mini|alternativtext=|Einheitsabzeichen des Einsatzkommandos Cobra Das Einsatzkommando Cobra (kurz EKO Cobra; umgangssprachlich auch nur die Cobra) ist die wichtigste polizeiliche Sondereinheit in Österreich. Sie ist Teil der Direktion für Spezialeinheiten, die der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit beim Bundesministerium für Inneres direkt unterstellt ist. Rechtsgrundlage für das Bestehen des EKO Cobra bildet die Sondereinheiten-Verordnung des Bundesministeriums für Inneres, mit der die Bestimmungen des Sicherheitspolizeigesetzes umgesetzt werden.

Die Sondereinheit hat ihren Hauptsitz und Ausbildungs- und Übungseinrichtungen in Wiener Neustadt. Daneben befinden sich Cobra-Standorte auch in der Bundeshauptstadt Wien, in Graz, Linz und Innsbruck sowie weitere Außenstellen in Salzburg, Klagenfurt und Feldkirch.

Dem Einsatzkommando gehören etwa 400 Männer (Stand 2025) an. In der Vergangenheit gab es vereinzelt auch Frauen im Team der Sondereinheit, 2025 war das aber nicht der Fall. Die Gesamtzahl der Einsätze des EKO Cobra im Jahr 2009 belief sich auf etwa 3700. Von der Schusswaffe wurde im selben Zeitraum nur viermal Gebrauch gemacht: einmal als Schreckschuss und dreimal, um bei Bränden die Explosion von Gasflaschen zu verhindern, indem diese durch einen Schuss perforiert wurden. Gezielte Schüsse auf Personen durch Beamte des EKO Cobra gab es demnach 2009 keine. Im Jahr in den Jahren vor 2024 wurden von der Sondereinheit pro Jahr unter anderem circa 1000 operative Täterlagen, 2000 Personenschutzeinsätze sowie mehrere tausend Flugsicherungen durchgeführt.

Auftrag miniatur|Beamte des EKO Cobra bei einer Abseil-Vorführung mini|Einsatz mit einem Helikopter der österreichischen Flugpolizei Das EKO Cobra ist als Sondereinheit für Einsätze mit erhöhtem bis sehr hohem Gefährdungsgrad zuständig. Dazu zählen insbesondere bewaffnete Geiselnahmen, Einsätze zur Festnahme von gefährlichen Gewalttätern sowie gegen die organisierte Kriminalität. Auch Operationen zur Bekämpfung von Terrorismus auf österreichischem Staatsgebiet gehören zum Aufgabengebiet des Einsatzkommandos.

Daneben stehen auch weniger operative Einsätze, wie etwa der Personenschutz hochrangiger Politiker und sonstiger gefährdeter Personen und Einrichtungen, im Einsatzprogramm des EKO Cobra. Außerdem versehen EKO-Cobra-Beamte unter der Bezeichnung „Air-Marshals“ Sicherungs- und Begleitdienste an Bord von Flugzeugen österreichischer Fluglinien. Auch die Bewachung von Geldtransporten der Österreichischen Nationalbank fällt dem EKO Cobra zu.

Diese Funktionen wurden im Jahr 1993 vom Bundesministerium für Inneres im § 5 der Sondereinheiten-Verordnung als Ergänzung des bestehenden Sicherheitspolizeigesetzes festgelegt. Die im Punkt 2 genannten Ziffern 2 und 3 des Abs. 1 SPG behandeln den vorbeugenden Schutz von Rechtsgütern, konkret in Ziffer 2 den Schutz von verfassungsmäßigen Einrichtungen und deren Handlungsfähigkeit und in Ziffer 3 den Schutz von Vertretern ausländischer Staaten, internationaler Organisationen und anderer Völkerrechtssubjekte. Bei erhöhter Gefährdungslage ist das EKO Cobra damit beispielsweise auch für den Schutz der Bundesregierung, der Landesregierungen, des National- und Bundesrats, des Verfassungsgerichtshofs und von ausländischen Diplomaten zuständig.

