Der Small Arms Master Plan (dt. „Übersichtsplan für Handfeuerwaffen“; abgekürzt SAMP) war ein US-amerikanisches Entwicklungsprogramm in den 1990er-Jahren, in dem revolutionäre neue Infanteriewaffen für die United States Army erarbeitet werden sollten, was teilweise misslang.

Die Abkürzung OICW (Objective Individual Combat Weapon) wird oft auch für das Gewehr HK XM29 verwendet, das unter anderem aus diesem Programm hervorging. Das Programm inspirierte auch andere Länder, welche daraufhin ebenfalls an solchen Waffensystemen forschen.

Geschichte Prolog Im Jahre 1948 gründete die US-Armee das zivile Operations Research Office (ORO), um wie das Vereinigte Königreich Operations Research zu betreiben. Eines ihrer ersten Projekte war das Project ALCLAD, welches sich mit Körperpanzerung beschäftigte. Um vernünftige Forschungsergebnisse zu produzieren, mussten aber erst mehr Informationen über Verletzungen während eines Gefechtes gesammelt werden. Deshalb wurden über 3 Millionen Gefechtsberichte des Ersten und Zweiten Weltkrieges analysiert. In den Jahren darauf wurden eine Reihe von Ergebnissen veröffentlicht.

Die Schlussfolgerung war, dass die meisten Kämpfe auf kurze Entfernung stattfinden. In einem hoch mobilen Krieg (Blitzkrieg) treffen Kampfteams beider Seiten oft überraschend aufeinander, das Team mit der meisten Feuerkraft ging meistens als Sieger hervor. Sie fanden ebenso heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, im Kampf getroffen zu werden, rein zufällig war. Genaues Zielen machte wenig Unterschied, da das Ziel meist nicht stillstand oder sich in Deckung befand. Die Zahl der Verwundeten im Kampf war ungefähr proportional zur Anzahl der abgefeuerten Geschosse. Andere Studien über das Verhalten von US-Soldaten zeigten, dass 2/3 ihre Waffe niemals im Gefecht abgefeuert hatten, im Gegensatz dazu hatten Soldaten mit Schnellfeuerwaffen (Maschinenpistole, Maschinengewehr) überproportional oft gefeuert. mini|Soldat der Marines mit M14-Gewehr Dies führte zu folgenden Schlussfolgerungen: Die Soldaten sollten mit einer Schnellfeuerwaffe ausgerüstet werden Die Soldaten sollten soviel Munition wie möglich mitnehmen, dies bedingte ein leichtes Gewehr und leichte Munition, da die Anzahl abgefeuerter Geschosse zur Zahl der verwundeten Gegner proportional war, unabhängig vom Kaliber

Die Waffen der damaligen Zeit waren für diesen Zweck ungeeignet. Das M14 war zu groß und zu schwer, ebenso die 7,62 × 51-mm-NATO-Munition, die es verwendete.

Aufgrund dieser Schlussfolgerungen wurde von Colonel René Studler, U.S. Army Ordnance's Chief of Small Arms Research and Development, eine Anfrage an den Aberdeen Proving Ground nach einem kleineren Kaliber geschickt. Eine Gruppe von Mitarbeitern unter Direktor Donald Hall schlug daraufhin das Kaliber 5,59 mm als Ordonnanzpatrone vor. Einige seiner Mitarbeiter, namentlich William C. Davis, Jr. und Gerald A. Gustafson, begannen mit der Entwicklung von experimentellen Patronen im Kaliber 5,56 mm. 1955 wurde ihr Antrag für Forschungsgelder aber abgelehnt.

Projekt SALVO

Eine neue Studie, das Projekt SALVO, beschäftigte sich damit, ein Waffendesign für reale Gefechtssituationen zu entwickeln. Das Projekt lief von 1953 bis 1957 in zwei Phasen. In der ersten Phase schlussfolgerte die Studie, dass eine Waffe, die vier Schüsse in kurzer Zeit in einen Kreis mit 500 mm Durchmesser schießen könne, die Trefferwahrscheinlichkeit von halbautomatischen Waffen verdoppeln würde.

mini|Ein Springfield Armory SPIW Prototyp, ca. 1964 In der zweiten Phase, SALVO II, wurden einige Prototypen der nun als Special Purpose Individual Weapon (SPIW) bezeichneten Waffen getestet. Irwin Barr von der AAI Corporation entwickelte eine Reihe von Flechettegeschossen, beginnend mit einer Schrotpatrone, die 32 Pfeile enthielt, bis zu einer Einzelpatrone. Winchester und Springfield boten Waffen mit mehreren Läufen an, während das Operations Research Office Duplexgeschosse testete. Keines dieser Gewehre war letzten Endes erfolgreich, da alle zu komplex und zu schwer waren.

