Die Festung Marienberg ist eine ehemalige Befestigung und ein ehemaliges fürstbischöfliches Schloss auf dem auch Frauenberg genannten Marienberg 100 Meter oberhalb des Mains in Würzburg in Unterfranken. Sie trägt auch den Namen Festung Unser Frauen Berg.Werner Hess: Martin Luther. Eine Einführung in sein Leben. Evangelisches Verlagswerk, Stuttgart 1954, S. 55. Eine ältere Bezeichnung der bis ins 18. Jahrhundert als Sitz der ehemaligen Regierung des Hochstift Würzburgs dienenden Anlage war Schloss Marienberg.
Lage
Die Festung wurde auf einer Bergzunge auf der linken Seite des Mains etwa 100 Meter über dem Fluss errichtet. Die Westseite ist die einzige flache Seite des Berges. Auf der Nordseite befinden sich die Gärten und Kleingärten, die im Zuge der Landesgartenschau 1990 angelegt wurden. Die beiden anderen Berghänge sind Weinberge. Der kleine Hang an der östlichen Flanke der Burg ist der Schlossberg, an der südlichen Flanke die Innere Leiste.
Geschichte mini|Übersichtsplan mini|Luftbild der Festung Marienberg mini|Alte Mainbrücke und Festung Marienberg Bereits in der späten Bronzezeit (Urnenfelderkultur) und der frühen Eisenzeit (Hallstattzeit) befand sich hier eine befestigte Siedlung, deren Reste im Rahmen verschiedener Ausgrabungen angetroffen wurden. In den Denkmaldaten des BLfD, Aktennummer D-6-63-000-317, zur Festung Marienberg 239; Marienberg 240; Marienberg 241 wird angegeben: „keltischer Ringwall im 1. Jahrtausend v. Chr., fränkisch-thüringisches Herzogskastell seit dem frühen 8. Jh.“ Unbelegt ist hingegen die Bezeichnung des späteren Fürstensitzes als Segodunum.Würzburg. Auf www.bauen-bayern.de. Laut den Ergebnissen einer Forschungsgruppe des Instituts für Geodäsie und Geoinformationstechnik der TU Berlin,Hans-Jörg Nüsse, Christian Marx, Dieter Lelgemann: Germania magna – Ein neuer Blick auf eine alte Karte. Entzerrte geographische Daten des Ptolemaios für die antiken Orte zwischen Rhein und Weichsel. In: Germania Anzeiger. Band 89, 2011, 1.–2. Halbband, Darmstadt/Mainz 2013. doi:10.11588/ger.2011.96480 liegen die umgerechneten und entzerrten Koordinaten bei 49° 23' und 9° 19', in 74850 Schefflenz. Der Ort liegt ca. 63 km südwestlich vom Marienberg. Würzburg erfüllt das 15 km Entfernungs-Kriterium der TU Berlin nicht.
Nach der Völkerwanderung kamen im 6. Jahrhundert die merowingischen Franken. Um 700 stiftete Herzog Heden II. für seine Tochter Immina ein Kloster auf dem Würzburger Marienberg. Immina soll, laut der jüngeren Vita Burchardi aus dem 12. Jahrhundert, bis zur Gründung des Bistums Würzburg (im Jahr 742), über 40 Jahre lang dieses Nonnenkloster, mit der Marienkirche die älteste Kirche und Kloster Würzburgs, geleitet haben. Unterhalb der Festung, im Tal zum Main hin, befindet sich die Kirche St. Burkard. Vorher, ab ca. 748, stand dort ein Andreaskloster, dessen Kirche die älteste Kirche im Tal von Würzburg war.
Die Festung wurde im Laufe der Geschichte mehrfach umgebaut. Die ältesten noch erhaltenen Teile stammen aus dem frühen 11. JahrhundertBernhard Rösch: Marienkirche, Würzburg, publiziert am 10. September 2012; in: Historisches Lexikon Bayerns. (kleine Marienkirche).
Vom Ende des 11. Jahrhunderts bis ins 13. Jahrhundert stellten Mitglieder der Familien von Henneberg die Burggrafen von Würzburg.Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln, Neue Folge, Band XVI. Vittorio Klostermann, Frankfurt a. M. 1995. ISBN 3-465-02741-8, Tafel 144.