Interne Organisation mini|400px|Standorte und Einsatzgebiet des EKO Cobra Seit dem 1. Juni 2013 ist das Einsatzkommando Cobra als Teil der Organisationseinheit Einsatzkommando Cobra / Direktion für Spezialeinheiten (EKO Cobra/DSE) direkt der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit unterstellt. Das Einsatzkommando Cobra hat ebenso wie die DSE seinen Hauptsitz und die so genannte Stabsstelle in Wiener Neustadt. Dort werden sämtliche administrativen Aufgaben für die Sondereinheit bundesweit bearbeitet sowie neue Cobra-Mitglieder ausgebildet. Daneben existieren noch vier weitere Standorte in Wien, Graz, Linz und Innsbruck, wobei den drei letzten noch die operativen Außenstellen Klagenfurt, Salzburg und Feldkirch angeschlossen sind. Das Burgenland, das als einziges Bundesland über keinen eigenen Cobra-Standort verfügt, wird hauptsächlich von der Zentrale in Wiener Neustadt und im Südburgenland auch teilweise vom Standort Graz aus operativ abgedeckt.

An jedem Standort sind generell vier Einsatzmodule (also voll einsatzfähige Einsatzteams) stationiert, an den Außenstellen sind es jeweils zwei Einsatzmodule. Die Regionalisierung hat für das Einsatzkommando Cobra vor allem personelle Vorteile. Die Fluktuation der ca. 450 Personen starken Einheit senkte sich von 20 % auf 5 % p. a. Zusätzlich konnte das Ziel erreicht werden, innerhalb von 70 Minuten nach der Alarmierung ein Cobrateam an jedem Punkt Österreichs zum Einsatz bringen zu können.

Geschichte

mini|Historisches Abzeichen des Einsatzkommando Cobra

Gendarmeriekommando Bad Vöslau Im Jahr 1972 begannen Beamte der Verkehrsabteilung des Landesgendarmeriekommandos Niederösterreich mit dem Schutz der aus der UdSSR anreisenden jüdischen Emigranten vom Wiener Ostbahnhof über das Emigrantenlager im Schloss Schönau im Bezirk Baden bis zum Abflug mit der Fluglinie El Al vom Flughafen Wien-Schwechat Richtung Israel.

Die steigende Zahl der Emigranten veranlasste die Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit per 1. Mai 1973 mit der Aufstellung einer kleinen Sondereinheit, dem Gendarmeriekommando Bad Vöslau, dessen ausschließliche Aufgabe es sein sollte, die Transporte und das Emigrantenlager zu sichern.

War Österreich bis dahin vom Terror verschont geblieben, versetzte die – unblutig endende – Geiselnahme in Marchegg durch zwei schwerbewaffnete palästinensische Terroristen der Terrororganisation „as-Sa'iqa“ (Adler der Revolution) am 28. September 1973 am Grenzbahnhof Marchegg der Nation und den verantwortlichen Behörden einen Schock. Als Folge wurde die Sicherung bis an die Grenzbahnhöfe Marchegg und Hohenau ausgedehnt. Die damit verbundene Personalaufstockung machte die vorübergehende Übersiedelung in das Schloss Schönau notwendig, die am 18. Dezember 1973 erfolgte.

Gendarmeriebegleitkommando Wien Am 1. September 1974 übersiedelte das nunmehrige Gendarmeriebegleitkommando Wien von Schönau in die Burstyn-Kaserne des Bundesheeres nach Zwölfaxing und wurde ab diesem Zeitpunkt direkt der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit im Bundesministerium für Inneres unterstellt.

Hauptaufgabe war im Wesentlichen die Begleitung der aus der UdSSR von Marchegg und Hohenau kommenden Züge nach Wien sowie gelegentliche Sicherungsaufgaben auf dem Flughafen Wien-Schwechat.

Gendarmerieeinsatzkommando „Cobra“ mini|Historische Dienstgradabzeichen des EKO Cobra Die Entführung und anschließende Ermordung des deutschen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die Rote Armee Fraktion im Herbst 1977 sowie die damit verbundene Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ nach Mogadischu gab der Regierung und dem damaligen Innenminister Erwin Lanc den Anstoß zur Vorlage einer umfassenden Konzeption.

Die bereits vom Gendarmeriebegleitkommando Wien getroffenen Maßnahmen sollten verstärkt werden mit der Schaffung des Gendarmerieeinsatzkommandos (GEK) mit einem Personalstand von anfänglich 127 Beamten. Das Gendarmerieeinsatzkommando wurde mit 1. Jänner 1978 offiziell installiert und bezog am 14. Februar 1978 wiederum das Schloss Schönau.