M16 mini|M16A1-Gewehr mit 30-Schuss-Magazin im Kaliber 5,56 mm Als die US-Regierung 1957 die Firma ArmaLite mit der Entwicklung einer Reihe von Testmodellen beauftragte, griff diese auf das bereits 1955 durch Eugene Stoner entwickelte AR-10 im Kaliber 7,62 × 51 mm NATO zurück. Als Ergebnis konnte 1958 das Modell AR-15 zu Erprobungszwecken an die United States Army geliefert werden. Es verwendete das Kaliber .223, das am Aberdeen Proving Ground entwickelt worden war, bis 1955 die Forschungsgelder gestrichen wurden. Das Waffengehäuse besteht aus einer Leichtmetalllegierung und der gerade Schaft aus Kunststoff. Während der Entwicklung der Waffe wurde auch ein Prototyp mit einem Kompositlauf aus einer Aluminiumlegierung mit Stahlkern getestet, dieser erwies sich in Tests jedoch als nicht dauerfest genug. Die Waffe ist mit anfangs 2,5 kg (leer) deutlich leichter als das M14, ebenso die 5,56 × 45-mm-NATO-Munition. Das Leergewicht der Waffe erhöhte sich im Laufe der Entwicklung auf 3,8 kg. Das M16 ist somit das direkte Resultat der ORO-Studie.

Close-Assault-Weapon-System-Programm mini|HK CAWS

Das CAWS-Programm begann in den frühen 1980er-Jahren. Das Ziel war, eine neue Generation von Feuerwaffen zu entwickeln, die ähnlich wie ein Schrotgewehr viele Projektile mit einem einzigen Schuss abfeuern konnten, allerdings mit wesentlich geringerer Streuung, so dass die effektive Reichweite bei 100 bis 150 Metern liegen sollte. Gemäß dem Gedanken des SALVO-Projektes würde so die Trefferquote erhöht. Heckler & Koch entwickelte die Waffe, Winchester Corp. USA die Munition. Die Waffe wurde vom US-Militär getestet, das Projekt aber abgebrochen.

Advanced-Combat-Rifle-Programm mini|Von oben nach unten: ACR von AAI, HK, Steyr, und Colt

Im Februar 1986 wurde ein Ersatz für das M16-Gewehr gesucht. In Phase I wurden zwei Teams ausgesondert:

Eugene Stoner’s Ares Incorporated mit ihrem Advanced Individual Weapon System (AIWS), das ein 5-mm-Leuchtspurgeschoss verwendete. Das AIWS hatte dasselbe Verschlusssystem wie das Steyr ACR und verwendete Teleskoppatronen.

McDonnell Douglas Helicopter Systems: Sie wollten eine Patrone mit Plastikhülse verwenden, die drei Flechettes enthielt.

Im August 1989 begann Phase III. Folgende Waffen wurden getestet:

AAI Corporation ACR: Die Waffe hatte ein konventionelles Aussehen und verwendete Flechettemunition in einer 5,56 × 45-mm-NATO-Hülse. Sie konnte ausschließlich 3-Schuss-Feuerstöße abgeben. Durch das geringere Munitionsgewicht von Flechettes hätte der Schütze mehr mitführen können. HK G11: Bei der Entwicklung der Waffe legte man besonderen Wert auf den Dreischussfeuerstoßmodus, um eine hohe Trefferwahrscheinlichkeit (siehe SALVO) zu gewährleisten. Die Waffe muss dabei die Projektile sehr schnell hintereinander abfeuern, damit die Wirkung des Rückstoßes auf den Schützen erst nach dem dritten Schuss spürbar wird. Dies wurde durch eine Kadenz von 2000 Schuss/min erreicht. Durch die hülsenlose Munition hätte der Schütze ebenfalls mehr Munition mitführen können. mini|Colt ACR/M16A2E2 Steyr ACR: Ebenfalls ein Flechettegewehr, aber im Bullpup-Design. Durch das geringere Munitionsgewicht von Flechettes hätte der Schütze mehr mitführen können. Colt ACR: Modifiziertes M16 mit Rotpunktvisier, das Duplexgeschosse verschießt. Die Duplexgeschosse aus Wolframcarbid sollten die Trefferquote erhöhen.

