Penda (* um 605;The Kentish Origin Myth. In: Nicholas Brooks: Anglo-Saxon Myths: State and Church, 400–1066. Hambledon & London 1998, ISBN 1-85285-154-6, S. 70–72. † 15. November 655 in der Schlacht am Winwaed) war in den Jahren von etwa 626 bis 655 König des angelsächsischen Königreiches Mercia. Er führte sein Reich innerhalb der Heptarchie in mehreren Kriegen zur lokalen Großmacht.
Familie Penda war ein Sohn des Königs Pybba (593–606/615) aus der Dynastie der Iclingas. Seine Mutter ist unbekannt. Penda war vermutlich mehrmals verheiratet. Merewalh (fl. 650), ein Unterkönig der Magonsæte, scheint aus einer frühen Ehe zu stammen. Weitere Kinder, die vermutlich aus seiner Ehe mit CynewiseJohn Cannon, Anne Hargreaves: The Kings and Queens of Britain. 2. überarb. Auflage. Oxford University Press, 2009, ISBN 978-0-19-955922-0, S. 44–45. hervorgingen, waren die Söhne Peada (655–656), Wulfhere (658–674/675) und Æthelred (674/675–704), die ihm nacheinander als Könige Mercias folgten.Simon Keynes: Penda. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0, S. 361–362. Seine Tochter Cyneburg war mit Ealhfrith (655–664), dem Unterkönig von Deira verheiratet.Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London / New York 2002, ISBN 0-415-16639-X, S. 82.
Durch seine nicht namentlich genannte Schwester, die jedoch von einzelnen Historikern mit Seaxburg identifiziert wird,Guida M. Jackson: Women Rulers Throughout the Ages: An Illustrated Guide. ABC-Clio, 1999, ISBN 1-57607-091-3, S. 357. war Penda mit Cenwalh, dem König der Gewissæ, verschwägert. Eine andere Schwester soll mit Cadwallon ap Cadfan, dem König von Gwynedd, verheiratet gewesen sein.Jane Williams: A History of Wales: Derived from Authentic Sources. Cambridge University Press, 2010, ISBN 978-1-108-02085-5, S. 104. vgl. Geoffrey von Monmouth: History of the Kings of Britain. 12,14
Herrschaft
Thronfolge Penda war der erste historisch gesicherte König Mercias. Er soll der Nachfolger des Königs Ceorl gewesen sein. Beda Venerabilis erwähnt zwar einen gewissen Ceorl/Cearl als ersten König Mercias,Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum 2,14. dieser wird jedoch in den überlieferten Stammtafeln nicht genannt.
Der Beginn der Herrschaft Pendas kann nicht eindeutig festgelegt werden. Einerseits gibt die Angelsächsische Chronik seine Erhebung für das Jahr 626 wieder,Angelsächsische Chronik, s. a. 626 andererseits behauptet Beda, Penda habe seine Herrschaft im Jahre 633 angetreten. Die Historia Brittonum, gemeinhin dem walisischen Mönch Nennius aus dem 9. Jahrhundert zugeschrieben, nennt wiederum als Jahr des Regierungsantritts 642.Nennius, Historia Brittonum, c. 25. Manche Historiker halten es für möglich, dass sein Bruder Eowa bis 642 der dominierende König in Mercia war und das nördliche Mercia beherrschte, während Penda nur die südlichen Gebiete regierte.D. P. Kirby, The Earliest English Kings (1991, 2000), S. 76f.Nicholas Brooks: The Formation of the Mercian Kingdom. In S. Bassett, The Origins of Anglo-Saxon Kingdoms (1989), S. 166. Dies würde auch erklären, warum die Historia Brittonum Penda nur 10 Regierungsjahre zuschreibt, während Beda 22 angibt. Andere Historiker sehen in Eowa einen Mitkönig Pendas.Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London / New York 2002, ISBN 0-415-16639-X, S. 112.