Seinen ersten Einsatz mit Geisellage hatte das GEK am 16. Juni 1980 in Graz. Der 35-jährige Josef L. war mit einem Gewehr bewaffnet in die Ordination eines Hautarztes eingedrungen und hatte 23 Geiseln genommen. Da der Täter wirre und zum Teil nicht erfüllbare Forderungen stellte (Verhandlungen mit dem jugoslawischen Generalkonsul, Interview mit Kamerateams aus acht Nationen usw.) setzte die Polizei auf „Hinhaltetaktik“, um den Geiselnehmer zu ermüden. Am nächsten Tag versuchten zwei Geiseln im Alleingang den Täter zu überwältigen, wurden von diesem jedoch abgewehrt, worauf er einen Schuss abfeuerte und eine Geisel verletzte. Daraufhin stürmte das GEK die Ordination und erschoss den Täter. Bei diesem Einsatz wurden auch erste Mängel der Einheit festgestellt. Unter anderem funkten die Grazer Polizei und das GEK auf verschiedenen Frequenzen. Zudem hat es Stunden gebraucht, um ein Nachtfernglas zu erlangen.

Am 26. November 1987 starb ein 22-jähriger GEK-Beamter während eines Überwachungsdienstes in Schönau, als er versehentlich von einem Kollegen erschossen wurde, der unsachgemäß mit seiner Waffe hantiert hatte.

In Würdigung der Leistungen und Methoden der Beamten verliehen Journalisten dem GEK den Beinamen Cobra in Anlehnung an die Fernsehserie Kobra, übernehmen Sie. Die rasche umgangssprachliche Verwendung von „Cobra“ als Synonym für das GEK führte zur baldigen Aufnahme einer Kobra-Abbildung in das Einheitsabzeichen.

Personelle und technische Anforderungen führten zum Neubau einer Ausbildungs- und Einsatzzentrale in Wiener Neustadt, die am Nationalfeiertag 1992 offiziell in Betrieb genommen wurde.

Die Cobra ist nach wie vor die einzige Antiterroreinheit der Welt, die eine Flugzeugentführung noch in der Luft beendet hat. Am 17. Oktober 1996 waren vier Gendarmen des GEK an Bord einer Tupolew Tu-154 der russischen Fluglinie Aeroflot auf ihrem Flug von Malta nach Lagos, um Schubhäftlinge bei der Abschiebung in ihre Heimat zu begleiten, als ein Nigerianer die Cockpit-Crew mit einem Fallmesser bedrohte und verlangte, nicht nach Nigeria, sondern nach Südafrika oder Deutschland zu fliegen. Die vier mit Spezialwaffen und -handschuhen ausgestatteten Spezialisten des österreichischen Gendarmerieeinsatzkommandos überwältigten den Täter noch während des Fluges. Der Entführer wurde nach der Landung von den Gendarmen gefesselt an die Behörden übergeben. Die Beamten erhielten daraufhin auch einen Orden vom damaligen Ministerpräsidenten und späteren russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Am 14. November 1996 beendete das GEK zum ersten und bisher einzigen Mal eine Geiselnahme in einem Gefängnis. Drei in der Justizanstalt Graz-Karlau inhaftierte Schwerverbrecher hatten zwei Justizbeamte schwer verletzt, drei Frauen als Geiseln genommen und einen Hubschrauber gefordert. Nach neunstündigen Verhandlungen gelang es den Beamten des Gendarmerieeinsatzkommandos, die Täter zu überwältigen und die Geiseln zu befreien.

Am 7. August 1997 ertrank der 29-jährige GEK-Beamte Harald Ripfl während einer Tauchübung in einem Schwimmbecken.

Laut Medienangaben hatte das damalige GEK 3000 Einsätze pro Jahr, zu GEK-Zeiten ist davon jedoch meist nichts an die Öffentlichkeit gedrungen, erst mit der Umgliederung zum EKO Cobra ist eine verstärkte mediale Präsenz der Einheit zu bemerken.

Einsatzkommando Cobra mini|Einsatzvorführung des EKO Cobra am Nationalfeiertag 2012 Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 erfolgte eine weltweite Evaluierung bestehender Sicherheitsmaßnahmen. Die von Innenminister Ernst Strasser eingesetzte Arbeitsgruppe kam zum Ergebnis, dass trotz der damals bestehenden 23 Sondereinheiten der österreichischen Sicherheitsexekutive eine Reihe von Unzulänglichkeiten bestanden. Dazu zählten unter anderem die zu langen Anfahrtswege für das GEK, die vielen verschiedenen und dezentral organisierten Führungsebenen, die begrenzte örtliche Zuständigkeit der einzelnen Einheiten sowie das Fehlen einer durchgehenden Fallbearbeitungskompetenz für das MEK beziehungsweise die SEG.