Trotz Programmkosten von fast 300 Millionen US-Dollar konnte kein Ersatz für das M16 gefunden werden, da keines der Gewehre die geforderte Kampfwertsteigerung von 100 % gegenüber dem M16 erfüllen konnte.

Small Arms Master Plan 1986 veröffentlichte die US Army Infantry School in Fort Benning ein Small Arms System 2000 (SAS-2000) genanntes Papier, das zu dem Schluss kam, dass konventionelle Handfeuerwaffen ihren technischen Höhepunkt erreicht hatten. Trotz des damaligen Trends zu hülsenloser Munition und Flechettewaffen, der durch das Advanced Combat Rifle Programm gesetzt wurde, stellte das Dossier fest, dass sich eine Weiterentwicklung von konventionellen Waffen, die ihre Energie aus Masse und Mündungsgeschwindigkeit des Projektils beziehen, nicht lohnt, da alle vorangegangenen Versuche erfolglos geblieben waren. Wie die ORO-Studie gezeigt hatte, kann die Effektivität einer solchen Waffe nur durch das Mitführen einer größeren Menge Munition gesteigert werden; dem sind durch Flechettes und hülsenloser Munition Grenzen gesetzt. Die Trefferquote solcher Waffen lässt sich nur durch Feuerstöße hoher Kadenz bei möglichst geringem Verziehen der Waffe steigern, was nur das HK G11 unter hohem technischen Aufwand beherrschte. Der Vietnamkrieg zeigte zudem, dass ein normaler Schütze im Schnitt 50.000 Schuss verbraucht, um einen gegnerischen Soldaten auszuschalten, was einer Trefferquote von 0,002 % entspricht. bei WaffenHQ.de Dies liegt, wie die ORO-Studie der 1950er-Jahre schon anmerkte, daran, dass das Ziel nicht stillsteht oder sich in Deckung befindet. Gesucht wurde nun also eine Waffe, welche die Trefferquote erhöhen sollte sowie die Fähigkeit besaß, Ziele in Deckung anzugreifen. Diese Effektivitätssteigerung der Waffen wäre möglich, indem sie mit Hilfe eines fortschrittlichen Ballistikcomputers hochexplosive Projektile mit einstellbarem Zeitzünder verschießen würden.

Während sich zu dieser Zeit die Waffenforschung der USA überwiegend am ACR-Programm orientierte, wurde die Idee des SAS-2000 durch ein anderes Militärpapier gestützt, das 1989 am US Army Training and Doctrine Center veröffentlicht wurde. In diesem Positionspapier, genannt The Small Arms Master Plan, wurde eine „Objective“ genannte Waffenfamilie gefordert, bestehend aus: Sturmgewehr (Objective Individual Combat Weapon (OICW)) persönlicher Verteidigungswaffe (Objective Personal Defense Weapon (OPDW)) Maschinengewehr (Objective Crew Served Weapon (OCSW)) Scharfschützengewehr (Objective Sniper Weapon (OSW)).https://www.globalsecurity.org/military/systems/ground/small-arms.htm Das Papier forderte, dass das Sturmgewehr den neusten Stand der Technik im Bereich Computertechnik, Visiere und Granaten aufweisen und ein konventionelles Gewehr sowie einen Granatwerfer in einer Waffe vereinen müsse. Als Beschaffungstermin wurde – sehr optimistisch – das Jahr 2000 gewählt.

Die zentrale Idee war also, eine Waffe zu bauen, die Ziele durch in der Luft zündende Granaten bekämpfen und auf diese Weise auch Ziele hinter Deckungen und in Gebäuden ausschalten kann. Durch den Explosionsradius der Granate würde außerdem die Trefferquote erhöht, punktgenaues Zielen wäre somit überflüssig. Die Munition sollte kleiner sein als bisher existierende Granaten für Granatwerfer.