Æthelfriths von Northumbria errang um 615 in der Schlacht bei Chester einen wichtigen Sieg über die walisischen Königreiche und vermutlich auch über Mercia.Nicholas J. Higham: An English Empire: Bede, the Britons, and the Early Anglo-Saxon Kings. Manchester University Press, 1995, ISBN 0-7190-4424-3, S. 78. Möglicherweise bereitete Æthelfrith Ceorls Herrschaft um 616 ein Ende und konnte zeitweilig selbst in Mercia und den davon abhängigen Kleinreichen herrschen oder von ihm dominierte Unterkönige einsetzen.Nicholas J. Higham: An English Empire: Bede, the Britons, and the Early Anglo-Saxon Kings. Manchester University Press, 1995, ISBN 0-7190-4424-3, S. 146–147. Zumeist wird Ceorls Tod auf das Jahr 626 angesetzt und Penda als sein direkter Nachfolger angesehen.John Cannon, Anne Hargreaves: The Kings and Queens of Britain. 2. überarb. Auflage. Oxford University Press, 2009, ISBN 978-0-19-955922-0, S. 44.
Krieg gegen die Gewissæ mini|Mercia und seine Nachbarreiche zu Pendas Zeit Als gesichert kann nur gelten, dass Penda sich als Herrscher Mercias im zweiten Viertel des 7. Jahrhunderts etabliert hatte und begann, seine Herrschaft weiter auszudehnen. Sein Hauptgegner war das Königreich Northumbria. Ob Penda, bevor er König wurde, auf eigene Faust Krieg gegen Wessex führte ist nicht deutlich.F. M. Stenton: Anglo-Saxon England. S. 45. Er nahm jedenfalls teil an einem Krieg gegen Wessex im Jahr 628,wahrscheinlich etwas später, siehe: D. P. Kirby: The Earliest English Kings. Routledge, London / New York 2000, ISBN 0-415-24211-8, S. 68. der in der Schlacht von Cirencester gipfelte. Der daraufhin ausgehandelte Friedensvertrag sah offenbar die Heirat von Cynegils Sohn Cenwalh mit der Schwester Pendas vor. Auch die Vorherrschaft über die Region um Cirencester im Königreich Hwicce, wo sowohl Angeln als auch Sachsen siedelten, ging an Mercia über. Wahrscheinlich ging die Schaffung des Königreiches Hwicce auf die Vereinigung des anglischen Nordens mit dem sächsischen Süden durch Penda zurück.Frank Merry Stenton: Anglo-Saxon England. 3. Auflage. Oxford University Press, 2001, ISBN 0-19-280139-2, S. 44–45. Darin scheint einer der Gründe für die seither südwärts gerichtete Expansion der Gewissæ zu liegen. Diese Schlacht war der Beginn der Rivalität zwischen Wessex und Mercia, die sich bis ins 9. Jahrhundert hinzog.Barbara Yorke: Wessex in the early Middle Ages (Studies in the Early History of Britain). Continuum, 1995, ISBN 0-7185-1856-X, S. 57.
Beziehungen zu Northumbria Schlacht von Hatfield Chase Im Jahr 633 verbündete Penda sich mit dem walisischen König Cadwallon ap Cadfan von Gwynedd und rebellierte gegen König Edwin (616–633) von Northumbria. Gemeinsam brachten sie eine ansehnliche Streitmacht zusammen, der es gelang, das northumbrische Heer am 12. Oktober 633 in der Schlacht von Hatfield Chase bei Doncaster zu vernichten. Edwin fiel im Kampf;Philip Holdsworth: Edwin, King of Northumbria. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0, S. 163–164. ebenso sein Sohn Osfrith. Sein Sohn Eadfrith musste sich ergeben und wurde später von Penda ermordet.Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum 2,20. Unmittelbare Folge der Niederlage war die erneute Teilung Northumbrias: Während sich im südlichen Deira Osric (633–634), ein Verwandter Edwins, halten konnte, fiel das nördliche Bernicia an den aus dem Exil zurückgekehrten Eanfrith (633/634–634), und damit an die dortige alte Dynastie zurück.
Möglicherweise wurde Penda um 635 von seinem Bruder Eowa (635?–642), der von einigen Historikern als northumbrischer Marionettenkönig angesehen wird, vom Thron gedrängt.Nicholas Brooks: Anglo-Saxon Myths: State and Church, 400-1066, Hambledon & London, 1998, ISBN 1-85285-154-6, The Kentish Origin Myth, S. 73–74.