Um 1200 wurde bereits eine Burganlage mit Bergfried und tiefem Brunnen erbaut, das Palais des Konrad von Querfurt. Von 1253 bis 1719 war die Festung Marienberg die Residenz der Würzburger Fürstbischöfe.
Bauernkrieg Im Jahr 1525, während des Bauernkriegs, wurde die Festung Marienberg erfolglos berannt. Für die Anhänger des Bischofs Konrad II. von Thüngen blieb die Festung Rückzugspunkt im sonst verwüsteten Bistum Würzburg, bis schließlich Truppen des Schwäbischen Bundes und ein Heer des aus dem Exil zurückkehrenden Bischofs die militärisch schlecht organisierten Bauern besiegten. Die aufständischen Bauern erlitten eine schwere Niederlage vor den Toren der Stadt Würzburg.
Festungskommandant während der Belagerung durch die Bauern war Dompropst Markgraf Friedrich von Brandenburg (1497–1536). Er befehligte 18 Rotten, die planmäßig auf verschiedene Abschnitte der Festung verteilt waren, zusätzlich behielt er eine Eingreifreserve bei sich. Die Truppen waren rechtzeitig von Rotenhan aus den Burgbesatzungen von Werneck, Rothenfels, Homburg und Karlburg zusammengezogen worden. Insgesamt befanden sich 400 Personen auf der Festung, davon waren etwas über 240 waffenfähig. Zu den prominenten Personen gehörten Graf Wolf von Castell, der Domherr Hans von Lichtenstein, der Domherr Melchior Zobel von Giebelstadt, Hans von Grumbach, Otto Groß, Sigmund Fuchs, Hainz von Stein, Wolf von Fulbach, Matern von Vestenberg, Werner von Stetten, Sebastian Geyer, Lorenz von Hutten, Wendel von Lichtenstein, Andreas Stein von Altenstein, Georg Wemckdinger, Barthel Truchseß, Götz von Thüngen und Philipp Bernheimer. Zum Kriegsrat zählte der Hofmeister Sebastian von Rotenhan, Philipp von Herbilstadt, Eustachius und Bernhard von Thüngen, Carl Zöllner, Friedrich von Schwarzenberg, Hans von Bibra und Silvester von Schaumberg. Anwesend waren außerdem Dechant Johann von Guttenberg, Konrad von Bibra und noch weitere Würzburger Domherren.Personenliste nach Karl Roth von Schreckenstein: Geschichte der ehemaligen freien Reichsritterschaft in Schwaben, Franken und am Rheinstrome, nach Quellen bearbeitet. Band 2. Tübingen 1862, S. 265.Carlheinz Gräter: Der Bauernkrieg in Franken. Stürtz, Würzburg 1975, S. 111.
Ein kleines Denkmal bei der Tellsteige am Hang der Festung Marienberg erinnert an die Haufen der Bauern und ihre Anliegen. Tilman Riemenschneider soll sich als Mitglied des Stadtrates auf die Seite der Bauern gestellt haben und wurde deshalb auf der Festung Marienberg nach dem Zusammenbruch des Aufstandes für sechs Wochen inhaftiert. Das historische Gasthaus Hof zum Stachel in der Gressengasse war damals ein Treffpunkt der aufbegehrenden Bürger und Bauern und für Eingeweihte am Morgenstern (Stachelkugel) als Wirtshausschild zu erkennen.
Belagerung im Deutschen Bauernkrieg mini|Festung Marienberg, Würzburg: Gedenkkreuz, Denkmal vor den Festungsmauern mini|Bauernkriegsdenkmal auf der Festung Marienberg mini|Festung Marienberg, Würzburg: Erinnerung an den Bauernkrieg, Erinnerungstafel beim Denkmal vor den Festungsmauern.
