeln und deren Personal. Nach dem Ende des Vietnamkrieges wurden Wild-Weasel-Flugzeuge auf der George AFB stationiert. Speziell für Ausbildung und Training der Wild-Weasel-Besatzungen erhielt George AFB im März 1979 eine neue Einrichtung für elektronische Gegenmaßnahmen. Zunächst waren die Wild-Weasel-Staffeln Teil der 35th TFW. Ihre Flugzeuge trugen allerdings nicht die Kennung „GA“ am Seitenleitwerk, sondern die Buchstabengruppe „WW“.

Mit der Verlegung der Wild-Weasel-Ausbildung auf F-105G und F-4C von Nellis AFB in der Nähe von Las Vegas in Nevada zur 35th TFW wurde George AFB im Frühjahr 1975 zum Home of the Weasel (). Insgesamt 3 Staffeln waren speziell für die als „Wild Weasel“ bezeichneten Missionen gegen feindliche Radar- und Flugabwehrraketenstellungen vorgesehen. Im April 1978 erhielt die 35th TFW die erste F-4G, im September 1978 verließen die letzten der alten F-4C das Geschwader. Im Juli 1980 folgten ihnen die letzten F-105G. Der 35th TFW unterstanden nun drei Wild-Weasel-Staffeln mit F-4G und zwei Ausbildungsstaffeln mit F-4E. Damit verfügte das Geschwader über mehr als 120 Kampfflugzeuge.