Schlacht von Maserfield Pendas Einfluss hatte sich in das westlich gelegene Wales ausgedehnt.D. P. Kirby, The Earliest English Kings, S. 76 f. Im Jahr 642 griff der northumbrische König Oswald (634–642) Penda, der mit dem britischen König Cynddylan ap Cyndrwyn von Powys verbündet war, anMichelle Ziegler: (Memorial University of Newfoundland) und fiel am 5. August in der Schlacht von Maserfield (wohl bei Oswestry), nahe der walisischen Grenze. Unmittelbare Folge der Niederlage war die erneute Teilung von Northumbria: Im nördlichen Bernicia trat Oswalds Bruder Oswiu (642–670) die Thronfolge an, während im südlichen Deira mit Oswine (642/643–651) die dortige alte Dynastie noch einmal auf den Thron gelangte.Simon Keynes: Kings of the Northumbrians. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0, S. 502–505. Der Historia Brittonum und den Annales Cambriae folgend fiel auch Pendas Bruder Eowa bei dieser Schlacht.Nennius: Historia Brittonum, 65.Annales Cambriae zum Jahr 644.
In den späten 640er Jahren fiel Penda erneut plündernd in Northumbria ein und belagerte erfolglos die Hauptstadt Bamburgh. In den frühen 650er Jahren unternahm Penda einen weiteren Feldzug und zog brandschatzend durch Northumbria.
Bündnisse und Heiratspolitik Æthelwald (um 651 bis um 655), der zunächst wohl als Oswius Unterkönig in Deira regierte, machte sich bald, wahrscheinlich von Penda unterstützt, unabhängig.Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London / New York 2002, ISBN 0-415-16639-X, S. 78. Die Rivalität zwischen Oswiu und Penda, die beide eine Hegemonie anstrebten, wuchs immer weiter an. Penda versuchte sich militärisch Geltung zu verschaffen, während Oswiu offenen Konflikten eher abgeneigt schien und einen subtileren Weg einschlug.Nicholas J. Higham: The convert kings: power and religious affiliation in early Anglo-Saxon England. Manchester University Press, 1997, ISBN 0-7190-4828-1, S. 240. Seine Probleme mit Mercia versuchte Oswiu durch Heiratspolitik zu lösen: Seinen Sohn Ealhfrith, den späteren Unterkönig in Deira (655–664), verheiratete er mit Cyneburg, einer Tochter Pendas.Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum 3,21. Um das Jahr 653 verheiratete Oswiu seine Tochter Ealhflæd mit Peada, dem König der Mittelangeln und Sohn Pendas.Philip Holdsworth: Oswiu. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0, S. 349. Voraussetzung für die Ehe war Peadas Konversion zum Christentum. Peada wurde um 653 mit seinen Begleitern durch Bischof Finan von Lindisfarne in Ad Murum (östlich von Hexham) getauft. Die Missionare Cedd, Adda, Betti und Diuma wurden ihm zur Bekehrung der Mittelangeln mitgegeben. Der heidnische Penda tolerierte die durchaus erfolgreichen Missionsbemühungen.
Südliche Nachbarn Um 640Richard Hoggett: The Archaeology of the East Anglian Conversion (Anglo-Saxon Studies). Boydell & Brewer, 2010, ISBN 978-1-84383-595-0, S. 31–32. griff Penda das East Anglia an. Sigebert (630/631–um 637), der einige Jahre zuvor abgedankt hatte und den Ruf eines berühmten und mutigen Heerführers hatte, wurde von den unterlegenen Ostangeln aus dem Kloster geholt, um das Heer in der folgenden Schlacht zu ermutigen. Er soll widerstrebend und eingedenk seines Gelübdes unbewaffnet, nur mit einem Stab in der Hand, inmitten des Heeres in die Schlacht gezogen sein. Sigebert und Ecgric (um 637–um 640) fielen im Kampf und das ostanglische Heer wurde niedergemacht oder floh.Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum 3,18. East Anglia überstand diese Niederlage und das Königtum ging auf Anna (um 640–654) über. Anna musste sich in seiner Regierungszeit mit den Expansionsbestrebungen des Penda von Mercia auseinandersetzen. 645 überfiel Penda von Mercia die Gewissæ erneut, weil, so Beda Venerabilis, Cenwalh von Wessex seine Frau, eine Schwester Pendas, verstoßen hatte. Cenwalh musste vor Penda fliehen und lebte drei Jahre lang bei Anna, von dem er zum Christentum bekehrt wurde, im Exil.Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum 3,7. 648 gelang es Cenwalh, seine Herrschaft über Wessex zurückzugewinnen, doch nun wandte sich Penda erneut gegen East Anglia. Um das Jahr 650 eroberte Penda East Anglia. Anna musste zeitweilig fliehen, konnte das Königtum jedoch wiedererlangen.Anna. Foundation for Medieval Genealogy.