Während des Deutschen Bauernkriegs kam es 1525 im Hochstift Würzburg zu flächendeckenden Aufständen des Gemeinen Mannes, an welchem sich auch einige Vertreter des (niederen) Adels beteiligten, beispielsweise Graf Georg von Wertheim. Der damals amtierende Fürstbischof von Würzburg, Konrad II. von Thüngen, hatte sich bereits am 6. Mai 1525 fluchtartig abgesetzt, als die aufständischen Bauern sich der Stadt näherten (die Bauern hatten schon seine Stammburg in Thüngen geplündert). Die Stadt Würzburg schloss sich am 8. bzw. 9. Mai 1525 dem Aufstand an. Auf Seiten der Würzburger beteiligten sich vor allem die „Häcker“ (Arbeiter im Weinanbau) und die von Würzburger Bürgern aufgestellte „Sicherheitswacht“: „… die zwar anfangs viel Unfug verhinderte, dann aber selbst kräftig beim Plündern mitmachte.“Werner Dettelbacher: Würzburg ein Gang durch seine Vergangenheit. Würzburg 1974, S. 67/68. „Aber wol gedenncken, das der pauern uffruhr den meisten theil uss den steten khome …“Klaus Arnold: Der Bauernkrieg. In: Peter Kolb, Ernst-Günter Krenig (Hrsg.): Unterfränkische Geschichte. Würzburg 1995, S. 70. „Allein im Würzburgischen wurden 63 Burgen geschleift.“Klaus Arnold: Der Bauernkrieg. In: Peter Kolb, Ernst-Günter Krenig. (Hrsg.): Unterfränkische Geschichte. Würzburg 1995, S. 73. Darüber hinaus wurden 31 Klöster im Hochstift Würzburg geplündert, darunter bspw. die Klöster Ober- und Unterzell sowie Himmelspforten.Rudolf Endres: Der Bauernkrieg in Franken. In: Peter Blickle (Hrsg.): Der deutsche Bauernkrieg von 1525. Darmstadt 1985, S. 172. Heutige Schätzungen gehen von ca. 15.000 Belagerern aus. Der zeitgenössische Würzburger Stadtschreiber Martin CronthalVgl. Martin Cronthal: Die Stadt Würzburg im Bauernkrieg. Herausgegeben von Wieland Michael. Würzburg 1887. schätzte die Zahl der Angreifer auf 38.000.Andreas Lerch: Der Bauernkrieg in Würzburg aus sozialgeschichtlicher Perspektive 1525. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst. Band 61, Volkach 2009, S. 84. Zu den angreifenden Kommandeuren gehörten Florian Geyer und Götz von Berlichingen. Sebastian von Rotenhan hatte als Befehlshaber auf dem Marienberg 240 bis 250 wehrfähige Männer zur Verteidigung dieser letzten Burg im Hochstift unter seinem Kommando, die er in 18 Rotten aufteilte. Jede dieser Rotten musste 4 Mann als taktische Reserve stellen.Max H. Von Freeden: Festung Marienberg. Würzburg 1982, S. 53.
Die zu verteidigende Fläche maß ca. 45 m × 100 m, wobei die Längsseite sehr nahe an der Ost-West-Achse und die Breitseite auf der Nord-Süd-Achse lagen. Die heutige Bezeichnung „Festung“ ist für den damaligen Entwicklungsstand der Anlage wehrtechnisch nicht korrekt. Es handelte sich zu diesem Zeitpunkt vielmehr um eine „Burg“. Es war ein konzentrisches Fortifikationssystem, das auf einem Hügelrücken lag und nach drei Seiten abfallende Hänge hatte und nur von Westen aus mehr oder minder ebenerdig erreichbar war. Mittig in der Fläche war der heute noch stehende Bergfried mit einer Höhe von ca. 40 m, welcher von einer rechteckigen Ringmauer mit den obigen Maßen umgeben war, die zugleich auch die Schlossanlage war. Diese Ringmauer (= Schlossanlage) war wiederum von einer Zwingmauer mit dem ursprünglichen Namen „Wolfskeelscher Bering“ umgeben, später Scherenbergring genannt. (Jeweils nach den für Bauten verantwortlichen Fürstbischöfen Otto II. von Wolfskeel 1333–1345 und Rudolf II. von Scherenberg 1466–1495 benannt.) Der Scherenbergring war mit Rundtürmen auf Höhe der Waffentechnologie und bot sowohl gegen Beschuss durch schwere Waffen besseren Widerstand als veraltete eckige Türme und ermöglichte zugleich den Verteidigern, das davor liegende Gelände durch entsprechende Schießscharten zu bestreichen, ohne dass angreifende Truppen in toten Winkeln ungestört operieren konnten. mini|Toranlage des Rudolf von Scherenberg mini|Die drei Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan am Scherenbergtor Die geographische Schwachstelle (nach Westen) war durch das heute noch existente Scherenbergtor und einen davor liegenden Halsgraben geschützt.